Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
1. Sprachgeschichtlicher Hintergrund 4
2. Aktuelle Sprachlandschaft 5
3. Sprachenpolitik 8
3.1 Sprachenfreiheit 9
3.2 Territorialitätsprinzip 10
3.3 Förderung der Mehrsprachigkeit 11
4. Nationalsprache und Identität
am Beispiel des Schweizerdeutschen 13
Schlusswort 18
Bibliografie 20
2
Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit ist im Rahmen des Hauptseminars „Mehrsprachigkeitsforschung“ entstanden und untersucht die gesellschaft- liche Mehrsprachigkeit in der vielsprachigen Schweiz.
Zu Beginn dieser Arbeit werden die geschichtlichen Hintergründe und die sprachlichen Entwicklungen des Landes kurz untersucht. Dabei bildet die schweizerische Sprachgeschichte ab dem 13. Jahrhundert den Schwerpunkt. Auf eine umfassendere Untersuchung wird verzichtet, da diese nicht wesentlich zum Verständnis des Themas beiträgt.
In einem zweiten Schritt behandelt diese Seminararbeit die Darstellung der aktuellen Sprachlandschaft der Schweiz. Die aus diesem Schritt gewonnenen Ergebnisse liefern die Grundlage für die Erklärung des auf schweizerischen Kontext bezogenen Begriffes der Mehrsprachig- keit. Dabei wird untersucht, inwieweit die Schweiz hinsichtlich der vier offiziellen Landessprachen als tatsächlich mehrsprachig bezeichnet wer- den kann. Der Einfluss neuer Sprachen in der Schweiz wird dabei eben- falls berücksichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die historische und zeitgenössische schweizerische Sprachenpolitik. Zunächst werden das Prinzip der „Spra- chenfreiheit“ und das „Territorialitätsprinzip“ erläutert. Anschließend wer- den einige Beispiele der Förderung von Mehrsprachigkeit auf nationaler und europäischer Ebene aufgezeigt.
Zuletzt wird der Versuch unternommen, das Problem der National- sprachenbildung und der Identitätsfrage zu erörtern, der sich aus pragma- tischen Gründen auf das Schweizerdeutsch beschränkt.
3
1. Sprachgeschichtlicher Hintergrund
Die vorliegende Arbeit setzt mit ihrem geschichtlichen Rückblick im Jahre 1291 ein. Auf dieses Jahr wird das geschichtliche Ereignis datiert, bei dem die Alte Eidgenossenschaft zwischen der Urschweiz und den Habsburgern entsteht und gleichzeitig das erste Nationalstaatsdenken aufkommt. Der sogenannte „Rütli-Schwur“ liefert das erste sprachliche Zeugnis der Schweiz. „Die Alte Eidgenossenschaft, (...), galt nicht als mehrsprachig, sondern als einsprachig, nämlich deutschsprachig.“ (Dür- müller, 1996, 11) Im Laufe der Jahre eignet sich die Eidgenossenschaft französisch, italienisch und – rätoromanischsprachige Gebiete an. An der sprachlichen Situation des Landes jedoch ändert sich nichts, denn die unterworfenen Gebiete und somit auch ihre Sprachen galten als nicht gleichberechtigt. „Wenn man von der Regierungsgewalt in den eidgenössi- schen Ständen ausgeht, dann blieb der Staatenbund bis 1789 rein deutschsprachig.“ (Arquint, 1982, 62)
Erst in er Phase der „Umwälzung“, die im Jahre 1789 einsetzt und den Beginn der Helvetischen Republik markiert, beginnt die erste sprachliche Gleichberechtigung des Französischen und Italienischen. „Erst in der Helvetischen Republik (1789-1815) also wurden die französi- sche und die italienische Sprache auf die gleiche Ebene wie das Deutsche gehoben.“ (Dürmüller, 1996, 12)
Der entscheidende Vorstoß in Richtung Mehrsprachigkeit erfolgt erst mit der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848. In der im gleichen Jahr gestalteten Verfassung wurde das Problem der Mehrsprachigkeit festgehalten. Der Vorschlag « Les trois langues parlées en Suisse, l’allemand, le francais et l’italien, sont langues nationales »(Arquint, 1982, 70) galt als Vorlage zur Formulierung des damaligen Artikels 109 der Bundesverfassung über die Nationalsprachen.
