Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Theoretischer Teil 4
2.1. Theoretische Grundlagen 4
2.1.1. Konflikte 4
2.1.2. Dissenssequenzen 8
2.2. Anwendung / Empirischer Teil 10
2.3. Vorwurfsaktivitäten 15
3. Praktischer Teil 17
3.1. Grundlage des Beispiels 17
3.2. Interpretation des Beispiels 20
4. Schlusswort 26
5. Literaturangabe 28
1. Einleitung
„Geschwätzige Republik“ - so titelte vor einiger Zeit eine große deutsche Tageszeitung und weiter hieß es im Text: „Auf allen Kanälen wird gequatscht, ständig prasseln Statements, Talks und Interviews auf die Zuschauer ein, permanent ist Wahlkampf. Betroffenheit, Skandale, Forderungen nach Entschuldigungen und Entschuldigungen selbst lösen sich im Minutentakt ab.“ 1 Angesprochen wird hierbei die Flut der Talkrunden, die derzeit das Fernsehprogramm bestimmen, sei es politischer oder rein unterhaltsamer Natur.
Verbale Kommunikation ist das optimale Werkzeug für Medien und Politik, um zu vermitteln und zu informieren, aber auch um abzugrenzen und zu spalten. Sie vermittelt Inhalte ebenso wie Emotionen, kann verbinden und trennen. TV-Politik-Talkrunden spielen eine immer wichtiger werdende Rolle für die propagandistische Verbreitung von politischen Ideologien. Dies liegt vor allem in der Fähigkeit der Massenmedien begründet, Meinungen zu bilden und zu verbreiten. Die Politik-Talkshow „Sabine Christiansen“ erhebt den Anspruch für sich Informationen zu vermitteln und das Wichtige deutlich zu machen.
Wöchentlich wird auf dieser Plattform diskutiert, gestritten und um die Gunst des Publikums geworben. Welcher kommunikativer Mittel die Teilnehmer sich dabei bedienen und aufgrund welcher Merkmale man Streitgespräche erkennen kann, soll in dieser Arbeit aufgezeigt werden. Dabei wird neben den Merkmalen, die Streitgespräche aufweisen, auch das kommunikative Stilmittel des Vorwurfs zuerst theoretisch und anschließend am praktischen Beispiel erläutert. Mit Hilfe eines Transkriptes wird die Sendung „Sabine Christiansen“ vom 15.02.2004 mit dem Titel „Praxisgebühren
1 Frankfurter Rundschau vom 31.03.2004, Seite 27 (Rubrik: FR PLUS) „Geschwätzige Republik“
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und Rentenklau: Bleibt Müntes SPD auf Schröders Kurs?“ untersucht.
2. Theoretischer Teil
2.1. Theoretische Grundlagen
2.1.1. Konflikte
Definierende Merkmale für Konfliktsituationen: Erste Voraussetzung für einen Konflikt sind mindestens zwei Parteien, die jeweils darauf ausgerichtet sind, die andere(n) Partei(en) zu zerstören, zu verletzen oder anders zu kontrollieren. Meist entstehen Konflikte aus Positions- und/oder Ressourcenknappheit, das heißt, dass Konfliktrelationen immer Versuche beinhalten, Kontrolle über knappe Ressourcen und Positionen zu erhalten oder das Verhalten in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken. Machterhaltung oder -ausübung zählen zu den wesentlichen Zielen eines Konflikts. Dies verdeutlicht, dass in einer Konfliktrelation eine Partei nur auf Kosten der anderen zum Erfolg kommen kann. „Konfliktrelationen stellen einen grundlegenden sozialen Interaktionsprozess dar und keinen Zusammenbruch eines anderenfalls regulierten Verhaltens, sondern lediglich einen Wechsel der herrschenden Normen und Erwartungen.“ 2 Konfliktmanagement (nach Galtung): Das Konfliktmanagement, welches von Systemen entwickelt wird, wird dazu gebraucht, um die Kosten des Konflikts unter einer bestimmten erträglichen Marke zu halten. Man unterscheidet zweierlei Arten:
