Die Bürokratietheorie Max Webers in Bezug auf gegenwärtige
Organisationsformen der IT Industrie
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Die Bürokratietheorie nach Max Weber 1
2.1 Der Prozess der Rationalisierung auf der Ebene der Institutionen 2
2.2 Die Organisation der Bürokratie 3
2.3 Die Effizienz der Bürokratie 4
3. New Economy 5
3.1 Hintergrund 5
3.2 Risiken und Anforderungen an den Unternehmer 7
4. Entwicklung der Arbeitsbeziehungen in der IT-Branche 9
4.1 ehemals fordistische Unternehmen 9
4.2 Start-up Unternehmen 10
4.3 Lack-Turnschuh Unternehmen 12
5. Aktualität der Bürokratietheorie von Max Weber 13
5.1 Anwendung in gegenwärtigen Unternehmen 13
6. Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis 18
II
1. Einleitung
Die Schnelllebigkeit und der rasante Fortschritt der heutigen Zeit spiegeln sich nicht nur in gesellschaftlichen Entwicklungen, sondern auch in der Wirtschaft wider. Durch den Konkurrenzkampf welchem die Unternehmen in der freien Marktwirtschaft unterliegen, bemühen sich Unternehmer und Soziologen um neuere, effizientere Methoden und Modelle der Arbeitsorganisation.
In dieser Arbeit soll das Modell des bekannten Sozialtheoretikers Max Weber untersucht werden. Als dieser seine Theorie in den Zwanzigern Jahren des letzten Jahrhunderts veröffentlichte, galt seine Sichtweise als revolutionär.
Heute steht die Wirtschaft anderen, neuen Problemen gegenüber und es stellt sich Frage, inwieweit die Anwendung der genannten Methode für gegenwärtige Unternehmen sinnvoll ist.
Ist die Bürokratietheorie Webers für die Umstände, welche in der neuen Wirtschaft vorherrschen, effizient genug? Können sich bürokratische orientierte Unternehmen zwischen Konkurrenten beweisen?
Zu Beginn der Untersuchung sollen die Grundzüge Max Webers Modell skizziert werden. Im zweiten Teil wird die gegenwärtige Wirtschafsform dargelegt. Darauf folgend werden die gegenwärtigen Modelle der Arbeitsorganisation vorgestellt.
Im letzten Teil soll schließlich insbesondere darauf eingegangen werden, ob die Bürokratietheorie eine überzeugende Alternative zu anderen, neueren Arten der Arbeitsorganisation darstellt.
2. Die Bürokratietheorie nach Max Weber
Im Jahr 1921 verfasste der erste soziologische Organisationstheoretiker Max Weber eine Schrift zur Erstellung eines rationalorganisierten Verwaltungsapparates.
"Ein voll entwickelter bürokratischer Mechanismus verhält sich ...wie eine Maschine zu den nicht mechanischen Arten der Gütererzeugung"...." Die rein bürokratische ...Verwaltung ist nach allen Erfahrungen die an Präzision, Stetigkeit, Disziplin, Straffreiheit und Verläßlichkeit, also Berechenbarkeit für
1
den Herrn (die) ... rein technisch zum Höchstmaß der Leistung vervollkommnenbare, formal rationalste Form der Herrschaftsausübung." (Vgl.
URL 1).
Die Bürokratietheorie nach Max Weber ist keine vollständige Organisationstheorie, sie dient als Ansatz einer Aufbauorganisation, die den Prozess der Rationalisierung beinhaltet.
2.1 Der Prozess der Rationalisierung auf der Ebene der Institutionen
WEBER unterscheidet zwischen drei Ebenen auf welchen die Rationalisierung voranschreitet:
Die Ebene der Weltbilder, die Ebene der Institutionen und die Ebene der praktischen Lebensführung. Im folgenden wird ausschließlich auf die Zweite eingegangen. 1
Die Rationalisierung auf der Ebene der Institutionen bezeichnet die Entwicklung von „Idealtypen der Herrschaft“ mit unterschiedlicher Rationalität (vgl. Kieser 2002: 46). Geltungsgründe für eine Herrschaft liegen nach Weber immer dann vor, wenn „sich das soziale Handeln an der Vorstellung vom Bestehen einer legitimen Ordnung orientiert“ (Kieser 2002: 46).
Das heißt eine gesellschaftliche Ordnung, in der es Regeln und Pflichten gibt, unterliegt immer einer Herrschaftsform. „Diese Herrschaft muss die Vorbildlichkeit und Verbindlichkeit der etablierten Ordnung wecken, um eine Aussicht auf dauerhafte Sicherung zu erreichen (vgl. Weber 1972:124, zitiert nach Kieser 2002: 46).
MAX WEBER nennt in seinem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ von 1972 drei
Legitimationsgründe für eine solche Herrschaft: Charisma, Tradition und Legalität. Ein Idealtyp herrsche im Rahmen einer dieser Eigenschaften. Weber räumt allerdings ein, dass ein Herrscher in der Realität einer Mischform dieser Eigenschaften unterläge. Dies sei dennoch kein Nachteil, denn es führe dazu, den Abstand zwischen der Theorie einerseits und der Realität andererseits zu verstehen und diesen über einen längeren Zeitraum beobachten zu können.
Die charismatische Herrschaft bezeichnet die Herrschaft unter einem religiösem Aspekt. Der Herrscher besitzt ein religiöses Charisma, das ihm eine Art Vorbildlichkeit gegenüber seinen
1 Die Ebene der Weltbilder gründet sich auf religiösen Dogmen und ist für den zu untersuchenden Aspekt nicht
relevant. Die Ebene der Lebensführung wird in Punkt 5.1 erläutert.
