INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG
2. ZUM BEGRIFF - KULTUR UND SCHOCK
3. DER PROZESS DES KULTURSCHOCKS
3.1 Geschichte des Begriffs
3.2 Verlauf des Kulturschocks - Phasen nach Oberg
3.2.1 Phase - Honeymoon
3.2.2 Phase - Kulturschock
3.2.3 Phase - Erholung
3.2.4 Phase - Anpassung
3.2.5 Kritik
3.2.6 Die W-Kurve
4. URSACHEN FÜR DIE ENTSTEHUNG DES KULTURSCHOCKS
4.1 Individuelle Faktoren
4.2 Gesellschaftliche Faktoren
5. PHYSISCHE UND PSYCHOLOGISCHE SYMPTOME DES
KULTURSCHOCKS
6. STRATEGIEN ZUR ÜBERWINDUNG DES KULTURSCHOCKS -
KULTURSCHOCKMANAGEMENT
7. ZUSAMMENFASSUNG
ABBILDUNSVERZEICHNIS
TABELLENVERZEICHNIS
LITERATUR
ANHANG
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1. EINLEITUNG
In der sich rasch verändernden Welt, wo die Staatsgrenzen aber auch die mentalen Grenzen für andere Länder geöffnet werden, wird der interkulturelle Austausch z.B. auf der Bildungs- oder Wirtschaftsebene zu einer Norm. Das in dieser Situation erforderliche interkulturelle Management umfasst fast die ganze Gesellschaft - angefangen bei den einzelnen Individuen über eine kleine Familie bis zum Grossunternehmen. Die Konfrontation mit einer fremden Kultur ist in den internationalen Wettkämpfen, weltweiten
Marketingaktivitäten sowie internationalen Wirtschaftsmärkten eine unumgängliche Bedingung. Ein signifikanter Aspekt dieses breiten Feldes des interkulturellen Managements ist der Kulturschock.
Die vorliegende Arbeit soll die Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang thematisieren. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Kulturschock, trotz seiner negativen Symptome, dennoch positiv als eine Chance und quasi einzige Möglichkeit die fremde Kultur kennen zu lernen, anzusehen ist. Es soll deutlich gemacht werden, dass gezielte Strategien die negativen Folgen eines Kulturschocks mindern und die Erkenntnismöglichkeit fördern können. Es wird zunächst der Begriff Kulturschock im Hinblick seiner zwei Dimensionen der Kultur und des Schocks besprochen. Da es viele Definitionen von der Kultur gibt, werden einigen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet, die für die Bestimmung des Kulturschocks bedeutend sind. Es wird darauf hingewiesen, dass die Kultur eine von den drei Ebenen der mentalen Programmierung des Menschen ist (Hofstede,1997). Deshalb ist sie nicht separat zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit der Persönlichkeit bzw. menschlichen Natur anzusehen. Weiterhin wird der Schock definitorisch bestimmt mit einem Hinweis auf seine möglichen Ursachen. Weil die Kultur und die Persönlichkeit einander beeinflussen, wird das Stressmodell von Lazarus, das genau diese beiden Einflussgrößen einbezieht als relevanter Erklärungsansatz für den Kulturschock dargestellt. Im Folgenden werden die Ursprünge des Begriffs Kulturschock erläutert.
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Um den Kulturschock als einen Prozess anzusehen, wird das Phasen-Modell von Oberg besprochen und die Veränderung von der niedrigen zu hohen kulturellen Kompetenz aufgezeigt. Der nächste Schritt auf dem Weg um die Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang zu ermitteln, ist den Ursachen des Kulturschocks bzw. den Einflussfaktoren auf den erfolgreichen Anpassungsprozess nachzugehen. Diese werden in individuums- bzw. gesellschaftsbezogene Einflussgrößen differenziert. Unter Punkt 5 und 6 werden die Folgen eines Kulturschocks erläutert. Einerseits wird eine Fülle von negativen Folgen eines Schocks, dessen Ursache die Konfrontation mit einer fremden Kultur ist, aufgezeigt. Andererseits werden Strategien besprochen, die die positiven Ergebnisse einer solchen Konfrontation, in dem Prozess der Anpassung fördern können. Um die möglichen Strategien zur Überwindung eines Kulturschocks diskutieren zu können, wird aber zunächst geklärt, was unter erfolgreicher Akkulturation oder Integration verstanden wird. Wann ist das Individuum angepasst bzw. integriert? Als ein Beispiel für die empirische Erfassung des Anpassungsgrades wird die soziokulturelle Adaptationsskala (SCAS) besprochen. Im Weiteren wird zunächst auf den Kulturschock als Erkenntnismittel eingegangen. Dem folgt ein Vergleich zwischen den Maßnahmen zur Bewältigung eines Kulturschocks von Kopper (1997) mit den Strategien von Dodd (1982). Abschließend wird auf das interkulturelle Training als eine erfolgreiche Strategie hingewiesen.
