I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis IV
1. Einleitung. 1
2. Wettbewerbsfähigkeit. 2
2.1. Aggregationsebenen 5
2.1.1. Mikroebene 6
2.1.2. Mesoebene 6
2.1.3. Makroebene. 6
2.1.4. Zwischenfazit 7
2.2. Determinanten 8
2.2.1. Preislich 8
2.2.2. Nicht-preislich. 9
2.3. Indikatoren 12
2.3.1. Determinantenorientiert 12
2.3.2. Ergebnisorientiert. 15
2.4. Messmethoden 21
2.4.1. Alternative. 22
2.4.2. RCA-Analyse (Revealed-Comparative-Advantage-Analyse) 24
2.4.3. Zwischenfazit 25
3. Analyse 26
3.1. Ländervergleich. 26
3.2. Vergleich deutscher Industriebranchen. 29
3.3. Branchen im EU-Vergleich 31
3.3.1. Analyse der Warengruppe 851 „Schuhe“ 32
3.3.2. Analyse der Warengruppe 664 „Glas“ 33
3.3.3. Analyse der Warengruppe 793 „Schiffe“ 35
3.3.4. Analyse der Warengruppe 761 „Fernsehgeräte“ 37
3.3.5. Analyse der Warengruppe 872 „Medizinische Instrumente“ 39
3.3.6. Analyse der Warengruppe 724 „Textilmaschinen“ 40
3.3.7. Analyse der Warengruppe 752 „EDV-Anlagen“ 42
II
3.3.8. Analyse der Warengruppe 541 „Pharmazeutische Erzeugnisse“ 44
3.3.9. Analyse der Warengruppe 871 „Optische Instrumente“ 46
4. Schlussbetrachtung 47
Literaturverzeichnis
Anhang
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: RCA-Werte der EU-Länder
Abb. 2: FuE-Intesitäts - Leistungsfähigkeits - Branchen-Portfolio Deutschland
Abb. 3: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 851
Abb. 4: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 664
Abb. 5: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 793
Abb. 6: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 761
Abb. 7: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 872
Abb. 8: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 724
Abb. 9: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 752
Abb. 10: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 541
Abb 11: Entwicklung der RCA-Werte im EU-Vergleich - Warengruppe 871 S
1
1. Einleitung
Das Kernstück der EU, der Europäischen Union, ist der europäische Binnenmarkt, der nach achtjähriger Vorbereitung im Januar 1993 realisiert wurde. Seitdem wurden und werden bis heute Richtlinien und Verordnungen in Kraft gesetzt um den Binnenmarkt sukzessive auszubauen. Neben den 15 Mitgliedsländern nehmen auch Norwegen, Island und Liechtenstein an diesem Zusammenschluss von nationalen Einzelmärkten teil. 1 Die Erwartungen an den europäischen Binnenmarkt waren schon zu Beginn hoch, er sollte Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensstandard in allen beteiligten Ländern nachhaltig steigern. 2 Die vorliegende Arbeit soll zeigen, wie sich Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern im Welthandel behauptet. Hierbei ist speziell für Deutschland der europäische Binnenmarkt von großer Bedeutung, da 71% der deutschen Exporte und 78% der Direktinvestitionen in der EU verbleiben. 3
Dabei werden Vor- und Nachteile gegenüber anderen Mitgliedsstaaten der EU diskutiert. Gleichzeitig wird kritisch hinterfragt, was das Ziel einer Volkswirtschaft sein kann und wem gegenüber ein Staat zu welcher „Leistung“ verpflichtet ist. Dabei erhebt diese Abhandlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, was auch unmöglich wäre, da dieses Thema bis heute kontrovers diskutiert wird. Vielmehr soll aus der Fülle von Argumenten und Konzeptvorschlägen ein Überblick gegeben werden, um anschließend einen Eindruck zu vermitteln, ob und wie sich die Position Deutschlands in der EU verändert hat. Dies kann nicht durch absolute Ergebnisse erfolgen, sondern muss vielmehr anhand von Größenordnungen und Proportionen in Form einer Rangordnung dargestellt werden. 4 Zu diesem Zweck wird im folgenden Teil zunächst auf den Begriff „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ von Nationen eingegangen, wobei in diesem Zusammenhang die drei ökonomischen Aggregationsebenen (Mikro-, Meso- und Makroebene) beleuchtet werden. Im Anschluss erfolgt eine Untersuchung von Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes determinieren. Anschließend werden einige Indikatoren dargestellt, bevor auf die Problematik eingegangen wird, ob die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Nationen messbar ist und welches Maß dafür in Frage kommt. Damit sind die theoretischen Grundlagen für eine Analyse Deutschlands in diesem Kontext abgeschlossen. In Teil drei erfolgt zunächst ein Vergleich Deutschlands mit anderen Volks-
