Inhaltsverzeichnis
1. Lesen in der Hauptschule - eine Standortbetrachtung (S. 3 )
2. Sachanalyse des Romans Allein in der Wildnis (S. 4 )
2.1 Inhalt (S. 4 )
2.2 Zentrale Themen des Romans (S 4 )
2.3 Das Genre der Abenteuerliteratur bzw. der Robinsonade (S. 7 )
2.4 Erzählstruktur, Aufbau und Sprache (S. 9 )
3. Einordnung in den Lehrplan (S. 11 )
4. Pädagogische und entwicklungspsychologische Überlegungen (S. 12 )
5. Didaktische Überlegungen (S. 14 )
6. Methodische Umsetzung im Unterricht (S. 17 )
6.1 Exkurs: Allgemeines zum Lesetagebuch (S. 17 )
7. Durchführung im Unterricht (S. 18 )
7.1 Übersicht (S. 19 )
7.2 Einzelstunden (S. 20 )
8. Schlusswort (S. 26 )
9. Anhang: Materialvorschläge (S. 27 )
10. Literaturverzeichnis (S. 32 )
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1. Lesen in der Hauptschule - eine Standortbetrachtung
Lesen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken. Allerdings ist Deutschlands Lesekultur ein „Pflegefall“, wie Friederike Harmgarth provokativ feststellt. 1 Besonders
Hauptschüler und Hauptschülerinnen verlassen das Schulsystem, ohne auf eine nennenswerte literarische Erfahrung innerhalb des Deutschunterrichts zurückblicken zu können. Nach den Ergebnissen mehrerer Studien zählen vor allem die Schüler dieser Schulart eher zu den Weniglesern. In der Untersuchung von Irmgard Harmgarth, meinen 45 % der Schüler der 7. bis 9. Klasse, dass sie wenig bis sehr wenig Interesse am Lesen hätten. 2 Mit der Lesekompetenz, an der die Motivation ja
oftmals scheitert, sieht es ähnlich aus. Auch Wirtschaftsverbände klagen, dass Hauptschulabgängern bzw. Lehrstellenbewerbern zunehmend Grundkompetenzen im Lesen fehlen und sie deshalb für einen Ausbildungsberuf ungeeignet wären. Ohne Lesekompetenz, die in der PISA - Studie ja als Momentaufnahme von 15 - Jährigen Schülern betrachtet wurde, bleiben die Tore für eine befriedigende Lebensführung verschlossen, denn die „Flut an textuellen Informationen ist im Steigen begriffen, ihre Darbietungsformen werden im Geleitzug von Multimedia immer schwerer durchschaubar. Die Lesekompetenz bekommt angesichts dieser Entwicklung einen neuen Stellenwert.“ 3 Das Rennen - und nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern in
beinahe allen Lebensbereichen - macht derjenige, der sich Informationen beschaffen und diese dann selektieren kann. Lesen ist und bleibt also eine Schlüsselqualifikation. Sowohl mit Blick auf den Arbeitsmarkt, der gerade für Hauptschulabsolventen immer enger wird, als auch für die persönliche Entwicklung. Es geht bei einer Klassenlektüre also nicht nur darum, die Lesefreude zu wecken. Ganz elementar dient sie auch der Vertiefung der Lesekompetenz, der Reading Literacy und der Berücksichtigung motivationaler, emotionaler und interaktiver Teilkompetenzen, die am Schüler orientiert sind. 4
1 Harmgarth, Friederike (Hrsg.): Das Lesebarometer. Lesen und Umgang mit Büchern in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme zum Leseverhalten von Erwachsenen und Kindern 1995 - 1997. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 1999. S. 7.
2 Ebd. S. 7.
3 Hahn, Manfred: Leseerziehung in der Hauptschule. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 1999. S.
1.
