I. Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis II. Einleitung III. Franko B und seine Werke IV. Motivation und Kontext V. Sprache und Schmerz VI. Religion und Ritual VII. Zusammenfassung VIII. Fußnoten IX. Literaturliste
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II. EINLEITUNG
Bereits seit den Anfängen der Performance Art gibt es Beispiele von Künstlern, wie etwa Arnuf RAINER und SCHWARTZKOGLER, die sich in ihren Werken therapeutisch mit sich selbst auseinandersetzen (GOLDBERG:169). Die intensive Beschäftigung des Künstlers mit seinem Körper im Zuge der Aufführungen führt zwangsläufig zu einem Erkennen und Verweisen auf das eigene Selbst. Dieses Erkennen wird insbesondere durch das Bewusstmachen und auch Zeigen des bisher Verworfenen erreicht. Des Verworfenen des menschlichen Körpers, wie beispielsweise seine Exkremente und Körperflüssigkeiten. Man spricht in dieser Hinsicht vom abject body, Julia KRISTEVA beschreibt in ihrem Buch Powers of Horror the abject body als den Teil des Körpers, der Identität und Ordnung systematisch zerstört und sich den Grenzen und Gesetzen unserer Gesellschaft widersetzt. Der abject body fokussiert den Körper als fleischliche Hülle und trennt das Menschliche vom Unmenschlichen. 1 Eine genaue Definition gibt es nicht, der Begriff bleibt immer noch vage. Seit den sechziger und siebziger Jahren hat es in der Kunst, speziell in der Body- und Performance Art, zahlreiche Auseinandersetzungen von Künstlern, wie Karen FINLEY, Annie SPRINKLE und Ron ATHEY, mit dem Gegenstand des abject body, also den Grenzbereichen des Körpers, gegeben. Einer dieser Künstler ist Franko B, den ich für meine Analyse zum Thema Therapie in der Kunst heranziehen möchte. Diese Arbeit ist der Versuch das Therapeutische in der Kunst des Body-Artist Franko B herauszufinden. Seine Kunst steht irgendwo zwischen Performance, Theater und Ritual, sie zeigt sowohl autobiografische, als auch gesellschaftskritische Aspekte, auch wenn Franko B vor allem den autobiografischen Bezug dementiert. Dennoch werde ich im Folgenden näher darauf eingehen, und versuchen, am Beispiel anderer Performance Künstler, die autobiografischen Gesichtspunkte aufzudecken. Dabei werde ich mich vor allem auch auf das von Franko B im Internet veröffentlichten Artist Statement und zwei weiteren Texten, die ebenfalls der Künstlerhomepage http://www.franko-b.com zu entnehmen sind, stützten, da diese, speziell das Artist Statement, Aufschluss über die Motivation des Künstlers geben. Zusätzlich werde ich meine Argumentation mit Hilfe einiger Literatur zum Thema Körper und Performance, sowie Abjection und Schmerz versuchen zu untermalen. Als psychologisches Standartwerk habe ich neben KRISTEVA auch Alice MILLERS Buch, das Drama des begabten Kindes
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herangezogen, da es die Verdrängung der eigenen Gefühle auf Grund großer Verluste in der Kindheit thematisiert. Sollte der direkte Bezug an dieser Stelle noch nicht ganz offensichtlich sein, hoffe ich doch, diesen im Verlauf der Arbeit, deutlich machen zu können. III. FRANKO B. UND SEINE WERKE
Der 1960 in Milano geborene Video- und Performance-Künstler Franko B. wächst ohne die Liebe der Eltern in einem Waisenhaus des Roten Kreuzes auf, und geht mit 19 Jahren nach London, um dort an der Camberwell School of Art und am Chelsea College of Art zu studieren. Wie die meisten der Performance Künstler entstammt auch er einem künstlerischen und nicht einem theatralischen Hintergrund. Diese Einflüsse spiegeln sich auch in seinen Werken wider. Neben Video- und Performance-Kunst formt er Plastiken, fotografiert und malt, wobei er seinen Körper als Leinwand und sein Blut als Farbe betrachtet. In diesem Zusammenhang ist es auch anzunehmen, dass Franko B. die Motivation für seine Aufführungen nicht aus den großen Theatertheorien des 20. Jahrhunderts von BRECHT bis GROTOWSKI zur Revolutionierung des Theaters schöpft, sondern diese vielmehr aus dem Verlangen danach, sich selbst darzustellen, kreiert, was meine These ebenfalls stützt. Er selbst sagt über seine Kunst aus, dass sie sein Beitrag zu der Gesellschaft ist, in der er lebt, dass sie ihn verkörpert und gleichzeitig durch seinen Körper dargestellt wird. Dabei geht es ihm weniger um sich selbst, als vielmehr darum seine Stellung in der Gesellschaft auszudrücken. 