Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. II
Tabellenverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis III
1. Gegenstand dieser Arbeit. 1
2. Einführung in die relevanten Begrifflichkeiten 2
2.1 Ökonomische Eigenschaften des Gutes „Musik“ 2
2.2 File-Sharing und P2P-Netzwerke. 3
2.3 Juristische Beurteilung des File-Sharing 3
3. Der Status Quo der Musikwirtschaft. 4
3.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation der Musikindustrie 4
3.2 Maßnahmen der Musikindustrie gegen File-Sharing 5
4. Ökonomische Effekte des File-Sharing. 6
4.1 Substitutionseffekt 6
4.2 Informationseffekt (sampling) 6
4.3 Netzwerkeffekte. 7
4.4 Indirekte Aneignung (indirect appropriation) 7
4.5 Wohlfahrtsökonomische Effekte. 8
5. Diskussion: Auswirkungen des File-Sharing auf die Musikindustrie 9
5.1 Pro-Meinung: File-Sharing schadet der Musikindustrie. 9
5.2 Contra-Meinung: File-Sharing keine Bedrohung für Musikindustrie. 12
5.3 File-Sharing - eine Chance für die Musikindustrie? 14
6. Zusammenfassung und Ausblick. 15
Anhang. 16
Literaturverzeichnis. 26
I
Abbildungsverzeichnis
• Abbildung 1: Umsatzanteile der verschiedenen Musikmedien 1996-2005 Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 15
• Abbildung 2: Benutzeroberfläche der Online-Tauschbörse „Napster“ Homepage des KefK Network (2006a)
• Abbildung 3: Architekturen von P2P-Systemen Oberholzer und Strumpf 2004, S. 49
• Abbildung 4: Gesamtumsatz des Phonomarktes in Deutschland 1996-2005
Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 11
• Abbildung 5: Umsatzentwicklung im deutschen Phonomarkt 1996-2005
Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 12
• Abbildung 6: Absatzzahlen von Longplays in Deutschland 1996-2005 Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 25
• Abbildung 7: Weltweiter Umsatz mit Tonträgern 1995-2004 Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 42
• Abbildung 8: Weltweiter Absatz von Tonträgern 1995-2004 Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 42
• Abbildung 9: Absatz von Filmen, Videospielen und Videos in den USA 1990-2003 Liebowitz 2005, S. 458
• Abbildung 10: Entwicklung des Radiokonsums nach Altersklassen in den USA
• Abbildung 11: Nutzung von Online-Musiktauschbörsen in Deutschland
GfK-Brennerstudie 2005, S. 15
• Abbildung 12: Zahl der Neuerscheinungen in Deutschland 1996-2005 Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 36
• Abbildung 13: Gesamtangebot von Tonträgern in Deutschland 1996-2005 Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005, S. 37
• Abbildung 14: Anteile nationaler und internationaler Single-Produktionen in
• Abbildung 15: Anteile nationaler und internationaler Longplay-Produktionen in
• Abbildung 16: Anteile der Altersklassen am Tonträger-Absatz 1996-2005
Tabellenverzeichnis
• Tabelle 2: Jahresumsatz der Musikindustrie 1999-2004 weltweit sowie für Deutschland und die USA, eigene Darstellung
Abkürzungsverzeichnis
AKS Alternative Kompensationssysteme BIP Bruttoinlandsprodukt CD Compact Disc c.p. ceteris paribus DRM Digital Rights Management DVD Digital Versatile Disc GfK Gesellschaft für Konsumforschung P2P Peer-to-Peer PC Personal Computer RIAA Recording Industry Association of America UrhG Urheberrechtsgesetz USD US-Dollar
III
1. Gegenstand dieser Arbeit
„Copy kills music“ - mit diesem griffigen Slogan macht die Musikindustrie weltweit auf die aus ihrer Sicht zunehmende Bedrohung durch das Austauschen bzw. Kopieren von Musikdateien („File-Sharing“) via Internet oder CD-Brenner aufmerksam. In der Tat sehen sich die Musikunternehmen seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts mit einem globalen Rückgang der Verkaufszahlen auf dem Tonträgermarkt konfrontiert. Als Hauptursache hierfür sieht die Branche die Konkurrenz durch illegale „Musik-Piraterie“ in Form der im Juni 1999 entstandenen Online-Musiktauschbörse „Napster“ und ihrer zahlreichen