4
2. Aktuelle Sprachlandschaft
Folgende Schilderungen sollen dazu dienen, den Begriff der Mehr- sprachigkeit im schweizerischen Kontext genauer zu erklären. Hierbei gilt festzuhalten, dass nicht etwa individuelle, sondern die territoriale Mehr- sprachigkeit vorliegt. Das heißt, dass [...] „ sich mehr oder weniger fein säuberlich getrennte Sprachterritorien gegenüber(stehen), (...).“ (Bühl- mann, 2001) Im Wesentlichen ist die Schweiz aufgeteilt in ein deutsch- sprachiges Gebiet, die sogenannte Deutschschweiz, in die Romandie, den französischsprachigen Teil im Westen, der auch Welschschweiz genannt wird, in den italienischsprachigen Teil im Südosten, der sich fast aus- schließlich auf den Kanton Tessin beschränkt und in ein rätoromanisch- sprachiges Gebiet im Osten. (Vgl. Dürmüller, 1996, 9) Diese Sprachterrito- rien sind definitiv als einsprachig zu bezeichnen. „Da die Schweiz vier offizielle Landessprachen hat, nehmen viele an, alle Schweizer sprächen vier Sprachen. Dem ist aber bei weitem nicht so.“ (Die Sprachen in der Schweiz, 2005) Zu einem eventuellen Auftreten von Zwei oder gar – Mehrsprachigkeit kommt es in Folge dessen nur an den Grenzen benachbarter Sprachterritorien.
Aktuelle Angaben des Bundesamtes für Statistik über die prozen- tuale Verteilung der Sprachen auf die Bevölkerung zeigen, dass das Verhältnis der vier Landessprachen zueinander zwar als stabil zu bezeichnen ist, dass aber nur ein schwindend geringer Teil der Schweizer tatsächlich mehrsprachig ist. Deutsch ist mit einem Anteil von 63,6 Prozent eindeutig als dominanteste Sprache zu bezeichnen. „Das Deutsch ist (...) die am meisten gesprochene Sprache in der Schweiz.“ (Bundesamt für Statistik, 1997) Daneben ist das Französische mit 19,2 Prozent vertreten. Im Gegensatz zum Italienischen, das lediglich von 7,6 Prozent der schwei- zerischen Bevölkerung gesprochen wird und einen stetigen Rückgang ver- zeichnet, kann das Französisch ebenfalls als relativ dominant bezeichnet werden.
Trotz seines geringen Anteils von schätzungsweise 0,6 Prozent an der Gesamtverteilung ist das Rätoromanische nicht zu vernachlässigen,
5
gilt es doch offiziell als eine der vier Landessprachen. (Vgl. Bundesamt für Statistik, 1997) Neuste Entwicklungen zeigen zudem, dass ein nicht zu verachtender Anteil von 9 Prozent der Bevölkerung weitere Sprachen spricht, die durch Einwanderung ins Land kommen. Darunter ist das Alba- nische sehr stark vertreten. „So sprechen zum Beispiel heute mehr Leute in der Schweiz Albanisch (...), zum Beispiel 200.000 Albanischsprachige gegenüber 40.000 Rätoromanischsprachigen.“ (Bühlmann, 2001) Aber auch die slawischen Sprachen wie Serbisch und Kroatisch finden mit circa
1 bis 2 Prozent immerhin noch mehr Sprecher als etwa das Rätoroma-
nische.