4 Zur breiten Thematik der Reading Literacy und der Ausweitung des Begriffs der Lesekompetenz kann ich hier nicht weiter eingehen und verweise deshalb auf den Aufsatz von Hurrelmann, Bettina: Lesen. Lesen als Basiskompetenz in der Mediengesellschaft. In: Lesen + Schreiben. Friedrichs Jahresheft 2003, S. 4-10.
3
2. Sachanalyse
Gehen wir nun aber in medias res. Thema der folgenden Ausführungen soll nun der Abenteuerroman „Allein in der Wildnis“ von Gary Paulsen sein, der für eine Lektüre gut geeignet ist.
2.1. Inhalt
Der Roman „Allein in der Wildnis“ handelt vom 13-jährigen Brian Robeson, der in einem kleinen Flugzeug auf dem Weg zu seinem Vater nach Kanada ist. Während des Fluges stirbt der Pilot an einem Herzinfarkt. Brian meistert eine Notlandung auf einem See mitten in der Wildnis. Hier beginnt das Abenteuer für den Jungen aus der Großstadt: In der Wildnis muss er lernen zu überleben und ist einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt. Er hat keine Nahrung bei sich - lediglich ein Beil 5 , das er am Gürtel trägt.
Die belastende Scheidung seiner Eltern tritt unter diesen Umständen für ihn in den Hintergrund. Erst nach 54 Tagen wird er gerettet. In der Wildnis verändert er sich, wird reifer und steht den Selbstverständlichkeiten des Stadtlebens sensibler und kritischer gegenüber.
2.2. Zentrale Themen und vermittelte Werte im Roman
Ein Kernthema des Romans ist die Persönlichkeitsentwicklung des Protagonisten. Brian entwickelt in der Wildnis, in der er auf sich allein gestellt ist, einen Blick auf Wesentliches im Leben. Er wird selbständig, selbstbewusst, erkennt Prioritäten, kommt mit sich ins Reine und nimmt sein Leben in die Hand. Diese Veränderungen werden im Text immer wieder betont: „Das war nicht genug, um ihn unterzukriegen. Und dies war der große Unterschied! Brian hatte sich verändert. Er hatte gelernt, um sein Leben zu kämpfen. Kalter Zorn packte ihn tief im Inneren. Und auch dies war neu, die kalte Entschlossenheit.“ 6 Die Veränderungen, die in der Wildnis angestoßen werden, prägen Brian für sein ganzes Leben, wie der Leser im Epilog erfährt: „Auch weitere Veränderungen seiner Persönlichkeit waren von Dauer. Brian hatte eine hohe Fähigkeit entwickelt, die Vorgänge in seiner Umgebung zu beobachten und darauf zu reagieren. (...) Er war nachdenklicher geworden und seit jener Zeit pflegte er
