Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 7
1.1 Problem- und Zielstellung. 8
1.2 Wissenschaftliche Fragestellungen und Arbeitshypothesen 9
2 Forschungsstand. 12
2.1 Subjektives Wohlbefinden 12
2.2 Sozialstatus. 14
2.3 Ernährungszustand 17
2.3.1. Primärdaten 17
2.3.2 Sekundärdaten 18
3 Empirische Untersuchung im Rahmen des Forschungsprojekts. 22
„Kinder bewegt“ 22
3.1 Vorstellung des Forschungsprojekts 22
3.2 Zielstellung. 22
3.3 Inhalte des Projekts 22
4 Darstellung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse 24
4.1 Subjektives Wohlbefinden 24
4.2 Sozialstatus. 39
4.3 Ernährungszustand 44
5 Vergleich der Untersuchungsergebnisse mit anderen Studien 51
5.1 Subjektives Wohlbefinden 52
5.2 Sozialstatus. 54
5.3 Ernährungszustand 59
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 64
7 Quellenverzeichnis 66
8 Anhang i
A. Tabelle zur Verteilung der chronischen Krankheiten auf den Sozialstatus i
B. Normwerte zur Auswertung der Messungen. iii
C. Fragebogen iv
2
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Beziehungen zwischen Sozialstatus, subjektivem Wohlbefinden und
Ernährungszustand.
Abb. 2: Erklärungsmodelle für die Entstehung von Auffälligkeiten oder Krankheiten zur
Einordnung des subjektiven Wohlbefindens nach Hurrelmann.
Abb. 3: Unterteilung der sozialen Ungleichheit nach Mielck.
Abb. 4: Perzentile für den Body-Mass-Index von Jungen im Alter von 0 bis 18 Jahren.
Abb. 5: Perzentile für den Body-Mass-Index von Mädchen im Alter von 0 bis 18 Jahren.
Abb. 6: Antworten aller Schüler auf Frage 19, mit der sie ihre eigene Gesundheit einschätzen
sollten.
Abb. 7: Antworten aller Schüler auf die Frage nach Krankheiten.
Abb. 8: Subjektives Gesundheitsgefühl verglichen mit den Angaben zum Gesundheitszustand
der Mädchen in Prozent.
Abb. 9: Subjektives Gesundheitsgefühl verglichen mit den Angaben zum Gesundheitszustand
der Jungen in Prozent.
Abb. 10: Antworten aller Schüler auf die Frage, ob sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit
eher „stark“ oder „schwach“, verglichen mit Gleichaltrigen, einschätzen
Abb. 11: Antworten aller Schüler auf die Frage, ob sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit
eher „schnell“ oder „langsam“, verglichen mit Gleichaltrigen, einschätzen.
Abb. 12: Antworten aller Schüler auf die Frage, ob sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit
eher „gelenkig“ oder „ungelenkig“, verglichen mit Gleichaltrigen, einschätzen.
Abb. 13: Antworten aller Schüler auf die Frage, ob sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit
eher „sportlich“ oder „unsportlich“, verglichen mit Gleichaltrigen, einschätzen.
Abb. 14: Zusammenhang zwischen dem subjektiven Einschätzen der Gesundheit und
Sozialstatus aller befragten Schüler.
Abb. 15: Zusammenhang zwischen aktueller Gesundheit und Sozialstatus aller befragten
Schüler.
Abb. 16: Zusammenhang des Sozialstatus mit der selbst eingeschätzten Leistungsfähigkeit
„stark“ vs. „schwach“
Abb. 17: Zusammenhang des Sozialstatus mit der selbst eingeschätzten Leistungsfähigkeit
„schnell“ vs. „langsam“
Abb. 18: Zusammenhang des Sozialstatus mit der selbst eingeschätzten Leistungsfähigkeit
„gelenkig“ vs. „ungelenkig“
3
Inhaltsverzeichnis
Abb. 19: Zusammenhang des Sozialstatus mit der selbst eingeschätzten Leistungsfähigkeit
„sportlich“ vs. „unsportlich“
Abb. 20: Zusammenhang zwischen gesundheitsmindernden Verhaltensweisen und
Sozialstatus.
