I. Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis 2
II. Einleitung. 4
III. Das implizite Modell der Neorealisten. 5
IV. 1 Struktur und System. 5
IV. 2 Die anarchische Struktur und eine negative Sicht 6
V. Staaten als wichtigste Handlungsträger: warum handeln sie? 7
VI. Was erklärt werden soll. 11
VII. Die Hypothesen 12
VIII. Stärken und Schwächen, Kritik und Nutzen 13
IX. Literaturverzeichnis 15
3
II. Einleitung
Der durch Kenneth Waltz begründete moderne Neorealismus ist eine Fortentwicklung der Realismustheorie von Hans Morgenthau, welcher diese 1948 erstmalig in Politics Among Nations formulierte. 1 Weder Realismus noch Neorealismus beanspruchen einen umfassenden Modellcharakter für sich, der die Internationalen Beziehungen vollständig erklären könnte. Insbesondere Waltz erklärt, dass es der einzige Anspruch seiner Theorie ist, „[to explain] a small number of big and important things.“ 2 Tatsächlich lässt sich behaupten, dass es sich sowohl beim Realismus als auch Neorealismus um Akteurstheorien handelt, die das interstaatliche Verhalten, seine Gründe und Dynamik durch die Strukturen von Anarchie und Polarität im internationalen Staatengefüge zu erklären versuchen. Der Neorealismus steht somit in der Tradition des Realismus, übertrifft ihn aber theoretisch: erklärte der Realismus Kriege durch die Natur des Menschen, hält der Neorealismus diese Erklärung nicht für ausreichend. Kenneth Waltz als Hauptvertreter ging daher, anders als die Realisten, szientistisch vor: er wandte ein deduktives Verfahren und ging an die Erarbeitung von generellen Mustern in der internationalen Politik. 3 Dies bedingte natürlich, dass der Neorealismus eine andere Analysekategorie verwendete, wollte er doch die Ursachen für spezielle Ereignisse mit allgemeinen Gegebenheiten begründen: diese Analysekategorie ist das internationale Staatensystem. 4
Der Anspruch des Neorealismus, respektive von Waltz als herausragendem Vertreter, war somit die Begründung einer systemischen Theorie. Dem Realismus hingegen ging es um eine reine Außenpolitiktheorie. 5
Dies ist vielleicht auch aus der Entstehungsgeschichte dieser Denkschule heraus zu verstehen: Waltz` Ansprüche und Vorgehen gehen aus einer Analyse seiner Kritik an anderen Theorien der Internationalen Beziehungen, unter anderem eben auch am Realismus selbst, hervor: die meisten Theorien, inklusive des Realismus, betrachteten die Außenpolitik eines Staates und fügten diese „Außenpolitiken“ dann zu einem detaillierten Ergebnis zusammen, aus dem sich
1 Vgl. Snyder, Glenn H. 1996: Process Variables in Neorealist Theory, S. 167 und Grieco, Joseph 1997: Realist
International Theory and the Study of World Politics. S. 163.
2 Vgl. Snyder, ebd.
3 Vgl. Schörnig, Niklas. 2003: Neorealismus. In: Manuela Spindler und Siegfried Schieder (Hg.): Theorien der
Internationalen Beziehungen.. S. 63
4 Vgl. ebd.
5 Vgl. ebd. S. 62
4
allerdings keinerlei universell gültigen Aussagen ableiten ließen. Sein Anspruch ist es also eine schlanke Theorie mit allgemein gültiger Aussagekraft zu entwerfen. 6
III. Das implizite Modell der Neorealisten
Aus diesem Wunsch nach einer schlanken Theorie resultiert wohl auch die Vorgehensweise des Neorealismus: die Annahmen wirken stark vereinfacht und es erfolgt eine Reduzierung auf für wichtig erachtete Bestandteile eines klar strukturierten Modells: die Staaten spielen in diesem Modell eine dominierende Rolle. Sie befinden sich in einem internationalen System, dessen Struktur mit allgemein gültigen Charakteristika ausgestattet, die Handlungen der Staaten verursachen würden. Es erfolgt also eine bewusste Ausblendung eventuell möglicher, außerhalb des Systems liegender, kausaler Ursachen. Der Neorealismus erhebt also durch den Anspruch auf eine schlanke Theorie keinen Anspruch auf Berücksichtigung aller zu Grunde liegender Faktoren. Daher arbeitet er mit einem impliziten Modell: denn nicht alle Voraussetzungen, die ursächlich sein könnten, erfahren Würdigung. Berücksichtigt wird eben in erster Linie die Struktur, die separat von den Akteuren existiert, aber deren Handlungen beeinflusst.
