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Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die unmittelbaren kindlichen Reaktionen auf die Scheidung der Eltern
in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht 2.1 Entwicklungsstufe I
2.2 Entwicklungsstufe II
2.3 Entwicklungsstufe III 2.4 Entwicklungsstufe IV 2.5 Entwicklungsstufe V 2.6 Entwicklungsstufe VI 2.7 Entwicklungsstufe VII
2.8 Charakterliche und geschlechtsspezifische Besonderheiten 3. Die Einflussfaktoren auf die kindliche Verarbeitung des Scheidungsgeschehens 3.1 Das familiale Konfliktniveau
3.2 Die Kompetenz des sorgeberechtigten Elternteils und seine Wiederheirat
3.3 Die Sorgerechtsregelung und die Beziehung zwischen dem Kind und seinem nicht sorgeberechtigten Elternteil 4. Die langfristigen Scheidungsfolgen für die Kinder
4.1 Psychische Erkrankungen
4.2 Die Gestaltung von Partnerschaften 4.3 Die Delinquenz
4.4 Das Selbstmordrisiko
5. Die Überwindung der langfristigen Scheidungsfolgen
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z.B. (1), (2), (3) 1
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Seit Jahren ist ein stetiger Anstieg der Scheidungszahlen zu verzeichnen. 1998 wurde mit 192 438 Scheidungen ein neuer Höchststand seit Erfassung der Werte durch das Statistische Bundesamt 1950 erlangt. Das ist eine Steigerung von 2,5 % im Vergleich zum Vorjahr, wo mit 190 000 jede 3. Ehe geschieden wurde (7 % mehr als 1996). Schon damals waren mehr als
150 000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Obwohl im letzten Jahr noch 70 % aller Ehen stabil waren, leiden die restlichen 30 % der Familien unter einer hohen Belastung für alle am Scheidungsgeschehen Beteiligten. Solch eine Entscheidung zur Trennung bedeutet eine Auflösung des Familienbundes nicht nur in rechtlicher und sozioökonomischer Hinsicht, sondern auch psychosoziale Bindungen bestehen nicht mehr so wie vorher. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Kinder, die eine Auflösung der eigenen Familie miterleben. Es wird davon ausgegangen, dass ein Drittel der betroffenen Kinder mittel- bzw. langfristig einen problematischen Entwicklungsverlauf nehmen (1). Die Reaktionen und Bewältigungsstrategien sind abhängig vom Charakter, vom Alter, vom Geschlecht der Kinder, ihrer Familiensituation und dem Umfeld, in dem sie aufwachsen. Inwieweit sich die Scheidungsfolgen bei den Kindern äußern und wie sie sich auf die Entwicklung auswirken, möchte ich im Folgenden abhandeln. 'LH XQPLWWHOEDUHQ NLQGOLFKHQ 5HDNWLRQHQ DXI GLH 6FKHLGXQJ GHU (OWHUQ LQ $EKlQJLJNHLWYRQ$OWHUXQG*HVFKOHFKW
Gefühlsäußerungen der Kinder, wie Trauer, Wut, aggressives Verhalten sind in der Scheidungssituation normal. Jedoch sind die Reaktionen und die Belastungsstärke vom Alter abhängig. Je nach Entwicklungsstufe werden unterschiedliche Bewältigungsstrategien für das Scheidungsgeschehen angewendet . Nachfolgend werden Reaktionsmuster angeführt, die während der Scheidungssituation auftreten können (1). (QWZLFNOXQJVVWXIH,/HEHQVMDKU
Bei dieser Altersgruppe liegen nur wenige Erkenntnisse aus der Forschung vor. Festgestellt wurde dennoch die sogenannte „Nachtangst“. Symptome sind Einschlafschwierigkeiten und nächtliches Aufschrecken. Die Kinder sind nachts desorientiert und rufen häufig nach Hilfe. Werden die Babys in dieser schwierigen Zeit auch noch schlecht betreut, was oft auch eine Folge der Elterntrennung ist, werden sie in ihrer Entwicklung behindert. So kann u.a. in der Sprachentwicklung eine Hemmung eintreten. Die Retardierung betrifft aber auch andere
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Bereiche. Das Kleinstkind zeigt außerdem geringes Interesse an Spielzeug, an sozialen Kontakten und an seiner Umgebung. (QWZLFNOXQJVVWXIH,,/HEHQVMDKU
Auch bei dieser Altersgruppe sind Rückschritte, wie z.B. in der Sauberkeit zu beobachten. Die Kinder entwickeln Trennungsängste. Die benutzten Ersatzobjekte (Plüschtiere, Puppen, Decken) zur Rückversicherung in Bezug auf bestimmte Objekte, in dem Fall die Eltern. Neben allgemeinen Angstzuständen, gesteigerter Aggressivität und Trotzreaktionen sind die Kinder irritiert, furchtsam und weinen viel. Wie bei den Jüngeren kommt es ebenfalls zu Schlafstörungen. Die Kinder legen in der Scheidungssituation Besitz ergreifendes Verhalten an den Tag und suchen vermehrt körperliche Nähe, wodurch sie sich ziemlich schnell auch Fremden zuwenden. (QWZLFNOXQJVVWXIH,,,/HEHQVMDKU