5 Der amerikanische Titel lautet „The Hatchet“, also „Das Beil“.
6 Paulsen, Gary: Allein in der Wildnis. Carlsen: Hamburg 2003. S. 147.
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gründlich zu überlegen, bevor er seinen Mund auftat und sprach.“ 7 Die dadurch vermittelte Tugend und die dazugehörige Verhaltensweise, die man unter „erst denken, dann sprechen“ subsumieren kann, hat für das junge Leserpublikum durchaus eine erzieherische und belehrende Funktion. Auch ist die Konsumhaltung, die Brian nach seiner Rettung zu eigen ist, durchaus unter einem erzieherischen Aspekt zu sehen. „Nahrung, und zwar jede Art von Nahrung (..) blieb für ihn ein Wunder. Noch Jahre nach seiner Rettung ertappte er sich dabei, wie er im Supermarkt vor den gefüllten Regalen stehen blieb und die Menge und Vielfalt der angebotenen Lebensmittel bestaunte.“ 8 Brian ist sich des Reichtums und der Bequemlichkeit der Zivilisation sehr bewusst und entwickelt für die Schöpfung und Natur - eines der zentralsten Themen - Sensibilität und einen besonderen Respekt. Er lernt, mit ihr zu leben, anstatt dass er versucht, sie zu beherrschen. Deutlich wird dies besonders, als er nach 54 Tagen - ganz kurz vor seiner Rettung - das Notfallpaket aus dem Flugzeugwrack im See bergen kann und plötzlich ein Gewehr in Händen hält und somit Herr über Leben und Tod ist: „Es war nicht mehr nötig, die Lebensbedingungen der Wildnis zu verstehen. (...) Es war eine Veränderung, die ihm nicht gefiel.“ 9 Auch beschäftigt er sich nach seiner Rettung mit der Flora und Fauna Kanadas. 10
Auch die bedachte Art und Weise, wie Brian Aufgaben und die Konflikte löst, ist sehr auffällig. Er erinnert sich an einen Englischlehrer zurück, der den Schülern beigebracht hatte, positiv zu denken, motiviert zu sein und sich erst Überblick zu verschaffen, anstatt in Panik zu verfallen. An dieses Motto hält sich Brian. Er geht seine Aufgaben mit Mut, Optimismus, Ruhe, Disziplin und Einfallsreichtum an, so dass er sich nach und nach in der Wildnis zurecht findet. Er baut sich Pfeil und Bogen, lernt das Jagen, Fischen, Feuer machen, baut sich eine Hütte und legt sich Vorräte an. Dabei hilft ihm seine Cleverness und Wissen, das er aus Büchern oder dem Unterricht hat. „Er hatte vergessen, was er in der Schule gelernt hatte. Nämlich, dass Wasser das Licht bricht.“ 11 Durch diese Erinnerung wird es Brian z. B. möglich, Fische mit einem Speer zu fangen. Die Botschaft, die von diesen Textpassagen ausgeht, ist für die junge Leserschaft eindeutig belehrend: „Wissen und Cleverness
7 Ebd. S. 180.
8 Ebd. S. 180f.
9 Ebd. S. 174.
10 Ebd. S. 181.
11 Ebd. S. 118.
5
hilft dir im Leben“. „Nur mit kühlem Verstand kann man Probleme lösen“, meint Brian. 12
Ein weiteres Thema, das der Roman behandelt, ist die Scheidung seiner Eltern. Vor dem Flugzeugabsturz war er ein ganz normaler Junge aus der Großstadt, der mit der Trennung der Eltern zu kämpfen hatte. Das Familienmuster das beschrieben wird, ist alltäglich: Brian ist Einzelkind, lebt in der Stadt und hat scheinbar wenige Freunde, da stets nur von seinem Freund „Terry“ die Rede ist. 13 Er entdeckt, dass die Mutter sich mit einem fremden Mann trifft, jedoch sprechen die Eltern offensichtlich nicht über die genaueren Hintergründe ihrer Trennung mit Brian. Er geht davon aus, dass der Vater nichts vom Liebhaber der Mutter weiß, weshalb ihn sein Gewissen über dieses „Geheimnis“, wie Brian es stets nennt, plagt. Auf die Mutter ist er einerseits wütend, andererseits will er ihr gegenüber loyal bleiben. 14
Diese „typischen Kinder-Probleme“ treten unter diesen Umständen zurück, werden in den Kapiteln, in denen er Überleben muss, völlig belanglos. Brian scheint sich damit abgefunden, zu haben und die Situation zu akzeptieren. Der Aufenthalt in der Wildnis stärkt Brians Selbstbewusstsein, was die pubertäre Loslösung vom Elternhaus erleichtert und damit die Scheidungsproblematik relativiert. Auch der Schluss des Buches beschreibt die Trennung relativ unspektakulär: „Brians Eltern waren glücklich über seine Rettung. Anfangs schien es sogar, als würden sie wieder zusammenfinden. Bald aber kehrte der Alltag ein. Sein Vater ging zurück in die Ölfelder der Arktis (...). Seine Mutter blieb in der Stadt, baute ihre Karriere im Immobiliengeschäft auf und traf sich weiterhin mit dem Mann im Kombiwagen.“ 15 Die Konstellation ist so angelegt, dass die Trennung zwar von Brian als fatal empfunden wird, allerdings lernt er durch die Wildniserfahrung damit umzugehen. 16 Auch aus seiner Zeit in der Wildnis nimmt er nur positive Erfahrungen mit, wie am Ende deutlich wird: “Es waren keine schlechten Erinnerungen und sie bedrückten ihn nicht (...).“ 17 Er hat also aus seinen Erfahrungen nur Positives gelernt. Auf diese Weise wird das Thema der Scheidung und der gesamten Tragödie durchaus mutmachend und vorbildhaft gelöst: Er geht Situationen, die er beeinflussen kann, aktiv an und akzeptiert Unabänderliches, das nicht in seiner Macht steht.
