Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegung
3
1.1. Situation und Frage 3
1.2. Privatsender und „RTL aktuell“ 4
1.3. Anspruch an Nachrichten 5
2. Sendestruktur
7
2.1. Die Auswahl der zu sendenden Sachverhalte 7
2.2. Eigenheiten und Differenzen 8
3. Sprachliche und visuelle Gestaltung der Beiträge
9
3.1. Programm für „einfache“ Leute 9
3.2. „News Value“ - wann wird etwas berichtenswert? 10
3.3. Sprache 12
3.4. Stereotypen 13
4. Moderation
14
4.1. Der Anchorman 14
4.2. Sprecheraufteilung 15
5. Fazit
16
6. Sendeablauf
18
7. Quellen
25
7 1 L i t e r a t u r 2 5
7 2 I n t e r n e t 2 5
7.3. Videoaufzeichnungen 25
2
1. Vorüberlegung
1.1. Situation und Frage
Trotz der immer dichter werdenden Bandbreite audiovisueller Sparten und Programme im populärsten Massenmedium unserer Zeit, dem Fernsehen, erfreuen sich Nachrichten ungebrochenem Interesse. Die meist gesehene deutsche Nachrichtensendung strahlt seit Jahrzehnten ARD 1 aus, die „Tagesschau“. Diese Sendung hat täglich den höchsten Marktanteil aller Nachrichtensendungen in der Bundesrepublik, wobei seit 1998 die Zuschauerzahlen stetig sanken 2 . Seit dieser Zeit verringerte sich der Marktanteil von täglich 9,71 Millionen Zuschauern langsam, bis es im Jahr 2001 einen drastischen Einbruch auf 5,76 Millionen 3 gab. Keinen solch einschneidenden Sturz, weist die quantitative Forschung bei dem zweiten öffentlichrechtlichen Programm, dem ZDF 4 , auf die Tendenzen allerdings sind dieselben, die Quoten sinken beständig. Eine gegenteilige Entwicklung zeigt sich bei dem privaten Sender RTL 5 , bei welchem die Hauptnachrichten „RTL aktuell“ eine Quotenentwicklung von 2,85 Millionen im Jahre 1992 zu fast 4 Millionen im Jahre 2000 erlebten.
Wenn wir also der Quantität Glauben schenken, zeichnet sich einerseits im gesamten Programm, aber nunmehr auch bei den Nachrichten jene eindeutige Tendenz ab, dass private Sender stetig an Zuschauerinteresse gewinnen. In der nachfolgenden Arbeit versuche ich hierfür Gründe zu ermitteln. Um empirisch an den Hauptnachrichten „RTL aktuell“ zu arbeiten und vielleicht hier einen Aufschluss des eindeutigen Trends zu finden, wurde über einen Zeitraum von mehr als einen Monat diese Sendung analysiert. Im Folgenden hält sich die Arbeit an eine repräsentative Sendung des 26.08.2005 und untersucht bzw. diskutiert sie anhand folgender Kernfrage und Hypothesen: Kernfrage
Was sind die Gründe für die wachsende Beliebtheit von „RTL aktuell“ und das darauf beruhenden Quotenwachstum?
1 Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands.
2 Vgl. Topf, Dorothea, „Auslandsberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - Das Bild der ‚Dritten
Welt’“, S. 47.
3 www.bpb.de/publikationen/OVAUT3,0,0,Zielsetzung_und_methodische_Anlage.html (30.08.2005).
4 Zweites Deutsches Fernsehen.
5 Radio-Tele-Luxembourg.
3
Hypothesen
1. Durch eine innovative Sendestruktur werden ein anhaltendes Interesse und eine stetige Spannung beim Zuschauer erzeugt.
2. Die Beiträge selbst wirken sowohl durch Bilder als auch Sprache gewichtig und bedeutsam und sind daher für den Rezipienten von erhöhtem Interesse. 3. Die Moderation in ihrer Anlegung sorgt dafür, dass sie den Zuschauer indirekt beeinflusst und an die Sendung fesselt.
1.2. Privatsender und „RTL aktuell“
„Werbefinanziertes Fernsehen wie RTL […] ist vor allem dann erfolgreich, wenn es auf unterhaltungsorientierte, massenattraktive Mehrheitsprogramme setzt. Richtgröße des Erfolgs: die Interessen einer größtmöglichen Zahl von Zuschauern.“ 6 Nicht nur bei wissenschaftlichem Arbeiten, sondern gerade auch als Zuschauer des täglichen TV-Programms, muss eindeutig klar sein, dass es in erster Linie nicht das Bestreben, sondern nur die Folge ist, dass uns private Sender vornehmlich unterhalten, sei es mit aktuellen Spielfilmen oder mit eigen produzierten Sendungen. Das Bestreben selbst besteht, aufgrund der kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Grundstruktur jeglicher privater Sender darin, Gewinne zu erwirtschaften. Einer der maßgeblichen Wege hierfür, der dem Zuschauer ständig buchstäblich vor Augen geführt wird, ist das Verkaufen lukrative Werbeblöcke zwischen den Programmabschnitten, welche als Endkonsequenz nur als „Lückenfüller“ zwischen dem eigentlichen Programm dienen. Für die werbenden Firmen ergeben sich demnach eine Reihe von variablen Faktoren, welche zur profitablen Platzierung ihres Werbeclips bedacht werden müssen. Einige dieser Faktoren sind unter anderem die Uhrzeit der Platzierung und zwischen oder in welchen Sendungen die Platzierung stattfindet. Letztendlich ist das Bestreben der werbenden Firmen, dass nicht nur zahlreiche, sondern vor allem zahlreiche kaufwillige Menschen die Werbung rezipieren. So etablierten sich unter anderem in den letzten Jahren die kurzen Werbeslots, welche durch ihre Kürze das Risiko, dass der potenzielle Zuseher das Programm wechselt, verringerten. Hiermit stieg natürlich auch der Preis der Werbevermarktung, da das mögliche Rezipientenfeld um ein Vielfaches erweitert und versicherter wurde.
