Diese wissenschaftliche Arbeit gibt einen Einblick in mögliche Potenziale der betrieblichen Altersvorsorge aus Sicht eines Lebensversicherers in Deutschland. Nicht erst seit der Rentenreform des Jahres 2001 hat das Thema Altersvorsorge an Bedeutung gewonnen. Die betriebliche Altersvorsorge befindet sich im Wandel und die Lebensversicherer sehen sich neuen Möglichkeiten in diesem strategischen Geschäftsfeld gegenüber.
Die unterschiedlichen Ausgestaltungen der betrieblichen Altersvorsorge werden im Rahmen dieser Arbeit kurz dargestellt, ohne auf die sehr komplexen steuerlichen Unterschiede sowohl aus Arbeitnehmer- als auch aus Arbeitgebersicht einzugehen. Die Möglichkeit der freiwilligen Höherversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung bleibt aufgrund ihrer geringen praktischen Bedeutung unberücksichtigt. Im Anschluss wird eine Potenzialanalyse in Form einer Strukturanalyse anhand des Modells der Triebkräfte nach Porter der Branche aus betriebswirtschaftlicher Sicht der Lebensversicherer vorgenommen. Die private Altersvorsorge als mögliches Substitut wird aufgrund des begrenzten Rahmens der Arbeit nicht behandelt. Geltendes Recht mit der neu eingeführten Gehaltsumwandlungspflicht stellt hierbei die Basis dar und bestehende Vereinbarungen mit freiwillig gezahlten Vorsorgeleistungen des Arbeitgebers werden nicht gesondert behandelt. Der Schwerpunkt der Anwendung des Modells ist hierbei auf die Gefahr bzw. Chancen möglicher Markteintritte unter Berücksichtigung der Eintrittsbarrieren, insbesondere auf die sich neu ergebene Möglichkeit der Gründung eines Pensionfonds für Lebensversicherer und andere Unternehmen, gelegt. Die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes bleibt ebenfalls unberücksichtigt. Im Anschluss werden die Ergebnisse der Strukturanalyse kurz zusammengefasst und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
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Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Abgrenzung und Formen der betrieblichen Altersvorsorge
2.1. Bergriff und Hintergrund der betrieblichen Altersvorsorge
2.2. Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge
3. Strukturanalyse des Wettbewerbs anhand der Triebkräfte nach Porter
3.1. Theoretische Kurzdarstellung des Modells
3.2 Anwendung des Modells
3.2.1 Grad der Rivalität innerhalb der Branche
3.2.2 Verhandlungsstärke der Abnehmer
3.2.3. Substitutionsprodukte
3.2.4. Gefahr und Chancen des Markteintritts
3.3. Zusammenfassendes Ergebnis der Strukturanalyse und Handlungsempfehlungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Durchführung einer Potenzialanalyse für das strategische Geschäftsfeld der betrieblichen Altersvorsorge aus der Perspektive deutscher Lebensversicherer unter Berücksichtigung des regulatorischen Wandels durch die Rentenreform 2001. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Attraktivität der Branche unter Anwendung des Modells der fünf Wettbewerbskräfte nach Porter.
- Analyse der verschiedenen Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge.
- Strukturanalyse des Wettbewerbs unter Anwendung des Porter-Modells.
- Untersuchung der Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter, insbesondere bei Pensionsfonds.
- Bewertung der Rolle von internen Skaleneffekten und regulatorischen Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
3.2.4.2. Interne Skaleneffekte
Interne Skaleneffekte schrecken Wettbewerber ab, in den Markt einzutreten, da sie gezwungen werden, ein gewisses Produktionsvolumen zu erzielen oder aber von vornherein bestimmte Kostennachteile zu akzeptieren.73 Unter internen Skaleneffekten versteht man Kosteneinsparungen pro Einheit bei zunehmendem Volumen innerhalb eines Unternehmens.74
Grundsätzlich ist die Existenz von Skaleneffekten im Versicherungsbereich in der Literatur sehr umstritten. Empirische Untersuchungen, die auf unterschiedlichen Annahmen und Ansätzen basieren, haben zu konträren Ergebnissen geführt, so dass kein eindeutiger Zusammenhang formuliert werden kann.75
Für den Bereich der Direktversicherungen kann mit hoher Sicherheit von internen Skaleneffekten ausgegangen werden. Insbesondere über Gruppenversicherungen lassen sich Kostenersparnisse generieren. Bei der Gruppenversicherung besitzt jede Person einen separaten Rechtsanspruch, jedoch wird der Versicherungsschutz zu günstigeren Beträgen gewährt, da der Verwaltungsaufwand mit zunehmender Anzahl der Berechtigten sinkt.76 Aus Sicht der Lebensversicherer müssten somit gezielt die Unternehmen als Zielgruppe angesprochen werden, um den Arbeitnehmer Gruppenversicherungsverträge anbieten und erfolgreich in den Markt einzutreten zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung in die Relevanz der betrieblichen Altersvorsorge und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung der Rentenreform 2001.