1 Vgl.Monti (1997), S. 1.
2 Vgl. Monti (1997), S. 1.
3 Vgl. Weiss (1994), S. 33.
4 Vgl. Deger (1995), S. 15.
2
wirtschaften der EU. Anschließend werden deutsche Branchen miteinander verglichen, um besonders starke und relativ schwache zu benennen. Danach werden diese mit den entsprechenden Wirtschaftszweigen ausgewählter EU-Länder verglichen. Der Vergleich beschränkt sich auf Industriegüter. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse zusammengefasst und kritisch hinterfragt.
2. Wettbewerbsfähigkeit
Seit den siebziger Jahren nehmen die Abhandlungen zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit stetig zu. Es existiert eine regelrechte „Flut“ von Definitionsversuchen. Allein im Zeitraum von 1985 bis 1993 sind über 800 Abhandlungen zu dem Thema „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ erschienen. 5 Das Konzept wird auf der Mikroebene, also für Unternehmen, als unproblematisch angesehen und es besteht weitgehend Konsens über eine entsprechende Definition. 6 Auf der Mesoebene (Branchen) und vor allem auf der Makroebene (Volkswirtschaften) besteht bis heute noch keineswegs Einigkeit darüber, was unter „internationaler Wettbewerbsfähigkeit“ zu verstehen ist. 7 Beispielsweise lehnt Reich es ab, überhaupt zu versuchen etwas wie „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ zu definieren und vertritt damit eine ähnliche Position wie Van Suntum, der den Begriff „internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft“ gänzlich aus dem Wortschatz der Ökonomie streichen möchte. 8 Auch Staubhaar ist der Auffassung, dass es „keine generelle Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, sondern lediglich die internationale Wettbewerbsfähigkeit von einzelnen Unternehmungen [gibt].“ 9 Er stützt sich dabei unter anderem auf eine Aussage von Kindleberger, der sagt: „It is a mistake to think of trade between nations. Trade takes place between firms.“ 10 Dagegen ist Mieht davon überzeugt, dass es „[...] ein sinnvolles Konzept der intenationalen Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft [gibt] [...].“ 11 Krugman weist darauf hin, dass dieser Begriff sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft sehr inflationär verwendet wird und auf diesem Wege viele wirtschaftliche Defizite oberflächlich mit einem
5 Vgl. Gries (1994), S. 416; vgl. auch Gößl (1997), S. 145; vgl. auch Suntum, van (1986), S. 495.
6 Vgl. Gries (1994), S. 416.
7 Vgl. Schumacher (1995), S. 18.
8 Vgl. Hübner (1996), S. 9; vgl. Schumacher (1995), S. 18; vgl. Suntum, van (1986), S. 504.
9 Straubhaar (1994), S. 535; vgl. auch Müller (2001), S. 194.
10 Kindleberger (1986), S. 1.
11 Mieht (1995), S.104.0
3
„Mangel an internationaler Wettbewerbsfähigkeit“ abgehandelt werden. 12 Weitere Kritikpunkte sind, dass durch die voranschreitende Globalisierung nationale Ökonomien immer schlechter voneinander getrennt werden können. Dies wird damit begründet, dass viele Unternehmen nicht mehr aus nur einer Volkswirtschaft agieren, sondern ihre Unternehmensbereiche rund um den Globus verteilt haben. 13 Hinzu kommt, dass einzelne Unternehmen oft nicht mehr nur einer Branche zugeordnet werden können, da die vertikale Diversifikation der Geschäftsfelder häufig zu Aktivitäten in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen führt. 14 Unter einer Branche versteht man eine Gruppe von Unternehmen, welche weitgehend substituierbare Güter herstellen. Auch die Abgrenzung einzelner Volkswirtschaften der EU wird durch den europäischen Binnenmarkt zusätzlich erschwert, da die geographischen Grenzen der Mitgliedsländer für die Wirtschaft immer unbedeutender werden.
