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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Herrschaftsverteilung zwischen dem Herrscher und seiner Frau im Mittelalter
2.2 Die Herrschaftsverteilung zwischen König und Königin in „Flôre und Blanscheflûr“
2.2.2 König Fênix
2.2.3 Die Königin
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
In Konrad Flecks Roman „Flôre und Blanscheflûr“ (um 1220) stellen neben den beiden Hauptfiguren auch der spanische König Fênix und seine Ehefrau ein wichtiges Figurenpaar dar. Während der Sohn Flôre mit seiner Geliebten Blanscheflûr den unbedingten Wunsch nach reiner, individueller Liebe und privatem Glück verkörpert, erscheint das Elternpaar als liebesfeindlich und als ausschließlich von politisch-genealogischen Herrschaftsansprüchen geleitet. Zwischen diesen beiden Paaren wird also ein Konflikt aufgebaut, der für das Genre des Liebes- und Abenteuerromans ein typisches Grundmuster darstellt. 1
Einen Konflikt gibt es allerdings nicht nur zwischen diesen beiden Paaren, sondern auch innerhalb des Königspaares selbst, da die Königin offensichtlich nicht mit den allzu einfachen und unreflektierten Absichten ihres Mannes einverstanden ist und deshalb wiederholt den Versuch unternimmt, ihren Gemahl umzustimmen und zu einem klügeren und gemäßigten Verhalten zu bewegen.
Meine erkenntnisleitende Fragestellung lautet hierbei, welcher Zusammenhang zwischen dieser Darstellung des Königspaares im Roman und der gesellschaftlichen Realität am mittelalterlichen Königshof , bzw. mit den in Gesellschaft und Literatur propagierten Idealen, besteht, und welche Rückschlüsse aus diesem Zusammenhang auf die Herrschaftsauffassung des Au-tors gezogen werden können.
In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dieser Frage befassen, indem ich zunächst die übliche Herrschaftsverteilung zwischen König und Königin im Mittelalter untersuche. Danach werde ich die Darstellung der beiden Elternfiguren im Konrad Flecks Roman analysieren, um im Anschluss daran in einem Fazit einen Rückbezug zu meiner Fragestellung herzustellen.
1 Vgl. Werner Röcke: Liebe und Schrift. Deutungsmuster sozialer und literarischer Kommunikation im deutschen Liebes- und Reiseroman des 13. Jahrhunderts (Konrad Fleck: Florio und Blanscheflur; Johann von Würzburg: Wilhelm von Österreich). In: Werner Röcke/ Ursula Schäfer (Hg.): Mündlichkeit - Schriftlichkeit - Welt-bildwandel. Literarische Kommunikation und Deutungsschemata von Wirklichkeit in der Literatur des Mittelal- ters und der frühen Neuzeit. Tübingen, 1996, S.86
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2. Hauptteil
2.1 Die Herrschaftsverteilung zwischen dem Herrscher und seiner Frau im Mittelalter
Die politischen Handlungsmöglichkeiten, die den Gemahlinnen der deutschen Herrscher im Mittelalter offenstanden, waren im Übergang vom frühen Mittelalter zum hohen Mittelalter einem grundlegenden Wandel unterworfen. Im 10. und 11. Jahrhundert wurde von Frauen durchaus direkte politische Herrschaft ausgeübt, auch wenn die Frau dem Mann formell un-tergeordnet war und dabei unter der munt-Gewalt ihres Ehemannes stand. 2 So kam es zwischen Herrscher und Herrscherin häufig zu einer Art Arbeitsteilung auf dem Gebiet der Politik, wobei die Frau durchaus auch verantwortungsvolle und wichtige Aufgaben wie das Führen von Verhandlungen oder sogar die Kriegsführung übernahm. 3 In einigen Fällen fiel Frauen nach dem Tod des Königs auch für eine beschränkte Zeit das volle Herrscheramt zu. 4 Diese relativ starke Position der Herrscherfrauen festigte sich, als Königinnen im 10. Jahrhundert offiziell als Mitregentinnen anerkannt wurden. 5
Im Verlauf der allmählichen Entwicklung vom frühmittelalterlichen Personenverbandsstaat zum Territorialstaat im 12. und 13. Jahrhundert kam es jedoch zu einem deutlichen Rückgang der direkten politischen Einflussmöglichkeiten für Königinnen, da sich nun ein Beamtentum herausbildete, das die Teilhabe der Königin an der Regierungstätigkeit entbehrlich machte. 6 Die Handlungsspielräume für die Königin beschränkten sich nun also auf die persönliche und private Ebene. Diese Entwicklung führte allerdings keineswegs zu einem Ausschluss der Königin von jeglicher Einflussnahme im Bereich der Politik, sondern vielmehr zu einer Verlagerung dieser Einflussmöglichkeiten auf die private Ebene, also auf die Möglichkeit der persönlichen Einwirkung auf politische Entscheidungen des Ehemannes. 7
2 Vgl. Hilkert Weddige: Einführung in die germanistische Mediävistik. 3. Aufl., München 1997, S.179
3 Vgl. Peter Ketsch: Aspekte der rechtlichen und politisch-gesellschaftlichen Situation von Frauen im frühen Mittelalter (500-1150). In: Annette Kuhn/ Jörn Rüsen (Hg.): Frauen in der Geschichte II. Düsseldorf 1982, S.33
4 So übernahm etwa nach dem Tod Heinrichs II dessen Ehefrau Kunigunde für etwa acht Wochen die volle Regierungsgewalt. (Ebd., S.40)
5 Ebd., S.44
6 Ebd., S.44
7 Vgl. Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 9.Aufl., München 1999, S. 490
Arbeit zitieren:
Torsten Halling, 2001, Die Darstellung des Königspaares in Konrad Flecks 'Flore und Blanscheflur', München, GRIN Verlag GmbH
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