1. Einleitung
1.1. Ziele der Hausarbeit
Diese Hausarbeit präsentiert und analysiert die Arie Quoniam tu solus sanctus aus der H-Moll Messe von Johann Sebastian Bach. Nach der Einordnung in das Gesamtwerk soll die Textverteilung untersucht werden.
Die Instrumentation dieses Satzes birgt einige Probleme, welche in Kapitel 2.3. aufgezeigt werden sollen.
Die Analyse der Gesamtform und des Hauptthemas soll im Vordergrund dieser Ausarbeitung stehen, bevor abschließend die häufig abwertende Haltung gegenüber dieser Arie aufgezeigt und deren Ursprung erläutert werden soll.
2. Präsentation der Arie Quoniam tu solus sanctus
2.1. Einordnung der Arie in das Gesamtwerk der H-Moll Messe
Die Baßarie Quoniam tu solus sanctus leitet direkt in den das Gloria abschließenden Chor Cum Sancto Spiritu.
Walter Blankenburg teilt den Hymnus des Glorias nach dem Spitzenchor Gloria in excelsis Deo in drei Abschnitte ein: 1. in einen Lobpreis auf die Herrlichkeit Gottes 2. in einen Bittruf an Gott Vater und Sohn
3. in eine Lobpreis begründende Aussage über die Gottheit Jesu Christi mit Gott Vater und dem Heiligen Geist zusammen 1 .
Mit Qui sedes endet der zweite der genannten Abschnitte und mit Quoniam tu solus sanctus beginnt der dritte 2 .
Die Arie führt aus dem traurigen h-Moll des vorangegangen Satzes Qui sedes in das strahlende D-Dur, in welchem das Gloria auch endet. Ein Indiz dafür, dass der Lobpreis Gottes, in diesem Fall für Jesus Christus, in diesem Satz seine Vollendung beginnt.
1 Blankenburg, Walter: Einführung in Bachs h-moll-Messe, Dt. Taschenbuch Verlag, 2. Auflage,
München 1982, S.32.
2 Blankenburg 1982, S. 33.
2
2.2. Textverteilung und Deutung
(Quoniam) Tu solus sancus, tu
solus Dominus ;
Tu solus altissimus, Jesu Christe
(Quoniam) Tu solus sanctus, tu solus -Dominus, tu solus altissimus,
Jesu Christe
Abb. 1.1.: Übersetzung
Blankenburg erläutert, dass in dieser Arie die „Doxologie, eine Verherrlichung der Trinität“ 3 zum Ausdruck gebracht werde. Die Zahl „3“ spielt eine durchaus entscheidende Rolle in der Betrachtung dieses Satzes, doch Blankenburg nennt als Begründung für seine These lediglich, dass dem viermaligen te aus der Laudamus Reihe, in der vorliegenden Arie das dreimalige tu solus entgegensteht 4 . Es ist ebenfalls denkbar, dass Bach durch die Dreiteilung der Gesamtform (siehe Kap.3.1.) seine musikalische Gestaltung nicht die Trinität, sondern die dreifache Anrufung von Jesu Christus hervorheben wollte. Diese dreifache Anrufung ist es, die in der Übersetzung klar zu erkennen ist (vgl. Abb.1.1.).
Die Anrufung der Dreifaltigkeit ist textlich erst im Cum Sancto Spiritu Chor ersichtlich. Untersuchungen von meiner Seite, inwiefern die Textverteilung dieses Satzes auf auffällige Zahlenverhältnisse hinweisen könnte, die im Bezug zur Trinität stehen, fielen eindeutig aus. Lediglich das neunmalige sanctus ließe sich als Vielfaches von drei erkennen. Im Gesamtzusammenhang wäre das Deuten dessen als Auffälligkeit vermessen. Auf Abb.1.2. findet sich eine Abschrift der Textverteilung Bachs und auf Abb.1.3. werden die Zahlenverhältnisse aufgezeigt.
