Gliederung:
1. Zentrale Fragestellungen der Arbeit. S.03
2. Unangemessenheit des Markt-Hierarchie-Kontinuums. S.03
3. Hauptmerkmale von Netzwerken. S.05
4. Gründe für Netzwerkformen. S.08
5. Grenzen von Unternehmen. S.09
6. Stärken uns Schwächen des Ansatzes. S.10
2
1. Zentrale Fragestellung der Arbeit
Wie allgemein bekannt ist, zählt die Koordination neben Spezialisierung (Arbeitsteilung), Konfiguration (Leitungssystem), Entscheidungsdelegation (Kompetenzverteilung) und Formalisierung (Form und Medien der innerorganisatorischen Kommunikation) zu den fünf Dimensionen organisatorischer Strukturen. Unter der Koordinierung oder den Koordinierungsmechanismen verstehen zum Beispiel Kieser und Kubicek „...Regelungen, die der Abstimmung arbeitsteiliger Prozesse und der Ausrichtung von Aktivitäten auf die Organisationsziele ...“ dienen. (Kieser/Kubicek 1992, S. 95f) Zu den innerorganisatorischen Koordinierungsformen zählen laut Mintzberg die gegenseitige Abstimmung, persönliche Weisung, Programme, Pläne und die Standardisierung von Qualifikationen (vgl. Mintzberg 1992) Es gibt aber nicht nur die innerbetrieblichen, das heisst die hierarchischen, sondern auch die zwischenbetrieblichen Koordinierungsformen. Hier lassen sich vor allem Märkte zuordnen. Neben diesen beiden klassischen Koordinierungsformen Hierarchien und Märkten fügt nun Powell eine dritte Kategorie, nämlich die netzwerkartigen Organisationsformen, ein. Ziel dieser Arbeit ist es anhand Powells Aufsatz: „Neither Market nor Hierarchy: Network Forms of Organisations“ festzustellen, wie diese Zuordnung vorgenommen wird. Genauer gesagt, warum das „Markt-Hierarchie-Kontinuum“ nicht angemessen ist, welche Hauptmerkmale bestimmt werden können und was die Gründe für netzwerkartige Organisationen sind. Anschließend werde ich darstellen wie man die Grenzen von Unternehmen definieren kann, indem ich sowohl auf die Grenzen des einzelnen im Netzwerk verankerten Unternehmen, als auch auf das gesamte Netzwerk an sich eingehen werde. Schließlich versuche ich, sofern dies noch nicht im Verlauf des Essays geschehen ist, auf der einen Seite die Stärken und auf der anderen Seite die Schwächen dieses Ansatzes systematisch herauszuarbeiten und mich bei den Schwächen vor allem auf die Begriffe Macht und Vertrauen beziehen.
2. Unangemessenheit des Markt-Hierarchie-Kontinuums
Powells Grundaussage lautet, „ … that relational and network forms of organisations are a clearly identifiable and viable form of economic exchange under certain specifiable circumstances“ (Powell 1990, S. 296) Bisher war die Transaktionskostentheorie das zentrale Kriterium für die Wahl von Organisationen oder Märkten. Transaktionskosten sind etwa Kosten für Planung, Überwachung und Absicherung einer Vereinbarung. Treten solche
3
Transaktionen öfter auf und hat sich transaktionsspezifisches Wissen aufgebaut, so ist es effizienter wirtschaftliche Leistungen durch Organisationen zu koordinieren. Finden dagegen einfache Austauschprozesse statt, werden diese in der Regel auf dem Markt koordiniert. „Exchanges that are straightforward, non-repetetive and require no transaction-specific investments will take place across a market interface.” (Powell 1990, S. 297) Laut Powell gibt es zwei Gründe, warum Organisationen den Märkten vorgezogen werden. (Powell 1990, S. 