Universität Osnabrück
Erziehungs- und Kulturwissenschaften
SS 2005
Seminar: Johann Sebastian Bach, Missa h-Moll
Credo in unum Deum
von
Christian Deuper
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Voraussetzungen
2.1 Das Nicaeno-Constantinopolitanum 4
2.2 Die Credo-Intonation 6
2.3 Der Cantus firmus 7
2.4 Die Sieben – eine heilige Zahl 8
3. Die Umsetzung im Credo-Satz der h-Moll-Messe
3.1 Die Fuge 9
3.2 Das Continuo 10
3.3 Die Fortführung im „Patrem omnipotentem“ 11
3.4 Zur Parodiefrage 12
Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Die folgenden Betrachtungen beziehen sich auf den ersten Satz „Credo in unum Deum“ des Symbolum Nicenum (aus der h-Moll-Messe BWV 232) von Johann Sebastian Bach. Ich teile die Arbeit in zwei Hauptkapitel. Das erste widmet sich den Voraussetzungen für das Verständnis dieser Komposition: Dem Text (dem nicaenischen Glaubensbekenntnis), der Credo-Intonation (die Bach nicht praktiziert, an die er sich aber anlehnt), dem Fugenthema (einem gregorianischen Cantus firmus) sowie der Zahlensymbolik (bezogen auf die Zahl Sieben, die in diesem Satz eine zentrale Rolle einnimmt). Das zweite Hauptkapitel konkretisiert dann Einzelaspekte dieses Satzes: Die Fuge und ihre Gestaltung, das Basso continuo, die Fortsetzung im „Patrem omnipotentem“ und schließlich, unumgänglich, die Parodiefrage.
Eine „Rechtfertigung“ möchte ich vorausschicken: Vokalmusik, gerade geistliche, kann nicht die Noten isoliert vom Text betrachten. Ein Komponist des Barock komponiert ein großes Werk wie die h-Moll-Messe nicht, indem er genügend Noten für die Textverteilung zur Verfügung stellt, ohne den Text auszudeuten. „Bach tritt uns in der h-moll-Messe unbestreitbar auch als Theologe gegenüber, ...“1. Deshalb sei es dem stud.theol. auch verziehen, diese musikwissenschaftliche Arbeit im Sinne der theologischen Bachforschung abzufassen (und sich damit im Wesentlichen auf deren Begründer Walter Blankenburg zu stützen2) und zwischendurch theologische und liturgische Aspekte zu berücksichtigen.
Formal sei darauf hingewiesen, dass Notenangaben (Taktzahlen) nicht extra belegt werden, da sie in allen Notenausgaben gleich sein sollten. Außerdem werden Bibel- und Gesangbuchverweise nicht mit Seitenzahlen geleistet (auf die das EG ohnehin verzichtet), sondern mit den gängigen Abkürzungen3 sowie Kapitel- und Versangaben bzw. Nummern.
Bei den wenigen griechischen Vokabeln wurde auf Umschrift verzichtet, lateinische Texte verzichten außer am Satzanfang und bei Eigennamen und „Deus“ sowie untergeordneten Begriffen auf die Großschreibung. „Symbolum Nicenum“ (so Bach selbst), „Symbolum“ und das deutsche „Glaubensbekenntnis“ meinen jeweils das gesamte Werk von „Credo“
bis „Amen“, „Credo“ oder „Credo in unum Deum“ beziehen sich, soweit als musikalische Bezeichnungen verwandt, auf dessen ersten Satz.
2. Voraussetzungen
2.1 Das Nicaeno-Constantinopolitanum (kurz: Nicaenum)
Der Wortlaut des Nicaenums, des Credo des Hauptgottesdienstes (s.u.), ist folgender (links die lateinische Übertragung des ursprünglich griechischen Textes, rechts die Übersetzung Martin Luthers4):
[....]
1 Blankenburg, 104.
2 Blankenburg selbst dazu: „Möge niemand in der Verquickung von künstlerischem Schaffen und theologischem Denken einen Nachteil sehen!“
3 EG = Evangelisches Gesangbuch, GL = Gotteslob. 1Mo = 1. Mose / Genesis, 2Mo = 2. Mose / Exodus, 5Mo = 5. Mose / Deuteronomium, Mt = Matthäus, Mk = Markus, Lk = Lukas, Joh = Johannes, Apg = Apostelgeschichte, Heb = Hebräerbrief, Offb = Offenbarung des Johannes.
4 WA L, 282f. Zitiert nach: Hirsch, 442. Die heute allgemein benutzte, sprachlich glattere, aber weniger wörtliche Übersetzung findet sich in den Gesangbuchern (s. folgende Anmerkung).
Arbeit zitieren:
Christian Deuper, 2005, Credo in unum Deum, München, GRIN Verlag GmbH
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