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2.1 Definitionen von Wohnen 2
2.2 Wandel des Begriffs ’Haushalt’ und Entwicklung des Familien-
begriffs 3
2.3 Wohnen und wohnungsbezogene Infrastruktur
2.4 Trennung von Arbeit und Wohnen
2.5 Entwicklung des Wohnungsmarktes
2.6 Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit 9
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4.1 Lebenslauf zwischen Individualisierung und Institutionalisierung 11
4.2 Lokale Bindungen als Bremse oder Antrieb für Individuali-
sierungsprozesse 11
4.2.1 Umwelt als Heimat 12
4.2.2 Soziale Netzwerke 12
4.2.3 Soziale Infrastruktur 13
4.2.4 Räumliche Mobilität 14
4.2.5 Hausbesitz 14
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In meiner Hausarbeit geht es um die Darstellung von Leben und Wohnen in der
Stadt. Wobei im Seminar schon mündlich darüber referiert wurde. In diesem Referat übernahm ich den ersten Teil über das Wohnen in der Stadt. Zunächst werde ich anhand von zwei Definitionen die groben Unterschiede zwi- schen dem Begriff ‚Wohnen' früher und heute aufzeigen, um dann näher auf die Entwicklung des Wohnens anhand von Merkmalen wie Haushalt, Familie, Woh- nung u.a. einzugehen. Daraufhin schneide ich kurz den Punkt Wohnkultur an und gehe zum Schluss umfassender auf das Leben in der Stadt ein.
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Definition aus früherer Sicht:
„Der Heerd ist fast in der Mitte des Hauses und so angelegt, dass die Frau, wel- che bey demselben sitzt, zu gleicher Zeit alles übersehen kann. [...] Ohne von ihrem Stuhle aufzustehen, übersieht die Wirthin zu gleicher Zeit drey Thüren, dankt denen die hereinkommen, heißt solche bey sich niedersetzen, behält Kinder und Gesinde, ihre Pferde und Kühe im Auge, hütet Keller und Boden und Kammer, spinnet immerfort und kocht dabey. Ihre Schlafstelle ist hinter diesem Feuer, und sie behält aus derselben eben diese große Ansicht, [...]. Wenn sie im Kindbette liegt, kann sie noch einen Theil dieser häuslichen Pflich- ten aus dieser ihrer Schlafstelle wahrnehmen." 1
Definition aus heutiger Sicht:
„Eine Wohnung ist die Summe aller Räume, die die Führung eines Haushaltes ermöglichen, darunter ist stets eine Küche oder ein Raum mit Kochgelegenheit. Eine Wohnung hat grundsätzlich einen eigenen abschließbaren Zugang unmit- telbar vom Freien, einem Treppenhaus oder einem Vorraum, ferner Wasserver- sorgung, Ausguß und Toilette, die auch außerhalb des Wohnungsabschlusses liegen können." 2
1 Kaiser 1988, S. 14f
vgl. auch Häußermann & Siebel (1996), S. 22
2 Statistisches Bundesamt 1995b, 5
vgl. auch Häußermann & Siebel (1996), S. 17
3
Aus der früheren Definition zu entnehmen, besteht das Haus meist aus einem einzigen Raum, in dem das Leben stattfinde. Wie schlafen, essen, kochen, ar- beiten, etc. Im Gegensatz hierzu hat sich bis heute eine Lebensweise entwi- ckelt, in der die Privatsphäre hoch bewertet wird. So besteht das Haus nicht nur aus einem einzigen Raum, in dem es praktisch unmöglich ist, eine Ecke für sich alleine zu beanspruchen, sondern häufig hat jeder sein eigenes Zimmer, in das er sich zurückziehen kann. Auch werden im Laufe der Zeit Küche, Wohnzim- mer, Esszimmer, Arbeitsraum voneinander getrennt. Die Stellung der Frau hat sich im Laufe der Zeit ebenfalls gewandelt. Nach der früheren Definition steht sie im Mittelpunkt des Hauses (Raumes) und überwacht das Geschehen, wäh- rend sie nebenbei kocht, die Kinder hütet, putzt, etc. heutzutage werden durch die zunehmende Emanzipation auch die Männer in den Haushalt einbezogen und die Rollen werden untereinander verteilt.
