2
GLIEDERUNG
1. Abschnitt : Hinführung zum Thema. 3
2. Abschnitt : Die globale Umwelt. 4
2.1 Die Komplexität der globalen Umwelt. 4
2.2 Porters fünf Wettbewerbskräfte in der globalen Umwelt. 7
2.3 Die formenden Kräfte der heutigen globalen Umwelt. 11
i. Technologische Antriebskräfte. 13
ii. Gesamtwirtschaftliche Antriebskräfte. 16
iii. Politisch-rechtliche Antriebskräfte. 20
iv. Sozio-kulturelle Antriebskräfte. 23
v. Ökologische Antriebskräfte. 27
3. Abschnitt : Grenzen im globalen Wettbewerb. 31
3.1 Ökonomische Hindernisse. 32
3.2 Institutionelle Hindernisse. 33
3.3 Interkulturelle Aspekte. 35
3.4 Ökologische Aspekte. 36
4. Abschnitt : Abschließende Bemerkungen. 38
Literaturverzeichnis 39
1. Abschnitt : Hinführung zur Thematik
Die Wirtschaftswissenschaften bezeichnen das Streben von mindestens zwei Akteuren eines Marktes nach einem Ziel, wobei der höhere Zielerreichungsgrad eines Akteurs einen niedrigeren Zielerreichungsgrad des anderen bedingt, als Wettbewerb. 1 Die letzte Dekade war davon geprägt, dass jener wirtschaftliche Wettbewerb sich zunehmend im Rahmen internationaler Beziehungen abspielte. Konzerne mit einer Vielzahl von gegenseitigen Verflechtungen bauten starke internationale Wirtschaftsmacht auf, aber auch kleinere und mittelständische Unternehmen traten zunehmend mit ihren Marktaktionen in einem internationalen Umfeld auf. Dieser Prozess der Internationalisierung der Wirtschaft gewinnt derzeit weiter an Fahrt und wird sich in absehbarer Zeit fortsetzen. Der Wettbewerb, in dem sich Wirtschaftssubjekte bewegen, wird also zunehmend globaler.
Die klassische Lehre hat die unsichtbare Hand 2 , das Streben jedes Einzelnen nach seiner persönlichen Nutzenoptimierung, wodurch der Gesamtnutzen der Gesellschaft ebenfalls optimiert wird, als Triebfeder des Wettbewerbs erkannt. Die Lenkung knapper Ressourcen hin zur produktivsten Verwendung (Mittelallokation), das Generieren von Produktions- und Verfahrensinnovationen, die leistungsgerechte Verteilung von Erträgen sowie die Begrenzung der Macht Einzelner zur Eröffnung von Wahlmöglichkeiten für alle (Freiheit) sind die traditionellen Kräfte, die dem wirtschaftlichen Wettbewerb seine Richtung und Stärke verleihen.
Was sind jedoch die driving forces, die Antriebsfedern im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld des globalen Wettbewerbs ? Welche Kräfte lenken die Entwicklung von Unternehmen, Volkswirtschaften und der gesamten Weltwirtschaft ? Die vorliegende Studienarbeit versucht diese Fragen zu klären, indem sie den globalen Wettbewerb aus verschiedenen mikro- wie makroökonomischen Blickwinkeln betrachtet, um aus einer Vielzahl von Einflussfaktoren diejenigen herauszustellen, die heute für Richtung und Ausmaß wirtschaftlicher Entwicklung im globalen Wettbewerb verantwortlich zeichnen. Abschließend werden auch die Grenzen des globalen Wettbewerbs aufgezeigt, in deren Rahmen sich lediglich Wirtschaftswachstum aufbauen kann.
2. Abschnitt : Die globale Umwelt
Der Wettbewerb, dem Unternehmen und Volkswirtschaften heute ausgesetzt sind, ist globaler Natur. Zunehmend engagieren sich Firmen mit Produktions- und Vertriebsaktivitäten außerhalb ihrer angestammten Heimatmärkte. Jedoch kann weltmarktorientierte Produktion „nicht einfach an jedem Standort passieren, wo lediglich genügend Arbeitskräfte vorhanden sind. Profitable Industrieproduktion […] verlangt nach ausreichenden industriellen Ressourcen, einer entwickelten Infrastruktur sowie qualifizierter Arbeitskraft.“ 3 Die Weltwirtschaft hat dazu Zentren, Semiperipherie- und Peripherie-Standorte 4 entwickelt, die in unterschiedlicher Ausprägung verschiedener Standorteigenschaften Funktionen im Weltwirtschaftsgefüge ausführen. Die Entwicklung dieser Regionen unterliegt einer permanenten Dynamik, wobei bestimmte Kräfte die Richtung und das Ausmaß der Entwicklung bestimmen. Bei der Analyse dieser Triebfedern, der driving forces des globalen Wettbewerbs, gilt es zu berücksichtigen, dass die globale Umwelt einer zunehmenden Komplexität unterliegt.
