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Inhaltsverzeichnis
1. Lerngruppe 2
2. Gliederung der Unterrichtseinheit 2
3. Sachanalyse
3.1 Satire 3
3.2 Kurt Tucholsky 4
3.3 Tucholskys satirischer Text „Die Kunst, falsch zu reisen“ (1929) 5
4. Methodisch-didaktische Vorüberlegungen
4.1 Bezug zum Rahmenplan 8
4.2 Überlegungen zur Methodik 9
4.3 Lernziele 14
5. Verlaufsplanung 15
6. Literaturverzeichnis 16
7. Anhang
2
1. Lerngruppe
Es handelt sich um eine 9. Klasse eines Gymnasiums, die im bisherigen Unterricht kaum Erfahrungen mit satirischen Texten gemacht hat. Die Mitglieder dieser Klasse sind in der Regel diszipliniert, wobei allerdings die Aktivität im Unterrichtsgespräch sowie die Eigeninitiative beim Erfüllen von Aufgaben häufig zu wünschen übrig lassen. Deshalb sollte der Unterricht dafür sorgen, dass die Schüler „aus der Reserve gelockt“ und für eine regere Teilnahme am Unterricht aktiviert werden.
2. Gliederung der Unterrichtseinheit THEMA: SATIRE
1. Stunde: - Begriffsbestimmung: Satire, Parodie, Karikatur, Ironie
2.
Stunde: - Satirischer Prosatext:
Kurt Tucholsky: Die Kunst, falsch zu reisen (1929)
⇒
Herausarbeiten satirischer Elemente und Reflexion über die Intention
3. Stunde: - Satirische Dramenszene: Carl Zuckmayer:Der Hauptmann von Köpenick (1931) ⇒ Kreatives Verfassen einer eigenen Satire zum Thema Bürokratie 4. Stunde: - Satirische Bildergeschichte: Bosc: Nein, diese Araber... (1982) ⇒ Schreibübung: Verschriftlichung der Geschichte 5. Stunde: - Rollenspiele: Satirische Darstellung von Alltagssituationen
3
3. Sachanalyse
3.1 Satire 1
Die Absicht einer Satire liegt primär darin, jemanden oder etwas zum Gegner zu erklären und diesen Gegner mit sprachlichen Mitteln bloßzustellen und der Lächerlichkeit preiszugeben. Hierbei soll der Leser dazu bewegt werden, die Partei des Autors zu ergreifen und den hier angeprangerten Gegner als Feind zu betrachten.
Die Themen, mit denen sich eine Satire beschäftigen kann, sind sehr vielfältig. Sie können eher mikroskopisch sein und sich auf individuelle Laster, lokale Missstände bei bestimmten gesellschaftlichen Gruppen oder Musterbeispiele für verbreitete Erscheinungen beziehen; andererseits können aber auch makroskopische Bereiche, also die Gesellschafts- oder Weltordnung, zum Thema gemacht werden.
Ein grundlegendes stilistisches Merkmal der Satire ist die Indirektheit: Das, was in einem satirischen Text gesagt wird, weicht oft weit vom Gemeinten ab. Hiermit wird das Ziel verfolgt, einen starken Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit offenzulegen. Die Mittel, mit denen diese Wirkung erzielt wird, sind die Ironie, die Metapher, die Doppeldeutigkeit, die Verkleidung, die Verzerrung und die räumliche oder zeitliche Verschiebung der Handlung. Damit der Leser aus dieser Indirektheit auf die tatsächliche Intention des Autors schließen kann, werden in der Regel bestimmte „Rückübersetzungssignale“ (offensichtliche Übertreibungen oder Unwahrscheinlichkeiten) in den Text eingebaut. Satiren können sich dabei im Grad ihrer Indirektheit stark unterscheiden: Sie können entweder relativ direkt sein, was vor allem für Schmähschriften oder Anklagen gilt, aber auch sehr indirekt (z.B. bei der Verlagerung der Handlung in eine Fabelwelt). Ein wichtiger stilistischer Aspekt bei Satiren ist auch die Wahl der Perspektive. Eine häufig verwendete Darstellungsweise ist die Perspektive eines naiven Beobachters, z.B. eines Kindes, da hiermit die Offensichtlichkeit eines Missstandes besonders betont werden kann. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass der Erzähler sich als Autorität präsentiert, die als
1 Vgl. Norbert Feinäugle (Hg.): Satirische Texte für die Sekundarstufe. Stuttgart 1976
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scheinbar einzige Person einen schwerwiegenden Missstand erkannt hat. Schwierig wird es für den Leser, wenn ein satirischer Text aus der Perspektive des Gegners, der in diesem Text bloßgestellt werden soll, erzählt wird. Hier muss der Rezipient die Leistung aufbringen, den im Text als scheinbar richtig dargestellten Standpunkt als falsch zu erkennen. Der Schlüssel für die Interpretation eines satirischen Textes liegt im Herausarbeiten dermeistens nur indirekt erschließbaren - Normen, die ihm zugrunde liegen. Hierbei ist zu beachten, dass unterschiedliche Autoren auch gegensätzliche Normvorstellungen haben können. So ist es durchaus auch möglich, dass sich satirische Texte keineswegs an Normen wie Vernunft oder Menschlichkeit orientieren, sondern reaktionäre oder diskriminierende Tendenzen besitzen. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Text ist also auch bei der Satire unbedingt notwendig.
