Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3 - 4
St ützpfeiler der Verklärung 4
Sch önheit. Zwischen Selbstinszenierung und inszeniert werden S. 5 - 7
Photographie S. 7 - 8
Suspendierung der mütterlichen Weiblichkeit - Neurose und Moderne S. 8 - 9
Tod und Literatur S. 9 - 11
Die Sissifilme 11
Technik S. 12
Inhalt S. 12 - 14
Verklärung und Kompensation - Das Deutschland der 60er Jahre S. 14 - 16
Fazit S. 16 - 17
Literaturverzeichnis S. 18 - 19
2
Einleitung
Kaiserin Elisabeth I. wurde am 24. 12. 1837 als Elisabeth Amalia Eugenia, Herzogin von Bayern, in München geboren. Einundsechzig Jahre später wurde sie von einem italienischen Anarchisten namens Luigi Lucheni aus reiner Geltungssucht ermordet. Beschäftigt man sich mit Elisabeths Leben, so stößt man in nahezu jeder Monographie auf die gängigen Topoi, welche allgemein das Leben der Kaiserin kategorisieren. Diese sind, um die wichtigsten zu nennen, die Ablehnung des höfischen Lebens, ein übersteigerter Narzissmus, mündend in der kultischen Pflege der Schönheit, Eigensinnigkeit, sowie eine innere Flucht in romantisierte Zauberwelten und eine äußere Flucht, welche sich durch Gewaltmärsche ähnelnde Spaziergänge und Reisefieber ausdrückte. Besonders der psychologische Faktor, womit eine zunehmende seelische Vereinsamung und Formen der manischen Depression gemeint ist, scheint von bedeutender Wichtigkeit für die Beurteilung ihrer Biographie zu sein. Nun stellt sich die Frage, wie aus einer historischen Persönlichkeit, welche „sich weigerte, sich ihrem Stand gemäß zu verhalten und mit beachtlichem Selbstbewusstsein jenes Ziel erstrebte und erreichte, das erst die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts mit ihrem Schlagwort »Selbstverwirklichung« formulierte“ 1 und die auf einer tieferen Ebene sogar zum Symbol eines sich im Niedergang befindenden Staatengebildes und des damit verbundenen monarchistischen Herrschaftsprinzips avancierte, die Edelkitsch - Ikone Sisi werden konnte. Diese Arbeit soll die stufenweise, gezielte Verklärung im Bild der Kaiserin Elisabeth herausstellen, von der Etablierung des Mythos noch zu Lebzeiten der Kaiserin, bis zu dessen erfolgreichen Transport in unsere Gegenwart. Die verschiedenen Einflüsse der Zeiten, die Techniken der künstlerischen Bearbeitung und die begünstigenden politischen Faktoren im Deutschland der sechziger Jahre sollen untersucht und in Hinblick auf die fortschreitende Ikonisierung beurteilt werden. Die eigentliche Gewichtung liegt hier in der Bewertung der Sissifilme von Ernst Marischka, in welchen die bisherige Spitze der Verzerrung jener historischen Gestalt erreicht scheint und durch deren gekonnte Inszenierung der Mythos seinen Sprung in die Moderne schaffte.
Die Forschung in Bezug auf die historische Wahrheit des Lebens der Kaiserin Elisabeth, abseits der gängigen Klischees und Mythen, ist noch relativ jung und beruft sich auf das Standardwerk »Elisabeth. Kaiserin wider Willen« von der Historikerin Brigitte Hamann. Hierbei handelt es sich um eine 1982 erschienene Biographie, in welcher die Realgeschichte der historischen Figur rekonstruiert wird. Neben Hamanns Werk basiert diese Arbeit
1 Hamann, Brigitte: Elisabeth. Kaiserin wider Willen. Wien (u.a.) ³1982, S. 11
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maßgeblich auf Juliane Vogels »Elisabeth von Österreich. Momente aus dem Leben einer Kunstfigur«, erstmals erschienen 1992 in Wien und Gerda Mraz` »Elisabeth. Wunschbilder oder die Kunst der Retouche« von 1998. Während Vogels Biographie die „systematische Konstruktion eines Ideals anhand der Schriften und Bilder zu verfolgen sucht, die Elisabeths Gestalt und Leben bearbeiteten, stilisierten und verklärten“ 2 , dabei die Sissifilme allerdings völlig außer Acht lässt, beschäftigt sich Mraz gezielt mit der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Mode kommenden Kunst der Lithographie, die entscheidend zum Mythos der Kaiserin Elisabeth beitrug.