Nachfolger. Diese haben - so die Argumentation - einen negativen Effekt auf den legalen CD-Absatz und würden somit zehntausende Arbeitsplätze in der gesamten Musikbranche und sogar die Zukunft der Musik selbst gefährden (vgl. Die deutschen Phonoverbände 2004a sowie Oberholzer und Strumpf 2004, S. 2 mit weiteren Nachweisen). Diese Auffassung wird auch von Teilen des wissenschaftlichen Schrifttums zu diesem Thema unterstützt. Dagegen machen einige Autoren andere Gründe wie bspw. die volkswirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre oder das veränderte Konsumverhalten der Wirtschaftssubjekte für die Krise in der Musikindustrie verantwortlich. Inwieweit die jeweiligen Argumente in diesem Kontext als relevant betrachtet werden können und ob die Untersuchungsergebnisse einem Vergleich mit empirischen Daten standhalten, soll im Rahmen dieser Arbeit erörtert werden. Dazu werden in Kapitel 2 die Konzepte des File-Sharing und der Peer-to-Peer-Netzwerke vorgestellt und eine kurze juristische Beurteilung der Thematik vorgenommen. Daran anknüpfend wird in Kapitel 3 die derzeitige Krise in der Musikindustrie anhand entsprechender Zahlen dokumentiert und dargelegt, mit welchen Mitteln die Musikwirtschaft auf ihre derzeit schwierige Situation reagiert. Anschließend werden in Kapitel 4 die verschiedenen ökonomischen Effekte behandelt, die dem File-Sharing in der Literatur zugeschrieben werden, und auf ihre tatsächliche Relevanz geprüft. Kapitel 5 bietet schließlich einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Diskussion über den Einfluss von Online-Musiktauschbörsen auf die Absatzzahlen von Tonträgern. Dazu werden stellvertretend einige Beiträge der einschlägigen Fachliteratur zu diesem Thema vorgestellt und analysiert, inwieweit die gewonnenen Erkenntnisse durch entsprechende empirische Studien gestützt werden. Eine zusammenfassende Beurteilung der Argumente sowie ein Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen in der Musikindustrie in Kapitel 6 beschließen diese Abhandlung.
1
2. Einführung in die relevanten Begrifflichkeiten
2.1 Ökonomische Eigenschaften des Gutes „Musik“
Das Gut „Musik“ als Produkt der Musikindustrie kann zunächst einmal als klassisches öffentliches Gut klassifiziert werden mit den entsprechenden inhärenten Eigenschaften „Nicht-Rivalität im Konsum“ sowie „Nicht-Ausschliessbarkeit vom Konsum“ (Beck 2005, S. 300 f. oder Lang und Gerstmeier 2004, S. 1). Diese Merkmale werden noch durch die erst in jüngster Vergangenheit entstandene technische Möglichkeit verstärkt, Musik in digitalisierter Form bereitzuhalten, bspw. als Musikdatei im .mp3- oder .wav-Format. 1 Durch diese Loslösung der Musik von physischen Trägermedien wie bspw. CDs kann Musik einfacher als bisher konsumiert und mit Hilfe von Internettauschbörsen oder CD-Brennern weitergegeben bzw. dupliziert werden (Lang und Gerstmeier 2004, S. 1). 2 Dabei sind die variablen Kosten bzw. die Grenzkosten der Beschaffung und Reproduktion vernachlässigbar gering (Beck 2005, S. 301 oder Liebowitz 2005, S. 445). 3 Zudem weisen Kopien im Falle digitaler Musik eine identische technische Qualität wie das Original auf. 4 Letztere werden allerdings üblicherweise mit zusätzlichen nutzensteigernden Komplementärgütern bzw. Produktmerkmalen wie etwa CD-Booklets mit Informationen zu den Künstlern sowie Fotos und Songtexten ausgestattet. Daher werden Kopien in der Regel lediglich als wertinferiore Substitute im Vergleich zum Original angesehen (Peitz und Waelbroeck 2003, S. 1 und S. 18 sowie Belleflamme und Picard 2004, S. 3 und S. 6). 5 Des weiteren hat Musik als typisches Erfahrungsgut die Eigenschaft, dass der Nutzen bzw. die qualitativen Eigenschaften des Produktes erst nach dem Konsum („Austesten“) korrekt und zu ökonomisch akzeptablen Informationskosten bewertet werden können (Fritsch et al. 2005, S. 285 f. sowie Peitz und Waelbroeck 2003, S. 1 und S. 18).