Abb. 21: Einstellung zu illegalen Drogen nach Klassen.
Abb. 22: Klassenweise Verteilung des Sozialstatus.
Abb. 23: Unterteilung des Sozialstatus nach Klassen.
Abb. 24: Angaben zur Erwerbstätigkeit beider Elternteile.
Abb. 25: Prozentuale Angaben zur Schulbildung beider Elternteile.
Abb. 26: Zusammenhang von Erwerbstätigkeit und Bildungsstand bei den Eltern der
befragten Schüler.
Abb. 27: Anteil des Sozialstatus verteilt auf die Perzentilangaben des BMI der Klassen 1-11.
Abb. 28: Anteil des Sozialstatus verteilt auf die Perzentilangaben des BMI in der 1. Klasse.
Abb. 29: Verteilung des Sozialstatus in Prozent auf die Perzentilen des BMI in der 3. Klasse.
Abb. 30: Anteil des Sozialstatus verteilt auf die Perzentilangaben des BMI in der 5. Klasse.
Abb. 31: Anteil des Sozialstatus verteilt auf die Perzentilangaben des BMI in der 7. Klasse.
Abb. 32: Anteil des Sozialstatus verteilt auf die Perzentilangaben des BMI in der 9. Klasse.
Abb. 33: Anteil des Sozialstatus verteilt auf die Perzentilangaben des BMI in der 11. Klasse.
Abb. 34: Gebisszustand von Einschülern der Stadt Brandenburg nach Sozialstatus.
Abb. 35: Anteil der nicht erwerbstätigen Eltern unter den Einschülern des Landes
Brandenburg
Abb. 36: Anteil der übergewichtigen Einschüler unterteilt nach Geschlecht und Sozialstatus
des Landes Brandenburg.
Abb. 37: Brandenburger Einschüler mit starkem Übergewicht unterteilt nach Sozialstatus von
1994 - 2003.
4
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tab. 1. Bildung der Variable Sozialstatus. 16
Tab. 2. Einteilung des Sozialstatus. 16
Tab. 3. Klassifikation von Übergewicht und Adipositas ohne Berücksichtigung des Alters. 19
Tab. 4. Vergleich des subjektiven Gesundheitsgefühls (Frage 19) mit Angaben über den
aktuellen Gesundheitszustand (Frage 21) unterschieden nach Geschlecht 26
Tab. 5. Antworten aller Schüler über ihre Einstellung zu illegalen Drogen in Prozent. 35
Tab. 6. Prozentuale Angaben zum Sozialstatus pro Klasse aller befragten Schüler. 39
Tab. 7. Verteilung der Erwerbstätigkeit nach Geschlecht der Eltern. 41
Tab. 8. Verteilung des Sozialstatus in Prozent auf die verschiedenen Perzentilbereiche des
BMI in der 1. Klasse. 45
Tab. 9. Verteilung des Sozialstatus in Prozent auf die verschiedenen Perzentilbereiche des
BMI in der 5. Klasse 47
Tab. 10. Übersicht aller verwendeten Referenzstudien. 51
Tab. 11. Gesundheitsbefinden 11- bis 15- jähriger Schüler und Schülerinnen im
Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit anhand verschiedener
Gesundheitsindikatoren 52
Tab. 12. Sozialstatus von Einschülern aus dem Land Brandenburg der Jahrgänge 1994 bis
1998. 57
Tab. 13. Schulabschluss der Eltern im Rahmen einer Schülerbefragung im Projekt „Kinder
bewegt“ 59
Tab. 14. Tabelle zur Verteilung Schüler mit chronischen Krankheiten auf den Sozialstatus. i
Tab. 15. Perzentile für den Body-Mass-Index(kg/ m2) von Jungen im Alter von 6 bis 18
Jahren iii
2
Tab. 16. Perzentile für den Body-Mass-Index (kg/ m ) von Mädchen im Alter von 6 bis 18
Jahren iii
5
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AGA Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter
BMFSFJ Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
BMI Body-Mass-Index
Diss. Dissertation
Habil. Habilitationsschrift
HBSC Health Behaviour in School-aged Children
MASGF Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg
PWC Physical Working Capacity (wird mittels Herzschlagfrequenz bestimmt)
Tab. Tabelle
WHO Weltgesundheitsorganisation
WHR Waist-to-Hip-Ratio
6
1 Einleitung
1 Einleitung
Um zu verdeutlichen, wie wichtig objektiv erfasste Daten sind, wurde erstmals 1924 von Borchard der Begriff „Anthropometrie“ in der Konstitutionslehre geprägt. Anthropometrie als Wissenschaft erfasst objektiv gemessene Daten über Konstitution und Beschaffenheit des menschlichen Körpers. Die ersten metrischen Daten wurden von Ascher 1913 erfasst (Probst, J. 1982, 32).