Auch auf dem populärwissenschaftlichen Sektor, dessen Werke ebenfalls die Verklärung der Kaiserin vorantrieben, zeichnet sich die Rekonstruktion der historischen Persönlichkeit Elisabeth ab, zum einen, da die Verklärung der Figur längst ausgeschöpft ist und die zu diesem Thema kursierenden Werke kaum noch zählbar sind, sprich aus wirtschaftlichen Gründen, zum anderen, da die konsequente Missachtung historischer Fakten nach den veröffentlichten Ergebnissen der ernsthaften wissenschaftlichen Forschung kaum noch haltbar erscheint. Die Populärwissenschaften und der Faktor der Marktwirtschaftlichkeit spielen eine wichtige Rolle im Zuge der systematischen Verklärung Elisabeths I.
Stützpfeiler der Verklärung
Im Folgenden geht es darum, die wichtigsten Faktoren der Mythenbildung um Kaiserin Elisabeth zu erläutern. Ausgehend von einem schon zu Lebzeiten durch Elisabeth selbst inszenierten Kult um ihre Schönheit und das damit zusammenhängende Wechselspiel zwischen ihrer eigenen Etablierung als Kunstfigur und den äußeren Zwängen der Betrachter, soll auch auf den Wandel im Frauenbild und dem Aufkommen eines neuen gesellschaftsfähigen Mediums, der Photografie, eingegangen werden. Eine letzte Kategorie bildet ihr Tod als Wegbereiter zur völligen Entfaltung einer Ikonisierung, welche durch die Literatur maßgeblich vorangetrieben wurde.
2 Vogel, Juliane / Christen, Gabriela: Elisabeth von Österreich. Momente aus dem Leben einer Kunstfigur.
Frankfurt ²1998
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Schönheit. Zwischen Selbstinszenierung und inszeniert werden
Die Maße Elisabeths I. werden mit 172 cm Größe, einem Taillenmaß von 50 cm und einem Gewicht von 50 Kilogramm als historisch gesichert angegeben. Lediglich das Hüftmaß von 62 bis 65 cm wirft Zweifel auf. Allein die Maße betreffend, zeichnet sich hier das Bild einer modernen Frau, die von ihrem rein äußerlichen Wuchs jedem heutigen Popstern problemlos Konkurrenz machen könnte. Noch imposanter scheint die Tatsache, dass diese Maße zeitlebens, bis auf minimale Schwankungen, unverändert blieben. Doch hatte diese scheinbare Makellosigkeit ihren Preis. Nur durch ständige Hungerkuren, extrem viel Bewegung und eine an ein Martyrium grenzende Schönheitspflege, vermochte die junge Kaiserin ihr Selbstbildnis zu bewahren. Ein Opfer was sich lohnen sollte, da sie „ihr wachsendes Selbstbewusstsein aus der Tatsache einer immer frappanter und ungewöhnlicher werdenden Schönheit bezog, die sie in den sechziger Jahren zu einer Weltberühmtheit machte“. 3
Die ersten Bestätigungen ihrer Schönheit bezog Elisabeth aus ihrer Wirkung auf einfache Menschen, dem Volk. Gleich einem Fangetümmel heutiger Zeit, liefen die Menschen in Scharen zusammen, sobald sich ihnen eine Gelegenheit bot, einen Blick auf sie zu erhaschen. So soll Erzherzogin Sophie, die Mutter des Franz Josephs, nach einem solchen Ereignis notiert haben: „Es ist die Kaiserin, die sie alle anzieht, denn sie ist ihre Freude, ihr Idol.“ 4 Aus dieser Aussage lassen sich zwei wesentliche Faktoren ableiten. Erstens, Elisabeths eigenes Wissen um ihre Schönheit, belegt durch die Tatsache der schon früh einsetzenden Schönheitspflege und zweitens, die erstaunliche Wirkung auf das Volk, welches seinerseits in Hinblick auf die volkstümliche Rezeption den Grundstein für die Mythenbildung um Elisabeth legte. Das zukünftige Fortschreiten des Elisabethkults wurde maßgeblich durch dieses Wechselspiel 5 zwischen ihrer Person und den jeweiligen Betrachtern beeinflusst, was sich noch bis zu einem Extrem steigern sollte und der Kaiserin sowohl enorme Vorteile, wie auch Nachteile bescherte. Denn die forcierte Bedrängung durch die Massen schlug schon früh in Panikattacken der Kaiserin um, so dass „sie Angst bekam und sich nicht anders zu helfen wusste, als (bei einem Besuch des Stephansdoms) weinend in die Sakristei zu flüchten“ 6 . Zudem entwickelte sich von da ab ein immer stärker werdender Druck auf Elisabeth, ihrer sagenhaften Schönheit von mal zu mal gerecht zu werden. Dieser Umstand sollte zu ihrer späteren Verweigerungshaltung vor öffentlichen Auftritten beitragen. Doch zunächst
3 Hamann. Kaiserin wider Willen. S. 189
4 ebenda, S. 190, von Hamann zitiert aus Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. Nachlass der Erzherzogin Sophie.