Nach Otto Brunner heißt die frühere Wohnweise ‚Ganzes Haus' 3 . Die heutige Wohnweise wird meist als ‚Modernes Wohnen' bezeichnet. Beide Typen über- lappen sich zeitlich, es fließt der eine in den anderen über. So gibt es schon im
16. jahrhundert Ansätze modernen Wohnens. Dagegen hat sich die Wohnweise
des ‚Ganzen Hauses’ auf dem Land länger gehalten.
Erwähnt werden muss noch, dass die beiden Typen ‚Ganzes Haus’ und ‚Mo- dernes Wohnen’ idealtypische Konstrukte sind.
Im folgenden wird ausführlicher auf die Entwicklung des Wohnens, wie unter Punkt 1 erwähnt, eingegangen.
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Ein Hauhalt ist „die häusliche Wirtschaft einer Familie oder Lebensgemein- schaft, im engeren Sinne eine Wohn- und Lebensgemeinschaft“ 4 . Um 1965 leb- ten in Deutschland 90% aller Personen in einem Familienhaushalt. 5 Im Mittelalter bestand ein städtischer Großhaushalt aus noch 48 bis 50 Perso- nen. Ein mittlerer Haushalt aus 20 bis 25 Personen und schließlich ein kleiner Haushalt aus 8 bis 10 Personen. 6 Bis ins 18. jahrhundert setzt sich die Familie
3 vgl. a.a.O., S. 22
4 Brockhaus, Achter Band (1969), S. 238 5 vgl. ebd.
6 Vgl. Häußermann & Siebel (1996), S. 29
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nicht nur aus Vater, Mutter, Kind(ern) zusammen, sondern alle Verwandten, die Dienerschaft und Arbeitskräfte zählten ebenfalls zur Familie. Zudem wurde in der damaligen Zeit nicht von Familie gesprochen, sondern allgemein von „Haus“. Der ‚Familiensinn’ als Bewusstsein einer besonderen Beziehung zwi- schen Eltern und Kindern gibt es zwar schon im 16. Jahrhundert, allerdings nur bei einigen Adligen.
Erst im 18. Jahrhundert kommt das Wort Familie in die deutsche Umgangs- sprache und löst den Begriff „Haus“ ab. Allerdings konnte sich ein Familiensinn in kleinbürgerlichen haushalten bis ins 19. Jahrhundert kaum oder gar nicht entwickeln, da es bis dahin keinen abgrenzbaren Raum zum Rückzug gab. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurden kleinbäuerlichen Haushalten ein privater Raum ohne Gesindel, Vieh zugesprochen. Folge war, dass nichtverwandte Haus- haltsmitglieder ausgegrenzt wurden. Im Laufe der Zeit schließlich auch die (ent- fernteren) Verwandten. Bis 1939 galten jedoch noch Mehrfamilienhaushalte als Familienhaushalte. Die Zahl der Familienfremde (Angestellte, Freunde...) im Haushalt sank von 1910 mit 26,2% bis 1990 mit 1,1% stark ab. Immer seltener wohnt heute jemand zur Untermiete.
Mit der Zeit hat sich ein Zwei-Generationen-Haushalt etabliert.
Die neue Wohnweise, welche sich während des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, ist mit vier Merkmalen charakterisierbar:
„ 1. die soziale Einheit des Wohnens ist die Kleinfamilie;
2. funktional ist Wohnen das Gegenüber zur beruflichen Arbeit, Ort der Frei-
zeit;
3. sozialpsychologisch ist Wohnen Ort der Privatheit und Intimität, das Gegen-
über zur Öffentlichkeit;
4. ökonomisch ist Wohnen eine Ware, die der einzelne Haushalt durch den
Kauf oder Miete erwirbt.“ 7 Wobei auch der Zwei-Generationen-Haushalt zunehmend an Wert verliert. Die soziale Einheit des Wohnens ist immer seltener die Familie. Es bilden sich ver- schiedene Haushaltstypen. So werden „als neue ‚Haushaltstypen’ die Alleinste- henden (Singles), die unverheiratet zusammenlebenden Paare, die Alleinerzie- henden und die Wohngemeinschaften“ 8 bezeichnet. Die Zahl der Einpersonen- haushalte ist im Laufe von ca. 30 Jahren (1961-1992) um 13,1% gestiegen. Seit
7 vgl. a.a.O., S. 738
8 Schäfers & Zapf (1998), S. 733
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Quote paper:
Juliane Müller, 2000, Wohnen und Leben in der Stadt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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