Obwohl die Anthropometrie als solche noch ein relativ junger Wissenschaftszweig ist, ist es notwendig, immer aktuelle Daten zu sammeln. Es existiert eine Fülle von alten Daten, aber diese repräsentieren nicht den aktuellen Stand der Forschung. Schon Ende der 60er Jahre machte Möhr sich Gedanken über den negativen Einfluss von Überernährung auf den Gesundheitszustand (Möhr, 1967, 1853). Aus zahlreichen Studien früherer Jahre gingen Ergebnisse über einen geminderten Gesundheitszustand und körperliche Leistungsfähigkeit der Schüler hervor. Weil diese Studien zum Teil sehr alt sind und nie Daten über den Fitness-und Gesundheitszustand bei Rostocker Schülern erfasst wurde, ist das Projekt „Kinder
bewegt“ ins Leben gerufen worden. Neben dem Erfassen von Daten, die Gültigkeit für die Region Rostock besitzen, wurde ebenfalls angestrebt, den Datenbestand zu aktualisieren. Die Ergebnisse geben Aufschluss über den Gesundheitszustand Rostocker Schüler, und sie sollen das Kultusministerium davon überzeugen, dass die dritte Sportstunde für alle Schüler jeder Schulart ratsam ist. Dass Handlungsbedarf besteht, ist schon in früheren Studien bekannt geworden. Jetzt muss nach geeigneten Möglichkeiten gesucht werden, die versuchen, Folgeerkrankungen, die durch Bewegungsmangel begründet sind für die Zukunft zu verringern.
In dieser Arbeit soll geklärt werden, inwieweit die soziale Schichtzugehörigkeit den Gesundheitszustand beeinflusst. Es geht um die Frage, ob „Armut krank macht“. Weiterhin wird geprüft, ob die Schichtzugehörigkeit den Ernährungszustand verändert. Der Begriff
Ernährungszustand allgemein meint den Zustand der Ernährung, der vom Körpergewicht verhältnismäßig zur Körpergröße abgeleitet werden kann. Es geht hierbei um die Frage, ob „Armut dick macht“. Armut in diesem Zusammenhang ist nicht im Sinne von Hungern zu
verstehen, sondern meint soziale und kulturelle Einengungen, bis hin zu Einschränkungen, die die Gesundheit gefährden (Barlösius et al., 1995, 12). In der heutigen Gesellschaft steigt die Armut immer mehr an und die sozio-ökonomischen Unterschiede werden ebenfalls größer (Mielck, 2000,11). In Anbetracht der bestehenden Gefahr, dass „Armut dicker macht“ in
7
1 Einleitung
Verbindung mit der Tatsache, dass Armut in Deutschland steigt, wird diese Situation sich weiter zuspitzen. Für die Zukunft werden steigende Armutszahlen in Deutschland erwartet. Wenn Armut tatsächlich „dicker macht“, wird der Anteil der Übergewichtigen und Adipösen nicht nur für die Krankenkassen unangenehme Ausmaße einnehmen. Die Bedeutung von aktuellen Studien, die sich mit dem Ernährungszustand der Kinder und Jugendlichen auseinandersetzten, steigt mehr und mehr in einem Zeitalter von ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel. Weiterhin soll geklärt werden, ob der Ernährungszustand das Wohlbefinden verändert. Vermutungen zufolge fühlen sich „dicke“ Kinder oft unwohl und sind häufiger krank als normalgewichtige Kinder.