Deger vertritt die Auffassung, dass die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft letztlich ein Aggregat seiner Bestandteile ist. Deshalb führt er, unter Berufung auf Horn und Schmietow, weiter aus, es sei die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen und Branchen, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ausmachen. 15 Diese Sichtweise trägt aber der Tatsache keine Rechnung, dass die Entwicklung der Unternehmen und Branchen maßgeblich von den staatlichen Rahmenbedingungen beeinflusst wird. 16 Die Bedeutung der politischrechtlichen Einflussnahme nimmt nach Straubhaar deutlich zu, da besonders im europäischen Binnenmarkt die Transaktionskosten und die Kosten der Raumüberwindung stetig sinken. 17 In diesem Zusammenhang weist er auch darauf hin, dass der Einfluss der natürlichen Faktorausstattung auf die relative Attraktivität einer Volkswirtschaft nachlässt. Damit verliert das neoklassische Konzept zur Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft an Bedeutung. 18 Für Porter ist das „einzige sinnvolle Kriterium der Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler Ebene [...] die Produktivität.“ 19
Die Beispiele von Kritik und Gegenkritik in der Auseinandersetzung um eine „richtige“ Definition für den beliebten Begriff der „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ ließen sich beliebig verlängern. Dieser Konflikt ist der Beweis dafür, dass es der Wissenschaft an einem von der Mehrheit anerkannten Konzept mangelt, wie sich „internationale Wettbewerbsfähigkeit“
12 Vgl. Schumacher (1995), S. 18; vgl. auch Müller (2001), S. 194.
13 Vgl. Berg (1997), S. 201.
14 Vgl. auch Hübner (1996), S. 9.
15 Vgl. Deger (1995), S. 7; vgl. auch Gries (1994), S. 416.
16 Vgl. Vogel (2000), S. 269ff.; vgl. Gries (1994), S. 422; vgl. auch Hübner (1996), S. 14.
17 Vgl. Straubhaar (1994), S. 535.
18 Vgl. Straubhaar (1994), S. 540.
19 Porter (1999), S. 170 (im Original ist „Produktivität“ kursiv gedruckt).
4
operationalisieren ließe. 20 Dadurch begründet sich auch die Vielzahl unterschiedlicher Determinanten und Indikatoren, die in den verschiedenen Abhandlungen zur Analyse herangezogen werden. Dass uneinheitliche Grundlagen dieser Art zu stark divergierenden Ergebnissen und in der Folge auch zu gegensätzlichen Interpretationen führen kann nicht verwundern. 21 In der neueren Literatur sind die Unterschiede allerdings deutlich geringer. Für die folgenden Ausführungen soll die Definition von Gößl herangezogen werden, wonach „[...] Wettbewerbsfähigkeit die Eignung einer ökonomisch abgrenzbaren Einheit [...] [ist], mit den Leistungen von auf gleicher Ebene konkurrierenden Wirtschaftseinheiten aus eigener Kraft mindestens mitzuhalten, um auf diese Weise dauerhaft ein relativ hohes Realeinkommen sichern und möglichst noch steigern zu können.“ 22 Vielfach wird Wettbewerbsfähigkeit mit Standortattraktivität gleichgesetzt, wodurch staatliche Rahmenbedingungen in der Wettbewerbsdiskussion ein besonderes Gewicht erhalten. 23 Unterschiedliche Steuersätze können sich auf die Standortattraktivität ebenso auswirken, wie Ladenöffnungszeiten, die politische Ausrichtung der regierenden Partei, Arbeitsfähigkeit der Behörden, Arbeitszeiten, Überstundenbereitschaft und die Mitsprache der Betriebsräte. So gibt es z.B. in Großbritannien und Frankreich keine Art der Mitbestimmung, wie in Deutschland. 24 Die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftseinheiten ist immer von der Leistungsfähigkeit der Konkurrenten abhängig und lässt sich daher niemals absolut, sondern „nur“ relativ und komparativ bestimmen. 25 Die Dynamik im Wettbewerb ist Grund dafür, dass eine Analyse der Wettbewerbsfähigkeit lediglich für einen Zeitraum oder Zeitpunkt in der Vergangenheit möglich ist und das Ergebnis keine brauchbare Grundlage für Zukunftsprognosen bietet. 26 Wettbewerbsfähigkeit gibt es nicht per se, sie wird geerbt oder erworben, bleibt dann aber nicht automatisch bestehen. Vielmehr bedarf es eines permanenten Anpassungsprozesses, um die gegenwärtige Position zu verteidigen. 27 Des weiteren kann die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft nur im internationalen Kontext sinnvoll bewertet werden, deshalb werden die Begriffe „internationale Wettbewerbsfähigkeit und „Wettbewerbsfähigkeit“ im Folgenden synonym verwendet. Diese Begriffe sollen im Rahmen dieser Arbeit auf die geographischen Grenzen der EU beschränkt sein. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass auch die Begriffe „Volkswirtschaft“, „Nation“ und „Land“
20
Vgl. Gries (1994), S. 416; vgl. Berg (1997), S. 199.