Das bedeutendste Ziel dieser Arbeit ist es, darauf hinzuweisen, dass der Kulturschock trotz all seiner negativen Erscheinungen, durch gezielte Maßnahmen bewältigt werden, sogar als positive Ressource im Prozess der Anpassung genutzt werden kann. Die definitorischen Bestimmungen des Kulturschocks und der erfolgreichen kulturellen Anpassung sollen deutlich machen, dass diese Phänomene komplexe Lebensbereiche ausmachen und sehr verschieden aus unterschiedlichen Sichtweise betrachtet werden.
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2. ZUM BEGRIFF - KULTUR UND SCHOCK
Der Begriff der Kultur erlebt in den letzten Jahren seine größte Konjunktur und wird immer öfter in den Geisteswissenschaften diskutiert, die sogar in die Richtung der Kulturwissenschaften neigen. Das Wort Kultur gehört zu den am häufigsten verwendeten Wörtern unseres Zeitalters (Apfelthaler, 1999, S. 29). Es ist sehr problematisch den Begriff der Kultur semantisch zu bestimmen. Es gibt eine Fülle von Definitionen die einerseits aus der Sicht unterschiedlicher Wissensdisziplinen, andererseits als einfache Alltags - Statements, die unter den Worten „the way we do things around here“ (Gibson, 2000, S. 16) das Phänomen einer Kultur erläutern wollen. All diese Definitionen zeigen einige Gemeinsamkeiten auf. Ob die Kultur als eine Gesamtheit von Lebensformen und Wertvorstellungen oder „the collective programming of the mind“ (Hofstede, 1997, S. 260) betrachtet wird, so verweisen die meisten Definitionen auf den historischen und regionalen Kontext. Die Kultur ist immer Zeit und Raum abhängig und bestimmt unterschiedliche Vorstellungen von Wissen, Ideen, Werten, Idealen, Sinngebungen, Zielen und Symbolen. Die Kultur bildet einen Rahmen, innerhalb dessen gewisse Standards ausgeprägt sind, die eine Gruppe von anderen abgrenzt. Hiermit wird schon der weitere, gemeinsame Aspekt vieler Definitionen angesprochen, nämlich der Vergleich. Denn nur in der Konfrontation mit anderen Kulturen wird die eigene erst bewusst und deutlich. Dies gilt für den Unterschied im Verhalten, in den Bedeutungen, Rollenerwartungen sowie Werten und Normen. „Kulturstandards und ihre handlungsregulierende Funktionen werden nach erfolgreicher Sozialisation von Individuum innerhalb der eigenen Kultur nicht mehr bewusst erfahren. Erst im Kontakt mit fremdkulturell sozialisierten Partnern können die Kulturstandards und ihre Wirkungen in Form kritischer
Interaktionserfahrungen bemerkt werden“ (Thomas, 1993, S. 88). Als letztes Element der verschiedenen Definitionen von Kultur ist das Ergebnis des Vergleiches der anderen Kultur zu nennen - nämlich das Fremde. Eine Konfrontation lässt einerseits die Merkmale der eigenen Kultur sichtbar werden, anderseits erfährt man die andere Kultur als fremd und den einem Individuum einprogrammierten Standards nicht entsprechend (Hofstede, 1997).
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An dieser Stelle soll aber deutlich werden, dass die Kultur keine feste gar ererbte Eigenschaft eines Individuums oder einer Gruppe ist, sondern wird im Lernprozess angeeignet. Das Erlernen der kulturellen Muster beginnt in der Familie und setzt sich in weiteren sozialen Interaktionen in der Schule, am Arbeitsplatz usw. fort. Die kulturell geprägten Denk- Fühl- und Handlungsmuster können geändert werden, d.h. das Individuum ist nicht in den Fesseln seiner Kultur gefangen, sondern kann kreativ reagieren (Hofstede, 1997).
Hofstede (1997) sieht die Kultur als zweite Ebene neben der Persönlichkeit und menschlicher Natur in der mentalen Programmierung des Menschen.