12 Ebd. S. 154.
13 so z.B. auf S. 36 (in ebd.)
14 Ebd. S. 16.
15 Ebd. S. 182f.
16 So auch die Darstellung in Salvner, M.Gary: Presenting Gary Paulsen. Twayne Publishers: London u.a. 1996. S. 42.
17 Ebd. S. 182.
6
Ein weiteres Thema im Roman ist der Tod. Der Pilot erliegt während des Fluges einem Herzinfarkt und stirbt vor Brians Augen. Nach der Notlandung auf dem See versinkt das Flugzeug mit der Leiche des Piloten im See. Durch einen Tornado taucht es wieder auf. Brian „spürt die Traurigkeit“ 18 beim Gedanken an den toten Piloten im Wasser, nimmt den Tod aber als Teil des Lebens an. Auch beim Bergen des Notfallpaketes aus dem Flugzeug, bekommt er die skelettierte Leiche des Piloten zu sehen und gerät in Panik. Später beruhigt er sich jedoch wieder und nimmt das Sterben als natürlich hin. 19 Brian begeht auch einen Selbstmordversuch. Nachdem ein Rettungsflugzeug wieder abgedreht hatte, „hatte er sich vernichtet gefühlt“ 20 und sich die Pulsadern geöffnet. Er überlebt jedoch und schämt sich dann für seine Tat. Hier ist die entscheidende Passage, an der er erkennt, dass er auf sich selbst zählen muss. Hier wird sein Überlebenswille noch mal angespornt: „Er würde den Tod nicht einfach hinnehmen. Er würde sich auflehnen (...)“. 21 Suizid wäre keine Lösung - ihm wird klar, dass er „neue Wege finden muss“. 22 Der Tod wird generell also als natürlich betrachtet, ein Suizid jedoch als völlig abwegig. Statt sich das Leben zu nehmen, nimmt Brian sein Leben dann noch aktiver in die Hand. Soweit zu den Konfliktlösungsstrategien, den zentralen Inhalten und vermittelten Botschaften, die Paulsen seinen Lesern mitgibt.
2.3. Das Genre der Abenteuerliteratur und der Robinsonade
Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich um ein Jugendbuch, das in der typischen Tradition des Abenteuerromans steht. Charakteristisch hierfür ist die Erzählstruktur, die den Aufbruch von Brian, das Bestehen von Abenteuern und die glückliche Rückkehr nach Hause darstellt. Gerhard Haas nennt besonders das Motiv der Ausreise, wie es bereits aus der mittelalterlichen Literatur (z.B. Wolfram von Eschenbachs „Parzival“) bekannt ist, als Charakteristikum - auch wenn Brians Ausfahrt und aventiure nicht freiwillig ist, da er ja auf dem Weg zum Vater ist und verunglückt. Aber Haas betont, dass die „äußere Reise primär und dominant der Beförderung individuativer Prozesse im jungen Menschen und einer inneren
18 Ebd. S. 149.
19 Ebd. S. 169.
20 Ebd. S. 114.
21 Ebd. S. 116.
22 Ebd. S. 116.
7
Entwicklung dient“ 23 . Das Erleben der „äußeren Abenteuer“ entspricht also auch Brians innerer Verwandlung und Veränderung.