21 Vgl. Maier (1998), S. 12; vgl. Trabold (1995), S. 182.
22 Gößl (1997), S. 146; vgl. auch Deger (1995), S. 6; vgl. auch Schumacher (1995), S. 42.
23 Vgl. Straubhaar (1994), S. 536.
24 Vgl. Hartwich (1998), S. 281.
25 Vgl. Gößl (1997), S. 149.
26 Vgl. auch Hübner (1996), S. 24.
27 Vgl. Gößl (1997), S. 150; vgl. auch Berg (1997), S. 199.
5
sowie „Branche“, „Sektor“ und „Wirtschaftszweig“ im weiteren gleichbedeutend verwendet werden. 28
Abhängig von der Ebene der ökonomischen Aggregation, das heißt für welche Wirtschaftseinheit die Wettbewerbsfähigkeit betrachtet wird, werden andere Faktoren fokussiert. Dazu ist zu bemerken, dass Aussagen über die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft nur sehr allgemein sein können. Eine Volkswirtschaft kann als wettbewerbsfähig gelten, wenn die Mehrzahl bedeutender Branchen ihre komparativen Vorteile nutzen. Die Wettbewerbsfähigkeit einer Branche hängt direkt von der Leistungsfähigkeit der zugehörigen Unternehmen ab. 29 Aus diesem Grund wird im Folgenden die wichtige Unterscheidung zwischen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Branchen und Volkswirtschaften vorgenommen. 30
2.1. Aggregationsebenen
Bei der Thematik der Wettbewerbsfähigkeit gibt es drei verschiedene Ebenen, die zu unterscheiden sind. Jede dieser Ebenen setzt sich aus Einzelkomponenten mit Einzelinteressen zusammen, so dass von einer Aggregation gesprochen wird. 31 Auf der untersten Ebene, der Mikroebene, betrachtet man die einzelnen Unternehmen einer Volkswirtschaft, die dort mit anderen Unternehmen im Wettbewerb stehen. Hersteller substituierbarer Güter lassen sich zu Branchen zusammenfassen. Diese Wirtschaftszweige werden zur Mesoebene aggregiert. Die Makroebene beinhaltet alle Unternehmen und Branchen einer Volkswirtschaft. Sie konkurriert nach vielfachem Verständnis mit anderen Volkswirtschaften. Im Gegensatz zu Unternehmen ist für eine sinnvolle Beurteilung von Volkswirtschaften ein erheblich größerer Beobachtungszeitraum nötig. Neue Technologien und neue Konkurrenten können die „Unterneh-menslandschaft“ innerhalb von zehn Jahren grundlegend verändern. Volkswirtschaften reagieren träger auf derartige Veränderungen.
Ein Problem bei der Bewertung von Unternehmen, Branchen und Volkswirtschaften ist, dass viele Unternehmen durch die voranschreitende Globalisierung und die Auslagerung bestimmter Produktionsbereiche in andere Länder nicht mehr nur einer Nation zugeordnet werden können. Hinzu kommt eine zunehmend schwierig werdende Einteilung der einzelnen Unternehmen in Branchen, da viele Unternehmen aufgrund ihrer Produktdiversifikation nicht mehr einer Branche eindeutig zugeordnet werden können.
