2
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 3
1 ENTSTEHUNG UND BEDEUTUNG DER DIETRICHEPIK 5
1.1 Überlieferung der Dietrichepik 5
1.2 Das Eckenlied’ und der Rosengarten zu Worms’ als aventiurehafte Dietrichepen 7
2 DIE FIGUR DES DIETRICH VON BERN 9
2.1 Theoderich der Große - die historische Vorlage des Dietrich von Bern 9
2.2 Dietrich von Bern als literarische Figur 10
2.2.1 Die Tugenden des Dietrich von Bern 13
2.2.2 Dietrich von Bern im Frauendienst 15
2.2.2.1 Dietrichs Frauendienst im Eckenlied’ 15
2.2.2.2 Dietrichs Frauendienst im Rosengarten’ 16
2.2.3 Dietrichs Zaudern als Spezifikum der aventiurehaften Dietrichepik 18
2.2.3.1 Dietrichs Zaudern im Eckenlied’ 18
2.2.3.2 Dietrichs Zaudern im Rosengarten’ 19
2.2.3.3 Thesen zur Entwicklung des Zagheitsmotivs als Erklärung für Dietrichs zögerliches
Verhalten 19
2.2.4 Dietrichs Klage im Eckenlied’ 21
2.2.5 Dietrich von Bern im Kampf 23
2.2.5.1 Dietrichs Kämpfe gegen Ecke und Siegfried 23
2.2.5.2 Dietrichs Kämpfe gegen Vasolt und die Eckensippe 25
2.2.6 Die Darstellung Dietrichs von Bern in den Schlussszenen des Eckenliedes’ 26
3 HÖFISCHE UND UNHÖFISCHE ELEMENTE IM ECKENLIED’ UND IM
ROSENGARTEN ZU WORMS’ 27
3.1 Unhöfische Elemente und Elemente höfischer Epik im Eckenlied’ 28
3.2 Unhöfische und höfische Elemente im Rosengarten’ 29
3.3 Vergleich des (Un-)Höfischen im Eckenlied’ und im Rosengarten’ 31
4 TRAGIK UND KOMIK IM ECKENLIED’ UND IM ROSENGARTEN’ 32
4.1 Aspekte von Tragik und Komik im Eckenlied’ 32
4.2 Aspekte von Tragik und Komik im Rosengarten’ 34
FAZIT 36
LITERATURLISTE 38
3
Einleitung
Die Figur des Dietrich von Bern ist im späten Mittelalter die populärste Gestalt der germanisch-deutschen Heldensage gewesen. Über keinen anderen Helden waren dermaßen viele Erzählungen verbreitet und aus keinem anderen Stoff haben sich so viele Dichtungen so lange gehalten. 1 Umso erstaunlicher ist es, dass die Dietrichdichtungen von der Forschung eine bisher eher stiefmütterliche Zuwendung erfuhren.
In der vorliegenden Arbeit soll vor allem die Figur des Dietrich von Bern im Untersuchungsmittelpunkt stehen. Ziel ist es, zu prüfen, inwiefern der Held in verschiedenen Dichtungen unterschiedlich dargestellt wird und inwiefern sich Wesenszüge und Verhaltensweisen ähneln. Dazu ist in der Hauptsache eine inhaltliche Analyse der Texte erforderlich. Eine Formanalyse der Dichtungen soll deshalb in dieser Arbeit keine Rolle spielen.
Exemplifiziert werden soll dies an zwei Texten, die zur aventiurehaften Dietrichepik zu zählen sind: 2 Es handelt sich hierbei um das ‚Eckenlied’ und den ‚Rosengarten zu Worms’, welcher jedoch lediglich in der Fassung A herangezogen wird. 3 Anhand der Texte soll zum einen die Zeichnung der Dietrichfigur verdeutlicht und analysiert werden und zum anderen sollen die daraus gewonnenen Ergebnisse der zu untersuchenden Dichtungen miteinander verglichen werden. Aufgrund dessen, dass die zu untersuchenden Texte ein und derselben Gruppe zuzuordnen sind, ist zu erwarten, dass die Darstellungen der Dietrichfigur eine Reihe von Gemeinsamkeiten aufweisen. Jedoch wird in besonderem Maße festzustellen sein, inwiefern und welche Unterschiede in der Darstellungsweise vorhanden sind und es muss sich dann gefragt werden, wie diese Unterschiede zustande kommen und welchen Zweck sie erfüllen.