Ein weiteres Hauptmerkmal des Genres liegt in der auf Spannung angelegten Erzählstruktur. „Aus ihr ergibt sich (..) nach Karl Ernst Maier (die) gesteigerte Dynamik des Handlungsablaufs“. 24 So stehen sich in Paulsens Roman Aufgabe und Hindernis, Chance und Gefahr gegenüber: „Steigerungen, Höhepunkte, überraschende Wendungen, Auf und Ab in der Bedrohung, Wagnis, Rettung und Glück verleihen der Handlung den Charakter erregter Bewegtheit.“ 25 Ein anderes Grundmotiv, das ebenso kennzeichnend für die Abenteuerliteratur ist und auch auf Paulsens Werk zutrifft, ist die fremde Welt, in der sich die Handlung vollzieht: Brian, ein typisches Stadtkind, ist gezwungen, sich in der Wildnis Kanadas zurechtzufinden, was ihm „Mut, Härte, Entschlossenheit, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin, Geistesgegenwart, Einfallsreichtum und Einsatz“ 26 abverlangt. Weiterhin gattungstypisch ist die Möglichkeit des realen Geschehens. Brians Geschichte hat sich so zwar nicht zugetragen, aber völlig unmöglich oder unrealistisch erscheint sie dem Leser nicht. „Trotz der unablässigen Folge von Spannung und Lösung, trotz der Fremdartigkeit des Milieus und des außergewöhnlichen Charakters der Ereignisse, wird der Inhalt der Geschichte vom Autor als potentiell real dargestellt und vom Leser entsprechend aufgenommen. Das Außergewöhnliche (...) verlässt nicht die Grenzen der tatsächlichen Wirklichkeit, die besondere Leistung liegt nicht außerhalb des Menschenmöglichen.“ 27 Dies in Kürze zu den allgemeinen Spezifika der Abenteuerliteratur, nun möchte ich im Genaueren noch auf die Motive der Robinsonade eingehen. Paulsens Roman trägt unverkennbar die Züge einer typischen Robinsonade, einer Gattung der Abenteuerliteratur 28 , die seit Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ (1719) Vorlage für unzählige Erzählungen und Verfilmungen war. Diesbezüglich ist natürlich auch die Namenswahl des Autors, der dem Protagonisten den Nachnamen
23 Haas, Gerhard: Aufbruch und Abenteuer. Das phantastische Reiseabenteuer. In: Schober, Otto (Hrsg.) Abenteuer Buch. Festschrift für Alfred Clemens Baumgärtner zur Vollendung seines 65. Lebensjahres. 20 Originalbeiträge von Fachkolleginnen und - kollegen zum Abenteuerbuch und zur Literaturdidaktik; mit einer Bibliographie der Schulbücher, der wissenschaftlichen und literarischen Werke des Geehrten sowie der Drucklegung seines Vortrages. Bochum: Kamp 1993. S 73-85. Hier: S. 74.
24 Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon. Autoren - Illustratoren - Verlage - Begriffe. Corian-Verlag: o.A.
1995 - 2005. Hier: Teil 5: Literarische Begriffe. „Das Abenteuerbuch“ S.1.
25 Ebd.
26 Ebd.
27 Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon. Autoren - Illustratoren - Verlage - Begriffe. Corian - Verlag: o.A.
1995 - 2005. Hier: Teil 5: Literarische Begriffe. Das Abenteuerbuch S.1f.
28 Zur Einteilung der einzelnen Gruppen der Abenteuerliteratur - auf die ich hier nicht eingehen kann - siehe die Gliederungsversuche nach inhaltlichen Aspekten von Anneliese Hölder oder Karl Ernst Maier in: ebd. S. 15.