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Untertanen verleiht. Diese Herrschaft ist meist von kurzer Dauer, da sie abhängig vom göttlichen Glauben und der Anzahl an Anhängern der Glaubensrichtung ist. Eine längerfristige Herrschaft des charismatischen Führers ist durch eine Traditionalisierung (feudale Herrschaftsverhältnisse) zu erwirken.
„Die Effizienz der traditionellen Herrschaft beruht auf Traditionen und der Orientierung an dem „Gewohnten“ (Ambramowski 1966: 128, zitiert nach Kieser 2002: 47). „Traditionalistisch ist etwa die Herrschaft des Sippenältesten über den Stamm“ (Ambramowski 1966: 128, zitiert nach Kieser 2002: 47). KIESER bezeichnet diese Formen der Herrschaft als „vorrationale Formen der Herrschaft“, sie seien nicht rational.
Die legale Herrschaft wird als sachlich, unpersönlich und berechenbar (Vgl. Kieser 2002: 47) charakterisiert. „ „Die reinste Form legaler Herrschaft ist die Bürokratie“ (Weber 1972: 126, zitiert nach Kieser 2002: 47). WEBER bezeichnet die Regeln der Bürokratie als rational und legt in seinem Ansatz diese Rationalität als Erfordernis für die Einführung eines bürokratischen Verwaltungsstabs aus.
2.2 Die Organisation der Bürokratie
Nach WEBER gibt es feste Regeln bezüglich der Organisation in einem bürokratischen System.
Der Leiter der Organisation kann seine Position auf eine beliebige Art und Weise erlangen (Wahl, Erbmonarchie, etc.) (Vgl. Weber 1972: 126, zitiert nach Kieser 2002: 47). Der Beamte 1.) Erhält ein festes Gehalt 2.) Wird aufgrund seiner Fachqualifikation eingestellt 3.) Hat eine langfristige Zukunftssicherung 4.) Besitzt kein Amts- oder Betriebsvermögen 5.) Hat eine vorgezeichnete Laufbahn 6.) Ist einer einheitlichen Amtdisziplin und Kontrolle unterworfen
(Vgl. Kieser 2002: 47f.)
3
WEBER führt diese Aspekte noch weiter aus und verdeutlicht anhand dieser, Unterschiede zu
den traditionellen Arbeitsformen.
Jeder Zuständigkeitsbereich ist klar spezifiziert. Die amtlichen Pflichten unterliegen einer festen Verteilung (Vgl. Scott 1986: 106). Jeder Beamte des Systems hat seinen eigenen Zuständigkeitsbereich und die dazugehörigen Weisungsbefugnisse (Vgl. Kieser 2002: 48). Die Anweisungen hängen nicht mehr von dem Herrn ab, sondern sind klar definiert und haben keine zeitliche Begrenzung.
Des Weiteren ist eine Amtshierarchie vorhanden. Die nächsthöhere Ebene beaufsichtigt die jeweils darunter liegende. Sie kann Aufgaben verteilen, aber auch von untergeordneten Beamten Beschwerden erhalten. Höhere Instanzen besitzen höhere Qualifikationen und überschauen einen größeren Bereich als die darunter liegenden. Die klare Abgrenzung der Kompetenzen zeigt den Unterschied zu dem patrimonialen System auf. Herrschaftsbeziehungen in diesem basieren auf persönlicher Loyalität (Vgl. Scott 1986: 106). Das bürokratische System beinhaltet nicht nur klare Differenzierungen zwischen Ebenen und Aufgabenzuteilung, sondern auch präzise Anforderungen an die Aufgabenerfüllung. Hierbei sind nach WEBER zwei Aspekte aufzuführen: technische Regeln und Normen. Diese sind erlernbar und zu befolgen. Sie legen Kompetenzen und zulässige Kommunikationswege fest (Vgl. Kieser 2002: 48). Darüber hinaus bedarf es alle Vorgänge der formalen Ausformulierung. Ausdifferenzierte Regeln wie diese sind in vorbürokratischen Verwaltungen entweder gar nicht oder vage formuliert (Vgl. Scott 1986: 106).
Bezüglich der Laufbahn des Beamten, hält WEBER fest, dass es für jeden die Möglichkeit gibt aufzusteigen. Nach WEBER ist die Effizienz der Bürokratie nur durch diese definitorischen Aspekte der Aufbau- und Ablauforganisation sichergestellt.
2.3 Die Effizienz der Bürokratie
Um die Effizienz Webers Organisationsmodells zu verdeutlichen, erläutert KIESER in einer zusammenfassenden Darstellung die Dispositionen dessen.
Hierbei nennt er zu Beginn die Maschinenartigkeit der Bürokratieform. Diese Form sei dadurch gekennzeichnet, dass sie ein Netz darstelle, das so planvoll konstruiert werden könne, „dass Reibungsverluste minimiert werden (könnten) “ (Kieser 2002: 50). Durch die klaren Abgrenzungen und Aufgabenzuteilungen entstünde ein Gebilde dessen Arbeitsergebnisse „berechnet“ werden könnten. Dieser Argumentation liegt auch die technische Effizienz der
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Arbeit zitieren:
Nina Bednarz, 2006, Die Bürokratietheorie Max Webers in Bezug auf gegenwärtige Organisationsformen der IT-Industrie, München, GRIN Verlag GmbH
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