Studien der letzten 20 Jahre zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen immer dicker werden. In der Fachwelt (WHO, 2000) wird von Übergewicht und Fettleibigkeit als globale Epidemie gesprochen. Sie betrifft alle Altersschichten in Industrieländern im gleichen Maße wie Entwicklungsländern. Fettleibigkeit tritt heutzutage so häufig auf, dass sie gegenüber den bisher am weit verbreitetsten Gesundheitsbeeinträchtigungen wie Unterernährung und Infektionskrankheiten in den Vordergrund gerückt ist (WHO, 2000, 1f). Die Begriffe Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) werden häufig synonym verwendet, wobei sie streng getrennt werden müssen. Vereinfacht gesagt bedeutet Übergewicht Abweichungen des körperhöhenbezogenen Körpergewichts von dem Normalmaß, wohingegen für Adipositas die erhöhte Fettmasse entscheidend ist (Wabitsch et al.2005, 4). Schätzungen zur Folge sind in Deutschland derzeit zwischen 10 und 20% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und 4 bis 8% adipös (Wabitsch et al.2005, 12). Dieser hohe Anteil an übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen zeigt, dass deutschlandweit Handlungsbedarf besteht. Es ist wichtig, aktuelle Daten zu erheben, um diese Schätzwerte zu überprüfen und gegebenenfalls für die Region Rostock anzupassen.
1.1 Problem- und Zielstellung
Ein übergeordnetes Ziel ist es, aus dieser Studie repräsentative Daten zum Gesundheitszustand Rostocker Schüler zu sammeln, um Rückschlüsse über deren Gesundheit ziehen zu können.
Weiterhin soll mithilfe dieser Studie festgestellt werden, inwieweit die Schüler sportlich aktiv sind und inwieweit sich die sportliche Betätigung auf deren Gesundheitszustand auswirkt. Als
8
1 Einleitung
Grundlage für diese Diskussion wird in dieser Arbeit lediglich der Gesundheitszustand ermittelt und diskutiert.
Der Gesundheitszustand wird mittels Ernährungszustand bestimmt. Näheres dazu ist im Kapitel 2.3 Ernährungszustand zu erfahren. Im zweiten Kapitel wird im Wesentlichen auf die Methoden der Datenerhebung eingegangen. Es werden Methoden und Herangehensweisen erläutert, die zur Ermittlung des Ernährungszustandes, subjektiven Wohlbefindens und
Sozialstatus herangezogen wurden. Zur Bestimmung des Ernährungszustands wird lediglich Bezug auf die Methoden genommen, auf die in der Auswertung eingegangen wird. Um Klarheit zu schaffen, werden neben den Messgeräten die Vorgehensweise und die Bestimmung des Ernährungszustandes beschrieben.
Kapitel 3 wendet sich den aktuellen Forschungsstand des subjektiven Wohlbefindens, Sozialstatus und Ernährungszustands zu. Nachdem ein theoretischer Abriss der Schlüsselbegriffe Ernährungszustand, subjektives Wohlbefinden und Sozialstatus erfolgte, wird das Projekt erläutert. In der Analyse der Daten sollen die vorher aufgestellten Arbeitshypothesen bearbeitet werden. Dort werden außerdem Zusammenhänge zwischen den drei Schlüsselbegriffen erarbeitet und erläutert. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der Auswertung beschrieben und im Anschluss mit anderen Studien verglichen. Diese Arbeit soll zeigen, inwieweit der Sozialstatus auf den Gesundheitszustand und das subjektive Wohlbefinden wirkt. Ferner soll geklärt werden, wie sich der Ernährungszustand auf das subjektive Wohlbefinden auswirkt. Im weiteren Verlauf werden Thesen erarbeitet, die in der Auswertung be- oder widerlegt werden.