3.2 Kurt Tucholsky 2
Kurt Tucholsky, der sich 1935 im Alter von 45 Jahren im schwedischen Exil das Leben nahm, gilt als der wohl bedeutendste deutsche Satiriker der Weimarer Republik. Der promovierte Jurist entwickelte seine gesellschaftskritische Haltung vor allem nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, als das Land von schweren politischen Auseinandersetzungen geprägt wurde. In seinen literarischen und feuilletonistischen Arbeiten propagierte Tucholsky die Ideale von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit, die es gegen den politischen Gegner zu verteidigen galt. Die vorrangigen Angriffsziele seiner Satiren waren dabei die bürgerliche Welt, das Militär, die politisch instrumentalisierte Kirche, die Geschäftswelt, die Bürokraten und die Realpolitiker. In teilweise sehr aggressiver Form versuchte Tucholsky, die in Deutschland vorherrschende Mentalität als konservativ-reaktionär zu entlarven. Um die Satire als anerkannte literarische Kunstform zu etablieren, verfasste Tucholsky auch einige theoretische Arbeiten, in denen er sein literarisches Programm formulierte: „Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.“ 3 Die Satire war seiner Ansicht nach ein Mittel, um die Welt zu
2 vgl. Bryan P. Grenville: Kurt Tucholsky. München 1983
3 Kurt Tucholsky: Was darf die Satire? (1919) Aus: Mary Gerold-Tucholsky/ Fritz J. Raddatz (Hg.): Kurt
Tucholsky. Gesammelte Werke. Band 2, Hamburg 1960, S. 42ff.
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verbessern: „Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint. Was darf die Satire? Alles.“ 4
Mit dem Siegeszug des Nationalsozialismus veränderte sich auch Tucholskys Sichtweise auf die Dinge. Hatte er zunächst noch geglaubt, die Satire als politisches Instrument zur Beeinflussung der Bevölkerung verwenden zu können, so wich diese Einstellung im Zuge der politischen Entwicklung einem zunehmenden Ohnmachtsgefühl, das ihn immer stärker in die Resignation trieb. Seine Heimatliebe wurde allmählich von einer totalen Verachtung gegenüber Deutschland und dessen Einwohnern verdrängt. Dieser Geisteswandel wurde 1933 endgültig besiegelt, als die Werke des bereits nach Schweden emigrierten Tucholsky in dessen Heimatstadt Berlin öffentlich verbrannt wurden. In seinen letzten Lebensjahren stellte Tucholsky seine literarische Produktion völlig ein und versank immer tiefer in einer permanenten seelischen Niedergeschlagenheit.
3.3 Tucholskys satirischer Text „Die Kunst, falsch zu reisen“ (1929)
„Die Kunst, falsch zu reisen“ ist eine in drei Teile (kurzer Prolog, Hauptteil, Epilog) gegliederte Kurzerzählung. Der Hauptteil ist im Stil eines Ratgebertextes geschrieben und erinnert an Sachbücher mit Titeln wie: „Wie führe ich eine gute Ehe?“, oder: „Wie plane ich eine gelungene Urlaubsreise?“. Diese Erzählweise wird vor allem durch den durchgängigen Gebrauch der Imperativform deutlich: „Handle. Schimpfe. Ärgere dich. Und mach Betrieb.“ (S.117) 5 . Erzählt wird aus der Perspektive eines vermeintlichen Experten, der dem geneigten Leser einen Leitfaden für den Ablauf einer Urlaubsfahrt zur Verfügung stellen will. Hierbei wird der Angesprochene dazu aufgefordert, nur allerhöchste Ansprüche an seinen Urlaub zu stellen, seine Mitreisenden zu terrorisieren, das Hotelpersonal herumzu-kommandieren, vom Urlaubsort heimatliche Verhältnisse zu verlangen, sich sklavisch an die Empfehlungen des Reisehandbuches zu halten, die Ehefrau zur völligen Erschöpfung zu treiben, geizig zu sein, Übermengen an Ansichtskarten zu schreiben, über die äußere Erscheinung von Veranstaltungsgästen zu lästern, möglichst schnell von einem Reiseziel zum
4 Ebd.
5 Alle Seitenangaben beziehen sich auf: Mary Gerold-Tucholsky/ Fritz J. Raddatz (Hg.): Kurt Tucholsky.
Gesammelte Werke. Band 7. Hamburg 1960
Arbeit zitieren:
Torsten Halling, 2001, Satire im Unterricht - Kurt Tucholsky: 'Die Kunst, falsch zu reisen' - Entwurf einer Unterrichtsstunde im Fach Deutsch, München, GRIN Verlag GmbH
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