4
3. Prävention. 57
3.1. Was heißt Prävention? Wie wichtig ist sie? 57
3.2. Drei Präventionstypen 58
3.2.1. Die Primärprävention. 58
3.2.2. Die Sekundärprävention 59
3.3.3. Die Tertiärprävention. 59
3.3. Suchtprävention in der Familie. 60
3.4. Sucht- und Drogenprävention als Aufgabe der Schule 64
3.4.1. Zielsetzungen, Aufgaben und Wege zeitgemäßer schulischer Sucht-
und Drogenprävention. 64
3.5. Didaktische und methodische Prinzipien schulischer Prävention. 67
3.5.1. Wie effektiv ist Aufklärung? Das Verhältnis von Kenntnissen,
Einstellungen und Verhalten. 67
3.6. Suchtprävention als pädagogisches Handlungsprinzip. 70
3.7. Methoden suchtpräventiven Unterrichts 71
3.7.1. Ebene der Lehrkräfte 71
3.7.2. Ebene des Unterrichts 72
3.7.3. Ebene der Schule 75
3.7.3.1. Schulleben als Bestandteil schulischer Prävention. 75
3.8. Wie kann die Schule mit Eltern zusammenarbeiten? 76
3.9. Grenzen schulischer Prävention 78
3.10. Zusammenfassung 81
4. Unterrichtsentwurf 83
4.1. Thema der Unterrichtseinheit/Lehrplanthema 83
4.2. Gliederung der Unterrichtseinheit 83
4.3. Thema der Unterrichtsstunde. 83
4.4. Planung des Unterrichts 84
4.4.1. Lernvoraussetzungen. 84
4.4.2. Entwicklungspsychologische Voraussetzungen. 84
4.4.3. Klassenstruktur 85
4.4.4. Schulische Rahmenbedingungen. 85
4.5. Sachanalyse. 86
4.5.1. Allgemeines 86
4.5.2. Alkohol 87
4.5.3. Die Entstehungsbedingungen des Alkoholismus. 88
4.5.4. Wo hört Genusstrinken auf - wo fängt Missbrauch an? 89
4.5.5. Physische Folgen des Alkohols 89
4.5.6. Die sozialen Auswirkungen des Alkohols 90
5
4.6. Didaktische Analyse 90
4.6.1. Bezug zum Bildungsplan. 90
4.6.2. Gegenwartsbedeutung des Themas. 90
4.6.3. Zukunftsbedeutung 92
4.6.4. Struktur des Themas 92
4.6.5. Lernziele 92
4.6.5.1. Grobziel. 92
4.6.5.2. Feinziele 92
4.7. Methodische Planung des Lernprozesses 94
4.8. Organisationsplan 100
4.9. Medien. 102
4.10. Anhang des Unterrichtsentwurfs 102
4.11. Kritische Reflexion des Unterrichts. 106
Schlusswort 112
Literaturverzeichnis 114
6
Einleitung
„Die Bundesbürger trinken im Durchschnitt über 12 Liter reinen Alkohol, entsprechend 143 Liter Bier, 21 Liter Wein, knapp 5 Liter Schaumwein und fast 8 Liter Spirituosen. Rechnet man die gut 10% völligen Abstinenzler sowie Kinder oder Kranke ab, verbleiben zwei Drittel der Bevölkerung in Ost und West, die Tag für Tag durchschnittlich 70 Milliliter reinen Alkohol trinken, entsprechend 2 Litern Bier oder knapp einer Flasche Wein oder acht Korn.“ ( in: Schäffler/Menche/Bazlen/Kommerell, 2000, Seite 1297 ).
Diese Zahlen sprechen für sich und es muss nicht erwähnt werden, dass Alkohol neben Tabak die legale Volksdroge Nummer 1 ist. Sie ist überall leicht zu bekommen und zu fast allen Anlässen wird Alkohol getrunken ( vgl. http://home.tonline.de/home/ ilona.Buehring/index.htm ).
Jedes Jahr trinken ca. 750.000 Menschen das erste Mal Alkohol. Für ca. 10% kann dies der Beginn eines missbräuchlichen Alkoholkonsums sein ( vgl. http://www. extravagant.de/content/webex/1999_04_trinkerbz.htm ).
Jugendalkoholismus findet man kaum in einer Statistik, jugendliche Drogenabhängige sind „spektakulärer“. Dennoch ist die Droge Alkohol auch unter den Jugendlichen am häufigsten verbreitet, was wohl damit zusammenhängt, dass sie relativ preiswert, im Gegensatz zu Haschisch oder Designerdrogen, und überall zu bekommen ist ( vgl. Werner, 1981 ). Alkohol wirkt enthemmend und hilft den Jugendlichen, sich in Cliquen zu behaupten und den gerade herrschenden Normen zu entsprechen. Dass Alkohol allerdings eine Droge ist, und der Übergang vom Konsum zum Missbrauch meist fließend stattfindet, ist vielen Jugendlichen nicht klar. Gerade in der Pubertät müssen sich Jugendliche häufig mit Problemen, sei es schulischer oder privater Art, und Konflikten, mit anderen oder auch mit sich selbst, auseinandersetzen. Haben die Kinder dies nicht gelernt, werden sie häufiger zur Flasche greifen und Alkohol als Problemlöser ansehen ( vgl. Stimmer/Müller- Teusler, 1999 ).