Die Drei- bis Fünfjährigen können sich aggressiv-destruktiv verhalten, wobei sie gleichzeitig Angst vor Aggressionen entwickeln. Im Vergleich zu Entwicklungsstufe II sind die Kinder auch jetzt noch irritiert, weinen viel und sind traurig, was nun in anhaltende Trauer ausarten kann. Ein vermindertes Selbstwertgefühl, Gehemmtheit im Spiel, in der
Phantasieentwicklung und im Verhalten allgemein können Reaktionen auf die elterliche Trennung sein. Trotz der Hilfsbedürftigkeit dieser Kinder haben sie Zweifel an der Zuverlässigkeit menschlicher Beziehungen. Das ist leicht nachvollziehbar, wenn man die Verlustängste, vor allem die der kleineren Kinder kennt. Ist ein Elternteil ausgezogen, merkt das Kind, dass eine wichtige Bezugsperson plötzlich verschwinden kann. Neben der Einsamkeit, die es empfindet, gibt es sich selbst die Schuld am Zerbrechen der Familie. Schon in der Vorscheidungsphase spüren Kinder, wenn zwischen den Eltern etwas nicht stimmt. Sie entwickeln Angst, weil sie die Situation nicht richtig einschätzen können. Dann prägen besonders kleine Kinder häufig Schuldgefühle aus; sie fühlen sich für den Streit der Eltern und deren Stimmungstiefs verantwortlich. Gleichzeitig wollen sie diese Situation verändern. Dieses Vorhaben ist natürlich zum Scheitern verurteilt, was die Kinder noch verzweifelter werden lässt. Große Verunsicherung belastet sie, weil nichts mehr so wie früher ist. Manche Kinder versuchen die frühere Lage wieder herzustellen, indem sie vielleicht etwas Verbotenes tun. Denn dann sind sich beide Eltern einmal wieder einig, und das Kind ist in einer Lage (wenn beide Elternteile es ausschimpfen), die es einzuschätzen weiß.
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Die Reaktionen der Jungen dieser Altersstufe sind im allgemeinen heftiger und unmittelbarer als die der Mädchen. Ihr Verhalten ist externalisierend-ausagierend, d. h. sehr nach außen gerichtet und auf das Umfeld bezogen. Begleitet wird dieses Verhalten häufig von Defiziten in der sozialen Entwicklung und im Leistungsbereich. Konzentrationsschwierigkeiten und verminderter Optimismus verstärken diesen Mangel eher noch.
Mädchen hingegen internalisieren die Probleme eher. Depressionen sind eine Folge davon. Sie sind ängstlicher als Jungen und ziehen sich häufiger zurück. Pseudoerwachsenes Verhalten wird u.a. dadurch begünstigt, dass die kleinen Mädchen ihrer Mutter (ihrem Vater) nicht „zur Last fallen wollen“, deren Probleme zu ihren eigenen machen und überangepasst sind. Gehemmte oder rechthaberische Reaktionen sind hierbei häufig.
(QWZLFNOXQJVVWXIH,9/HEHQVMDKU
Diese Kinder quälen weiterhin Schuldgefühle wegen der Elterntrennung. Die Reaktionen darauf sind die gleichen wie bei Entwicklungsstufe III. Ebenfalls erhalten geblieben sind das aggressive Verhalten, die Ängstlichkeit, die Irritierbarkeit und das Weinen. Schlafstörungen können wieder auftreten, wie auch allgemeine Ruhelosigkeit. Trennungsprobleme undängste werden z.B. dadurch gefördert, dass ein Elternteil den anderen tabuisiert oder in Gegenwart des Kindes abwertet. Die Lösung des Konfliktes, der den Verlust eines Elternteils darstellt, wird dadurch verhindert. Weil Kinder im Vor- und Grundschulalter noch nicht mit den sich widersprechenden Äußerungen der Eltern umgehen können, ergreifen sie zum Schutz gegen diese Ambivalenz die Partei des Elternteils, bei dem sie leben. Weitere Reaktionen in dieser Phase sind Wutanfälle, Phobien, zwanghaftes Essen, abhängiges Verhalten und Kindheitsdepressionen bei denen das Kind Verweigerungsverhalten zeigt und sich zurück gewiesen fühlt. (QWZLFNOXQJVVWXIH9/HEHQVMDKU
Diese Stufe grenzt sich nun deutlich von der vorhergehenden ab. Die erste Reaktion der Kinder dieser Altersstufe ist eine anhaltende Traurigkeit, auf die Resignation folgt. Zwar besteht ein Wunsch nach Wiedervereinigung der Familie, aber gleichzeitig wird die eigene Machtlosigkeit dem gegenüber erkannt. Die eigenen Schuldgefühle rücken damit in den Hintergrund. Die Auflösung der Familie wird als Bedrohung der gesamten Existenz angesehen. Bei solchen schwerwiegenden Annahmen ist es deshalb nicht verwunderlich,
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Arbeit zitieren:
Peggy Obst, 1999, Die Auswirkungen der elterlichen Trennung (Scheidung) auf das Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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