2
GLIEDERUNG
1. Abschnitt : Hinführung zur Thematik 3
2. Abschnitt : Die Marktstruktur 4
2.1 Wesen und Formen der Märkte. 4
2.2 Marktkonzentration 5
2.3 Die vollkommene Konkurrenz. 6
2.4 Die unvollkommene Konkurrenz 8
3. Abschnitt : Das Angebotsmonopol 13
3.1 Das Marktgleichgewicht im Angebotsmonopol 13
3.2 Die Ineffizienz des Angebotsmonopols 16
4. Abschnitt : Das Angebotsoligopol. 19
4.1 Das Analyseproblem im Angebotsoligopol 19
4.2 Die Cournot’sche Lösung des Dyopolproblems 20
4.3 Die Theorie der geknickten Nachfragekurve 21
4.4 Bewußtes Parallelverhalten. 23
4.5 Kartelle. 25
5. Abschnitt : Die monopolistische Konkurrenz. 27
5.1 Die Tangentenlösung der monopolistischen Konkurrenz 27
5.2 Die doppelt geknickte Preis-Absatz-Funktion 29
6. Abschnitt : Anti-monopolistische Politik 32
6.1 Verhinderung von Wettbewerbsbeschränkungen durch Kollektivmonopole 33
6.2 Verhinderung von Wettbewerbsbeschränkungen durch Individualmonopole. 34
6.3 Erwünschte Monopolisierung 36
7. Abschnitt : Abschließende Bemerkungen. 37
Literaturverzeichnis 38
1. Abschnitt : Hinführung zur Thematik
Schon im Jahr 1776 hat Adam Smith in seinem bahnbrechenden Werk Vom Wohlstand der Nationen erkannt, daß „Geschäftsleute des gleichen Gewerbes selten zusammenkommen, selbst zu Festen und zur Zerstreuung, ohne daß das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet oder irgendein Plan ausgeheckt wird, wie man die Preise erhöhen kann.“ 1 Nichts von diesem Verdacht hat bis zum heutigen Tage an Aktualität verloren, ganz im Gegenteil, Unternehmenszusammenschlüsse, Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen sind vermehrt Thema des wirtschaftspolitischen Tagesgesprächs. Die gegenwärtige Wettbewerbskommissarin der Europäischen Union, Neelie Kroes, hat zuletzt auf die Gefahren marktausschließender Verhaltensweisen hingewiesen, nicht ohne die Begriffe Marktmacht und Marktmißbrauch in Zusammenhang zu bringen. 2
Freier Wettbewerb auf Märkten ist unbestritten der wichtigste Faktor zur Bildung volkswirtschaftlich optimaler Preise und Ausbringungsmengen. Bedingung des freien Wettbewerbs ist es, daß ein Marktteilnehmer zwischen mehreren Angeboten der Marktgegenseite wählen kann 3 , in der idealtypischen Form befindet er sich in einem Markt vollkommener Konkurrenz.
Aufgrund der hohen Aktualität der Wettbewerbsproblematik ist es Ziel der vorliegenden Studie, die unvollkommene Konkurrenz zu analysieren. Ausgehend vom Idealtypus der vollkommenen Konkurrenz werden Strukturen des Wettbewerbsmarktes analysiert, ihre verschiedenen in Theorie und Realität vorkommenden Ausprägungen betrachtet, um schließlich Ziele und Instrumente zur Vermeidung von Wettbewerbsbeschränkungen darzustellen.
1 Smith S. 112
2 Am 26. September 2005 in ihrer Rede anläßlich der Fordham Annual Conference on International Antitrust
3 Vgl. Franke S. 175
2. Abschnitt : Die Marktstruktur
2.1 Wesen und Formen der Märkte
Die Analyse der unvollkommenen Konkurrenz setzt zunächst die Beschreibung von Marktstrukturen nach ihrem Wesen und ihren Formen voraus. Einen Haupteinflußfaktor zur Charakterisierung von Marktstrukturen stellt sowohl auf der Angebots- wie auch auf der Nachfragerseite die Anzahl der Marktteilnehmer dar. Zur Beschreibung unterscheidet man auf beiden Marktseiten einen, wenige oder viele Marktteilnehmer. Stackelberg 4 hat auf dieser Unterscheidung aufbauend erstmals ein Marktformenschema entworfen :
Im Zeitlauf kann die Anzahl der Marktteilnehmer Veränderungen unterliegen. Dementsprechend kann die Betrachtungsweise unterschieden werden nach einer kurzfristigen Analyse, die unterstellt, daß die Anzahl der Marktteilnehmer sowohl auf Angebots- wie auch auf Nachfragerseite konstant bleibt, und einer langfristigen Analyse, die Marktzugänge undabgänge zuläßt. 5
Neben der Anzahl der Marktteilnehmer sowie der Fristigkeit können weitere Faktoren für das Wesen von Märkten und deren Formen von Bedeutung sein 6 :
Verteilung der Marktteile unter den Marktteilnehmern, d.h. der Grad der Konzentration; Art der Güter, insbesondere die Frage, ob es sich um homogene oder heterogene Güter handelt;
Präferenzen für einzelne Anbieter, Nachfrager oder Güter; Grad der Markttransparenz;
Anpassungsfähigkeit und Anpassungsgeschwindigkeit der Märkte und ihrer Teilnehmer;