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Weitere Entstehungsbedingungen für Jugendalkoholismus habe ich in meiner Arbeit aufgeführt.
Wie kann man aber Jugendliche davor schützen, über den Alkoholkonsum in den Missbrauch abzurutschen?
Wie kann Prävention sinnvoll ansetzen? Hier muss man sehen, dass Prävention eine Aufgabe aller ist, dazu gehören unter anderem die Einrichtungen der öffentlichen Erziehung, wie Kinderga rten und Schule, die Einrichtungen der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit und vor allem ist Suchtprävention eine Aufgabe der Familie ( vgl. Andreas-Siller, 1991 ).
Meine Arbeit ist, neben der Einleitung und dem Schlusswort, in vier große Kapitel gegliedert. Nach jedem Kapitel folgt eine Zusammenfassung, welche einen kurzen Überblick über das Thema des Kapitels gibt und sich mit den einen oder anderen Punkten kritisch auseinandersetzt. In Kapitel vier wird diese Zusammenfassung der Kritischen Reflexion des Unterrichts entsprechen.
Kapitel eins beschäftigt sich mit dem Thema Alkoholismus. Neben der Klärung des Begriffes Alkoholismus sind die Stadien und die Trinkertypen des Alkoholismus aufgeführt. Ich hielt es für wichtig, auch auf die körperlichen, psychischen und sozialen Folgen einzugehen, allerdings habe ich diese Themen nur kurz angesprochen, da eine ausführliche Behandlung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Der Schwerpunkt des zweiten Kapitels, welches sich mit dem Thema Jugendalkoholismus befasst, liegt auf den Entstehungsbedingungen für Alkoholmissbrauch.
Auf diese baut ein wesentlicher Teil des dritten Kapitels auf. Die Fragestellungen sind hier: Was ist Prävention? Wessen Aufgabe ist die Prävention? Wie kann Schule präventiv wirken? Wo liegen die Grenzen schulischer Prävention? Hier möchte ich anmerken, dass die suchtpräventiven Ansätze nicht nur für die Droge Alkohol, sondern für alle Arten von Drogen gelten.
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In Kapitel vier wende ich mich dem praktischen Teil meiner Arbeit zu. Ich habe nach den in Kapitel drei beschriebenen Methoden eine Unterrichtsstunde geplant und diese in einer achten Klasse durchgeführt. Die kritische Reflexion soll zeigen, wie die Unterrichtsstunde verlaufen ist und ob sie tatsächlich zur Suchtprävention beitragen kann.
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1. Alkoholismus
1.1. Wissenswertes zum Thema Alkoholismus
Alkohol ist neben Tabak die Droge Nummer Eins in Deutschland und rund 2,5 Millionen der Deutschen sind davon abhängig ( vgl. Knapp, 1999 ). Alkohol gilt als Genussmittel und ist in unserer Gesellschaft verankert. Alkohol ist einfach im Supermarkt zu bekommen und wird von der Werbung geradezu verführerisch angepriesen. Für die meisten gehört Alkohol zum Leben. Nach dem Essen gibt es den Aufräumer, das kleine Likörchen zwischendurch und den Feierabend krönt das Frischgezapfte. Und Oma nippt am Klosterfrau Melissengeist, weil man danach so schön einschläft. Kaum eine Fernsehsendung, in der uns nicht vorgemacht wird, dass ein Gläschen die Leistungsfähigkeit steigert, die Kommunikation fördert, Entspannung bringt und zum Leben einfach dazu gehört ( vgl. http://www.extravagant.de/ content/webex/1999_04_trinkerbz.htm ).
Alkohol hat schließlich zunächst eine fantastische Wirkung. Ängstliche werden plötzlich mutig, Schüchterne legen ihre Hemmungen ab, die kleinen und großen Sorgen des Alltags verlieren an Gewicht. Solange nur gelegentlich getrunken wird, kann man die positive Wirkung des Alkohols schon ansprechen, leider ist aber der Übergang von Konsum zu Missbrauch und Sucht fließend.
In der öffentlichen Meinung besteht oftmals noch das Vorurteil, dass Alkoholiker Penner sind, die mit der Bier- oder Schnapsflasche in der Hand ihre Zeit auf der Parkbank verbringen. Gescheiterte Existenzen, die von uns mit Verachtung gestraft werden. Dass Alkoholiker aber auch unter Lehrern, Ärzten oder Direktoren zu finden sind, ist vielen nicht bewusst. Gegen den Alkohol an sich und dessen Konsum hat kaum jemand etwas einzuwenden, im Gegenteil, wer nicht trinkt und sich als Abstinenzler outet, wird von der Gesellschaft ausgeschlossen und als Spießer betrachtet. Aber was passiert, wenn für den ein oder anderen das Trinken zur Sucht wird? Aus dem akzeptierten Gesellschaftstrinker wird leicht der abge lehnte Suchttrinker (vgl. Knapp, 1999 ).
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Dass Alkohol eine der gefährlichsten Drogen überhaupt ist, wird oftmals nicht gesehen. In Deutschland gelten mindestens 2,5 Millionen als behandlungsbedürftige Alkoholiker. Mehr als 40 000 Alkoholkranke erliegen allein in Deutschland jährlich ihrem Leiden, wobei es hier keine genauen Zahlen gibt, denn im Gegensatz zu Drogentoten sind diese nicht meldepflichtig und gehen meist als Infarkttote durch. Dennoch versterben mehr als zwanzig mal so viele Menschen im Zusammenhang mit Alkohol als mit illegalen Drogen (vgl. Doubek,1999 ).