1.2 Wissenschaftliche Fragestellungen und Arbeitshypothesen
Sozialstatus
Abb. 1: Beziehungen zwischen Sozialstatus, subjektivem Wohlbefinden und
Ernährungszustand.
9
1 Einleitung
Die Abbildung 1 verdeutlicht grafisch, welche Arbeitshypothesen sich ergeben. Die Doppelpfeile verdeutlichen eine wechselseitige Beziehung zwischen den einzelnen Parametern. Ein Merkmal wird demnach passiv beeinflusst und kann gleichzeitig aktiv Einfluss auf ein anderes Merkmal nehmen.
1. Schüler, deren Eltern einen geringen Sozialstatus haben, werden wahrscheinlich weniger zu gesunder Ernährung angehalten. Dies wird direkt aus dem
2. Es ist anzunehmen, dass der Sozialstatus das subjektive Wohlbefinden beeinflusst.
Wohlbefinden auf als Schüler aus höheren Schichten. 3. Das subjektive Wohlbefinden hängt von dem Grad der bewussten und gesunden Ernährung ab. Der Ernährungszustand beeinflusst das subjektive Wohlbefinden. Es ist
Die erste Hypothese ergibt sich aus der Annahme, dass bei einem niedrigen Sozialstatus das Gesundheitsbewusstsein weniger stark ausgeprägt ist. Diese Hypothese beruht auf der Vermutung, dass es Eltern mit einem niedrigen Sozialstatus sowohl an Mitteln fehlt, die gesunde Ernährung ermöglicht, als auch an Bewusstsein mangelt, um bei ihren Kindern auf gesunde Ernährung zu achten. Um einen Zusammenhang beider Parameter festzustellen, ist die Bestimmung des Sozialstatus notwendig, der dann mit Parametern, die den Ernährungszustand objektivieren in Verbindung gebracht wird.
Die zweite Hypothese erschließt sich aus der Vermutung, dass Kinder mit einem niedrigen Sozialindex ein geringeres Wohlbefinden als Gleichaltrige mit einem vergleichsweise höheren Sozialstatus aufweisen. Ausschlaggebend dafür ist die Tatsache, dass Kinder aus sozial ungünstigen Verhältnissen häufiger krank sind, wodurch das Wohlbefinden beeinträchtigt wird.
Schüler mit niedrigem Sozialstatus weisen vermutlich häufiger ein geringeres Maß an subjektivem Wohlbefinden auf. Diese Annahme basiert darauf, dass Menschen mit einem vergleichsweise geringeren Sozialstatus weniger zufrieden sind. Die subjektiv
wahrgenommene Zufriedenheit wird direkt vom Sozialstatus beeinflusst. Die Zufriedenheit
10
1 Einleitung
häufig auch Lebenszufriedenheit genannt, steigt mit besserem Sozialstatus. Sie wird von vorgegebenen Eigenschaftswörtern aus dem Fragebogen abgeleitet, wobei angenommen wird, dass zufriedene Schüler verglichen mit unzufriedenen sich eher positiv einschätzen. Gestützt durch die Mutmaßung, dass übergewichtige Kinder sich in ihrem Körper oft unwohl fühlen, ergibt sich die dritte Hypothese. Es wird erwartet, dass das subjektive Wohlbefinden vom Körpergewicht beeinflusst wird. Dies lässt Rückschlüsse auf den Ernährungszustand zu. Bedingt durch den ständigen Vergleich mit Gleichaltrigen desselben Geschlechts sind Kinder mit Gewichtsproblemen oft besonders mit sich unzufrieden. Dies wird zusätzlich durch Hänseleien ihrer Mitschüler verstärkt. Die Kombination der Gewichtsprobleme und der Sichtweise der Mitschüler beeinflusst das habituelle Wohlbefinden. Erklärungen zu den Begrifflichkeiten folgen im Kapitel 2.1. Es ist allgemein anerkannt, dass Übergewicht und Fettleibigkeit oft eine Reihe von Krankheiten hervorrufen bzw. begünstigen. Krankheiten beeinflussen das Wohlbefinden in negativer Weise.