Individuumsspezifisch
Gruppen- oder Kategoriespezifisch
Universell
Abb.1 Drei Ebenen der Einzigartigkeit in der mentalen Programmierung des Menschen (nach Hofstede, 1997)
Die menschliche Natur stellt eine physische und psychische Grundlage der menschlichen Existenz dar. Zu dieser Ebene gehört „die menschliche Fähigkeit, Angst, Zorn, Liebe, Freude oder Traurigkeit zu empfinden, das Verlangen nach Gemeinschaft mit anderen, nach Spiel und Bewegung, die Fähigkeit die Umgebung zu beobachten und mit anderen Menschen darüber zu sprechen...“ (Hofstede, 1997, S. 5). Die dritte Ebene ist die Persönlichkeit, die jedem Individuum eigen ist. Sie wird teilweise ererbt aber auch erlernt d.h. „gestaltet durch den Einfluss kollektiver Programmierung“ (Hofstede, 1997, S. 5) Welcher Zusammenhang kann zwischen diesen Ebenen festgestellt werden? Die Kultur bestimmt sowohl die menschliche Natur als auch die Persönlichkeit. Es ist kulturell vorgegeben, wie man seine Gefühle ausdrückt. Die erlernten Charakterzüge sind in einer konkreten Kultur gestaltet worden.
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Um das Phänomen des Kulturschocks zu verstehen, muss man sich der zweiten Komponente dieses Kompositum nämlich dem Schock zuwenden. Nach dem Lexikon der Psychologie ist ein Schock „ein akuter körperlicher und/oder seelischer Störungszustand, vorwiegend auf Grund einer plötzlichen, heftigen Einwirkung von außen“ (1995, S. 424) Diese Definition unterstreicht zwei Aspekte. Zum einem ist es die Bedingung eines externen Einflussfaktors, das plötzlich und unerwartet einwirkt. Zum anderem ist es die Folge in Form von körperlichem und/oder seelischem Störungszustand. Eine präzisere und erweiterte Angabe zum Begriff Schock macht das Oxford Dictionary, das einen Schock als „a sudden and disturbing impression on the mind or feeling, usually one produced by some unwelcome occurrence or perception, by pain, grief, or violent emotion, and tending to occasion lasting depression or loss of composure, in weaker sense, a thrill or start of surprise, or of suddenly excited feeling of any kind” (Simpson et.al, 1991). Die äußere Einflussgröße wird genauer als Druck (impression) angegeben, zu dem ein weiteres, auf das Schockobjekt bezogenes Attribut, störend (disturbing), genannt wird. Dieser störender Druck wirkt auf die Psyche und die Gefühle des Objekts ein. Als Ursache wird eine unerwünschte Erscheinung bzw. Geschehen oder Empfinden angesehen, das mit Schmerz, Kummer oder starken Emotionen verbunden ist.
In der Zusammensetzung Kulturschock wird die fremde Kultur zur Ursache des Schocks. Dieser wird als ein plötzlicher und störender Druck auf die Psyche und das Konzept der eigenen Kultur, der aufgrund bestimmter Ereignisse bzw. Empfindungen aus der fremden Kultur entseht, angesehen.
Es ist an dieser Stelle sinnvoll an das Stressmodell von Lazarus anzuknüpfen, denn dieses sieht eine Stresssituation als eine komplexe Wechselwirkung zwischen den situativen und individuelle Einflussfaktoren. Die Konfrontation mit der fremden Kultur ist eine solche Stresssituation, die im Zusammenstoss der externen kulturellen Faktoren mit den kognitiven und psychischen Verarbeitungsfähigkeiten des Individuums entsteht.
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Dieselben Stressoren - kulturellen Unterschiede - können von jedem Menschen unterschiedlich verarbeitet werden. Betrachtet man die drei Stufen der Belastung nach Lazarus, so wird in der ersten Phase der Primärbewertung die Struktur der fremden Kultur wahrgenommen und beurteilt. In der Sekundärbewertung wird überprüft ob Anpassungsmethoden, in Form von erworbenem Wissen, der erlernten Sprache oder den innerpsychischen Fähigkeiten wie Offenheit, Verständnis, Distanz, die potentielle Stresssituation bewältigen können. Eine Stressreaktion entsteht dann, wenn diese Anpassungsstrategien nicht eingesetzt werden können. In der letzten Stufe wird die Situation neubewertet. Lazarus nimmt schon in der Definition von Stress einen Bezug auf den Anpassungsprozess. Dieser sei eine „Anpassungsreaktion des Organismus auf extern bedingte Notfälle“ (Lazarus & Launier, 1981). Als Notfall ist hier die Andersartigkeit der fremden Kultur anzusehen.
In Hinblick auf die Definitionen von Kulturschock werden im Weiteren die Ursachen und Folgen des Kulturschocks besprochen und auf dieser Basis Strategien zur Überwindung des Kulturschocks herausgearbeitet. Ist der Kulturschock nur ein seelischer oder auch ein körperlicher Störungszustand? Was bewirkt einen Kulturschock extern und intern? Was unterstützt eine positive Verarbeitung des Kulturschocks? Diese Fragen werden im Weiteren beantwortet.
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Arbeit zitieren:
M. A. Joanna Kodzik, 2006, Bedeutung des Kulturschocks für den erfolgreichen kulturellen Anpassungsvorgang, München, GRIN Verlag GmbH
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