Quoniam tu solus sanctus, tu solus sanctus, tu solus Dominus, tu solus sanctus, solus Dominus, tu
solus, solus Dominus, tu solus sanctus, tu solus Dominus; quoniam tu solus sanctus, tu solus sanctus,
tu solus Dominus, tu solus, solus sanctus, tu solus Dominus, / tu solus altissimus Jesu Christe, tu
solus altissimus, tu solus altissimus Jesu Christe, Jesu Christe, Jesu Christe; tu solus altissimus Jesu
Christe, Jesu Christe; / quoniam zu solus sanctus, tu solus, tu solus Dominus, tu solus sanctus, tu
solus Dominus, tu solus altissimus Jesu Christe, solus Dominus, tu solus altissimus Jesu Christe___
Abb.1.2. : Textverteilung in Bachs Quoniam tu solus sanctus
Abb.1.3.: Zahlenverhältnisse des Textes im Verlauf der Arie
3 Blankenburg 1982, S. 46.
4 ebd.
3
2.3. Instrumentation der Arie
Das instrumentale Trio aus in Terzen geführten Fagotten, dem Horn und dem Continuo ist eine nahezu einmalige Besetzung. Im Gesamtwerk Bachs ist bislang kein anderes Stück mit dieser markanten Instrumentierung bekannt. Es dürfte in der gesamten barocken Musik schwer sein, eine selbige auf zu finden. 5
Abb.2.1.: Ausschnitt aus einem Portrait von Gottfried Reiche
Laut George B. Stauffer ist diese Besetzung ein Resultat aus den neuen Gegebenheiten, die Bach in Dresden vorfand. So standen Bach hier - anders als in Leipzig - fünf Fagottisten zur Verfügung, unter welchen sich Virtuosen wie Johann Gottfried Böhme, Jean Cadet und Caspar Ernst Quantz befanden. Während der sonntäglichen Messe nahmen in der Regel zwei bis drei von ihnen an der musikalischen Darbietung teil. Bereits Heinichen nutzte diese Gegebenheiten, wie man auf Abb.2.2., einem Auszug aus dem Quoniam tu solus sanctus aus der Missa Fidei, deutlich erkennen kann.
5 Stauffer, George B.: Bach: the mass in B minor. the great Catholic mass, Yale Univ. Press, New Haven 2003, S. 89.
4
Abb.2.2.:Auszug aus Quoniam tu solus sanctus, aus der Missa Fidei von Heinichen Auch die Nutzung des Corno da caccias deutet auf die neuen Verhältnisse in Dresden, denn das Horn war eine Spezialität der Dresdner und mit den erstklassigen Spielern Johann Adam Schindler und seinem Bruder Andreas besetzt. Auf Grund dieser Tatsache setzt Bach das Corno da caccia solo ein, was von Leipziger Handhabung abweicht, denn dort hatte er es in Dopplung gesetzt 6 . Bach schrieb 1733 die Hornstimme in D. Bereits der siebente Ton der Hornstimme verlangt mit dem notierten f² einen Ton, „der nicht zum Vorrat ihrer Naturtonreihe gehört“ 7 (vgl. Abb.2.3.). Auf einem ventillosen Horn wie dem Corno da caccia (vgl. Abb.2.1.) wird dieser Ton durch „Stopfen“ erzeugt, da das Instrument seinerzeit natürlich keine Ventile besaß. Durch diese Handhabung erhielt der Ton eine völlig andere Klangfarbe.
Abb.2.4.: Hornpassage Takte 46 und 47
6 Stauffer 2003, S. 90.
7 Elste, Martin: Meilensteine der Bach-Interpretation 1750-2000; eine Werkgeschichte im Wandel, Stuttgart u.a. 2000.
5
Arbeit zitieren:
Patrick Hehmann, 2005, Quoniam tu solus sanctus. Portrait zum Satz aus der H-Moll Messe Johann Sebastian Bachs, München, GRIN Verlag GmbH
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