11
2 Forschungsstand
2 Forschungsstand
Das Augenmerk in dem Kapitel über den aktuellen Forschungsstand bezieht sich auf die Bereiche subjektives Wohlbefinden, Sozialstatus und Ernährungszustand.
2.1 Subjektives Wohlbefinden
Um den Begriff „subjektives Wohlbefinden“ verstehen zu können, muss zuerst die Bedeutung von Gesundheit erläutert werden. Die WHO (1946) definiert Gesundheit nicht nur als „Freisein von Krankheiten und Gebrechen“, sondern auch als „Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“ (Hurrelmann, 1994, 16). Wie die Definition der WHO (1946) zeigt, wird die Bedeutung des Wohlbefindens in das bis dahin vorherrschende medizinische Verständnis für Krankheit integriert (Hurrelmann, 1994, 16). Da ein Zusammenhang zwischen Gesundheit und Wohlbefinden besteht, wird zunächst auf Gesundheit und Krankheit eingegangen und dann darauf aufbauend das subjektive Wohlbefinden erläutert.
Es existiert eine Fülle von Erklärungsmodellen für die Entstehung und Entwicklung von Auffälligkeiten und Krankheiten (Hurrelmann, K, 1994, 121). Sie dienen ebenfalls zur Orientierung beim Einordnen des subjektiven Wohlbefindens.
Abb. 2: Erklärungsmodelle für die Entstehung von Auffälligkeiten oder Krankheiten zur Einordnung des subjektiven Wohlbefindens nach Hurrelmann (1994, 10).
Die medizinischen Erklärungsmodelle gehen davon aus, dass Grundschädigungen des Organismus anhand von typischen äußeren Zeichen so genannten Symptomen erkannt werden
12
2 Forschungsstand
können. Symptome gelten als „Indikator für eine „nicht-normale“ Funktionsweise“, da sie sich von den üblichen Erfahrungswerten unterscheiden (Hurrelmann, 1994, 121). Die psychologischen Erklärungsmodelle führen als Gründe für psychische Störungen und Krankheiten angeborene oder im Entwicklungsprozess erworbene Störungen an. Die soziologische Sichtweise benennt soziale, politische und kulturelle Strukturen als Ausgangsbedingung für soziale Auffälligkeiten. Die drei verschiedenen Erklärungsmodelle
sollten nicht isoliert, sondern ineinander fließend übergehend angesehen werden (Hurrelmann, 1994, 122).
Hurrelmann (1994, 16f) beschreibt Gesundheit als einen
„Zustand des subjektiven und objektiven Befindens einer Person, der gegeben ist, wenn diese Person sich
in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung in Einklang mit den eigenen
Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet.“ Ein großes Problem stellt dagegen das genaue Definieren des subjektiven Wohlbefindens dar (Antonovsky, A, 1997, 161). Erschwert wird dies durch im Alltag verwendete Synonyme wie „Lebenszufriedenheit“ und „Glücklichsein“ (Antonovsky, A, 1997, 161), die häufig mit Wohlbefinden gleichgesetzt werden. Ein weiteres Problem ist neben dieser Abstraktheit des Begriffs die Komplexität. So kann das subjektive Wohlbefinden nicht nur mit einer eindimensionalen Frage ermittelt werden (Abele, A, 1994, 64). Eine Möglichkeit der Einteilung ist die Unterteilung in aktuelles und habituelles Wohlbefinden (Abele, A, 1994, 13f). Beide können weiterhin in physisches und psychisches Wohlbefinden zergliedert werden, wobei das aktuelle Wohlbefinden versucht, das momentan Erlebte einer Person zu charakterisieren (Abele, A, 1994, 14). Unter habituelles Wohlbefinden hingegen wird, im Sinne von allgemeiner Lebenszufriedenheit, das typische Wohlbefinden einer Person verstanden. Das habituelle Wohlbefinden spielt besonders in der Forschung zur Bestimmung des Sozialindikators eine Rolle, da es aussagekräftige Ergebnisse ermöglicht (Abele, A, 1994, 15).
