Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort / Einleitung
2. Theorie des Lächerlichen
2.1 Jean Paul oder das Lachen als unendliche Ungereimtheit 4
2.2 Schopenhauer oder das Lachen über die Inkongruenz
2.3. Vergleich beider theoretischer Ansätze
3. Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
Der Versuch im Rahmen einer Hausarbeit, die theoretischen Ansätze zweier großer Denker, wie Arthur Schopenhauer und Jean Paul Fr. Richter 1 es unzweifelhaft waren, zu erfassen und zu vergleichen muss scheitern. Selbst die Einschränkung, dass "bloß" das Phänomen des Lachens untersucht und dargestellt werden soll, ist ungenügend um den Dargestellten gerecht werden zu können. Der Kontext, aus dem vor allem Jean Pauls Theorie herausgerissen wurde, konnte trotz Bemühungen, nur bedingt Beachtung finden, da sich bei der Erarbeitung der beiden Ansätze, hauptsächlich auf die Hauptwerke und deren Abschnitte konzentriert wurde. Hiermit soll auch gerechtfertigt werden, dass die Gegensätze des Lächerlichen 2 keine nähere Erläuterung in dieser Arbeit finden.
Die Motivation, dennoch den Vorstoß in solch bodenloses Gewässer zu wagen, entstammt Schopenhauers provokant formulierter und von ihm unbegründet gebliebener Kritik: "Kants und Jean Pauls Theorien des Lächerlichen sind bekannt. Ihre Unrichtigkeit nachzuweisen
halte ich für überflüssig." 3
Das Anliegen der Auseinandersetzung mit dem Thema ist, zu überprüfen inwieweit sich diese Behauptung verifizieren lässt.
1 Im folgenden wird nur, sein selbst gewähltes Synonym "Jean Paul" verwendet
2 bei Schopenhauer ist dies der Ernst, bei Jean Paul das Erhabene
3 Arthur Schopenhauer: "Die Welt als Wille und Vorstellung 2", Kapitel 8; herausgegeben von Ludger
Lütkehaus, Zürich 1988, S. 108
3
2. Die Theorie des Lächerlichen
2. 1 Jean Paul oder das Lachen als unendliche Ungereimtheit
In seiner "Vorschule der Ästhetik" liefert Jean Paul Fr. Richter einen umfassenden Erklärungsversuch des Komischen.
Er postuliert, das Lächerliche stamme aus dem "Reich des Verstandes, und zwar aus demselben das Unverständige." 4 Eine Handlung bzw. ein Zustand muss angeschaut werden, um so eine Handlung als falsches Mittel darstellen zu können und das Ziel des Verstandes zu erreichen. Jedoch sind der sinnlich wahrgenommene Irrtum oder der Unverstand allein nicht lächerlich. Im Wesen des wahrgenommenen Unverstandes muss sich ein Bestreben, z.B. durch eine Handlung, offenbaren, um die Möglichkeit für einen Widerspruch zu schaffen, welches Grundlage für das Entstehen des Lächerlichen ist. "Das Bestreben und die Lage müssen beide gleich anschaulich sein, um ihren Widerspruch zur komischen Höhe zu treiben." 5 Ohne Wahrnehmung des Bestrebens, ist der anschaulich ausgedrückte Irrtum noch keine "unendliche Ungereimtheit" 6 . Als Beispiel führt Paul die Geschichte von Sancho Pansa an, der sich eine ganze Nacht in der Schwebe hielt, weil er glaubte ein Abgrund klaffe unter ihm. Warum lachen wir darüber? Weil wir wissen, dass es keinen Abgrund gibt und folglich es gar nicht nötig ist, sich auf diese Weise des Schlafes zu berauben. Damit "verleihen wir seinem Bestreben unsere Einsicht und Ansicht" 7 , wodurch das Lächerliche zustande kommt. Erst wenn wir der belächelten Person unseren Wissensstand unterstellen, entsteht das Lächerliche, weil dann ihre Handlung nicht zu unserer Erwartung passt. Das ist auch der Grund, weshalb das Lächerliche mit zunehmendem Verstande der belächelten Person zunimmt. Nämlich, weil der Kontrast zwischen erwarteter Handlung und tatsächlicher Handlung mit dem Verstand, den wir der Person zuschreiben, zunimmt.
4 Jean Paul: "Vorschule der Ästhetik", § 28, herausgegeben von Wolfhart Henckmann, Hamburg 1990,
S. 109
5 Jean Paul, a.a.O. § 28, S. 109f
6 Jean Paul, a.a.O. § 28, S. 110
7 Jean Paul, a.a.O. § 28, S. 110
4
"Unser Selbst-Trug, womit wir dem fremden Bestreben eine entgegengesetze Kenntnis unterlegen, macht es eben zu jedem Minimum an Verstand, zu jenem angeschauten Unverstande, worüber wir lachen, so dass also das Komische, wie das Erhabene, nie im Objekt wohnt, sondern im Subjekte." 8
Pauls Betonung der subjektiven Seite des Lächerlichen, ist charakteristisch für die romantische Ästhetik, die das Komische immer im Subjekt, niemals im Objekt sucht. 9 Laut Paul lässt sich so auch das Phänomen, dass ein und dieselbe innere und äußere Handlung vom einen belacht, vom anderen jedoch unwidersprochen bleibt, erklären. Das Komische besteht für ihn also darin, dass wir die Unverständigkeit der handelnden Person entlarven und uns damit als erhaben und die Person als lächerlich erleben. Aufgrund der Erhabenheit, oder zumindest dem Gefühl, erhaben zu sein, ist es uns beispielsweise nicht möglich unser eigenes aktuelles Handeln im gleichen Moment lächerlich finden. Es fehlt uns der Abstand zum Geschehen, die kontrastierende Einsicht über die Situation, die die Entstehung des Lächerlichen bedingt. 10
Daraus schlussfolgert Jean Paul, dass "vollendete Dummheit oder Verstandeslosigkeit schwer lächerlich wird, weil sie uns das Leihen unserer kontrastierenden Einsicht erschwert oder verbeut." 11
Wenn die allgemein geläufigen Definitionen des Lächerlichen 12 , so Jean Paul, nur einen "einfachen realen Kontrast" annehmen, ohne den scheinbaren zweiten zu berücksichtigen, müssen sich diese zwangsläufig als unvollständig, und somit falsch erweisen.
8 Jean Paul, a.a.O. § 28, S. 110
9 Olbertz, Franziska: Reader zu Humor in der Musik, Paderborn 2005,
http://groups.uni-paderborn.de/musik/didaktik/material/reader_humor_in_der_musik/Reader07.09.htm,
20.08.2005
10 Vgl. Jean Paul, a.a.O. § 27 Zur Theorie der Erhabenheit
11 Jean Paul, a.a.O. § 28, S. 113
12 Vermutlich bezieht sich Jean Paul hier auf Frances Hutcheson, James Beattie und Kant
5
Arbeit zitieren:
Peggy Schirmer, 2005, Das Lächerliche bei Arthur Schopenhauer und Jean Paul Fr. Richter, München, GRIN Verlag GmbH
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