Bereits im ersten Teil der Arbeit wird festgestellt werden, dass eine Betrachtung und Analyse bestimmter Elemente in der Dietrichepik nicht möglich ist, ohne Aspekte des Artusromans vergleichend hinzu zu ziehen.
1 Spiewok (1997), S. 237
2 vgl. dazu die Forschungsdiskussion in Kap. 1.2
3 Im Folgenden wird mit dem Titel ‚Rosengarten’ jeweils nur die Fassung A gemeint sein, ohne künf- tig darauf hinzuweisen.
4
Aus diesem Grunde soll im zweiten Teil der Arbeit beleuchtet werden, inwiefern höfische und nicht höfische Elemente in den jeweiligen Texten eine Rolle spielen. Des weiteren wird im letzten Kapitel auf tragische und komische Aspekte im ‚Eckenlied’ und im ‚Rosengarten’ eingegangen, denn dies sind wiederkehrende Merkmale der Dichtungen der Dietrichepik und sind ebenso in den diesen Texten feststellbar und vergleichbar.
5
1 Entstehung und Bedeutung der Dietrichepik
Die Dietrichepik wird von Joachim Heinzle als „...Gruppe erzählender Versdichtungen in mittelhochdeutscher Sprache, deren Held Dietrich von Bern ist…“ definiert. 4
Das in den Werken Erzählte gehört zu einer umfangreichen mittel- und nordwesteuropäischen Stofftradition, der Dietrichsage. Die Sagen um Dietrich von Bern sind ein eigener großer germanisch-deutscher Heldensagenkreis, der neben der Nibelungensage den bedeutendsten Stoff der heroischen Überlieferung germanischer Herkunft darstellt. Leider wird die germanistische Forschung der Popularität, die der Stoff im Mittelalter erlebte, kaum gerecht. Im Vergleich zu Siegfried und der Nibelungensage wurde Dietrich von Bern und die Dietrichdichtung um ihn von der Forschung bisher eher vernachlässigt. Der wesentliche Teil der Dietrichepen, möglicherweise sogar der gesamte Bestand, entstand im 13. Jahrhundert.
Ihren historischen Ursprung hat die Dietrichsage in der Völkerwanderungszeit. In der literarischen Figur Dietrich von Bern besteht die Erinnerung an den Ostgotenkönig Theoderich der Große (ca. 451-526) weiter. 5 In der deutschen Dichtung ist der Ostgotenkönig eher durch sein Herrschertum in Italien bekannt. Er lebt in der mittelhochdeutschen Dichtung als Dietrich von Bern fort. 6
0.0 Überlieferung der Dietrichepik
Die Erzählstoffe der Dietrichepik wurden weitestgehend mündlich tradiert. Sie wurden in der dichterisch gestalteten Form von Heldenliedern sowie als Übermittlung von ungeformtem Sagenwissen weitergegeben.
4 Heinzle (1999), S. 1
5 Heinzle (1999), S. 1
6 Wisniewski (1986), S. 2
6
Im 13. Jahrhundert wurde die Dietrichsage von einem Schub der Verschriftlichung erfasst. Dies brachte eine Anzahl von Dietrichdichtungen in mittelhochdeutscher Sprache hervor, die in Handschriften und Drucken bis weit ins 17. Jahrhundert hinein verbreitet wurden.
Der Großteil der Dietrichdichtungen ist anonym überliefert. Eine Ausnahme macht hierbei der ‚Goldemar’, als dessen Verfasser Albrecht von Kemenaten feststeht und Heinrich der Vogler steht als Bearbeiter von ‚Dietrichs Flucht’ fest.
Die Überlieferungslage zu den zwei näher zu betrachtenden Dietrichepen sieht bedeutend positiver aus, als es bei anderen Werken des Mittelalters der Fall ist. Das ‚Eckenlied’ ist in mindestens sieben Handschriften und mindestens 12 Drucken überliefert. Am Anfang der Überlieferung steht der Eintrag einer Strophe im Codex Buranus um 1230. Es werden wenigstens drei Versionen des ‚Eckenliedes’ unterschieden: das ‚Donaueschinger Eckenlied’ (E2) und das ‚Dresdner Eckenlied’ (E7) sowie die Version E5. 7 Auf die letzten beiden Versionen wird im Kapitel 2.2.5 aufgrund ihrer unterschiedlichen Schlussgestaltung näher einzugehen sein.
Der ‚Rosengarten zu Worms’, auch der ‚Große Rosengarten’, ist in 21 Handschriften und in sechs Drucken des Heldenbuchs überliefert. Es können mindestens fünf Versionen unterschieden werden: A, DP, F, C und eine niederdeutsche Handschrift. 8 Diese Arbeit bezieht sich ausschließlich auf die Version A.