IV. 1 Struktur und System
Eben diese Struktur ist also eines der zwei Systemelemente nach Waltz. Das andere sind die Staaten, eben die Akteure, die in diesem System zu Recht kommen müssen. 7 Zunächst ist also zu klären, welche Attribute der Neorealismus dieser Struktur beimisst. Sie zeigt die Ordnung der Gesamtheit auf und determiniert die Beziehungen der Staaten untereinander. Dabei können unerwünschte Nebeneffekte auftreten. D.h., wenn gehandelt wird, wirkt sich eben die Struktur auf das Handeln aus und bestimmt dessen Folgen mit. Hier lohnt sich ein Blick auf Grundannahmen der Realismustheorie, ohne die ein Verständnis des Neorealismus lückenhaft bleiben muss: Anarchie und Polarität stellen die grundlegenden Eigenschaften der Struktur der Realismustheorie dar. Sie sind es, die das Verhalten von Staaten grundlegend beeinflussen. Ein zentraler Überbegriff, der diese Struktur dominiert, ist „Macht“.
6 Vgl. ebd. S. 65
7 Vgl. ebd. S. 68
5
Die Struktur bedingt, dass die Umwelt, in der die Staaten existieren müssen, anarchisch ist. Es muss festgehalten werden, dass Anarchie, wie sie der Realismus beschreibt, nicht gleichzusetzen ist mit dem vollständigen Fehlen von Normen, Regeln und Gesetzen. Anarchie bedeutet vielmehr, dass es keine den Staaten übergeordnete Instanz gibt, an die sich Staaten wenden könnten, wenn sie sich in ihren Rechten verletzt, ihrer Sicherheit bedroht oder gar militärisch angegriffen sehen. Diese potenziell gefährliche Umwelt und das Fehlen einer notfalls einschreitenden Autorität führen dazu, dass Staaten von Selbsthilfe bestimmte Akteure sind.
Die Staatenwelt verfügt weiterhin über eine durch die Akteure festgelegte Polarität. Polarität bezeichnet die Anzahl mächtiger Staaten in einem System, bzw. in einer Region. Es lässt sich hierbei zwischen monopolaren, bipolaren und multipolaren System unterscheiden: Monopolare Systeme verfügen über nur eine staatliche Großmacht, bipolare Systeme über zwei gleichwertige Großmächte und multipolare Systeme über mehr als zwei Großmächte. Zu erwähnen ist im Zusammenhang mit der Polarität von Systemen die potenzielle Stabilität, welche mit ihr eng zusammenhängt. So erklärt Waltz, dass bipolare Systeme stabiler und weniger Konflikt lastig seien, als multipolare Systeme, da die konkurrierenden Staaten es aufgrund mangelnder Komplexität durch die geringe Anzahl von Konkurrenzstaaten leichter hätten, ihren Konkurrenten einzuschätzen. Außerdem seien Staaten in bipolaren Systemen grundsätzlich wirtschaftlich unabhängiger voneinander, als die stärker miteinander in verschiedene Handelsbeziehungen eingebundenen Staaten multipolarer Systeme. 8
IV. 2 Die anarchische Struktur und eine negative Sicht
Die bereits angerissene Anarchie der Struktur ist die wichtigste Hauptannahme des Neorealismus hinsichtlich des Systemelements „Struktur“. Einige Auswirkungen der Struktur auf die Akteure seien hier genannt: die Eigenart der Struktur bedinge eine einseitige Wahrnehmung des politischen internationalen Systems. Den berühmten Worten von Mearsheimer entsprechend, nach denen der Neorealismus ein eher negatives Bild von der Welt zeichne, 9 ist zu betonen, dass das System den Staaten eine Wahrnehmung des Systems als gewalttätig nahe lege, weil es eben eine anarchische Struktur aufweise. Diese führe auch
8 Vgl. Grieco, Joseph 1997: Realist International Theory and the Study of World Politics. S. 172.
9 Zitiert nach: Schörnig, Niklas. 2003: Neorealismus. In: Manuela Spindler und Siegfried Schieder (Hg.):
Theorien der Internationalen Beziehungen. S. 61
6
Arbeit zitieren:
Slavjan Vujacic, 2006, Neorealismus - eine Denkschule in den Internationalen Beziehungen, München, GRIN Verlag GmbH
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