Tagebucheintrag vom 01.05.1855
5 vgl. Vogel. Elisabeth von Österreich. S. 18
6 ebenda, S. 190
5
entwickelte sich auch bei Hofe der Mythos um ihre Schönheit, welcher von fremdländischen Diplomaten über die Grenzen des Kaiserreichs hinaus getragen wurde 7 . Das Kaiserin Elisabeth selbst alles ihr nur mögliche veranstaltete, um diesen Rummel um ihre Person weiter Voranzutreiben, ist offenkundig. Nicht nur die aufwendige Pflege ihres Körpers, ihrer Haut und besonders ihrer bis zu den Fersen reichenden Haarpracht, der eine Vielzahl der einschlägigen Literaturen ganze Kapitel entrichten, zusammenfassend also eine Schönheitspflege, die noch nicht einmal Rücksicht vor gravierenden Mangelerscheinungen in Form einer Gefährdung für die Gesundheit nahm, machen auf Elisabeths Beteiligung an ihrer Ikonisierung noch zu Lebzeiten aufmerksam. Denn „nicht nur von anderen werden der Kaiserin die vielen Masken idealischer Weiblichkeit angelegt. Auch Elisabeth selbst betreibt Idolatrie am eigenen Leibe“. 8 Gemeint ist hiermit ihre fortwährende Selbststilisierung im Glanz phantastischer Schwärmereien, in der „sie sich selbst zur Kunstfigur wird“ 9 . Während sie die, ihr von Außen aufgezwungenen, Stereotypen ihrem Selbstbild gerecht werdend erweiterte und verfeinerte, trat sie zugleich mehr oder weniger bewusst aus dem Dunstkreis tradierter Formen der Herrscherpräsentation und ersetzte diese durch individuell gewählte „Gebärden aus Dichtung und Malerei“. Ihre oft beschriebene ablehnende Haltung zu Hof und Königshaus, findet hier ihr Zeugnis in der Selbstdarstellung, welche sich in keiner Weise mit einer bis dato gepflegten, dynastischen Darstellungsform deckt. Weitere Hinweise für ihre individuelle, bisweilen sehr märchenhafte Selbstdarstellung, finden sich in der Architektur. So ist hier die Villa Achilleon auf Korfu anzuführen, welche von Elisabeth „in einem mehr literarischen als politischen Delirium“ errichtet wurde und das kaiserliche Schiff Miramar, „das ihre Flucht aufs Meer ermöglicht und gleichzeitig einen idealen Theaterraum zur Verfügung stellt“. 10
Juliane Vogel weist im Weiteren richtig auf die Selbststilisierung Elisabeths durch eben solche theatralischen Mittel hin und verdeutlicht den nahezu spielfilmgetreuen Charakter dieser, bewusst evozierten, Szenen. Hieraus ergibt sich nach Vogel eine Rezeption, die von zwei Grundtendenzen beherrscht wird. Einerseits die Einprägung der gekonnt gestellten Bildsprache in das Gedächtnis des Betrachtenden, konträr zur minder starken herrschaftlichen Repräsentation, andererseits, die vom Betrachter ausgehende Weitervermittlung dieser Bilder, die genug Raum für „eine fülle phantastischer Spekulationen“ bieten. Nichts mehr bedarf der
7 „Schon zwei Jahre nach der Hochzeit schrieb zum Beispiel der Polizeiminister Kempen in sein Tagebuch,
»dass die Schönheit der Kaiserin Elisabeth viele Personen zu Hofe ziehe, die sonst ausgeblieben wären«“.
Hamann, Kaiserin wider Willen. S. 190
8 Vogel. Elisabeth von Österreich. S. 18
9 ebenda, S. 18
10 ebenda, S. 18 - 19
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Arbeit zitieren:
Timo Maier, 2005, Elisabeth von Österreich - Von einer historischen Persönlichkeit zur Kunstfigur, München, GRIN Verlag GmbH
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