Eine weitere Methode ist das Einteilen in psychisches, physisches und soziales Wohlbefinden. Die soziale Komponente definiert sich durch das Gefühl „geliebt und gebraucht zu werden“, wohingegen die psychische Komponente des Wohlbefindens „sich kompetent und ausgeglichen zu fühlen“ meint (Abele, A, 1994, 16). Physisches Wohlbefinden wird als sich „fit und gesund fühlen“ angesehen. Diese physische Dimension des Wohlbefindens zeigt einen engen Zusammenhang mit Gesundheit. Einige Gesundheitsauffassungen [Antonovsky, (1979); Becker, Bös und Woll (1994)] versuchen, das medizinische Defizitmodell mit einem Modell, bestehend aus sozio-ökologischen Bedingungen und psychischen Faktoren, abzulösen
13
2 Forschungsstand
(Schlicht, W, 1995, 23). Dennoch fehlt es an objektivierbaren Messkriterien, die den abstrakten Begriff „Wohlbefinden“ hierarchisch kategorisieren können (Schlicht, W, 1995, 25).
In einer von Richter (1994) durchgeführten Studie gaben ältere Probanden an, mehr Beschwerden als in jüngeren Jahren zu haben, sich aber dennoch gesund zu fühlen (Schlicht, W, 1995, 25.) Dieses Beispiel zeigt, dass Wohlbefinden zwar vom Gesundheitszustand beeinflusst wird, aber nicht nur über das Freisein von Beschwerden oder Krankheiten definiert werden kann. Weiterhin verdeutlichen die Ergebnisse, dass Menschen, die mehr Beschwerden haben, sich trotzdem gesund fühlen können und nicht nur Gesunde sich fit und gut fühlen können. Obwohl Richters (1994) Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit Krankheiten sich wohl fühlen können, wurde im Projekt „Kinder bewegt“ Gesundheit als das Freisein von Krankheit definiert. Im Fragebogen wurde nach Krankheiten, Verletzungen und Beschwerden gefragt (Siehe Kapitel 6 Fragebogen).
Da das habituelle Wohlbefinden mit dem im Fragebogen gestellten Fragen nicht ermittelt werden kann, wird es von dem Gesundheitszustand abgeleitet. Dazu wird davon ausgegangen: Je gesünder ein Proband ist, im Sinne von Freisein von Krankheiten, desto wohler fühlt er sich. Krankheit wird demnach als Belastung angesehen, die das Wohlbefinden negativ beeinflusst. Das „klassische“ medizinische Erklärungsmodell wird in dieser Studie zur Bestimmung des subjektiven Wohlbefindens herangezogen.
2.2 Sozialstatus
Die Bestimmung des Sozialindexes gilt als ein Indikator für die soziale Lage der Probanden und ermöglicht Auswertungen über sozio-ökonomisch bedingte und gesundheitliche Ungleichheiten (MASGF, 2004, 59).
Der Sozialstatus wird allgemein ermittelt, um das Ausmaß sozialer Ungleichheit zu erfassen. Als soziale Ungleichheit werden soziale Unterschiede zusammengefasst, die beim Eintritt einer Person oder Personengruppe in soziale Gefüge und Beziehungen entstehen. Diese Unterschiede sind relativ unabhängig von Individualität und sozialen Gemeinsamkeiten, und sie bewirken Vor- und Nachteile zwischen Gesellschaftsmitgliedern. Diese positionsgebundenen Vor- und Nachteile werden als soziale Ungleichheit zusammengefasst (Mielck, A, 2000, 17). Die soziale Ungleichheit wird in horizontale und vertikale Ebene unterschieden. Unter horizontaler sozialer Ungleichheit werden neben den Merkmalen wie
14
2 Forschungsstand
„Alter“, „Geschlecht“, „Familienstand“, „Nationalität“ auch „Zahl der Kinder“ und die „Größe des Wohnorts“ zusammengefasst. Die Merkmale „Bildung“, „beruflicher Status“ und „Einkommen“ beschreiben die vertikale Ebene (Mielck, A, 2000, 18). Für die Bestimmung des Sozialstatus ist in dieser Arbeit nur die vertikale Ebene entscheidend.