1.2. Versuch der Definition des Alkoholismus
Eine genaue Definition des Begriffes Alkoholismus ist sehr schwierig. Zahlreiche solcher Definitionen wurden in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Eine gängige Definition im deutschen Sprachraum ist die der Weltgesundheitsorganisation, die zwischen schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit von Alkohol unterscheidet ( in: Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999, Seite 13 ). Schädlicher Gebrauch ( Missbrauch )
Schädlicher Gebrauch ( Missbrauch ) bedeutet Beeinträchtigung der psychischen ( seelischen ) und physischen ( körperlichen ) Gesundheit als Folge eines zu häufigen und / oder erhöhten Alkoholkonsums. Die körperliche Gesundheit kann durch eine Leberschädigung, die psychische Gesundheit z.B. durch eine depressive Episode nach massivem Alkoholkonsum gefährdet sein ( in: Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999, Seite 14 ). Abhängigkeit
Unter Abhängigkeit versteht man allgemein eine Reihe verschiedener körperlicher Prozesse, Verhaltensweisen und Denkabläufe, die dazu geführt haben, dass der Betroffene jetzt dem Alkoholtrinken Vorrang einräumt gegenüber anderen Interessen, die früher für ihn wichtig waren.
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Man unterscheidet eine körperliche und eine psychische Abhängigkeit ( in: Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999, Seite 14 ).
Von körperlicher Abhängigkeit spricht man, wenn bei einem Menschen, der über Stunden hinweg keinen Alkohol zu sich nimmt, Entzugserscheinungen auftreten. Die Entzugserscheinungen bessern sich oder verschwinden, sobald er wieder eine entsprechende Menge Alkohol getrunken hat.
Die psychische Abhängigkeit ist das kaum kontrollierbare Verlangen, sich ständig auf den Alkohol zu stützen. Der Abhängige erwartet durch den Alkohol ein Nachlassen von Angst und Spannung sowie eine Verbesserung seiner Stimmung. Der Alkoholkranke trinkt deshalb immer mehr und immer häufiger und verliert schließlich die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum. Er ist dann nicht mehr in der Lage mit dem Trinken aufzuhören, bevor ein Rauschzustand eingetreten ist ( Kontrollverlust ) ( vgl. Feuerlein/Dittmar, 1978 ).
1.3. Vom süchtigen Verhalten zur Sucht
Süchtiges Verhalten ist zunächst nur eine Handlung mit dem Ziel und Zweck, sich besser zu fühlen. Viele Menschen verhalten sich süchtig ohne dadurch in die Sucht abzugleiten. Sie weichen durch ihr süchtiges Verhalten lediglich unangenehmen Gefühlen und Situationen aus und dabei bleibt es. Diese Menschen stillen mit Alkohol nicht ihren körperlichen sondern ihren seelischen Durst.
Einer Sucht aber geht immer süchtiges Verhalten voraus. Es ist schwer, eine Grenze zwischen süchtigem Verhalten und Sucht zu ziehen. Alkoholtrinken dient jetzt ausschließlich der Beseitigung von negativen Gefühlen ( vgl. Meyenberg/Scholz/ Buisman, 1993 ).
Alkohol wird das Mittel zum Zweck. Das Trinkverhalten des Betroffenen beginnt jetzt aufzufallen. Es kommt beim Betroffenen zum inneren Konflikt zwischen dem Sollen und dem Wollen. Einerseits sehnt er sich die schönen Gefühle herbei, die er durch das Trinken bekommt, andererseits wird sein Trinkverhalten auffällig. Hat er bisher noch bewusst „Ja“ zu seinem unkontrollierten Trinken gesagt, kommt es jetzt zum heimlichen „Ja“.
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Der Trinker gewinnt seine guten Gefühle jetzt nur noch durch den Alkohol und verliert gleichzeitig die Kontrolle über sein Trinken. Wer es jetzt nicht schafft, vom bereits abfahrenden Zug der Sucht zu springen, wird alkoholkrank.
1.4. Stadien des Alkoholismus
Bei der Entwicklung einer schweren Alkoholabhängigkeit werden vier Stadien oder Phasen unterschieden. Die Dauer für das Durchlaufen dieser Stadien beträgt im Durchschnitt sechs bis zwölf Jahre und hängt von den körperlichen und psychischen Eigenheiten des Einzelnen und seiner Umwelt ab, kann sich aber bei Jugendlichen wegen der noch nicht vollständig abgeschlossenen Entwicklung auf zwei bis drei Jahre reduzieren ( vgl. Doubek, 1999 ). 1.4.1. Die präalkoholische Phase ( vgl. Doubek, 1999 )
• Trinken mäßiger Alkoholmengen bei bestimmten Gelegenheiten, um Spannung
zu beseitigen
Das Trinken bleibt im normalen Rahmen: zum Essen, Feiern oder in der Freizeit. Von Alkoholkrankheit kann zunächst keine Rede sein. Wer aber alkoholische Getränke zu sich nimmt, um seine Sorgen oder den Stress wegzuspülen, ist schon gefährdet. Gleiches gilt auch, wenn besonders Jugendliche behaupten, dass das Treffen mit Freunden oder das Zuschauen bei einem Fußballspiel einfach mehr Spaß macht, wenn Alkohol getrunken wird.