2.1 Die Komplexität der globalen Umwelt
Die globale Umwelt, in der Wettbewerb stattfindet, muss formal in drei Dimensionen aufgeteilt werden 5 , nämlich den Grad der Komplexität (die sog. Umwelteinfachheit), die Umweltdynamik (oder auch Umweltstabilität) und schließlich den Umweltdruck (Grad der Liberalität).
Die Umweltkomplexität beschreibt die Vielgestaltigkeit, den Grad der Unübersichtlichkeit der globalen Umwelt, die Zahl der Elemente und Faktoren, die in ihr eine aktive Rolle spielen, die Verschiedenartigkeit dieser Elemente sowie ihre gegenseitige Abhängigkeit bzw. den Zusammenhang zwischen den aktiven Elementen. 6 Der globale Wettbewerb ist heute davon gekennzeichnet, dass sich der Umfang wirtschaftlicher Aktivitäten immer mehr ausweitet, gleichzeitig einer zunehmenden Spezialisierung unterliegt. Immer neue technologische Innovationen, neu entwickelte Bedarfe der Nachfrager sowie der Transfer von Bedarfen in andere, bisher weniger entwickelte Wirtschaftsräume erhöhen die Vielgestaltigkeit der globalen wirtschaftlichen Aktivitäten. Die Verflechtungen zwischen Unternehmen, Ländern
und ganzen Regionen werden zahlreicher und dichter. Gerade multinationale Unternehmen (MNU’s) bauen engmaschige und weit reichende globale Netzwerke auf, die, geprägt durch eine hochgradige finanzielle und organisatorische Verschachtelung, immer unübersichtlicher werden. Die Zahl der global aktiven Wirtschaftssubjekte nimmt überproportional zu : Waren in früheren Zeiten in der Regel nur Großkonzerne weltweit aktiv, so treten heute mittelständische und selbst Kleinunternehmen wenn schon nicht weltweit, so doch zumindest international auf einzelnen Märkten auf. Dementsprechend nimmt die Verschiedenartigkeit der agierenden Wirtschaftssubjekte zu. Sie reicht heute vom kleinen, hochspezialisierten Nischenunternehmen bis hin zum großen, komplexen Multikonzern mit allen denkbaren Ausprägungen dazwischen. Komplexe Verbindungen bestehen zwischen diesen Unternehmen auf allen Ebenen, sowohl organisatorischer, finanzieller, wie auch technologischer oder vertrieblicher Natur. Im Zeitablauf unterlag, unterliegt gegenwärtig und wird auch zukünftig die globale Umwelt einer permanenten Veränderung unterliegen. Von Bedeutung sind dabei die Art und das Ausmaß der Änderungen im Wirtschaftsgefüge, die Frage, inwieweit Art und Richtung der Änderung vorhersehbar sind, sowie die Häufigkeit von Veränderungen. 7 Die Zahl weltweit agierender Unternehmen nimmt heute mit immer höherer Frequenz zu, Unternehmen wechseln oder scheiden aus dem globalen Wettbewerb auch wieder aus. Neue Technologien, immer weiter ausgereifte elektronische Kommunikationsmittel oder leichterer Güter- und Personentransport erzeugen ständig neue wirtschaftliche Betätigungsfelder, auf denen Unternehmen global aktiv sind. Insbesondere im Technologie-Sektor führt permanente Innovation zu einer exponentiell wachsenden Basis wirtschaftlicher Aktivitäten. Dauerte im 19. Jahrhundert die Verdoppelung des bekannten Wissens noch etwa 100 Jahre, verringerte sich die ‚Halbwertszeit des Wissens’ im 20. Jahrhundert auf 50 bis 10 Jahre, so spricht man heute von einem Zeitraum von 4 Jahren, im Bereich der Informationstechnologie sogar lediglich von 1,5 Jahren, bis sich das bekannte Wissen verdoppelt. 8 Auch demographische Veränderungen bedingen in großem Maße Veränderungen der globalen wirtschaftlichen Aktivitäten. Während in praktisch allen Industrienationen die Bevölkerungszahl heute stagniert 9 oder bereits rückläufig ist 10 , unterliegen die meisten Entwicklungsländer nach wie vor einem teilweise ungebremsten Bevölkerungswachstum, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Kräfte des globalen Wettbewerbs. 11
In Bezug auf die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen wirtschaftlicher Relevanz muss darauf hingewiesen werden, dass man hier einer gewissen Unsicherheit unterliegt. Sowohl ein unterschiedlicher Informationsstand der verschiedenen Wirtschaftssubjekte, aber auch eine subjektive Wahrnehmung von Zuständen oder Entwicklungen, die mangelnde Kenntnis über unvorhersehbare zukünftige Ereignisse mit ihren Auswirkungen auf die globale Umwelt und die darin aktiven Unternehmen führen dazu, dass die Analyse der driving forces des globalen Wettbewerbs immer nur bedingt und im Rahmen von bestimmten Voraussetzungen erfolgen kann. Abb. 1 stellt diesen Rahmen der Subjektivität der globalen Umwelt graphisch dar. 12