8
„Robeson“ gibt - ein besonders deutlicher Hinweis auf den zugrundeliegenden Stoff. Die Muster der Robinsonade untersucht Reinhard Stach ausführlich. Er zählt dazu das Stranden in Bewusstlosigkeit, die zufällige Nahrungssuche, den einsetzenden Lernprozess zur Daseinsbewältigung, die innere Umkehr, die häusliche Einrichtung durch Wohnungsbau, Rückschläge sowie das Leben mit der Natur und den zumeist belehrenden Charakter. 29 All diese Punkte treffen auch auf Brians Abenteuer zu. Er entdeckt die menschliche Kultur sozusagen neu und fertigt sich Pfeil und Bogen, schafft sich Vorräte an, entdeckt zufällig einen Weg, um Feuer zu machen und lernt das Jagen.
Auch die Einsamkeit ist ein grundlegender Aspekt des Gattungsbegriffs. Unter der Einsamkeit leidet der Protagonist einerseits 30 , „zum anderen bildet sie aber die Grundlage zur Selbstfindung und Selbstwerdung, sie bietet ihm Rückbesinnung und Vorschau.“ 31 Und wie auch schon im „Robinson Crusoe“ wird in modernen Robinsonaden wie „Allein in der Wildnis“ die persönliche Reifung und Selbstfindung eine das Geschehen tragende Intention, „die sich mit der Abkehr von der technisierten Welt zur Glück und Heil versprechenden Natur verbindet.“ 32 Besonders deutlich wird dies, als Brian das Notfallpaket aus dem Flugzeug bergen kann und darin auch ein Gewehr findet. Bisher hat er mit Pfeil und Bogen gejagt, aber als er das Gewehr in den Händen hält, geht in ihm eine Veränderung vor: „Er wusste nicht, ob ihm diese Veränderung gefiel. (...) Die wunderbaren Geschenke aus dem Überlebenspaket machten ihn nicht glücklich. Offenbar hatte er nicht nur etwas gefunden - er hatte auch etwas verloren.“ 33
2.4. Erzählstruktur, Aufbau, Sprache
Der Roman ist in 20 Kapitel - inklusive Epilog - aufgeteilt, wobei der Umfang eines Kapitels maximal 10 Seiten beträgt. Jedes Kapitel entspricht dabei einem Abenteuer, bzw. einer Situation in der Wildnis, die es zu meistern gilt. Sei das nun der
29 Stach, Reinhard: Apokryphe Robinsonaden des 19. Jahrhunderts. In: Robinsonaden. Bestseller der Jugendliteratur. Baltmannsweiler: Schneider - Verlag Hohengehren 1996. S. 17 - 28. Hier. S. 26.
30 „Er war verdreckt, von Moskitos zerstochen, verletzt, (...) hungrig und einsam (...).“ In: Paulsen, Gary: Allein in der Wildnis. Carlsen: Hamburg 2003. S.69.
31 Stach, Reinhard: Kinder spielen Robinson. Eine Variante seiner Wirkungsgeschichte. In: Robinsonaden. Bestseller der Jugendliteratur. Baltmannsweiler: Schneider - Verlag Hohengehren 1996. S.106 - 119. Hier: S.
115.
Zum Topoi der Einsamkeit auch: Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon. Autoren - Illustratoren - Verlage -Begriffe. Corian-Verlag: o.A. 1995 - 2005. Hier: Teil 5: Literarische Begriffe. „Robinsonaden in der Jugenliteratur“. S. 29.
32 Ebd. S. 29.
33 Paulsen, Gary: Allein in der Wildnis. Carlsen: Hamburg 2003. S. 175.
9
Quote paper:
MA Ulrike Ziegler, 2006, "Allein in der Wildnis" - Eine Analyse des Abenteuerromans von Gary Paulsen für die Lektüre im Unterricht in einer 6. Klasse Hauptschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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