Abb. 3: Unterteilung der sozialen Ungleichheit nach Mielck (Mielck, 2000, 17ff).
Mielck (2000) zeigt auf, über welche Merkmale soziale Ungleichheit ermittelt werden kann. Für die Bildung schlägt er die Bestimmung der schulischen Bildung allein und eine Kombination aus schulischer und beruflicher Bildung vor. Zur Bestimmung des beruflichen Status ist die berufliche Tätigkeit im Sinne der derzeitig oder früher ausgeführten Beschäftigung (Mielck, 2000, 24). Die berufliche Stellung meint eine Einordnung in Berufsgruppen, mit der eine Hierarchie der beruflichen Stellung verdeutlicht werden kann (Mielck, 2000, 24f). Zur Erfassung des Einkommens konzentriert sich Mielck auf komplizierte finanzielle Situationen. So wird über den Erhalt von Sozialhilfe erkennbar, dass es sich um einkommensschwache Personen handelt, die auf finanzielle oder materielle kommunale oder staatliche Unterstützung angewiesen sind. Neuerungen aus dem zweiten 1 Sozialgesetzbuch müssen dieser Abbildung noch zugefügt werden. So gelten
Arbeitslosengeld-II-Empfänger ebenfalls als Personen mit geminderter finanzieller Situation. Als ein großes Problem führt Mielck (2000) ein größeres Ausmaß der so genannten verdeckten Armut an. Verdeckte Armut meint, dass ein größerer Anteil der Sozialhilfeempfänger vermutet wird. Personen, die ein Anrecht auf Sozialhilfe besitzen, und davon aber kein Gebrauch machen, lassen darauf schließen (Mielck, 2000, 32). Mit geringem Haushalts-Nettoeinkommen sind alle Personen gemeint, die nicht nur Sozialhilfe empfangen,
1 www.sozialgesetzbuch-bundessozialhilfegesetz.de
15
2 Forschungsstand
sondern auch Einkommen besitzen. Haushalte werden dabei als arm bezeichnet, wenn sie über maximal 50% des durchschnittlichen Haushalts-Nettoeinkommens verfügen (Mielck, 2000, 34).
Im Projekt „Kinder bewegt“ wurde der Sozialstatus der Schüler über die Parameter Bildung und Erwerbstätigkeit der Eltern ermittelt. Das wurde im Fragebogen (Siehe Anhang) erfragt.
Tab. 1. Bildung der Variable Sozialstatus (MASGF, 2004, 59).
Wie aus dieser Tabelle eins ersichtlich, setzt sich der Sozialstatus eines jeden Probanden aus der Schulbildung und der Erwerbstätigkeit beider Elternteile zusammen. Es wird für jeden vorhandenen Bereich eine bestimmte Punktzahl vergeben, und die Summe der Punkte entscheidet über die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sozialstatus.
Tab. 2. Einteilung des Sozialstatus (MASGF, 2004, 60).
Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sozialschicht ist von der Punktesumme abhängig. Bei einer Punktzahl von 4-6 wird den Schülern ein niedriger Sozialstatus zugeordnet. 7-8 Punkte sind gleichbedeutend mit einem mittleren und 9-10 Punkte mit einem hohen Sozialstatus. Bei Alleinerziehenden werden der Bildungsstand und die Angabe zur Erwerbstätigkeit doppelt gewichtet (MASGF, 2004, 59).
16
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