Bergische Universität Wuppertal, Seminararbeit für die Diplomhauptprüfung
Prüfungsgebiet: Seminar „Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance“
Ansprüche der Adressaten an die Rechnungslegung -
gleichgerichtete oder widerstreitende Interessen?
von: Eva-Maria Pfaff und Tanja Rammin
Gliederung
1 Einführung 1
1.1 Aktualität der Thematik 1
1.2 Aufgabe der Rechnungslegung 2
2 Adressaten an die Rechnungslegung innerhalb des HGB 3
2.1 Externe Adressaten 4
2.2 Interne Adressaten 5
3 Interessen- und Zahlungsbemessungskonflikt innerhalb des HGB 6
3.1 Informationsinteresse 7
3.2 Zahlungsbemessungsinteresse 8
3.2.1 Positives Zahlungsbemessungsinteresse 8
3.2.2 Negatives Zahlungsbemessungsinteresse 9
3.3 Zusammenfassende Abwägung der Einzelinteressen der verschiedenen Adressaten an die Rechnungslegung 10
4 Beurteilung der Ansprüche der Adressaten an die Rechnungslegung im HGB 11
5 Internationalisierung der Rechnungslegung 12
5.1 Bisherige Entwicklungen auf internationaler Ebene 12
5.2 Adressaten an die Rechnungslegung innerhalb der IFRS 12
5.3 Lösungsvorschlag: Harmonisierung mit den IFRS 13
6 Harmonisierung unter der Berücksichtigung der Adressateninteressen 13
6.1 Angleichung des Konzernabschlusses 13
6.1.1 Vorteile 14
6.1.2 Nachteile 15
6.2. Angleichung des Einzelabschlusses 16
6.2.1 Vorteile 16
6.2.2 Nachteile 17
7 Konfliktlösungen im Bezug auf die Hauptadressaten innerhalb des HGB 18
7.1 Interessen der Gläubiger 18
7.2 Steuerliche Interessen 19
8 Fazit 20
Literatur- und Quellenverzeichnis 21
Eva-Maria Pfaff – Verantwortlich für Seite 1 bis 11
Tanja Rammin – Verantwortlich für Seite 12 bis 20
1 Einführung
1.1 Aktualität der Thematik
Das Bilanzrecht hat sich aufgrund der Europäischen Integration und des Zusammenwachsens globaler Finanz- und Warenmärkte sowie der daraus resultierenden zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung der Unternehmensaktivitäten in den letzten Dekaden stetig verändert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Jahresabschluss als Instrument der Informations- und Zahlungsbemessung stets diesen Anforderungen anpassen müssen. Insbesondere durch die Änderungen der IASB/IASC haben sich für die Rechnungslegung umfangreiche Anpassungen induziert.
Diese Änderungen wirkten sich auf die mögliche Wahl der verschiedenen Rechnungslegungsstandards aus. So sind für den Konzernabschluss neben den deutschen Vorschriften nach dem HGB auch die angelsächsisch orientierten internationalen Standards IAS/IFRS möglich. Dementsprechend stellen Unternehmen ihren Jahresabschluss vermehrt von einer Rechnungslegung nach HGB auf IFRS um.1 Jedoch ist aufgrund der steuerlichen Notwendigkeit eines weiterhin parallel aufzustellenden Abschlusses nach HGB der Ruf nach einer Harmonisierung der Rechnungslegung ungebrochen.
Vor dem Hintergrund dieser Diskussion stellen sich zwei zentrale Fragen: Zum einen nach dem Zweck des aufzustellenden Jahresabschlusses und damit verbunden der Frage nach den Adressaten des Jahresabschlusses. Zum anderen wie sich die unterschiedlichen Rechnungslegungsansätze auf den Zweck und damit auch hier wieder auf die Adressaten im Rahmen einer möglichen Harmonisierung auswirken.2
1.2 Aufgabe der Rechnungslegung
Die Rechnungslegung stellt nach Moxter und Leffson ein Instrument dar, das mittels standardisierter Abbildungsregeln die zentralen Aufgaben des Jahresabschlusses - Rechenschafts-, Informations- und Dokumentationsfunktion – realisiert.3 Darüber hinaus lässt sich durch die Ableitung der Steuerbilanz aus dem Jahresabschluss innerhalb des deutschen Ansatzes noch eine weitere zentrale Funktion des Jahresabschlusses induzieren.4
Somit dient die externe Rechnungslegung den berechtigten Informationsadressaten bzw. dem Interessentenkreis als Grundlage ihrer Entscheidungsfindung.5 Hierbei kann jeder Interessengruppe eine bestimmte Priorität bei den Rechnungslegungsregeln postuliert werden. Aufgabe des Gesetzgebers ist es, die einzelnen Interessengruppen mit ihren widerstreitenden Interessen in Relation zu ihrer Bedeutung in die Gesetzesregelungen einzubeziehen. Des Weiteren hat auch die Unternehmensleitung die Aufgabe diese heterogenen Interessen der Adressaten im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses zu berücksichtigen. Diese Aufgaben sollen nun anhand des auf dem HGB basierenden deutschen Ansatzes der Rechnungslegung sowie anhand des auf den IFRS basierenden internationalen Ansatzes verglichen und die Auswirkungen auf die Adressaten bei einer möglichen Harmonisierung erläutert werden.