• Eine leichte Erhöhung der Alkoholtoleranz führt hin zu einem beinahe täglichen
Alkoholkonsum
Empfindet man das Trinken von Alkohol in bestimmten Situationen als erleichternd, kommt es schnell dazu, diese Wirkung zu wiederholen. Dadurch gewöhnt sich der Körper langsam an den Stoff und der Alkoholkonsum wird zur regelmäßigen Gewohnheit.
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1.4.2. Die Anfangsphase ( Abrutschen des Alkoholgefährdeten zum Alkoholabhängigen ) ( vgl. Doubek, 1999 )
• Alkoholkonsum und Toleranzentwicklung nehmen weiter zu
Die Gewohnheit der präalkoholischen Phase wird fortgeführt, der Körper verträgt mehr Alkohol, folglich steigert sich der Konsum.
• Ständiges Denken an Alkohol, Anlegen von Alkoholvorräten
Der Alkoholiker verlangt regelmäßig nach Alkohol, die Gedanken des Betroffenen drehen sich nur um den „Stoff“. Hier beginnen die Betroffenen dafür zu sorgen, dass immer ein paar Flaschen im Keller oder Kühlschrank sind, damit der Bedarf gedeckt ist.
• Heimliches Trinken und Schuldgefühle
Der Betroffene weiß, dass es nicht normal ist, wenn der Körper ständig nach Alkohol verlangt, doch das Bedürfnis ist stärker als der Verstand und so trinkt man trotzdem, jedoch heimlich. Dies führt wiederum zu Schuldgefühlen.
• Verniedlichung des Alkoholkonsums
Der Betroffene weiß, dass er etwas Falsches tut. Wird er nun von Bekannten, Kollegen oder Eltern auf seinen Alkoholkonsum angesprochen, ist die Reaktion in der Regel die Verteidigung, in der das Trinken verharmlost wird.
• Erste Lücken in der Erinnerung
Durch die erhöhte Verträglichkeit des Alkohols erhöht sich folglich der Alkoholkonsum. Immer wieder treten Filmrisse auf, die es unmöglich machen, sich an alles zu erinnern, was am letzten Abend geschehen ist. 1.4.3. Die kritische Phase ( vgl. Doubek, 1999 )
• Entwicklung einer stark psychischen Abhängigkeit
Der Alkohol hat den Betroffenen bereits im Griff. Das Gehirn hat sich so sehr an den Alkohol gewö hnt, dass es immer wieder danach verlangt. Die Folge sind unter anderem Konzentrationsstörungen und das Gefühl, nicht mehr ohne Alkohol funktionieren zu können.
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• Kontrollverlust
Der Alkoholiker hat seinen Konsum nicht mehr unter Kontrolle. Er kann nicht nach zwei Bier mit dem Trinken aufhören, sondern erst dann, wenn er seinen Pegel erreicht hat.
• Morgendliches Trinken und nur noch kurze Abstinenzphasen
Aufgrund der Entzugserscheinungen greifen Alkoholkranke manchmal schon vor dem Zähneputzen zur Flasche. Die Zeiträume, in der man es ohne Alkohol aushält, werden immer kürzer.
• Bewusstes Verstecken von Alkohol und Verharmlosen des Alkoholkonsums
Wie an anderer Stelle schon erwähnt, trinken die Betroffenen häufig heimlich, damit keiner etwas von ihrem Problem erfährt. Wenn es um das Verstecken von Alkohol geht, ist der Erfindungsreichtum fast grenzenlos, überall werden Flaschen und Dosen untergebracht. Angesprochen auf den Alkoholkonsum oder eine Fahne reagieren sie mit Verharmlosung oder Verniedlichung.
• Ablehnen jeglicher Hilfe
Spricht man Betroffene auf ihr Trinkverhalten an oder will seine Hilfe anbieten, stößt man häufig auf taube Ohren. Oft werden die gut gemeinten Versuche auch mit Aggressionen beantwortet. Wer übermäßig trinkt, ist sich der Tatsache in diesem Stadium längst bewusst, auch wenn er/sie es verleugnet und es nicht wahrhaben will. Verbunden mit den Schuldgefühlen führt das teilweise zu heftigen Abwehrreaktionen. Alkoholkranke sind teilweise erfindungsreiche Selbstbetrüger, sie machen sich und anderen lange etwas vor und glauben eine ganze Weile selbst daran, dass sie aufhören könnten, wenn sie nur wollten.
• Zunehmende familiäre und berufliche Schwierigkeiten
Alkoholbedingte Reizbarkeit führt zu Streitereien in der Familie. Der Süchtige isoliert sich und zieht sich von Freunden zurück. Durch die körperlichen und seelischen Schäden des starken Alkoholkonsums kommt es aber auch in Schule und Beruf zu Fehlzeiten und Ausfällen, was nicht selten zu starkem Leistungsabfall und zum Arbeitsplatzverlust führt.