2 In wie weit ihm das gelingt, soll im Folgenden noch diskutiert werden. Seine Arbeiten überschreiten scheinbar die Grenzen des Körpers, zum einen des Körpers als Material, aber auch in seiner generellen Repräsentation. Der nackte, monochromatische Körper Franko B.s wird zum Ausdrucksmittel für seine Kunst, weist den Zuschauer auf das Kranke und Profane, das Essentielle und das Unaussprechliche hin, das er gelernt hat, bei sich selbst und anderen nicht mehr wahrzunehmen. Im Kontrast dazu steht die mediale Darstellung, die prägend ist, für unsere Vorstellungen des Körperlichen. Franko B. erkennt darin seine Herausforderung und „opfert“ (sowohl wörtlich, als auch bildlich gesprochen) seinen Körper, indem er ihn gegen die gesellschaftliche Hegemonie stellt. Durch diese Gegenüberstellung hofft er dem Betrachter ein anderes, differenzierteres Bild des menschlichen Körpers zu zeigen, das
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seine eigene Betrachtungsweise neutralisiert. Dabei nimmt Franko B. durchaus in Kauf, zunächst auf Abscheu und Widerwille zu stoßen, denn erst die Auseinandersetzung des Betrachters mit seinen eigenen Gefühlen, ermöglicht diesem einen unverfälschten Blick auf den individuellen Körper und nicht die Projizierung des Idealbildes, das er aus den Medien kennt.
Seine Werke durchzieht eine emotionale Atmosphäre, die sich schon in der Namensgebung ausdrückt. So haben die Titel, wie I Miss You oder Oh Lover Boy keinen direkten Bezug zu den Aufführungen selbst, und doch muten sie irrational und gefühlsbetont an. Es scheint beinahe so, als zeige sich der autobiografische Bezug bereits hier: sowohl I Miss You, als auch Mama, I Can’t Sing klingen wie Aussprüche des kleinen Waisenkinds Franko B., das sich nach der Liebe und Anerkennung seiner Mutter sehnt. Im Interview gibt Franko B. auf den Titel angesprochen, zu, dass er nicht singen kann, warum sollte die Anrede Mama nicht auch eine Tatsache sein? (SPACKMAN:71) Ähnliche Kindheitssehnsüchte und Erinnerungen drückten auch andere Performance Künstler, wie Laurie ANDERSON und Julia HEYWARD (Shake! Daddy! Shake!), die sich in den siebziger Jahren eindeutig zu ihrem autobiografischen Performances bekannten, aus (GOLDBERG:172). Obwohl Franko B. öffentlich seine Homosexualität eingesteht, streitet er dennoch deren Reflexion in seiner Kunst ab (CAMBELL:60). Dies mag zulänglich für seine Kunst an sich sein, lässt es sich jedoch noch vereinbaren, wenn man den Titel Oh Lover Boy getrennt vom eigentlichen Stück betrachtet? Das Oh im Namen hebt Emotionalität und Erregtheit der Überschrift eindeutig hervor, ob es sich dabei jedoch um versteckte Sehnsüchte handelt, lässt Franko B dennoch offen.
Zieht man aber an dieser Stelle die Psychoanalyse zu Rate, kommt man zu dem Schluss, dass sich sowohl in den Überschriften als auch in der Darstellung des Verworfenen und Elendigen des menschlichen Körpers, unbewusst die verdrängten und verworfenen Emotionen der Kindheit sowie der Jetztzeit ausdrücken. Der Künstler unternimmt demnach den Versuch sich selbst zu therapieren, ist aber noch im Mechanismus der Selbstverleugnung (MILLER:86) gefangen. Deshalb lässt er auch die Zuschauer betont über seine Hintergründe im Unklaren, er hofft auf Verständnis des Betrachters, ohne ihnen die Chance zu geben, seine Arbeit im vollen Umfang zu verstehen. Er konfrontiert ihn mit seinen Kunstwerken, die seine wahren Gefühle verschleiern, da er
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Arbeit zitieren:
2006, Franko B und die Arbeit mit dem Körper - das Therapeutische in seiner Kunst, München, GRIN Verlag GmbH
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