4 Vgl. Stackelberg S. 231 - 240
5 Vgl. Franke S. 175
6 Vgl. Brösse S. 239 f.
Von kurzfristiger Gewinn- bzw. Nutzenmaximierung abweichende Ziele der Marktteilnehmer;
Grad der Organisiertheit der Märkte;
Rahmenbedingungen, denen Märkte unterliegen, z.B. das Rechtssystem, Stand der Technik, Konjunkturlage;
2.2 Marktkonzentration
Auch im Falle vieler Anbieter bzw. Nachfrager ist damit noch keine Aussage getroffen, ob nicht ein oder wenige Marktteilnehmer eine gewisse Marktmacht auf sich konzentrieren und damit in der Lage sind, das Marktgeschehen, d.h. Preise und Produktionsentscheidungen signifikant zu beeinflussen. Um diese Marktmacht meßbar machen zu können, wurde als Bestimmungsfaktor die sog. concentration ratio CR eingeführt. 7
(mit als Markteinteil an der Ausbringungsmenge jedes einzelnen Unternehmens, N als Anzahl der am Markt beteiligten Unternehmen, n als Anzahl der größten Unternehmen, deren Marktanteil bestimmt werden soll)
7 Vgl. Samuelson / Nordhaus S. 164 ff.
Die concentration ratio gibt den Anteil der n größten Marktteilnehmer an der gesamten Ausbringungsmenge eines bestimmten Marktes an (vgl. Abb. 1).
Eine ebenfalls in der Literatur übliche Maßzahl zur Bestimmung des Konzentrationsgrades eines Marktes ist der sog. Herfindahl Index 8 :
(mit als Markteinteil an der Ausbringungsmenge jedes einzelnen Unternehmens, und n als Anzahl der größten Unternehmen deren Konzentrationsgrad bestimmt werden soll)
Der wesentliche Unterschied des Herfindahl-Index zur concentration ratio liegt in dem Umstand, daß der Herfindahl-Index größeren Unternehmen ein größeres Gewicht bemißt. Der Herfindahl-Index 9 wird heute häufig durch Kartellbehörden genutzt, um beantragte Unternehmenszusammenschlüsse auf eine möglicherweise zu große Marktmacht hin zu überprüfen. Würde der Herfindahl-Index eines Marktes durch einen Unternehmenszusammenschluß um mehr als 100 Punkte steigen, wird die Fusion in der Regel intensiv geprüft. Herfindahl-Indices von 1.000 bis 1.800 Punkten deuten eine moderate Marktkonzentration an, Werte über 1.800 lassen auf eine starke Konzentration schließen.
2.3 Die vollkommene Konkurrenz
Ein Markt, der so gestaltet ist, daß auf beiden Seiten ausreichend Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen, um vollständige Konkurrenz zu ermöglichen, wird als vollkommener Markt bezeichnet. Vollständige Konkurrenz herrscht, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind 10 :
i. Es existieren viele Anbieter und viele Nachfrager (bilaterales Polypol); ii. Der Marktanteil jedes einzelnen Marktteilnehmers ist so klein, daß er durch
iii. Es existieren keine sachlichen, persönlichen, räumlichen oder zeitlichen Präferenzen für bestimmte Anbieter, Nachfrager oder Güter; iv. Alle angebotenen Güter sind absolut homogen;