297) Zum einen die beschränkte Rationalität, das heisst Akteure sind nicht in der Lage bei Vertragsabschluss alle Umstände und Fälle zu berücksichtigen und zum anderen der Opportunismus. Opportunismus meint das listige Streben nach seinem eigenen Vorteil. Das Markt-Hierarchie-Kontinuum besagt nun, dass alle ökonomischen Austauschbeziehungen entweder an den Endpunkten, oder dazwischen als Mischformen zu lokalisieren sind. Powell fügt drei Gründe an, warum seiner Meinung nach dieses Kontinuum nicht zweckmäßig für die Erfassung aller Austauschprozesse ist. Zum einen impliziert die Vorstellung eines Kontinuums, dass Märkte als Anfangspunkt in der evolutionären Entwicklung des Austausches gesehen werden. (Powell 1990, S. 298) Diese Ansicht teilt Powell nicht. Er macht dies deutlich, indem er sich auf Moses Finley bezieht, der berichtet, dass „... there was no market in the modern sense of the term in the classical world.“ (vgl. Finley 1973, zit. nach Powell 1990, S. 298) Denn erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff Markt vom physischen und sozialen Raum getrennt. Zum zweiten stellen auch Hierarchien nicht den Endpunkt der evolutionären Entwicklung dar. „ A long view of business history would suggest that firms with strictly defined boundaries and highly centralized operations are quite atypical.” (Powell 1990, S. 298) Schließlich verschleiert dieses Konzept die Rolle der Reziprozität und Kooperation als alternative Regelungsmechanismen. (vgl. Powell 1990, S. 299) Um diese Gründe zu beweisen stütz sich Powell auf einige Experten, die darlegen, dass wirtschaftliche Beziehungen nicht isoliert betrachtet werden können, dass Märkte zum einen im Kontext lokaler, ethnischer und ökonomischer Kulturen und zum anderen als kulturelle und soziale Konstruktionen betrachtet werden müssen und dass viele ineinander vermischte unterschiedliche Austauschformen existieren. (vgl. Powell 1990, S. 299f.) Powell geht davon aus, dass bestimmte Formen des ökonomischen Austausches sozialer Natur und weniger von formalen Autoritätsstrukturen gekennzeichnet sind. „ ... that is, more dependent on relationships, mutual interests, and reputation …” (Powell 1990, S. 300) Nachdem ich jetzt dargestellt habe, warum für Powell das Konzept des Markt-Hierarchie-Kontinuums nicht angemessen und ausreichend ist, werde ich im folgenden Kapitel näher auf die Kontrastierung
4
der drei Typen des Austausches eingehen, um im vierten Kapitel dann die Merkmale systematisch darzustellen und die Gründe für die Wahl der Netzwerkform wiedergeben.
3. Hauptmerkmale von Netzwerken
Powell geht davon aus, dass Netzwerke eine eigene innere Logik besitzen und damit von den anderen zwei Formen unterschieden werden können. Um diese Unterscheidung deutlich zu machen entwirft er eine Kontrastierung, indem er die stilisierten Modelle von Markt, Hierarchie und Netzwerk beschreibt. (vgl. Powell 1990, S. 301ff) Die stilisierten Modelle sind keine empirische Beschreibung der Realität, sondern nur Idealtypen, die analytisch verglichen werden können. (vgl. Powell 1990, S. 301) Ich werde hier nur die wichtigsten Ansatzpunkte seiner Darstellung anfügen und darüber hinaus versuchen seine Gedanken weiterzuführen, die daraus möglichen resultierenden Konsequenzen aufzudecken und kritisch zu einzelnen Punkten Stellung zu nehmen.