1 Weitergehende Informationen zum .mp3-Audioformat finden sich bspw. in Beck 2005, S. 300.
2 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll die CD als derzeit am häufigsten verwendetes Trägermedium für Musik als Synonym für alle Tonträger verwendet werden (vgl. hierzu auch Abbildung 1 im Anhang).
3 So kostet ein CD-Rohling nur wenige Cents. Beim Herunterladen von Musik aus P2P-Netzwerken fallen in der Regel lediglich die Kosten für die Internetnutzung an.
4 Bei der Vervielfältigung traditioneller Trägermedien wie Audiokassetten o.ä. sind dagegen die Kopien von schlechterer technischer Qualität als die Originale. Daher stellen Kopien hier schon aus technischer Sicht nur minderwertige Substitute im Vergleich zum Original dar (Belleflamme und Picard 2004, S. 6).
5 So würden sich alle Konsumenten für das Originalprodukt entscheiden, wenn Original und Kopie zum selben Preis angeboten würden (Belleflamme und Picard 2004, S. 3).
2
2.2 File-Sharing und P2P-Netzwerke
File-Sharing bezeichnet das Austauschen bzw. Kopieren von digitalen (Musik-)Dateien zwischen mehreren Personen via Internet. Dieser Vorgang wird in sog. Peer-to-Peer-Netzwerken (P2P-Systeme, Musiktauschbörsen) abgewickelt. Hier kann ein Nutzer mit Hilfe eines auf seinem Computer installierten Programms (Client) in einem oder mehreren File-Sharing-Netzwerken nach gewünschten Musiktiteln suchen und diese dann von einem anderen Computer herunterladen. Das erste nach diesem Prinzip funktionierende Netzwerk war die im Juni 1999 entwickelte Online-Tauschbörse „Napster“. 6 Seitdem gibt es eine Vielzahl weiterer P2P-Systeme, über die ein enormer weltweiter Datentransfer vollzogen wird. 7 So wurden in 2003 im damals bekanntesten Netzwerk „FastTrack/KazaA“ mehr als eine Milliarde Audiodateien pro Woche heruntergeladen. Dabei waren zeitweise weltweit mehr als drei Millionen Nutzer, die insgesamt über eine halbe Milliarde Audiodateien zum Tausch angeboten haben, simultan im Netzwerk von „FastTrack/KazaA“ aktiv (Oberholzer und Strumpf 2004, S. 1). P2P-Systeme lassen sich nach ihrer Architektur in drei Kategorien unterteilen (vgl. hierzu Abbildung 3 im Anhang). Bei zentralisierten Netzwerken erfolgt der Datenaustausch zwischen einem zentralen Server und dem Computer eines individuellen Nutzers. Dagegen kommunizieren in einem dezentralen Netzwerk die Rechner der Nutzer direkt miteinander. Der Vorteil dieser Struktur liegt darin, dass es hier nicht möglich ist, „das Netz über einen Angriff auf den zentralen Listenserver lahm zu legen“ (Friedrichsen et al. 2004, S. 44). Eine Mischform zwischen beiden Modellen bilden schließlich hybride Netzwerke, bei denen die Vermittlung zwischen der individuellen Suchanfrage und potenziellen Bezugsquellen über mehrere Server erfolgt (Friedrichsen et al. 2004, S. 44 f. sowie Oberholzer und Strumpf 2004, S. 6 f.).