28 In Anlehnung an Münt (1996), S. 10.
29 Vgl. Berg (1997), S. 199.
30 Vgl. Schumacher (1995), S. 17; vgl. auch Gößl (1997), S. 147f.
31 Vgl. Gries (1994), S. 416.
6
2.1.1. Mikroebene
Es gibt verschiedene Definitionen, um ein Unternehmen als international wettbewerbsfähig zu bezeichnen. Wenn es einem Unternehmen gelingt, seine Produkte (Waren und Dienstleistungen) im In- und Ausland trotz Konkurrenten abzusetzen und gleichzeitig langfristig ein hohes Realeinkommen zu erzielen, bezeichnet man dieses Unternehmen als international wettbewerbsfähig. 32 Dies wird hauptsächlich dadurch erreicht, dass die Produkte entweder von höherer Qualität sind oder zu geringeren Kosten hergestellt werden, als es dem Wettbewerber möglich ist. 33 Unternehmen, die mittelfristig keine Wettbewerbsfähigkeit erlangen, gefährden ihre Existenz und verschwinden langfristig vom Markt. Ob ein Unternehmen nach diesen Prämissen handelt, lässt sich am ehesten in seiner Absatzentwicklung erkennen. 34
2.1.2. Mesoebene
Da eine als wettbewerbsfähig eingestufte Volkswirtschaft nicht in allen Branchen gleichermaßen erfolgreich ist, macht es Sinn, die einzelnen Wirtschaftszweige gesondert zu betrachten und zu bewerten. 35 So ist nach Porter häufig ein internationaler Vorteil auf engbegrenzte Branchen und Branchenbereiche konzentriert. 36 Ebenso wirke sich der Einfluss eines Staates eher auf eine Branche, denn auf ein einzelnes Unternehmen aus. 37 Zu berücksichtigen ist, dass nicht die Branchen im Wettbewerb miteinander stehen, sondern die Produkte der jeweiligen Unternehmen. 38
2.1.3. Makroebene
Die relative Attraktivität von Volkswirtschaften, also von Standorten, wird besonders im Rahmen der EU immer bedeutender, da die Transaktionskosten für Unternehmen im europäischen Binnenmarkt immer geringer werden und damit die Mobilität der Produktionsfaktoren steigt. 39 Überträgt man den Begriff der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von der Mikroauf die Makroebene, so wäre eine Volkswirtschaft besonders wettbewerbsfähig, wenn es ihre
32 Vgl. Maier (1998), S. 16 u. 22; vgl. Hübner (1996), S. 13; vgl. Schelbert-Syfrig (1982), S. 13.
33 Vgl. Blind (2001), S. 49; vgl. Gößl (1997), S. 147; vgl. Trabold (1995), S. 169f.; vgl. o.V. (1985), S. 6.
34 Vgl. Küchle (1994), S. 181.
35 Vgl. Berg (1997), S. 199; vgl. Borner (1991), S. 22; vgl. auch http://www.meyer-stamer.de/1993/national.htm.
36 Vgl. Porter (1991), S. 30.
37 Vgl. Porter (1991), S. 30.
38 Vgl. Maier (1998), S. 17.
39 Vgl. Straubhaar (1994), S. 538 u. 540.
7
Unternehmen sind. Diese Analogie ist jedoch nicht möglich. 40 Dies liegt vor allem daran, dass es noch keine einheitliche Definition von Wettbewerbsfähigkeit gibt. 41 Straubhaar bezeichnet eine Volkswirtschaft dann als international wettbewerbsfähig, wenn es ihr gelingt, "durch technische und/oder organisatorische Fortschritte einerseits die betriebswirtschaftliche und andererseits die gesamtwirtschaftliche institutionelle Effizienz zu optimieren". 42 Andere Au-toren gehen jedoch davon aus, dass es auf volkswirtschaftlicher Ebene keine sinnvolle Definition von internationaler Wettbewerbsfähigkeit geben kann. 43 Auf der einen Seite konkurrieren Volkswirtschaften nicht auf die gleiche Art und Weise, wie es Unternehmen tun, auf der anderen Seite können Volkswirtschaften nicht im gleichen Maße in Konkurs gehen; 44 Unternehmen werden „bei Zahlungsunfähigkeit de jure und de facto aufgelöst“. 45 So gehen Handelsgewinne einer Volkswirtschaft nicht zwangsläufig zu Lasten einer anderen, sondern internationale Handelsbeziehungen können bei Nutzung der komparativen Vorteile einer internationalen Arbeitsteilung statt eines Nullsummenspiels eine „Win/Win-Situation“ sein, bei der beide Partner Vorteile erzielen. 46
Aufgrund dieser Ungenauigkeit in der Definition wird dieser Begriff oft von Interessensverbänden „missbraucht“. Unternehmensvertreter argumentieren mit Lohnstückkosten und Steuerbelastungen, Gewerkschaftsvertreter mit Arbeitslosenquoten und Ökologen mit der Umweltbelastung. 47 Diese heterogenen und beeinflussenden Diskussionen erschweren jedoch eine objektive, wissenschaftliche Betrachtung.
