Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Begriffsklärung. 4
2.1 Definition einer Handlung. 4
2.2 Definition des Handlungsorientierten Unterrichts. 4
3. Geschichtliche Einordnung. 5
3.1 Historische Entwicklung. 5
3.2 Historische Begründer der Theorie. 7
3.2.1 Lern- und Kognitionspsychologie. 7
3.2.2 Die kulturhistorische Schule. 8
3.2.3 Motivationspsychologie. 8
3.2.4 Gehirnforschung und Wissenspsychologie. 9
4. Merkmale des handlungsorientierten Unterrichts. 10
5. Fragen an das Konzept. 13
5.1 Vorteile. 13
5.2 Probleme und Nachteile. 14
6. Formen der Handlungsorientierung. 17
7. Didaktische Strukturierung des Unterrichts. 18
8. Ein Unterrichtsbeispiel. 21
9. Ausblick. 23
2
1. Einleitung:
Seit gut zwanzig Jahren setzt man sich nun mit dem ‚Handlungsorientierten Unterricht‘ auseinander, in der Schule nutzt man seine Theorie als Impuls, um etwas Neues auszuprobieren, weniger jedoch als wirkliche Vorgabe. In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit der Theorie der Handlungs-orientierung im Unterricht auseinandersetzen. Dabei geht es mir darum, zu zeigen, dass Handlungsorientierung in der heutigen Welt der Schüler von großer Bedeutung ist, heute mehr als je zuvor. Ich möchte im Folgenden nun zunächst eine Begriffsklärung vornehmen, indem ich erst die Handlung an sich und anschließend Handlungsorientierung definiere, um letzteren Begriff im Anschluss geschichtlich einzuordnen. Dazu werde ich die geschichtliche Entwicklung der Theorie sowie die historischen Begründer der Theorie der Handlungsorientierung erläutern. Im Anschluss möchte ich mich den Merkmalen des Handlungsorientierten Unterrichts widmen und daraufhin klären, welche Probleme und Nachteile es neben den zahlreichen Vorteilen gibt.
Zum Schluss hin werde ich erklären, wie man den Unterricht nach dieser Theorie sinnvoll didaktisch strukturieren kann und sodann ein Unterrichtsbeispiel für die Primarstufe angeben. Zu guter Letzt folgt dann der Ausblick, in dem ich die wichtigsten Punkte noch einmal zusammenfassen werde.
3
2. Begriffsklärung:
2.1 Definition einer Handlung
Bevor ich in das Thema des Handlungsorientierten Unterrichts einführe und dieses Konzept definiere, möchte ich die Definition von Handlung nach dem Psychologen und Schüler Piagets Hans Aebli erläutern. Nach Aebli besitzen Handeln und Denken die gleiche Funktion, nämlich die Beziehungsstiftung, die gleiche Zielsetzung in Form von Problemlösung und die selbe Struktur. Nach seiner These geht menschliches Denken aus elementaren Lebensvollzügen hervor“ 1 . Das Handeln ist in seinen Augen „Streben nach Ordnung und Struktur, das sich im Denken in reinerer Form fortsetzt“ 2 und Transparenz zum Ziel hat. Dieses Ziel wiederum „motiviert den Handelnden und den Denker“ 3 .
Das Handeln erfolgt nach Aebli „mit hohem Grad der Bewußtheit und der Zielgeleitetheit“ 4 und besteht aus vielen „Teilhandlungen“ 5 . In Aeblis Handlungsmodell existiert zuerst ein Problem, das gelöst werden muss, woraufhin das Individuum zunächst einen ungeklärten, globalen Handlungsentwurf entwickelt. Die Problemlösung führt anschließend „zur genaueren Planung einer Handlung“ 6 , die gedanklich immer wieder überarbeitet werden kann. Zum Schluss erfolgt eine Reflexion des Handlungsablaufs.
2.2 Definition des Handlungsorientierten Unterrichts
Nach der Enzyklopädie Erziehungswissenschaft versteht man unter dem Begriff „Handlungsorientierter Unterricht“ (HoU) ein Unterrichtskonzept, „das den Schülern einen handelnden Umgang mit den Lerngegenständen undinhalten des Unterrichts ermöglichen soll“ 7 .
Gudjons bezeichnet den HoU als einen Unterricht, „in dem die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen und
1 Aebli, Hans: Denken: Das Ordnen des Tuns, 1980, S.15
2 ebd., S.16
3 ebd., S.16
4 ebd., S.20
5 ebd., S.20
6 ebd., S.23
4
Füßen, mit dem Herzen und allen Sinnen lernen können.“ 8 Bezüglich der Aktivierung möglichst aller Sinne wird vielfach vom ganzheitlichen Unterricht gesprochen. Zudem wird der HoU seiner Meinung nach dadurch
charakterisiert, dass Schüler und Lehrer gemeinsam ein Handlungsziel festlegen, um am Schluss der Unterrichtsphase ein Handlungsprodukt zu präsentieren. 9 Hilbert Meyer fasst das Konzept in folgender Definition zusammen: es sei ein „ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesses leiten, so daß Kopf- und Handarbeit der Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden“ 10 . Es geht in dem Konzept darum, den Kindern mehr Mitgestaltung am Unterricht zu übertragen. Zudem wird die Schüler- Lehrer- Kluft durch das Mitspracherecht der Schüler am Handlungsprodukt verringert. 11 Das Konzept des HoU geht auf reformpädagogische Ansätze sowie die Tradition der kulturhistorischen Schule zurück, worauf ich im Folgenden genauer eingehen werde.