Letztlich spielt bei der Analyse der Triebfedern im globalen Wettbewerb die Frage des Umweltdrucks eine zentrale Rolle. Das Ausmaß des Anpassungsdrucks, der sog. Reaktionszwang, und die mögliche Reaktionsvarianz, also der Spielraum, der zum Ausweichen bleibt, sind hier die Faktoren, die die driving forces determinieren. 13 Im heutigen weltwirtschaftlichen Umfeld sind insbesondere drei Faktoren bei der Bewertung des Umweltdrucks, dem der globale Wettbewerb unterliegt, wesentlich : i. Intensität des Wettbewerbs : Eine zunehmende Angleichung des technologischen Niveaus in verschiedenen Wirtschaftsräumen, innovative Kommunikationsmittel, erleichterter Güter- und Personentransport sowie eine tendenzielle Angleichung des
Lebensstandards unterschiedlicher Regionen erhöhen gegenwärtig die Intensität des globalen Wettbewerb stetig; ii. Knappheit von Ressourcen : Die zunehmende Verknappung von Rohstoffen, insbesondere von Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Uran und lebenswichtigem Trinkwasser in bestimmten Regionen 14 stellt eine wesentliche Randbedingung dar, die den globalen Wettbewerb hochgradig beeinflusst; iii. Rechtliche Rahmenbedingungen / Gesetze : Der globale Wettbewerb unterliegt der Schere aus einerseits Versuchen der Liberalisierung des Welthandels, z.B. durch die WTO, ehemals GATT, und andererseits protektionistischen Tendenzen einzelner Staaten 15 sowie dem Problem hochgradig unterschiedlicher Rechtsnormen in unterschiedlichen Ländern;
Inwieweit diese Faktoren letztlich den Veränderungsdruck auf Unternehmen und Volkswirtschaften erhöhen, hängt maßgeblich von dem jeweiligen Zustand der Institution ab, sowie von den Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie sich bewegt.
2.2 Porters fünf Wettbewerbskräfte in der globalen Umwelt
Nach dieser einleitenden Betonung der Komplexität der globalen Umwelt, in der die Wettbewerbskräfte wirken und der Darstellung der drei formalen Dimensionen Komplexität, Dynamik und Reaktionszwang, geht es nun darum, die Wettbewerbskräfte sowohl aus mikroökonomischer wie auch makroökonomischer Sicht zu analysieren. Ausgangspunkt der mikroökonomischen Betrachtung sollen die fünf Wettbewerbskräfte nach Porter sein, jene Kräfte, die weithin als Antriebsfedern des Unternehmens gesehen werden, um im Wettbewerb zu bestehen. Die folgende Darstellung setzt Porters Wettbewerbskräfte in einen globalen Kontext.
Porter 16 geht davon aus, dass das Unternehmen in seiner Funktion als Vermarkter in einer bestimmten Branche fünf Wettbewerbskräften unterliegt, die seine wirtschaftliche Entwicklung in Richtung und Ausmaß bestimmen (vgl. Abb. 2) :
Bestehende Wettbewerber in der Branche ð Rivalität zwischen den im i.
Wettbewerb stehenden Marktteilnehmern
Potentielle neue Wettbewerber ð Bedrohung durch neue Konkurrenten ii.
Lieferanten ð Verhandlungsmacht der Zulieferer iii.
Abnehmer ð Verhandlungsmacht der Kunden iv.
Substitute ð Bedrohung bzw. Wettbewerb durch Austauschprodukte v.
Auch im weltweiten Wettbewerb wirken auf das Unternehmen die gleichen Kräfte, jedoch bedarf es einer genaueren Betrachtung, um zu analysieren, wie sich der globale Kontext auswirkt.
Die Rivalität zwischen den bestehenden Wettbewerbern äußert sich z.B. in Preiskämpfen, Werbeschlachten, der Einführung neuer Produkte oder der Erweiterung von Service- oder Garantieleistungen. Mit dem Eintritt in globale Märkte vervielfacht sich für das Unternehmen die Zahl der im Markt befindlichen Wettbewerber. Zu den bestehenden Konkurrenten kommen nun Widersacher hinzu, die bisher nicht oder nur wenig bekannt sind. Insofern kommt zur normalen Bedrohung durch im Markt befindliche Wettbewerber noch die Unsicherheit über deren Eigenschaften, Stärken und Schwächen hinzu. Mit dem für das Unternehmen verschärften Wettbewerb entsteht jedoch auch eine zusätzliche Triebfeder für neue Entwicklungen. Konkurrenzdruck bewirkt in aller Regel in Unternehmen die Notwendigkeit, sich durch geeignete Marketing-Maßnahmen, z.B. Produktinnovationen, innovative Vermarktungskonzepte, Forschung & Entwicklung, klare Kundenfokussierung, Schärfen des
Arbeit zitieren:
Dipl. Betriebswirt (FH) Klaus Mühlbäck, 2006, Die 'driving forces' im globalen Wettbewerb, München, GRIN Verlag GmbH
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