Gliederung:
1. Zentrale Fragestellung der Arbeit. S.03
2. Der Begriff der Kapitalien bei Bourdieus Theorie und Wissen als Kapital. S.03
3. Determination der sozialen Praxis durch Wissen. S.05
4. Die soziale Bedeutung der Kapitalien im Prozess der Elitenselektion. S.07
5. Bourdieus Beitrag zur Wissens- und Wissenschaftssoziologie. S.09
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1. Zentrale Fragestellung der Arbeit
Aufgabe ist es in diesem Essay, zuerst Wissen als Kapital von Personen und Gruppen, nach Pierre Bourdieu zu deuten. Aufbauend auf dieser Deutung werde ich dann im zweiten Abschnitt ausführlich darlegen, wie Wissen die soziale Praxis in verschiedenen sozialen Feldern determiniert. Diese sozialen Felder sind: 1. das Bildungswesen, also Schule und Studium 2. die Wissenschaft und Forschung 3. das Berufs- und Erwerbsleben
Anschließend werde ich versuchen, die soziale Bedeutung der Kapitalien von Bourdieu (das ökonomische Kapital, das soziale Kapital und das kulturelle Kapital) im Prozess der Elitenselektion zu diskutieren, wobei Elitenselektion als soziales Feld gedeutet werden soll. Abschließend bewerte ich Bourdieus Beitrag zur Wissens- und Wissenschaftssoziologie in Hinblick auf seine Stärken und Schwächen.
2. Der Begriff der Kapitalien bei Bourdieus Theorie und Wissen als Kapital
Um Wissen als Kapital von Personen und Gruppen zu deuten, werde ich zunächst kurz Bourdieus Theorieansatz umreißen. Pierre Bourdieu nimmt mit seinem Theorieansatz „Theorie der Praxis“ oder „praxeologische Erkenntnisweise“ explizit eine Stellung ein, die zwischen den beiden Lagern des Subjektivismus und Objektivismus liegt. (vgl. Janning 1991; S.26) Um diese Verbindung zwischen den beiden Lagern herzustellen führt er die Begriffe der Praxis und des Habitus ein. Habitus ist hier als ein System dauerhafter Dispositionen zu begreifen, die unter anderem Gewohnheiten, Haltungen und Stil umfassen. „Der Begriff des Habitus versucht, zwischen den komplementären Einseitigkeiten des Objektivismus und des Subjektivismus zu vermitteln.“ (Käsler 1999; S.258) Praxis soll hier individuelles Handeln bedeuten, dass gleichzeitig ein Bestendteil der gesellschaftlichen Entwicklung ist und damit „... der Produktion und Reproduktion von Kultur, Sozialstruktur und ökonomischen Wohlstand ...“ dient. (Münch 2004; S.420) Diese Praxis findet nach Bourdieu in verschiedenen sozialen Feldern statt, die „... alle Arenen für die Produktion und Reproduktion der Gesellschaft ...“ sind. (Münch 2004; S.431) Felder sind also die Räume sozialer Praxis. Kapital ist das, was die Menschen aus der ökonomischen, sozialen und kulturellen Produktion und Reproduktion ziehen. Deshalb unterscheidet Bourdieu drei grundlegende Formen von Kapitalien: das ökonomische Kapital, das kulturelle Kapital und das soziale Kapital. (vgl.
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Bourdieu 1983; S.185-194) Unter dem ökonomischen Kapital ist der Erwerb und Besitz von materiellen Gütern, die sich in finanzielle Mittel, umwandeln lassen, zu verstehen ,während das soziale Kapital aus der Anzahl und der Häufigkeit von sozialen Beziehungen besteht, also aus Netzwerken, die soziale Akteure im Laufe ihres Lebens mit anderen Akteuren bilden. Das kulturelle Kapital unterteilt er in drei Formen. Zum einen nennt er das objektivierte Kulturkapital, das materiell übertragbare Güter, wie Bücher, Gemälde, Denkmäler oder Kunstgegenstände, darstellt. Die zweite Form bezeichnet er als das institutionalisierte Kulturkapital. Hierunter sind vor allem erworbene Titel, wie Doktor oder Professor „... und ähnlich legitime Nachweise formaler Bildung“ zu verstehen. (Janning 1991; S.43) Die letzte Form des kulturellen Kapitals ist das inkorporierte kulturelle Kapital. Das inkorporierte Kulturkapital, das durch Bildung und Erziehung generiert wird, umfasst Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sich das Individuum selbst nur unter Einsatz von Zeit und Lernaufwand aneignen kann. (vgl. Bourdieu 1982; S.47) Unter diese Kategorie fällt, meines Erachtens nach, das Wissen. Wissen wird von jedem Individuum als kulturelles Kapital erworben und kann nach Bedarf in andere Kapitalformen transferiert werden. Die Transformation vom Wissen, also inkorporiertem Kulturkapital in ökonomisches Kapital, werde ich im nächsten Abschnitt anhand des sozialen Feldes des Berufs- und Erwerbslebens noch genauer darstellen. Da „ ..., die Verteilung dieser drei Kapitalarten unter den Gesellschaftsmitgliedern und das hiervon geprägte soziale Beziehungsgeflecht, ... die Klassenstruktur...“ bilden, ist es das Ziel eines jeden Individuums möglichst viel Kapital zu akkumulieren. (Hradil 1989; S.114) Fasst man diese Kapitalien zusammen, so kann man von symbolischem Kapital sprechen. Symbolisches Kapital bedeutet Reputation und Ruf und ist die Basis von Macht. Nach diesem kurzen Abriss von Pierre Bourdieus Theorie und der Einordnung von Wissen in die Klasse des inkorporiertem Kulturkapitals, werde ich im folgenden Abschnitt die Bedeutung von Wissen in verschiedenen sozialen Feldern näher untersuchen.
3. Determination der sozialen Praxis durch Wissen
Wie schon oben erwähnt, sind soziale Felder, die aus theoretischer Perspektive mit den Subsystemen von Luhmann, den Wertsphären von Weber oder den Sinnprovinzen von Schütz verglichen werden können, Räume der sozialen Praxis. (Käsler 1999, S.261) Hier stehen sich die einzelnen Akteure gegenüber und versuchen strategisch ihre Kapitalien durch Einsatz und Transformation anderer Kapitalien zu vermehren. Wissen soll hier als Determinante der sozialen Praxis, also auch des individuellen Handels, untersucht werden, das also jeweils den
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Arbeit zitieren:
Carlo Cerbone, 2004, Wissen als Kapital von Personen und Gruppen in verschiedenen sozialen Feldern; und die Bedeutung der Kapitalarten bei der Elitenselektion, München, GRIN Verlag GmbH
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