3. Geschichtliche Einordnung
3.1 Historische Entwicklung
Das Konzept des HoU basiert „auf dem Hintergrund einer bis ins 17.Jahrhundert zurückreichenden Theoriekonzeption“
12
. Schon Johann Amos Comenius (1592- 1670), der in seiner Programmschrift „Didactica magna“ ein umfassendes Programm für die Gestaltung von Unterricht und allgemein für die Schule entwickelt hat, befürwortete das Lernen mit allen Sinnen, mit Kopf, Herz und Hand.
13
Dieser Meinung waren auch Pestalozzi (1746- 1827) und Karl Marx, der davon ausging, dass „die allseitige Entfaltung der Persönlichkeit“ nur dann gelingen könne, „wenn Kopf-
7 Gudjons,Herbert: Didaktik zum Anfassen, 1997, S.109
8 Jank, Werner/Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle,1991, S.315
9 vgl. ebd. S. 315
10 Gudjons, Herbert: Didaktik zum Anfassen, 1997, S.109
11 vgl.ebd.,S.110
12 Jank, Werner/Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, 1991, S.319
13 vgl. ebd., S.11 u. 320
5
und Handarbeit versöhnt werden“ 14 . Schleiermacher forderte das Lernen aus dem Spiel heraus und Friedrich Fröbel (1782- 1852) entwickelte eine Didaktik des Spiels. Die Handlung, das Spiel, geht hier dem Denken voraus. Auch die Arbeitsschulbewegung der Weimarer Republik mit Georg Kerschensteiner (1854-1932), Hugo Gandig (1860-1923) und Otto Scheibner, beeinflusste das Konzept vom Handlungsorientierten Unterricht. 15 Neben diesen Ansätzen prägte die Reformpädagogik das Konzept des HoU jedoch besonders. Johannes Langermann (1848-1923) veröffentlichte 1911 sein Werk „Handelnder Unterricht“, welches die Basis für Adolf Reichweins ‚Schaffendes Schulvolk‘, geprägt vom Nationalsozialismus, bildete. 16 Zu den bedeutendsten Reformpädagogen zählt unter anderem Maria Montessori (1870-1952), die den Standpunkt „Kinder sind anders“ vertrat und ein geschlossenes Konzept schüleraktiven Lernens entwickelte. Nach diesem Konzept erhalten die Schüler für ihre Entwicklung geeignetes und von ihr selbst entwickeltes Material zur Förderung der Selbsttätigkeit der Kinder. 17 Auch Peter Petersen gilt als Reformpädagoge mit neuem Unterrichtskonzept: Er entwickelte den ‚Jena- Plan einer freien allgemeinen Volksschule‘ mit folgenden Merkmalen: „Beteiligung der Schüler an der Unterrichtsplanung (...), gegenseitige Hilfestellungen (...), konsequente Verknüpfung von Klassen-, Gruppen-, und Einzelarbeit“ sowie „Förderung des Gemeinschaftslebens“ 18 . Neben Montessori und Petersen gelten Célestin Freinet und John Dewey als bedeutende Reformpädagogen. Freinets Konzept beinhaltete „ein kooperatives und solidarisches Verhältnis von Lehrern und Schüler, die Einbeziehung der Umwelt (...), die Arbeit als Mittelpunkt (...) und die demokratische Entscheidungsfindung in der Klassenkooperative“ 19 . John Dewey, der Begründer des Projektunterrichts, entwickelte die Theorie vom Erfahrungslernen, auf die der bekannte Kognitionspsychologe Piaget, auf den ich im Folgenden noch gesondert eingehen werde, und Aebli aufbauten.
14 Jank, Werner/Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle,1991,S.320
15 vgl. ebd., S.320
16 vgl.ebd.,S.320
17 vgl. Jank, Werner/Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, 1991, S.314
18 ebd., S.314
19 Jank, Werner/ Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, 1991, S.313
6
Arbeit zitieren:
Nicole Anton, 2005, Handlungsorientierter Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Handlungsorientierter Unterricht als didaktisches Konzept zur Anleitun...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Handeln und Handlungsorientierung als Begriffe der Didaktik: Definitio...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Handlungsorientierter Unterricht
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 22 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen des handlungsorientierten Unterrichts
Seminararbeit, 21 Seiten
Handlungsorientierter Unterricht
Theoretische Grundlagen und pr...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Das Normalisierungsprinzip und seine konzeptuelle Weiterentwicklung du...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 29 Seiten
Fehler und Fehlerkorrektur im Fach Deutsch als Fremdsprache
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 16 Seiten
Sprachförderung im Elementarbereich
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Projektunterricht - eine umfassende Betrachtung
Referat (Ausarbeitung), 26 Seiten
Handlungsorientierter Unterricht in der Berufsschule - Ein Überblick
Hausarbeit, 21 Seiten
Leistungsmotivation - Erfolg oder Misserfolg in der Schule
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Hausarbeit, 17 Seiten
Lern' ich Schauen und Greifen, lern' ich auch bald Schreiben! ...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Handlungsorientierter Unterricht ist projektorientierter Unterricht - ...
Examensarbeit, 130 Seiten
Das Normalisierungsprinzip und dessen Einfluss auf den sonderpädagogis...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 11 Seiten
Thema: Projektarbeit in der Schule - Kariesprophylaxe
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Nicole Sörensen hat den Text Handlungsorientierter Unterricht veröffentlicht
Nicole Sörensen hat einen neuen Text hochgeladen
Handlungsorientierter Unterricht an kaufmännischen Schulen
Hintergrund, Konzept und Praxi...
Pancratz
Theorien, Modelle und Methoden der Entwicklungspsychologie
Wolfgang Schneider, Friedrich Wilkening
Handlungsorientiertes Lernen und eLearning
Grundlagen und Praxisbeispiele
Horst Otto Mayer, Dietmar Treichel
Erläuterungen - Texte - Arbeit...
Franzjörg Baumgart, Ute Lange, Lothar Wigger
0 Kommentare