2.1.4. Zwischenfazit
Es ist unmittelbar einsichtig, dass sich alle drei Ebenen gegenseitig beeinflussen. Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hängt unter anderem von den Spezifika der Branche ab, in der sie agieren. Außerdem wird sie beträchtlich vom gesellschaftlichen und rechtlichen Umfeld, der Handlungsfähigkeit des öffentlichen Sektors und den wirtschaftspolitischen Entscheidungen, den sog. Rahmenbedingungen, beeinflusst. 48 Sie wird für den Schumpeterschen
40 Vgl. DIW (1995), S. 38, vgl. Krugman (1994), S. 40.
41 Vgl. Gahlen (1985), S. 2; vgl. Hübner (1996), S. 9; vgl. Berg (1997), S. 199; vgl. Gries (1994), S. 416; vgl.
DIW (1995), S. 39; vgl. Straubhaar (1994), S. 534.
42 Straubhaar (1994), S. 539.
43 Vgl. Krugman (1994), S. 40ff.
44 Vgl. Berthold (1994/95), S. 78; vgl. Krugman (1994), S. 40.
45 DIW (1995), S. 38f.; vgl. Trabold (1995), S. 181.
46 Vgl. Müller (2000), S. 197; vgl. Krugman (1994), S. 41; vgl. Küchle (1994), S. 188; vgl. auch Krafft (2000),
S. 360f.
47 Vgl. auch Hübner (1996), S. 83; vgl. auch Legler (1987), S. 20.
48 Vgl. Straubhaar (1994), S. 535.
8
Unternehmer dann attraktiv, wenn sie ihm ein "optimales Umfeld für seine wirtschaftlichen Aktivitäten bietet". 49 Eine Volkswirtschaft ist also mehr als nur die Aggregation ihrer Subsysteme.
2.2. Determinanten
Mit den Determinanten soll versucht werden, die Frage zu beantworten, welche Bestim-mungsfaktoren Ursache für das Zustandekommen bzw. den Niedergang der internationalen Wettbewerbsfähigkeit sind. Zu unterscheiden sind hierbei solche, welche sich berechnen lassen (preislich) und solche, welche nur einen Hinweis auf eine Wettbewerbsstärkung geben (nicht-preislich). Es sei darauf aufmerksam gemacht, dass sich Bestimmungsgrößen und Indi-katoren nicht immer sinnvoll trennen lassen, weshalb einige sowohl zu den Determinanten als auch zu den Indikatoren für Wettbewerbsfähigkeit gezählt werden können. 50
2.2.1. Preislich
Es gibt verschiedene Determinanten, welche in der Literatur für einen preislichen Vergleich internationaler Wettbewerbsfähigkeit angeführt werden. Am häufigsten werden in diesem Zusammenhang die Direktinvestitionen und die Investitionsquote genannt, auf die anschließend eingegangen wird. Des weiteren werden noch Staatsquote, Staatsverschuldung, Steuersätze, Zinssätze, Subventionen, Transaktionskosten, FuE-Ausgaben und Lohnkostenentwicklung genannt.
• Direktinvestitionen
Kapital, das von Inländern im Ausland und von Ausländern im Inland investiert wird, bezeichnet man als Direktinvestition. Formen von Direktinvestitionen können u.a. Gründungen von Unternehmen, Beteiligungen und Darlehen sein. 51 Beispiele für Gründe solcher Investitionen sind die Erschließung oder Sicherung von Auslandsmärkten, Zugang zu Know-how und Risikostreuung. 52 Ergibt sich für eine Volkswirtschaft ein negativer Saldo bei Direktinvestitionen (Nettokapitalimport), wird dies vielfach als Zeichen von Standortattraktivität gewertet. 53 Im Gegensatz dazu könnten aber auch Nettokapitalexporte als wachsende Forderungen ge-
49 Straubhaar(1994), S. 538.
50 Vgl. Deger (1995), S. 11 u. 15.
51 Vgl. Müller (2000), S. 58.
52 Vgl. auch Döhrn (1995), S. 141.
53 Vgl. Müller (2001), S. 197; vgl. Buckley (2000), S. 216; vgl. Trabold (1995), S. 177.
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Diplom Kaufmann Sebastian Stock, Markus Wende, 2001, Die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in der EU, München, GRIN Verlag GmbH
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