2. Abgrenzung und Formen der betrieblichen Altersvorsorge: Definition der betrieblichen Altersvorsorge als zweite Säule der Altersvorsorge und Vorstellung der verschiedenen Durchführungswege wie Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds.
3. Strukturanalyse des Wettbewerbs anhand der Triebkräfte nach Porter: Anwendung des Modells der fünf Wettbewerbskräfte zur Bestimmung der Attraktivität und des Gewinnpotenzials des Marktes für betriebliche Altersvorsorge.
3.1. Theoretische Kurzdarstellung des Modells: Erläuterung der fünf Triebkräfte nach Porter als theoretische Grundlage für die nachfolgende Potenzialanalyse.
3.2 Anwendung des Modells: Konkrete Analyse der Branchendynamik unter Einbeziehung von Wettbewerbsgrad, Käufermacht, Substituten und Markteintrittsbarrieren.
3.2.1 Grad der Rivalität innerhalb der Branche: Untersuchung der Wettbewerbsintensität und des Marktwachstums, beeinflusst durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen.
3.2.2 Verhandlungsstärke der Abnehmer: Analyse der Einflussmöglichkeiten von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf die Vertragsgestaltung.
3.2.3. Substitutionsprodukte: Betrachtung der Substituierbarkeit der verschiedenen Durchführungswege der Altersvorsorge gegeneinander.
3.2.4. Gefahr und Chancen des Markteintritts: Evaluation der Markteintrittsbarrieren und der Rolle von Skaleneffekten für neue Marktteilnehmer.
3.3. Zusammenfassendes Ergebnis der Strukturanalyse und Handlungsempfehlungen: Fazit der Analyse mit strategischen Empfehlungen für Lebensversicherer im Kontext des neuen Marktumfelds.
Schlüsselwörter
Betriebliche Altersvorsorge, Lebensversicherer, Rentenreform 2001, Potenzialanalyse, Porter-Modell, Wettbewerbsstrategie, Pensionsfonds, Direktversicherung, Markteintrittsbarrieren, Skaleneffekte, Altersvorsorge, Finanzdienstleistungen, Versicherungswirtschaft, Wettbewerbsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das Potenzial des Marktes für betriebliche Altersvorsorge aus Sicht deutscher Lebensversicherer, insbesondere unter den neuen Bedingungen der Rentenreform 2001.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die verschiedenen Durchführungsformen der betrieblichen Altersvorsorge, die Analyse der Wettbewerbsstruktur mittels Porter-Modell sowie die Markteintrittsbarrieren für neue Akteure.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Branchenattraktivität und das Gewinnpotenzial für Lebensversicherer zu bestimmen, wenn sie sich in einem Markt mit zunehmender Konkurrenz und neuen regulatorischen Anforderungen positionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Es wird das Modell der fünf Triebkräfte (Five Forces) nach Michael Porter angewandt, um die Wettbewerbsintensität und die Attraktivität des Marktes systematisch zu evaluieren.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Formen der betrieblichen Altersvorsorge und eine detaillierte Strukturanalyse der Wettbewerbskräfte, inklusive Markteintrittsbarrieren und Substitutionsrisiken.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind betriebliche Altersvorsorge, Rentenreform, Lebensversicherer, Pensionsfonds, Markteintrittsbarrieren und Wettbewerbsstrategie.
Welche Rolle spielen die Gewerkschaften laut der Analyse?
Gewerkschaften werden als starke Akteure identifiziert, die durch ihre Beteiligung an Pensionsfonds Einfluss nehmen können, weshalb Kooperationen mit ihnen für andere Anbieter strategisch wichtig sein können.
Warum gelten Pensionsfonds als besonders interessant für den Markteintritt?
Durch die Rentenreform 2001 wurden Pensionsfonds als fünfter Durchführungsweg geschaffen, die aufgrund ihrer hohen Effizienz und Skaleneffekte sowohl große Chancen als auch hohe regulatorische Markteintrittsbarrieren mit sich bringen.
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- Jens Gehrmann (Autor), 2002, Potenzialanalyse des strategischen Geschäftsfelds betriebliche Altersvorsorge aus Sicht der Lebensversicherer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5736