8 In der Literatur auch gelegentlich aus Herfindahl-Hirschman-Index bezeichnet
9 Aufgrund der Berechnungsweise kann der Wert des Herfindahl-Index theoretisch zwischen 0 und 10.000 liegen.
10 Vgl. Demmler S. 164
v. Der Markt ist vollständig transparent; vi. Der Markteintritt ist zumindest langfristig frei möglich;
Vollkommene Märkte zeichnen sich dadurch aus, daß sie den Zustand der Allokationseffizienz erreichen. Allokationseffizienz tritt ein, wenn es keine Möglichkeit gibt, durch Um- oder Neuorganisation der Produktion irgendeinen Marktteilnehmer besser zu stellen ohne nicht mindestens einen anderen Marktteilnehmer schlechter zu stellen. Im Falle von Allokationseffizienz kann ein Marktteilnehmer seinen Gesamtnutzen nur auf Kosten des Gesamtnutzens eines anderen Marktteilnehmers verbessern. 11 Dieser Zustand wird auch als paretooptimale Faktorallokation bezeichnet.
Die zur Erreichung der Allokationseffizienz optimale Ausbringungsmenge im Markt sowie der dazugehörige optimale Preis des gehandelten Gutes werden graphisch durch den Schnitt der Angebots- mit der Nachfragekurve dargestellt. 12 Die Angebotskurve (S-Kurve) entspricht dabei dem Verlauf der Marginalen Kostenkurve (MC-Kurve) der Anbieter und ist daher in der Regel zunehmend steigend (vgl. Abb. 2). Die Nachfragekurve (D-Kurve) entspricht dem Verlauf der Marginalen Nutzenkurve der Nachfrager (MU-Kurve) und ist daher in der Regel aufgrund des Gesetzes des abnehmenden Grenznutzens abnehmend fallend (vgl. Abb. 2).
11 Vgl. Samuelson / Nordhaus S. 136
12 Vgl. Samuelson / Nordhaus S. 136 ff.
Im Equilibrium sind sowohl der Herstellerüberschuß (= Überschuß der Einnahmen der Hersteller beim Gleichgewichtspreis P * über die Marginalen Kosten, producer surplus) wie auch der Verbraucherüberschuß (= Überschuß des Marginalen Nutzens über den bezahlen Gleichgewichtspreis P * , consumer surplus) maximiert (vgl. Abb. 2). Die Summe beider Werte stellt den sog. Handelsüberschuß (gains of trade) dar und ist dementsprechend im Equilibrium ebenfalls maximiert.
Die Maximierung des Handelsüberschusses entspricht der Erreichung der Allokationseffizienz und ist bei Erfüllung der folgenden Bedingung gegeben 13 :
Die Maximierungsbedingung der vollkommenen Konkurrenz gilt auch für Spezialfälle des Verlaufs der Angebots- und Nachfragekurven. Einige dieser Spezialfälle beschreiben Samuelson / Nordhaus 14 :
Der Fall konstanter Kosten : Hier verläuft die S-Kurve waagerecht, da die Marginalen Kosten unabhängig von der Ausbringungsmenge konstant sind; Der Fall vollkommen unelastischen bzw. konstanten Angebots : Bestimmte Güter 15 sind in ihrem Angebot unabhängig vom Preis limitiert, in diesem Fall verläuft die Angebotskurve (S-Kurve) exakt senkrecht;
Der Fall der sich umkehrenden Angebotskurve : In manchen Fällen 16 ist bei steigenden Preisen das Angebot wieder rückläufig;
2.4 Die unvollkommene Konkurrenz
Das Modell der vollkommenen Konkurrenz entspricht dem Idealtypus eines Marktes. In der Praxis gibt es nur sehr wenige Märkte, die diesem Modell zumindest nahe kommen, am ehesten gilt dies noch für den börsennotierten Aktienhandel sowie für börsengehandelte Rohstoffe 17 . Weitaus häufiger sind jedoch Märkte anzutreffen, die diesem Idealtypus nicht
13 Vgl. Samuelson / Nordhaus S. 138
14 Vgl. Samualson / Nordhaus S. 144 ff.
15 Dies gilt z.B. für nur einmal vorhandene Kunstwerke oder in der Welt einmalige Naturschutzgebiete
16 Dies gilt u.U. für die Angebotskurve von bestimmten Arbeitskräften, wenn deren Bereitschaft, Arbeitskraft
anzubieten, bei steigenden Löhnen aufgrund höherem Bedürfnis nach Freizeit abnimmt;
17 Z.B. verschiedene Metalle, Naturkautschuk, diverse Schüttgüter
Arbeit zitieren:
Dipl. Betriebswirt (FH) Klaus Mühlbäck, 2005, Die Analyse der unvollkommenen Konkurrenz, München, GRIN Verlag GmbH
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