2 Adressaten an die Rechnungslegung innerhalb des HGB
Vor dem Hintergrund der zentralen Aufgaben des Jahresabschlusses sind im Rahmen einer Koalitionstheorie alle Personen und Institutionen, die an dem Unternehmen beteiligt sind als Adressaten mit einzubeziehen. Unabhängig davon, ob es sich um gesetzlich begründete Adressaten und damit auch rechtlich berechtigte Informationsempfänger des Jahresabschlusses handelt oder solche, bei denen sich diese nicht durch Rechtsansprüche ableiten lassen, die jedoch ebenfalls ein Interesse an dem Jahresabschluss besitzen, wie z.B. Konkurrenzunternehmen. Hierbei kann zwischen internen und externen Jahresabschlussadressaten unterschieden werden.6 Dieser Personen- oder Institutionskreis wird als Rechenschafts- oder Informationsinteressent bezeichnet. Zusammengenommen kommen alle Adressaten und Interessenten auch als potentielle Bilanzanalytiker in Betracht.7 Nachstehend eine Übersicht über die externen und internen Adressaten (Tab. 1.):
Tab. 1: Überblick über potentielle Bilanzadressaten [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Innerhalb der Jahresabschlussadressaten ist zwischen Personen und Institutionen zu unterscheiden, die ein ausschließliches Informationsinteresse zu verzeichnen haben und jenen, die darüber hinaus noch ein positives oder negatives Zahlungsbemessungsinteresse an das Unternehmen stellen. Bei Letztgenannten handelt es sich ausschließlich um Adressaten, welche ein vertraglich fixiertes Schuldner- Gläubiger-Verhältnis gegenüber dem Unternehmen einnehmen.8 Diese Akteure stellen die zentralen Adressaten des Jahresabschlusses dar.
2.1 Externe Adressaten
[...]
1 Für kapitalmarktorientierte Unternehmen gilt eine Aufstellungspflicht seit dem 01.01.2005.
2 Vgl. Baetge, Jörg/ Thiele, Stefan, Gesellschafterschutz versus Gläubigerschutz, 1997, S. 11.
3 Vgl. Baetge, Jörg, Rechnungslegungszwecke, 1976, S. 15-16.
4 Vgl. Bitz, Michael/ Schneeloch, Dieter/ Wittstock, Wilfried, Jahresabschluss, 2000, S. 38.
5 Vgl. Küting, Karlheinz/ Reuter, Michael: Bilanzierung im Spannungsfeld der unterschiedlicher Adressaten: Können internationale Rechnungslegungsnormen zum Abbau von adressatenbedingten Spannungsfeldern führen?, in: DSWR, Nr. 9 (2004), S. 230; in Verbindung mit: Baetge, Jörg/ Kirsch, Hans-Jürgen/ Thiele, Stefan, Bilanzanalysen, 2004, S. 14.
6 Vgl. Küting, Karlheinz/ Reuter, Michael: Bilanzierung im Spannungsfeld der unterschiedlicher Adressaten: Können internationale Rechnungslegungsnormen zum Abbau von adressatenbedingten Spannungsfeldern führen?, in: DSWR, Nr. 9 (2004), S. 230.
7 Vgl. Baetge, Jörg/ Kirsch, Hans-Jürgen/ Thiele, Stefan, Bilanzanalysen, 2004, S. 15.
8 Vgl. Coenenberg, Adolf G., Jahresabschluss, 2003, S. 921.
Arbeit zitieren:
Eva-Maria Pfaff, Tanja Rammin, 2006, Ansprüche der Adressaten an die Rechnungslegung - gleichgerichtete oder widerstreitende Interessen?, München, GRIN Verlag GmbH
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