6 Topf, S. 45.
4
„…für private Fernsehanbieter [kommt es nicht pauschal darauf an,] möglichst viele Zuschauer zu erreichen. Denn die werbetreibende Wirtschaft bewertet Zuschauerkontakte auch nach qualitativen Kriterien. Zum Beispiel werden ältere Zuschauer als weniger attraktiv angesehen, weil diese auf neue Produkte weniger ansprechen.“ 7 All diese differenten Situationen beeinflussen die Markt- & Wettbewerbsstrategie der einzelnen Sendeanstalten, die sich konkurrierend gegenüber stehen. Ziel bleibt jedoch, natürlich abhängig von der Werbung, möglichst große Unternehmensgewinne zu erwirtschaften. 8 Über diesen wirtschaftlichen Weg sicherte sich RTL, als Tochterunternehmen der Bertelsmann AG, nicht nur den ersten Rang der Marktanteile, zuletzt 2001 mit 14,1% vor ARD und ZDF, sondern auch den Rang als Deutschlands größter Werbeträger. 9
1.3. Anspruch an Nachrichten
Nachrichten, so könnte hinlänglich der Glaube bestehen, sollten allerdings in erster Linie nicht zur Unterhaltung, sondern zur Information dienen. Vorwiegend solle womöglich angestrebt werden, über die aktuellen Ereignisse und Wichtigkeiten im gegenwärtigen Geschehen, welche Relevanz für das angesprochene Zuschauerfeld erweisen, Bericht zu erstatten. Dem zu Folge berichtet z.B. ein lokaler Sender über Sachverhalte oder Ereignisse, die CNN aus fehlender Relevanz für das angesprochen Zuschauerfeld niemals im Programm haben würde. Noch entscheidender als die Information als solche, welche in den Berichten selbst kaum einmal mehr Sendezeit als zwei Minuten erhält, ist die Verarbeitung der selbigen. So ergaben Studien, dass folgende Variablen, welche bei verschiedenen Sendern mit differierender Sendestruktur und Formaten anders verarbeitet werden, für Nachrichtenzuschauer von besonderer Bedeutsamkeit sind:
- Glaubwürdigkeit
- Aktualität
- Wahrheitsgehalt 10
7 Bartel, Ralph, „Fernsehnachrichten im Wettbewerb - die Strategien der öffentlich rechtlichen und privaten
Anbieter“, S.38.
8 Vgl. Ebd.
9 Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2004.
10 Vgl. Topf.
5
Dieser Anspruch gilt für Nachtrichten generell, fraglich ist nur, ob jene Maximen, besonders der Wahrheitsgehalt im medialen Bereich, bei Nachrichten und vor allem in anbetracht kapitalistischem Interesse überhaupt umsetzbar sind.
Katarina Junghanns geht soweit, dass sie im Hinblick auf Nachrichten behauptet, „dass es Objektivität nicht gibt“ 11 .
„Objektivität kann also nur ein Bemühen um Objektivität sein, durch genaue Recherche, durch Quellenvergleich, durch Diskussion in der Redaktion, durch differenzierte Darstellung, durch Problembewusstsein. Der Redakteur muss sich immer wieder klarmachen, dass er seine persönliche Meinung nicht in die Nachrichten einfließen lassen darf.“ 12
Doch neben der inhaltlichen Recherche ist die Darstellung der Nachricht richtungweisend für die Wahrnehmung des Rezipienten. Junghanns stützt sich bei ihrer Untersuchung auf die vier Dimensionen publizistischer Objektivität nach Heun: 1. Das Verhältnis zur kommunizierten Aussage (Inhalt) zur Realität. 2. Die sprachliche Darstellung der berichteten Sachverhalte. 3. Die Auswahl der zu sendenden Sachverhalte. 4. Die optische-artikulatorische Realisierung der Nachrichten. 13 Auch anhand dieser Dimensionen wird in dieser Arbeit „RTL aktuell“ untersucht.
11 Junghanns, Karina, „Die Berichterstattung von ARD und SAT1 über das Reaktorunglück von Tschernobyl -
Ein Medienvergleich“, S.51.
12 Ebd. zit. n. Michael Abend.
13 Ebd., S.43, zit. n. Heun.
6
2. Sendestruktur
2.1. Die Auswahl der zu sendenden Sachverhalte
In diesem Abschnitt der Arbeit wird die dritte Dimension der publizistischen Objektivität nach Heun an der Sendung „RTL aktuell“ vom 26.08.2005 untersucht. Im Anhang der Arbeit findet sich die aufgeschlüsselte Sendestruktur explizit dieser Sendung. Der nominale Unterschied, welche Beiträge an welcher Sendeposition ausgestrahlt wurden, wird in der folgenden Tabelle der „Tagesschau“ gegenübergestellt.
Zunächst fällt bei dieser Gegenüberstellung die Differenz der Beitragsanzahl auf. Das RTL jedoch vier Beiträge mehr ausstrahlt ist einfach damit zu begründen, dass diese Sendung eine Sendezeit von 18:45 bis 19:05 vom Sender eingeräumt bekommt und somit fünf Minuten länger sendet als die „Tagesschau“ welche von 20:00 bis 20:15 ausgestrahlt wird.
7
Arbeit zitieren:
Martin Thiele, 2005, RTL aktuell - Eine Analyse moderner Nachrichten, München, GRIN Verlag GmbH
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