2.3 Juristische Beurteilung des File-Sharing
Die bei Frage nach der Legalität von Musiktauschbörsen relevanten Vorschriften finden sich für die Bundesrepublik im deutschen Urheberrechtsgesetz, das im Laufe der Zeit (nicht zuletzt auf Drängen der Musikindustrie) sukzessive verschärft wurde und dessen
6 Vgl. Abbildung 2 für eine grafische Darstellung der Benutzeroberfläche von „Napster“.
7 Für ausführliche Informationen zu den verschiedenen P2P-Systemen sei auf die Homepage des Kefk Network (2006b) verwiesen.
3
aktuelle Fassung am 13. September 2003 in Kraft trat. 8 Danach ist der Einsatz von File-Sharing-Tools grundsätzlich nicht strafbar. 9 Allerdings ist das ungenehmigte Anbieten von urheberrechtlich geschützter Musik in Online-Tauschbörsen zum Herunterladen durch Dritte gemäß §106 (Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke) und §108 (Unerlaubte Eingriffe in verwandte Schutzrechte) UrhG strafbar, so dass die Verantwortung zur Beachtung des Urheberrechts letztlich bei den P2P-Nutzern liegt. 10
3. Der Status Quo der Musikwirtschaft
3.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation der Musikindustrie
In den letzten Jahren musste die Musikindustrie weltweit deutliche Umsatzeinbußen aufgrund sinkender Verkaufszahlen hinnehmen. 11 In den nachstehenden Tabellen sind die Absatzzahlen von Tonträgern sowie der Jahresumsatz der Musikindustrie im Zeitraum von 1999 bis 2004 insgesamt sowie für Deutschland und für die USA als weltweit wichtigstem Tonträgermarkt aufgeführt. 12
Tabelle 1: Absatzzahlen von Tonträgern 1999-2004 weltweit sowie für Deutschland und die USA (in Mio. Stück), Quelle: eigene Darstellung
8 Das entsprechende Äquivalent in den USA ist der sog. „Digital Millenium Copyright Act“ (Peitz und Waelbroeck 2003, S. 1).
9 Ähnliche gesetzliche Regelungen finden sich bspw. auch in den Niederlanden und den USA, wo Klagen der Musikindustrie gegen die Online-Tauschbörsen „KazaA“, „Grokster“ und „Morpheus“ mit der Begründung abgelehnt wurden, die Betreiber dieser P2P-Systeme könnten nicht für illegale Handlungen der Nutzer verantwortlich gemacht werden (Pressetext Austria 2004 sowie Pavlov 2005, S. 637 f.). Diese Rechtsauffassung steht in krassem Gegensatz zu dem Urteil im Prozess gegen die Tauschbörse „Napster“, die letztlich aufgrund der Urheberrechtsverletzungs-Klagen der Musikindustrie geschlossen wurde (Friedrichsen et al. 2004, S. 46 ff.).
10 Dies hat dazu geführt, dass die Musikindustrie dazu übergegangen ist, Schadenersatzklagen gegen individuelle Nutzer von Online-Tauschbörsen anzustreben. Zu entsprechenden Prozessen bzw. Urteilen vgl. etwa Friedrichsen et al. 2004, S. 60 ff., Peitz und Waelbroeck 2004, S. 1 oder Die deutschen Phonoverbände 2005a.
11 Inwieweit diese Umsatzrückgänge mit dem zeitgleichen Aufkommen von Musiktauschbörsen („Napster“: Juni 1999) und der steigenden Verbreitung von CD-Brennern zusammenhängen, soll im Rahmen dieser Arbeit noch genauer analysiert werden.
12 Für die entsprechenden Daten vgl. den Jahreswirtschaftsbericht der Phonographischen Industrie 2005 sowie den Jahresendreport der Recording Industry Association of America (RIAA) 2005. Für weitergehende Informationen sei außerdem verwiesen auf die Abbildungen 4 bis 8 im Anhang.
4
Arbeit zitieren:
Alexander Wittkopp, 2006, File-Sharing - der Tod der Musikindustrie?, München, GRIN Verlag GmbH
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