Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S 3
2. Franz Marc: Blaue Mystik S 3MMMMMMM6
3. Wassily Kandinsky und der Zwang der inneren Notwendigkeit S 6MMMMMMM8
4. Zusammenfassung S 8MMMMMMM9
5. Bibliografie S 9
2 NA
1. Einleitung:
Das expressionistische Gedankengut beschränkte sich in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg nicht nur auf eine Kunstrichtung. Vor allem in der Lyrik und in den bildenden Künsten sind die damaligen Ideen und Konzeptionen erkennbar. Aus der heutigen Perspektive, in der der totalisierende Epochenbegriff zum festen Bestandteil des kulturellen Diskurses geworden ist, wird oftmals der Eindruck erweckt, als sei die expressionistische Bewegung eine geschlossene und homogene Strömung gewesen, die die gleichen Auffassungen und Ziele in der Kunst verfolgte. Dass dem nicht so ist, ja dass der blaue Reiter als relativ kleine und auf eine Kunstrichtung beschränkte Formation sich sogar gegen den Begriff einer „Künstlervereinigung“ aufgrund ihrer internen Unterschiede verwehrt hatte, kann hier nicht in allen Dimensionen erörtert werden. Genauso wenig wie der Blaue Reiter als „homogene Künstlergruppe“ 1 verstanden werden kann, verhält es sich mit den Lyrikern des Expressionismus. Trotz der Gefahr, hier nicht differenziert genug vorzugehen, sei doch auf einen grundlegenden Unterschied zwischen diesen beiden Parteien hingewiesen: ihr Verhältnis zum Glauben und zur Religiosität. Die Konsequenzen für die Ausrichtung der Malerei sollen anhand von Wassily Kandinsky und Franz Marc besprochen werden, da sie die wichtigsten und grundlegendsten Schriften aus dem Umfeld des Blauen Reiters publizierten. Dass diese Unterscheidung für beide Parteien, die Lyriker und die Maler, aufgrund ihrer Heterogenität keine Absolutheit beansprucht, versteht sich von selbst. Es handelt sich lediglich um Tendenzen. Die Unmöglichkeit, die Bilder des Blauen Reiters und konkret die Werke von Wassily Kandinsky und Franz Marc mit den Gedichten aus dieser Zeit zu vergleichen, stellt ein intermediales Problem dar, welches durch das Ausweichen auf die Schriften der beiden Maler teilweise umgangen werden kann, um eben diesen Unterschied herauszuarbeiten. Deren Texte können aber auch nur als Ergänzung der Malerei verstanden werden, was Klaus Lankheit als Herausgeber von Franz Marcs Schriften gleich eingangs mit einem Zitat von Marc deutlich macht: „…bedenke, dass ich nicht Schriftsteller oder Gelehrter, sondern Maler bin“. 2 Trotz solcher methodologischen Schwierigkeiten könnte der hier vorgeschlagene Ansatz dienlich sein, den
1
Armin Zweite (Hg.):
Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München,
München: Prestel Verlag 1991, S. 35.
2 Klaus Lankheit (Hg.): Franz Marc. Schriften, Köln: DuMont Buchverlag 1978, S. 7.
3
vereinheitlichenden Epochenbegriff zu hinterfragen und auf die Vielfalt der Phänomene jener Zeit aufmerksam zu machen.
2. Franz Marc: Blaue Mystik
Eines dieser Phänomene aus der Vorkriegszeit ist die Verbindung des Malers Franz Marc und der Lyrikerin Else Lasker-Schüler, die sich im Jahre 1912 persönlich kennen lernten, und die bis zu Marcs Tod 1916 eine innige Freundschaft verband. Am 23.12.1912 schreibt Franz Marc an Wassily Kandinsky:
Wir erleben hier [in Berlin, F.D.] viel, auch Erlebnisse, die uns glücklich machen. Wir haben hier einen prachtvollen Menschen gefunden: Else Lasker-Schüler; sie wird wahrscheinlich für ein paar Wochen im Januar nach Sindelsdorf kommen, worauf wir uns riesig freuen. 3 Umgekehrt geht die Verehrung sogar soweit, dass Else Lasker-Schüler den Blauen Reiter durch Marc personifiziert, ebenso wie Theodor Däubler in seinem Essay über Marc nach dessen Tod schreibt: „Er selbst war der ‚blaue Reiter’; das Roß, das er ritt, hatte eine blaue Seele wie er.“ 4 Die geistige Verbundenheit zwischen der Lyrikerin und dem Maler spiegelt sich unter anderem in der Häufung von religiösen Motiven in ihren Werken wider. Die Weltanschauung und der Glauben speist sich bei beiden aber aus verschiedenen Quellen: während Else Lasker-Schüler stark durch ihre jüdische Herkunft geprägt war, entwickeln sich Marcs Auffassungen vor allem durch den Kontakt mit Kandinsky ab 1910. Beide bilden eine gegenläufige Tendenz zur expressionistischen Generation, für die „die Bedeutung des Nietzschewortes ‚Gott ist tot’ wahrscheinlich gar nicht überschätzt werden“ 5 kann. Während Lasker-Schüler allerdings den Glauben ins Private, Subjektive und selbst Erfahrene verlegt und ihre Gedichte als radikaler Ausdruck ihrer selbst verstanden werden können 6 , lässt sich aus Marcs Schriften eher eine Einordnung in einen umfassenderen metaphysischen Kontext erkennen. Zwar erkennt auch er den Niedergang der Religion zu seiner Zeit, doch hält er die Substitution, mit der die Religion seiner Meinung nach überwunden werden soll, für äußerst kurzlebig: „Es wird eine Zeit kommen, in Bälde, da wird
3
Klaus Lankheit (Hg.):
Wassily Kandinsky Franz Marc Briefwechsel,
München: R. Piper & Co. Verlag 1983, S. 204.
4 Theodor Däubler: Essay über Franz Marc, in: Klaus Lankheit (Hg.): Franz Marc im Urteil seiner Zeit, Köln: DuMont Buchverlag 1960, S. 81.
5 Silvio Vietta (Hg.): Lyrik des Expressionismus, Tübingen: Niemeyer Verlag 1999, S. 155. 6 Vgl. Fritz Martini: Else Lasker-Schüler. Dichtung und Glaube, in: Hans Steffen (Hg.): Der deutsche Expressionismus, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1965, S. 5-24.
4
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Frank Dersch, 2005, Über das Geistige im Expressionismus - Der blaue Reiter und der Glaube, Munich, GRIN Publishing GmbH
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