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• Persönlichkeitsveränderung
In dieser Phase setzen eine Wesensveränderung mit zunehmender Reizbarkeit, Interessenverlust, raschen und unberechenbaren Stimmungswechseln sowie eine verminderte Wahrnehmung ein. 1.4.4. Die chronische Phase ( vgl. Doubek, 1999 )
• Immer häufiger verlängerte bis tagelange Räusche, die situationsunabhängig
sind
Der Lebensrhythmus des Alkoholikers ist kaum noch von Tag zu Nacht bestimmt, sondern wird vom Blutalkoholspiegel diktiert. Sinkt dieser im Schlaf, so wacht der Süchtige auf und greift auch mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden zum Stoff, damit ein weiteres Absinken des Pegels nicht zu den gefürchteten Entzugserscheinungen führt. Der Süchtige ist seinem Suchtmittel Alkohol jetzt endgültig ausgeliefert. Unterbrochen wird dieser Kreislauf nur noch von Phasen, in denen der Magen sich weigert, den zugeführten Alkohol bei sich zu behalten und ihn wieder von sich gibt.
• Körperliche und psychische Folgen
Zum Teil stellen sich gravierende physische und psychische Komplikationen ein, die bis zum Tod führen können.
• Minderung der bisher erhöhten Alkoholtoleranz bis zur Alkoholintoleranz
Schwere Organschäden sind die Folge des übermäßigen Alkoholkonsums. Besonders die Leber, das für den Alkoholabbau wesentliche Organ, ist krank und kaum mehr funktionstüchtig. Es kommt zu einer Leberinsuffizienz und zur Unverträglichkeit von Alkohol. Abhängige, die über Jahre eine ganze Menge vertragen konnten, sind in diesem Stadium schon nach geringen Mengen Alkohol deutlich betrunken.
Die von Jellinek herausgearbeiteten Auffälligkeiten geben einen Überblick über eine fortschreitende Entwicklung mit zunehmendem Schweregrad. Bei der Zuordnung zu den Phasen kommt es im Wesentlichen auf den Gesamteindruck an. Einzelne Merkmale bieten dagegen keine hinreichende Sicherheit bei der Beurteilung, da die Verläufe von
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Fall zu Fall unterschiedlich sein können und einzelne Auffälligkeiten nicht als charakteristisch für eine bestimmte Phase gelten.
Der zeitliche Ablauf der Abhängigkeitsentwicklung kann ebenfalls erhebliche Unterschiede aufweisen. Der Beginn ist oft uncharakteristisch und geht meist über Jahre fließend in den schweren Missbrauch über. In der Regel vergehen dann weitere Jahre bis zum Vollbild der Erkrankung.
Eine Krankheitseinsicht und eine damit verbundene Behandlungsbereitschaft beginnt erst mit dem wachsenden Leidensdruck zu reifen, wenn die schädigenden Auswirkungen unübersehbar werden und der Alkoholiker sich den negativen Fakten nicht mehr verschließen kann. Aber selbst dann kann ein hartnäckiges Verleugnen der Realität fortbestehen, das allen therapeutischen Bemühungen sehr enge Grenzen setzten kann (vgl. Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999 ).
1.5. Eine Trinkertypologie
Der Großteil der Mediziner und Psychologen hat sich auf eine Einteilung verschiedener Typen von Menschen, die Alkohol trinken, geeinigt, die nach den ersten fünf Buchstaben des griechischen Alphabets benannt ist. Allerdings ist vorauszuschicken, dass, wie bei fast allen Kategorisierungsversuchen in anderen Fachgebieten, die aufgeführten Einteilungsmerkmale nicht immer zutreffen und die Alkoholkranken nicht immer und nicht vollständig in die vorgegebenen Typen einzuordnen sind. Es gibt viele Übergangsformen und Mischtypen. Außerdem ist diese Einteilung nicht statisch. So entwickelt sich häufig der Konflikttrinker langsam hin zum süchtigen Trinker, der Gelegenheitstrinker allmählich zum Gewohnheitstrinker ( vgl. Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999 ).
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Hier folgt nun eine Übersicht über Alkoholikertypen nach Jellinek:
• Konflikttrinker ( α - Trinker ): ( vgl. http:// www. alkoholikerinnen.de/
sucht3.htm )
Beim Alpha - Alkoholismus ist das Trinken konfliktbezogen. Auslösende Momente sind zum Beispiel Spannungen, Ängste oder Verstimmungen. In konfliktarmen Zeiten wird noch Abstinenz eingehalten. Die Folgeschäden beschränken sich meist auf den familiären und sozialen Bereich. Der Alpha-Alkoholismus verläuft in der Regel ohne Kontrollverlust bei noch nicht stark ausgeprägter psychischer Abhängigkeit. Bei fortschreitendem Verlauf kann er in den Gamma-Alkoholismus übergehen.
• Gelegenheitstrinker ( β - Trinker ): ( vgl. http:// www. alkoholikerinnen.de/
sucht3.htm )
Für den Beta-Alkoholismus ist das Gelegenheitstrinken charakteristisch. Das Sozialfeld und bestimmte berufliche Tätigkeiten, zum Beispiel Kellner oder Bauarbeiter, wirken begünstigend. Der Alkoholkonsum ist überhöht und häufig unregelmäßig. Folgeschäden werden im familiären und sozialen Bereich erkennbar. Die Abhängigkeit liegt in der Bindung an die Gewohnheiten im soziokulturellen Umfeld. Kontrollverlust sowie psychische oder physische Abhängigkeit fehlen. Diese Form des Alkoholismus kann in den Delta-Typ übergehen.