7 Heinzle (1999), S. 109ff.
8 Heinzle (1999), S. 169ff.
7
0.0 Das ‚Eckenlied’ und der ‚Rosengarten zu Worms’ als
aventiurehafte Dietrichepen
In der Forschung werden zwei Gruppen der Heldendichtung mit Dietrich von Bern als Hauptgestalt unterschieden: die historische und die aventiurehafte Dietrichepik. In der historischen Dietrichdichtung werden weitgehend realistische Geschehnisse erzählt und es lässt sich ein deutlich historischer Kern erkennen. Ihr Gegenstand ist die Fluchtsage, die sich auf das zentrale Ereignis im Leben Theoderichs beziehen lässt: die Begründung des italienischen Reiches der Ostgoten. 9
Die Kennzeichnung als aventiurehaft für die zweite Gruppe ist vom mittelhochdeutschen Wort aventiure in der Bedeutung ‚gewagtes Unternehmen’ abgeleitet. Hierbei wird bereits eine stoffliche und strukturelle Nähe zum höfischen Aventiure-Roman deutlich. 10 Wie die Überlieferung einer Strophe des ‚Eckenliedes’ im Codex Buranus zeigt, setzt die Ausbildung der aventiurehaften Dietrichepik bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts ein.
Die zu untersuchenden Epen, das ‚Eckenlied’ und der ‚Rosengarten zu Worms’, werden jedoch der Gruppe der aventiurehaften Dichtungen zugeordnet, wobei sich das ‚Eckenlied’ zweifelsfrei als aventiurehaft einordnen lässt. Der ‚Rosengarten’ jedoch wird in der Forschungsliteratur unterschiedlich behandelt. Wird der Begriff aventiure als charakteristisch und konstitutiv betrachtet, wird er der aventiurehaften Dichtung zuordnet, wie dies unter anderem Joachim Heinzle tut. 11 Dagegen räumen z. B. Francis Brévart 12 sowie Roswitha Wisniewski 13 dem ‚Rosengarten’ aufgrund der in ihm verwirklichten Verbindung von gotischem und rheinisch-nibelungischem Sagenkreis und somit der Begegnung Siegfrieds und Dietrichs im Kampf, eine Sonderstellung ein.
9 Heinzle (1999), S. 2
10 vgl. hierzu Kap. 4
11 Heinzle (1999), S. 169ff.
12 Brévart (1986), S. 312f.
13 Wisniewski (1986), S. 245ff.
8
Ich schließe mich im Folgenden der Auffassung Heinzles an und bestimme den ‚Rosengarten’ zu den aventiurehaften Dietrichepen. Ihre Kennzeichen sind, dass in ihnen kaum historische Erinnerungen wiedergegeben werden und sie von gefährlichen Kämpfen, die Dietrich allein oder in Begleitung seiner Gesellen gegen oft übernatürliche Gegner bestreiten muss, berichten. 14 Dieses Kennzeichen ist auch in den zu untersuchenden Dichtungen zu finden: Im ‚Eckenlied’ kämpft Dietrich beispielsweise gegen die Riesenbrüder Ecke und Vasolt und im ‚Rosengarten’ tritt er mit seinem Gefolge gegen die versammelte Heldentruppe des burgundischen Hofes in Worms, einschließlich Siegfried, an.
14 Wisniewski (1986), S. 5
Arbeit zitieren:
Claudia Behm, 2004, Die Figur des Dietrich von Bern im "Eckenlied" und im "Rosengarten A", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Demaskierung eines dämonischen Intriganten - Die Figur des "A...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Anglizismen - Bereicherung oder Schändung der deutschen Sprache?
Seminararbeit, 27 Seiten
Prehistoric Islanders - Community Life, Nature and Religion in William...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Evolutionäre Algorithmen in der Spracherkennung
Hausarbeit (Hauptseminar), 11 Seiten
Tabellarische Übersicht über die deutsche Literaturgeschichte
Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
Referat / Aufsatz (Schule), 16 Seiten
Die Gegenspieler Dietrichs in der aventiurehaften Dietrichepik
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 28 Seiten
Die Zagheit Dietrichs von Bern
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 14 Seiten
Claudia Behm hat den Text Die Figur des Dietrich von Bern im "Eckenlied" und im "Rosengarten A" veröffentlicht
Claudia Behm hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare