Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort. 02
2. Das erzählte Geschehen. 03
3. Im Text auftretende Figuren. 04
3.1 Raimund. 04
3.2 Ubaldo. 05
3.3 Berta. 07
3.4 Das schöne Zauberfräulein. 08
3.5 Andere erwähnte Figuren. 08
4. Der Raum als Schauplatz des Geschehens. 09
4.1 Die Bergwelt und Raimunds Höhle. 09
4.2 Ubaldos Burg. 10
4.3 Raimunds Burg. 10
4.4 Die Welt des Zauberfräuleins. 11
5. Die Zeit in „Die Zauberei im Herbste“ 12
5.1 Zeitliche Gliederung des Erzähltextes. 12
5.2 Die historische Zeit, in der sich das Geschehen abspielt. 12
5.3 Die Tages- und Jahreszeit als Interpretationshilfe. 13
6. Leitmotive als Ausgangspunkt für die übersteigerte Phantasie. 14
6.1 Verblendung durch Lichtreflexe. 14
6.2 Verlockende Klänge. 15
6.3 Attribute des Herbstes. 16
7. Deutung des Wahnsinns. 17
8. Zeitsituation bei der Werksentstehung. 19
9. Schlusswort. 20
10. Literaturverzeichnis 21
1. Vorwort
„Die Zauberei im Herbste“ wird als die erste vollendete Prosa - Arbeit von Joseph von Eichendorff angesehen. Sie entstand 1808 / 09, wurde jedoch erst 1906 durch Eichendorffs Enkel Karl abgedruckt und veröffentlicht. Obwohl Anzeichen vorhanden sind, die nicht sofort auf Eichendorff als Verfasser schließen lassen, wie die Handschrift, die eindeutig nicht von ihm stammt und auch die Unterzeichnung des Textes mit „Florens“, so können sämtliche Vorbehalte aus wissenschaftlicher Sicht ausgeräumt werden. Der Name „Florens“ wird als eine Art Pseudonym Eichendorffs angesehen. Er wurde ihm von seinem Freund Otto Heinrich Graf von Loeben verliehen in Anlehnung an den verkannten Kaisersohn Florens, der in Tiecks Lustspiel „Kaiser Octavianus“ eine hohe sprachlich - dichterische Begabung an den Tag legt.
Ein weiteres Indiz sind einige Passagen und Motive, die im weiteren Werk Eichendorffs wieder aufgegriffen wurden.
Friedrich Weschta beschreibt das Prosastück als ein „gültiges dichterisches Zeugnis, mit dem der zwanzigjährige Erzähler Wesenszüge seiner späteren Kunst vorwegnimmt.“ Das Stück habe „den bezwingenden Reiz eines genialen Erstlings und lässt bereits den reifen Künstler Eichendorff in Umrissen erkennen.“ 1
Die Absicht dieser Arbeit soll es nun sein, den Inhalt und die Zusammenhänge des Werkes zu veranschaulichen, die Motive zu deuten und die Aussageabsicht des Autors zu erhellen.
1 Vgl. WESCHTA, Friedrich: Eichendorffs Novellenmärchen „Das Marmorbild“. Prag: 1916 (Prager Deutsche Studien, 25) S. 602ff.
2
2. Das erzählte Geschehen
Ritter Ubaldo, der sich auf der Jagd im Gebirge verirrt hat, trifft kurz vor Einbruch der Dunkelheit, auf einen seltsam gekleideten Einsiedler, der ihm für die Nacht eine Schlafgelegenheit in seiner Höhle anbietet und verspricht, dass er ihm am folgenden Tag den Heimweg zeigen werde. Da Ubaldo über dessen Kleidung sehr verwundert ist, befragt er ihn - allerdings erfolglosüber seine Vergangenheit und Herkunft. Als Ubaldo bei dieser Gelegenheit über eigene Taten berichtet, scheint der Fremde zunächst aufzuhorchen, versinkt allerdings dann in ein tiefes Nachsinnen. Durch unruhiges Träumen aufgewacht, vernimmt Ubaldo die Stimme des Eremiten, der vor der Höhle auf und ab wandelt, dabei singt und unverständliche Gebetsformeln murmelt. Am nächsten Morgen zeigt ihm der Einsiedler dann den Weg aus dem Gebirge. Beim Anblick der unter ihnen liegenden Zivilisation zeigt er eine für Ubaldo unerklärliche Reaktion: bestürzt über den eigentlich herrlichen Anblick eilt er zurück in die Wälder. Ubaldo hingegen setzt den nun wieder vertrauten Weg zu seinem Schloss fort. In der Folge sucht der Ritter den Einsiedler erneut einige Male auf, da ihn dessen Verhalten neugierig gemacht hat. Bei jedem Besuch wird der Fremde ruhiger und zutraulicher, doch gibt er trotzdem auch bis dato seinen Namen oder seine Lebensumstände nicht preis. Schließlich gelingt es Ubaldo ihn in sein Schloss einzuladen.
Dort erzählt er Ubaldo und dessen Frau Berta nach einigem Zögern seine Geschichte: Als junger Mann habe er auf seinem Schloss seinem Freund vor dessen Aufbruch zu einem Kreuzzug an einem Herbstabend ein Abschiedsfest gegeben. Gegen Ende des Festes habe er Berta, der Braut des Freundes, seine Liebe gestanden. Diese Liebe war es auch, die ihn hinderte, selbst an dem Kreuzzug teilzunehmen. Daraufhin sei er weggeritten und im Wald der Angebeteten begegnet, die ihn erst warnte vor ihr selbst, ihn dann allerdings aufforderte, den Freund, der sie zur Verlobung gezwungen habe, zu töten. Den Freund habe er daraufhin in der folgenden Nacht auf einem hohen Felsen getroffen und hinabgestürzt. Danach habe er mit der Geliebten rauschhafte Wochen auf einem zauberhaftem Schloss verbracht, bis diese bei Wintereinbruch erstarrt und er schließlich geflohen sei. Im Frühling habe er aus Reue den Entschluss
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gefasst, durch einsiedlerische Buße Vergebung zu erflehen, doch immer im Herbst werde die Versuchung durch unwiderstehlich verführerische Töne aufs Neue in ihm geschürt.
Noch während den Ausführungen des Einsiedlers erkennt Ubaldo in dem Fremden seinen lange verlorengeglaubten Jugendfreund Raimund wieder. Als dieser geendet hat, spricht Ubaldo ihn zu seiner großen Verwunderung mit seinem Namen an und gibt auch seine Identität als sein Freund preis. Der Ritter erklärt Raimund, wie es ihm seit ihrer Trennung ergangen ist und weist Raimund darauf hin, dass er sich Bertas Aufforderung, den Mord und das Zauberschloss nur eingebildet hat. Als Raimund den Freund und die Geliebte erkennt, flieht er voller Entsetzen in den Wald. Am nächsten Morgen erreicht er seine eigene Burg, doch beim Betreten des verwahrlosten Gartens ist er dem Zauber erneut verfallen: er glaubt in einem Fenster die blutige Gestalt Ubaldos zu erblicken. Verwirrt wendet er sich von der Burg ab und sieht das Zauberfräulein an ihm vorbeireiten. Unwiderstehlich von ihr angezogen, folgt er ihr, verschwindet im Wald und erliegt völlig dem Wahnsinn.
3. Im Text auftretende Figuren
Der Figurenbestand des Textes ist relativ gering. Drei Figuren werden namentlich erwähnt, andere kommen nur indirekt im Geschehen vor.
3.1 Raimund
Bei Raimunds Aussehen wird auf seine auffällige „bunte, seltsame Kleidung“ (S. 54, 1f) eingegangen, wobei das Augenmerk des Lesers vor allem auf den „prächtig geschmückten Wams“ (S. 54, 4f) gelenkt wird, der allerdings schon abgetragen und „altmodisch“ (S. 54, 4) zu sein scheint. Sein Gesicht ist „schön, aber bleich und wild mit Bart verwachsen“ (S. 54, 5f). Weitere Äußerlichkeiten werden nicht beschrieben. Im Text tauchen viele Bezeichnungen für Raimund auf, wie z.B. „Mann“ (S. 54, 1), „Sänger“
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(S. 55, 19), „Führer“ (S. 55, 28), „Klausner“ (S. 56, 7), „Einsiedler“ (S. 56, 20) usw., da sein Name erst am Ende bekannt wird. Er bekennt im Text: „Es gibt vom Leben Berauschte - ach, wie schrecklich ist es, dann auf einmal wieder nüchtern zu werden!“ (S. 57, 3ff) und meint damit natürlich sich selbst. Seinen Freund Ubaldo dagegen vergleicht er mit „einem Schiffer, der weiß, wo er hinsteuern soll und sich von dem wunderbaren Liede der Sirenen unterwegs nicht irremachen lässt.“ (S. 56, 35ff)
Die beiden Worte „Berauschte“ und „soll“ sind auch im Originaltext hervorgehoben, um dadurch zwei gegensätzliche Existenzmöglichkeiten des Menschen darzustellen. 2
Raimund, der „Berauschte“, bedeckt deswegen auch sein Gesicht mit den Händen (S. 56, 1f), so dass er die schöne wirkliche Welt nicht sehen kann. Seine Verzauberung oder besser sein Rausch rührt von einer triebbedingten übermächtig werdenden Phantasie her, die beginnt, als er Berta auf das Pferd hilft und glaubt ihr eine Liebeserklärung gemacht zu haben (S. 58, 13ff).
Am Ende des Textes nimmt Raimunds Leben einen negativen Ausgang, da für ihn Wirklichkeit und Zauberei unentwirrbar ineinandergewuchert 3 sind und somit nicht mehr die Möglichkeit besteht, in das reale Leben zurückzukehren.
3.2 Ubaldo
Die einzige äußerliche Beschreibung, die der Leser von Ubaldo bekommt, ist die von einem „langen Mann“ (70, 9). Von den inneren Werten des frommen und guten Ritters wird vor allem das „ungetrübte, schuldlose Gemüt“ (56, 17ff) hervorgehoben. Der Titel „Ritter“ deutet auf den gesellschaftlichen Stand Ubaldos als angesehener Ritter hin. Wir erfahren
2 Vgl. KÖHNKE, Klaus: Hieroglyphenschrift. Untersuchungen zu Eichendorffs Erzählungen. Sigmaringen: 1986 (Aurora - Buchreihe, 5) S. 41f.
3 Vgl. MÜHLHER, Robert: Lebendige Allegorie. Studien zu Eichendorffs Leben und Werk. Sigmaringen: 1990 (Aurora - Buchreihe, 6) S. 166.
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Arbeit zitieren:
Andrea Lehner, 2003, Interpretation von Joseph von Eichendorffs "Zauberei im Herbste", München, GRIN Verlag GmbH
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