2 Gruber, Helmut (1996), Seite 17.
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1. Verhaltenskontrolle: Dabei wird das Verhalten der beteiligten Parteien (oder derer Delegierten) durch die Formulierung von Regeln kontrolliert;
2. verschiedene Arten der Konfliktlösung: Die Konfliktlösung ist ein Prozess, der das Handlungssystem in einen Zustand überführt, in dem die Bedingungen für einen Konflikt (d.h. unterschiedliche Ziele) nicht mehr länger gegeben sind. Eine Lösung kann von der vorbehaltlosen Zustimmung, über den Kompromiss bis zur Auslöschung einer Konfliktpartei führen. Konflikte haben immer eine Dynamik, die durch die unterschiedlichen Vorstellungen der Beteiligten über bestimmte normative Sachverhalte in Gang gehalten wird und erst dann enden, wenn eine Übereinstimmung hergestellt ist. Konfliktlösungsarten
Konflikt wird als das „Konzept einer allgemeinen soziologischen Handlungstheorie“ 3 gesehen und auch als solches beschrieben. Bei der verbalen Konfliktaustragung bewegen sich die Konfliktparteien aber nicht mehr im Rahmen ihrer allgemeinen Handlungskompetenz, sondern sind den bestimmten Einschränkungen und Verpflichtungen unterworfen, die die Verwendung von Sprechhandlungen mit sich bringen. Die Konfliktparteien müssen also die Gesprächsregeln akzeptieren, wodurch sie in ihrem Handlungsspielraum eingeengt sind. Die verbale Konfliktausübung ist eine Teilklasse aller möglichen Arten von Konfliktbewältigung, innerhalb derer es wiederum auch weitere Unterscheidungsmöglichkeiten gibt. Zeichnet sich der Gesprächsverlauf durch Sachorientierung aus und weist damit auch die Kriterien für eine Argumentation auf, dann spricht man von der sozial-produktiven Konfliktlösung. Wird der Gesprächsverlauf heftiger, indem die Gesprächspartner ihren Standpunkt ohne Rücksicht auf den des Anderen durchzusetzen versuchen, ist von einer sozial-reduktiven
3 Gruber, Helmut (1996); Seite 36.
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Konfliktlösung die Rede. Zu dieser Konfliktlösung kommt es meist dann, wenn nicht ein Sachthema zur Diskussion steht, sondern wenn es primär um die Beziehungsebene und das Aushandeln von Identitäten geht.
Eine andere Konfliktlösungsstrategie liegt im Verlassen der Situation durch eine Konfliktpartei und endet damit im Gesprächsabbruch.
In jedem Gespräch können aber auch Konflikte über die Gesprächsregeln selbst, bzw. deren Einhaltung auftreten. Des weiteren können verbale Konfliktaustragungen auch materielle Folgen nach sich ziehen, wie beispielsweise bei Gerichtsprozessen.
Emotionen und ihre Rolle bei der verbalen Konfliktaustragung Konflikte, die verbal ausgetragen werden, entzünden sich meist an Normenverstößen von Gesprächsteilnehmern in den Bereichen Weltwissen, Rollenbeziehungen und Regeln der Gesprächsorganisation. Zwangsläufig treten dabei Emotionen auf. Bei Oatley (1992) werden diese als „Kontrollsignale“ bezeichnet, da es in dissenten Sequenzen immer um gegensätzliche Handlungen und Ziele geht. Man kann auch die Intensität und Ausdrucksmodalität bei solchen Emotionen bestimmen: Je eher die Identität einer Person bedroht ist, desto intensiver ist die Emotion. Verstöße gegen inhaltliche Kommunikationsaspekte werden also nicht so schnell zu Dissens führen wie Verstöße gegen den interpersonellen Kommunikationsaspekt. Die Intensität von Dissensen, die sich an der Gesprächsorganisation entzünden, tendieren meist dazu, von Beginn an emotionaler zu sein als andere. Die am häufigsten auftretende Emotion ist Wut. Der Emotionsausdruck findet meist auf der para- oder nonverbalen Ebene statt, wozu Gestik, Mimik und Intonation zählen. Rollenpositionen der Gesprächteilnehmer:
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Die teilnehmenden Personen einer Diskussion handeln weniger als Individuen, sondern vielmehr als Vertreter unterschiedlicher Rollenpositionen. Rollen sind „als eine Verbindung einer sozialen Identität und Einzelhandlungen charakterisierbar“ (Balog 1989) 4 . Somit lässt sich das kommunikative Handeln auch auf die Realisierung von Rollenerwartungen durch die Handelnden zurückführen. Rollenhandeln lässt sich dabei unter dem Aspekt der Rollenerwartungen, die die Interaktanten sich gegenseitig entgegenbringen, ebenso charakterisieren, wie unter dem der Selbstdarstellung. Das heißt zum einen, dass Interaktanten das Verhalten der anderen auf dem Hintergrund unterschiedlicher Rollenerwartungen, die sie an diese richten, interpretieren und zum anderen, dass auch ihr eigenes Handeln jene Rollenkonzeption wiederspiegelt, die sie von sich selbst haben.
Das Individuum hat nicht immer nur eine einzige Rolle inne, sondern es können sich unterschiedliche Rollenaspekte im Handeln einer Person überschneiden bzw. überlagern. Es gibt also zum einen die Rollenerwartung, die jedem Teilnehmer aufgrund seiner Position zum Thema entgegengebracht wird und zum anderen die interaktiv entstehenden gruppendynamisch bedingten Koalitions- und Kontrahentenstrukturen zwischen den Teilnehmern. Dazu kommen noch extrasituationale
Rollenaspekte das heißt, dass jeder Gesprächsteilnehmer auch außerhalb der aktuellen Situation Teil einer bestimmten sozialen Gruppe bzw. Subkultur ist. Damit lassen sich unterschiedliche Rollen erkennen:
• Situationsunabhängige Rolle
• Statusrolle
• Interaktionsrolle
4 Gruber, Helmut (1996), Seite 47.
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Arbeit zitieren:
Diplom Soziologin Sarah Kuhnert, 2004, Konversationsanalyse: Argumentieren in Gesprächen - am Beispiel der Sendung "Sabine Christiansen", München, GRIN Verlag GmbH
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