Powell beginnt seine Unterscheidung mit der normativen Basis, auf der die Transaktionen beruhen. Bei Märkten besteht diese Basis vor allem aus vertraglichen Verpflichtungen und Eigentumsrechten und ergibt sich nicht oder nur selten aus persönlichen Beziehungen. Daraus ergeben sich Vorteile, da zum Beispiel auf der einen Seite Vertauen zwischen Organisationen keine notwendige Voraussetzung ist und zum anderen Verstöße gegen diese Verträge mit staatlichen Sanktionen belegt sind. Vertrauensbrüche treten meiner Meinung nach häufiger auf, als er verlauten lässt. Auf die möglichen Probleme ungleicher Machtverteilung werde ich aber noch im letzten Kapitel näher eingehen. In Hierarchien dagegen beruht die normative Basis seiner Meinung nach auf den jeweiligen Arbeitsverhältnissen, die die Arbeitnehmer -und Arbeitgeberbeziehungen charakterisieren. Darüber hinaus spielt auch Vertrauen hier keine bedeutende Rolle, aber dennoch muss in diesem Zusammenhang auf mögliche Interpretationsnotwendigkeiten bezüglich der Inhalte solcher Arbeitsverträge hingewiesen werden, da nur die „Rahmenbedingungen“, wie zum Beispiel die groben Arbeitsinhalte, rechtlich festgelegt sind. (vgl. Müller-Jentsch 1997, S. 31) Sanktionen können in diesem Fall von persönlichen Ansprechen über Abmahnungen bis hin zum Ausschluss von der Organisation reichen. Powell begnügt sich bei der dritten Austauschform mit folgender Aussage: Netzwerkartigen Austauschformen dagegen, „... entail indefinite, sequential transactions within the context of a general pattern of interaction.“ (Powell 1990, S. 301) und beschreibt die normative Basis mit „ complementary strengths“ (Powell 1990, S. 300 Table1) Er macht keine Angaben, was dieses allgemeine Interaktionsmuster charakterisiert
5
Arbeit zitieren:
Carlo Cerbone, 2004, Netzwerkartige Organisationsformen; eine ökonomische Austauschform jenseits von Märkten und Hierarchien , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Konzepte der sozialen Institutionalisierung der "Region": ...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 17 Seiten
John Stuart Mill - wirtschafts- oder sozialliberal ?
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen der Matrixorganisation in der Organisation d...
Hausarbeit, 23 Seiten
Das Balanced-Scorecard Managementkonzept als Steuerungsinstrument in d...
Diplomarbeit, 95 Seiten
Die struktur-funktionale Systemtheorie von Talcott Parsons
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 17 Seiten
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesen...
Diplomarbeit, 78 Seiten
Zu Niklas Luhmanns "Liebe als Passion"
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Die 12 Erfolgsfaktoren der Balanced Scorecard in Krankenanstalten
Fachbuch, 155 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen von Kooperationsstrategien in der Automobilw...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Bachelorarbeit, 88 Seiten
Monetäre Familienpolitik in der BRD
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 22 Seiten
Personalmarketing 2.0 - Möglichkeiten und Grenzen des Web 2.0 Einsatze...
Inklusive Onlinebefragung groß...
BWL - Personal und Organisation
Bachelorarbeit, 120 Seiten
Potenziale der Prozessorganisation für die Kundenorientierung
Hausarbeit, 7 Seiten
A critical comparison of Internationalisation theories: Eclectic Parad...
Hausarbeit, 43 Seiten
Eine junge Methode zur Gleichs...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Und die Frage "was nun?&q...
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 28 Seiten
Evolutionärer Wertewandel in einer institutionellen Wirtschaftsethik
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Seminararbeit, 24 Seiten
Carlo Cerbone's Text Netzwerkartige Organisationsformen; eine ökonomische Austauschform jenseits von Märkten und Hierarchien ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Carlo Cerbone hat den Text Netzwerkartige Organisationsformen; eine ökonomische Austauschform jenseits von Märkten und Hierarchien veröffentlicht
Carlo Cerbone hat einen neuen Text hochgeladen
Status im beruflichen Alltag a...
Johannes M. Lehner, Walter O. Ötsch
Ökonomische Analysen zu den Effekten von Aufsichtsrats- und Betriebsra...
Schmollers Jahrbuch, 131. Jg. ...
Joachim Wagner
Jenseits des Rasters - Architektur und Informationstechnologie/Beyond ...
Anwendungen einer digitalen Ar...
Ludger Hovestadt, Tim Danaher
Reform von Staat und Verwaltung in Europa - Jenseits von New Public Ma...
Réforme de l'État et de l'admi...
Joachim Beck, Fabrice Larat
Die optimale Organisationsform
Vorgehen und Instrumente zur B...
Norbert Thom, Andrea P. Wenger
Shared Service als alternative Organisationsform
Am Beispiel der Finanzfunktion...
Uwe Kagelmann
Organisationsformen des Kommunalen Gebäudemanagements
Wegweiser und Materialsammlung
Jens Kramer
Instandhaltungsmanagement in neuen Organisationsformen
Wilfried Sihn, Siegfried Stender, Engelbert Westkämper
0 Kommentare