• Süchtige Trinker ( χ - Trinker ): ( vgl. http:// www. alkoholikerinnen.de/
sucht3.htm )
Unter den Gamma-Alkoholismus fallen die eigentlichen süchtigen Trinker. Nur gelegentlich sind sie zur kurzfristigen Abstinenz fähig. Durch das häufige Rauschtrinken treten schon bald erhebliche familiäre, berufliche, psychische und physische Schäden auf.
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Bei dieser Form des Alkoholismus ist die psychische Abhängigkeit stark ausgeprägt und mit Kontrollverlust verbunden. Im weiteren Verlauf tritt die körperliche Abhängigkeit hinzu.
• Gewohnheitstrinker ( δ - Trinker ): ( vgl. http:// www. alkoholikerinnen.de/
sucht3.htm )
Unter den Delta-Alkoholismus werden die Gewohnheitstrinker eingereiht. Ihr Trinkverhalten ist durch die gleichmäßige, über den Tag verteilte Alkoholaufnahme gekennzeichnet. Der Gewohnheitstrinker befindet sich sozusagen in einem Zustand der Daueralkoholisierung und ist dabei ständig bemüht, seinen Alkoholspiegel konstant zu halten, weil es sonst zu Entzugserscheinungen kommen könnte. Er wird deshalb auch als Spiegeltrinker bezeichnet. Er trinkt schon morgens, bleibt aber rauscharm. Die Folgeerscheinungen liegen auf körperlichem, seelischem und sozialem Gebiet. Neben der physischen Abhängigkeit besteht eine seelische Abhängigkeit. Trotz Unfähigkeit zur Abstinenz kommt es nicht zum Kontrollverlust.
• Episodischer Trinker ( ε - Trinker ): ( vgl. http:// www. alkoholikerinnen.de/
sucht3.htm )
Den Epsilon-Alkoholismus hat Jellinek erst später hinzugefügt. Hierher gehört der episodische Trinker oder Quartalssäufer. Es besteht ein starkes Verlangen nach Alkohol, das zeitlich begrenzt ( Tage bis Wochen ) anhält und genauso plötzlich, wie es aufgetreten ist, wieder abklingt. Typisches Kriterium dieser Alkoholismusform ist der phasenhafte Verlauf, dem depressive Verstimmungszustände zugrunde liegen können. Die Folgeschäden liegen auf sozialem Gebiet. Zwischen den einzelnen Trinkphasen bleibt das Trinkverhalten unauffällig. Die Intervalle sind von unterschiedlicher Dauer. Die psychische Abhängigkeit ist auf die Trinkphase begrenzt und geht mit einem Kontrollverlust einher.
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1.6. Folgen des Alkoholmissbrauchs
Alkoholmissbrauch führt neben Schädigungen der körperlichen Gesundheit auch zu psychischen Schäden, Verhaltensstörungen und sozialen Schwierigkeiten. 1.6.1. Körperliche Schäden durch Alkoholmissbrauch (vgl. Feuerlein/ Dit tmar/Soyka, 1999)
Alkohol ist gleichzeitig ein Nahrungsmittel, ein Genussmittel, ein Rauschmittel und ein Gift. Alkohol ist sogar sehr giftig, insbesondere, wenn er in großen Mengen und sehr schnell getrunken wird. Eine Flasche Schnaps, die in kurzer Zeit getrunken wird, kann zu tödlichen Vergiftungen führen. Aber auch geringere Mengen Alkohol können schädlich sein, wenn sie regelmäßig über längere Zeit getrunken werden. Alkohol kann fast alle Organsysteme schädigen. Folgen chronischen Alkoholmissbrauchs sind u.a.:
• Schädigungen der Leber ( Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose ),
• Schädigungen der Magenschleimhaut ( Gastritis ),
• Schädigungen der Bauchspeicheldrüse ( Pankreatitis ),
• Schädigungen des Herzens ( Kardiomyopathie ),
• Schädigungen der Nervenbahnen ( Polyneuropathie ),
• Hirnschädigungen, einschließlich epileptischer Anfälle,
• Hautveränderungen,
• erhöhte Infektionsanfälligkeit,
• Schädigungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane,
• Schädigungen des Embryos.
In den letzten Jahren ist auch bekannt geworden, dass Alkohol die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten vieler Krebserkrankungen erhöht. Dazu gehören nicht nur Leber- und Lungenkrebs, sondern auch verschiedene andere Tumore.
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1.6.2. Psychische Schäden durch Alkoholmissbrauch (vgl. Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999 )
Die unter Punkt 1.6.1. aufgeführten Hirnschädigungen führen auch zu psychischen Störungen. Dabei kann es zu
• einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses,
• einer allgemeinen Verlangsamung und Störung der Motorik,
• Nachlassen der Urteils- und Kritikfähigkeit,
• Verlust des Gefühlserlebens mit Enthemmung, Rührseligkeit, Apathie,
zunehmender Gleichgültigkeit,
• oder auch Antriebsmangel
kommen.
Der Alkohol steht immer mehr im Mittelpunkt, Aufgaben und Verpflichtungen in Beruf und Familie verlieren an Bedeutung. Angst und traurige Verstimmungen mit Schuldgefühlen und Selbstmordgedanken häufen sich, andererseits kann sich auch eine euphorische Enthemmung entwickeln. Oft ist ein Wandel der Gesamtpersönlichkeit zu erkennen, daneben können auch Störungen wie zum Beispiel Halluzinationen, Verwirrtheitszustände mit Verlust der Orientierung von Raum und Zeit und Wahnideen ( Verfolgungswahn oder Eifersuchtswahn ) auftreten. 1.6.3. Soziale Folgen des Alkoholmissbrauchs ( vgl. BzgA, 1975) Die negativen sozialen Folgen des Alkoholmissbrauches sind unbestritten. Zunächst muss festgestellt werden, dass die sozialen Folgen den körperlichen vorangehen. Erst wenn ernsthafte Erkrankungen auftreten, wird der Arzt aufgesucht. Erste soziale Folgen des Alkoholmissbrauches zeigen sich häufig im Familienbereich: der Trinker wird bei Vorwürfen eine Verteidigungsstellung einnehmen, sein Trinkverhalten ableugnen bzw. verharmlosen. Das Leugnen des Alkoholismus ist übrigens typisch für einen Alkoholiker. Mehr dazu unter Punkt 1.7..
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Bei fortschreitendem Alkoholmissbrauch wird es zu Spannungen und Konflikten kommen. Die häufigste Folge sind Trennungen und Ehescheidungen. Den größten Schaden dürften in Alkoholikerfamilien, neben dem Alkoholiker selbst, die Kinder nehmen. Die Schwierigkeit, in der Familie feste emotionale und soziale Beziehungen aufbauen zu können, führt bei ihnen häufig zu großer Unsicherheit, die sich im späteren Leben als neurotische Symptome und Verhaltensstörungen äußern können. In Alkoholikerhaushalten sind auch mehr Fälle von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung anzutreffen.
Im Arbeitsleben wird das Alkoholproblem hauptsächlich durch Trinker im Vorstadium repräsentiert und deshalb kaum bemerkt. Erst im Spätstadium kommt es zu einem deutlichen Abfallen der Leistungsfähigkeit und wird dann bemerkt. Eine allgemeine Unzuverlässigkeit in Partnerschaft und Beruf ist festzustellen. Alkoholmissbrauch kann auch zu einer überdurchschnittlichen Straffälligkeit führen. Bei der Aufgliederung der Alkoholkriminalität fällt auf, dass es vor allem Straftaten sind, bei denen der Entschluss zu ihrer Begehung in der Regel sehr kurzfristig und spontan, oft lediglich situationsbedingt und nicht selten scheinbar völlig unmotiviert erfolgt: Raub 60,2% Vergewaltigung 56,2% Vorsätzliche Körperverletzung 56,4% Sachbeschädigung ( an öffentlichen Einrichtungen ) 62,1% Sachbeschädigungen ( an Privateigentum ) 55,1 %
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1.7. Verleugnung der Sucht
Ein Alkoholiker wird sich nur ganz selten eingestehen, dass er selbst alkoholkrank ist. Zum einen tut er dies nicht, weil er weiß, dass Alkoholsucht in unserer Gesellschaft ein Tabuthema ist und er sich seiner Krankheit schämt, andererseits glaubt er vielleicht selbst, dass er, wann immer er möchte, mit dem Trinken aufhören zu können ( vgl. Feuerlein/Dittmar/Soyka, 1999 ).
Um festzustellen, ob man alkoholkrank oder sogar süchtig ist, gibt es verschiedene Arten von Alkoho ltests. Im Folgenden habe ich ein Beispiel für einen solchen Test aufgeführt (in: Knapp, 1999, Seite 15 ).
Es ist jedoch zu überlegen, ob solche Tests sinnvoll sind, denn die Menschen, die wirklich betroffen sind, werden diese Tests wohl kaum ehrlich beantworten, zum einen, weil sie es selbst nicht wahrhaben wollen, zum anderen, weil sie es auch vor Bekannten oder Freunden nicht eingestehen wollen.
1.8. Zusammenfassung
Alkoholismus ist für mich persönlich eine der heimtückischsten Süchte. Alkohol gehört zu unserer Gesellschaft, gleichzeitig stößt diese Gesellschaft aber auch diejenigen aus, die mit dieser Droge ein Problem haben.
Das problematische an der Droge Alkohol ist, dass sie, im Gegensatz zu illegalen Drogen, überall zu bekommen ist, sie wird geradezu angepriesen. Ein möglicher Suchtgefährdeter wird immer und überall daran erinnert, dass es das „Heilmittelchen“ Alkohol gibt, um sich wohler zu fühlen. Auch ein trockener Alkoholiker muss sehr aufpassen, dass er nicht nur bewusst sondern auch unbewusst mit der Droge konfrontiert wird, schließlich ist Alkohol sowohl in Lebensmitteln als auch in Medikamenten enthalten.
Die körperlichen, psychischen und vor allem sozialen Folgen einer solchen Sucht sind wie an anderer Stelle beschrieben, gravierend und ohne festen Willen und einer starken
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Unterstützung wird es einem süchtigen Alkoholabhängigen schwer fallen, von der Sucht wegzukommen.
Auf Hilfs- und Therapiemöglichkeiten bin ich in diesem Kapitel nicht eingegangen, dieses ist ausführlich in Kapitel zwei beschrieben.
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2. Jugendalkoholismus
2.1. Jugend: Was heißt Jungsein heute?
Um Aussagen über den Zusammenhang Jugend und Alkoholismus machen zu können, sollte man zuerst einen Blick darauf werfen, was Jugend heutzutage bedeutet. Im ersten Moment erscheint es so, als wäre der Begriff Jugend ein eindeutiger Begriff. Da alle Erwachsenen diese Lebensphase, in der bedeutsame Weichenstellungen stattfinden, durchlaufen haben, meint jeder, den Begriff irgendwie definieren zu können. Sieht man aber genauer hin, wird deutlich, dass es die Jugend eigentlich nicht gibt. Es gibt keine genaue Altersangabe, wo Jugend beginnt und wo sie aufhört. Das kann man auch deutlich in den verschiedenen Kulturkreisen sehen. Fängt in einem Stamm im afrikanischen Busch das Erwachsenenleben schon mit 13 an, so würde man hier in Deutschland eher davon reden, dass gerade in diesem Alter die Jugend beginnt. Aber auch innerhalb eines Kulturkreises, wie dem europäischen und auch innerhalb der Länder, die diesen Kulturkreis bilden, gibt es keine einheitliche Begriffsbestimmung von Jugend. Was verbindet einen Jugendlichen, der im bäuerlichen Sizilien aufwächst mit einem Jugendlichen, der in Eton auf das Leben vorbereitet wird ( vgl. Stimmer/Müller-Teusler, 1999 )?
Jugend ist eine relativ unbestimmte Bezeichnung für eine Lebensphase, die das Ende der Kindheit markiert und eine Phase des Übergangs zum Erwachsensein bildet. Besonders schwierig ist diese Phase, weil man im eigentlichen Sinne kein Kind mehr ist, aber man auch noch nicht zum Kreise der Erwachsenen zählt, man hat das Gefühl, das man nirgends so richtig dazugehört.
Der Körper des Kindes entwickelt sich langsam zu dem eines Erwachsenen, neue Rollen müssen erlernt werden, es wird Abschied genommen von kindlichen Freizügigkeiten und man lebt in eine Zukunft hinein, die in vielerlei Hinsicht unsicher ist.
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Wann kann man aber nun von Jugend reden?
Fest steht, dass eine altersmäßige Festlegung der Jugendphase den Begriff nicht eindeutig erfassen kann ( vgl. Stimmer/Müller-Teusler, 1999 ). In der Generation meiner Eltern galt als wichtiges Kennzeichen des Erwachsenseins die Kriterien Heirat und Beruf. Kann man aber nun sagen, dass ein Schreinergeselle, der mit 20 Jahren gerade frisch verheiratet ist und die Geburt des ersten Kindes erwartet, erwachsener ist als ein Student, der mit 20 Jahren gerade erst mit seiner Ausbildung beginnt? Wenn man diese Kriterien betrachtet, wird deutlich, dass der persönliche Reifegrad des Einzelnen ein aussagefähigerer Begriff ist als das Lebensalter allein. Wichtig ist, ob der Einzelne über ausreichende psychosoziale Kompetenzen verfügt, um den Anforderungen, die in unserer Gesellschaft an erwachsene Menschen gestellt werden, einigermaßen gerecht werden zu können ( vgl. Stimmer/Müller-Teusler, 1999 ). Zu diesen Kompetenzen zählt auch die Fähigkeit, aus den vielfältigen Angeboten, die unsere Gesellschaft bietet, im Hinblick auf die Genussfähigkeit bewusst und begrenzt auszuwählen, ohne sich selbst und andere zu schädigen.
Der Alkoho lkonsum Jugendlicher ist hierfür ein Beispiel, wie der Alkoholmissbrauch und die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit Anzeichen dafür sind, dass die Persönlichkeitsreifung konflikthaft verlaufen ist, dass es Defizite gibt. Manchmal sind es vielleicht auch nur kurzfristige Gestörtheiten oder Umwege. Dauert der Alkoholmissbrauch jedoch an oder spricht man bereits von Alkoholabhängigkeit, kann man davon ausgehen, dass der Prozess des Erwachsenwerdens gestört ist. In unserer modernen und schnelllebigen Gesellschaft wollen viele Menschen nicht erwachsen werden. Oftmals ist dies auch ein Hinweis auf eine nicht gelebte Kindheit und die oft lebenslange Sehnsucht, doch noch einmal Kind sein zu dürfen ( vgl. Stimmer/Müller-Teusler, 1999 ). Die Jugend ist eine Phase des Ausprobierens, heute in unseren westlichen Gesellschaften allerdings in einer Ausdehnung wie noch nie zuvor in der Geschichte. Der elterliche Einfluss sollte zurückgehen, die Jugendlichen streben Selbstständigkeit an. Parallel dazu wird die Gruppe der Gleichaltrigen für den Jugendlichen sehr wichtig. Die Meinung der Eltern zählt nicht mehr, viel wichtiger erscheint, was die Freunde denken und tun.
Arbeit zitieren:
Jasmin Hörner, 2002, Alkoholkonsum als Suchtproblem bei Jugendlichen - Möglichkeiten der Präventionsarbeit in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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