Welche Auswirkungen hat diese Sprachsituation nun auf die Mehr- sprachigkeit in der Schweiz? Wie eingehend schon bemerkt, kann allen- falls an den Sprachgrenzen von Mehrsprachigkeit gesprochen werden. So beherrscht zum Beispiel im italienischsprachigen Gebiet nicht einmal die Hälfte eine weitere Sprache. In der Romandie und der Deutschschweiz kann sich sogar nur jeder Vierte mehrsprachig nennen. „Im italienischen Sprachgebiet (...) ist nur knapp die Hälfte und im französischen und deutschen Sprachgebiet gar nur ein Viertel aller Personen mehrsprachig.“ (Bundesamt für Statistik, 1997) Eine deutliche Ausnahme aber stellt die rätoromanischsprachige Bevölkerung dar, in der rund 70 Prozent eine Zweitsprache beherrschen. „Fast alle Rätoromanischsprachigen sind in Wirklichkeit zweisprachig.“ (Bundesamt für Statistik, 1997)
An dieser Stelle empfiehlt es sich, eine erneute genauere Beschrei- bung des Begriffes der Mehrsprachigkeit vorzunehmen. Wird im Vorfeld ausgesagt, dass nur an den Sprachgrenzen und unter der rätoroma- nischen Sprachgemeinschaft Mehrsprachigkeit verzeichnet werden kann, so ist dem beizufügen, dass es sich hier um die sogenannte „ange- stammte“ Mehrsprachigkeit handelt (Vgl. Bühlmann, 2001), die sich aus der geschichtlichen Entwicklung des Landes ergibt.
Dem gegenüberzustellen sind die neuen Sprachen, die durch Einwande- rung und Globalisierung hinzukommen. Da diese Menschen naturgemäß ihre Muttersprache weiterhin pflegen und gleichzeitig mit der Sprachsitua-
6
Quote paper:
Gina Mero, 2005, Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit am Beispiel der Schweiz, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Zur gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit und ihren Folgen - Die digloss...
Romance Languages - Spanish Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 46 Pages
Multilingualität und Sprachenpolitik in der Schweiz
English Language and Literature Studies - Culture and Applied Geography
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Romance Languages - Latin American Studies
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
El estatus del guarani como lengua oficial y nacional
Romance Languages - Spanish Studies
Termpaper, 9 Pages
Entwicklung eines Konzeptes zur verbesserten Reintegration von Stammha...
Business economics - Personnel and Organisation
Diploma Thesis, 135 Pages
Reintegrationsprozess der Expatriates nach dem internationalen Persona...
Gestaltungsempfehlung auf der ...
Business economics - Personnel and Organisation
Diploma Thesis, 86 Pages
Französisch in der Schweiz und im Aostatal
Romance Languages - French - Linguistics
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Nomen est Omen - Die Relevanz von Markennamen
Communications - Public Relations, Advertising, Marketing
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Romance Languages - Spanish Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Romance Languages - Italian and Sardinian Studies
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Die Nouvelle Vague - Eine Filmrevolution
Erläuterungen anhand Truffauts...
Romance Languages - French Literature
Termpaper, 18 Pages
Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 9 Pages
Kultur als raumbildender Faktor für Europa: die Konzeption von ARTE
Communications - Movies and Television
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Von der Erzählbarkeit des Holocaust. Nelly Sachs und Jurek Becker im V...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 42 Pages
Geschäftsbericht - Sprachliche Analyse
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Frieden nach den Vorstellungen von Thomas Hobbes
Politics - International Politics - General and Theories
Termpaper, 19 Pages
Kritische Theorie und die Studien zur Authoritarian Personality
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 15 Pages
Gina Mero has published the text Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit am Beispiel der Schweiz
Gina Mero has uploaded a new text
Recerca i gestió del multilingüisme / Mehrsprachigkeitsforschung und M...
Algunes propostes des d'Europa...
Pere Comellas, Conxita Lleó
Handbuch der Schweizer Politik
Manuel de la politique suisse
Ulrich Klöti, Peter Knoepfel, Hanspeter Kriesi, Wolf Linder, Yannis Papadopoulos, Pascal Sciarini
Methodische und konzeptionelle Grundlagen des Schweizer Kartellrechts ...
Symposium zum 70. Geburtstag v...
Rolf H. Weber, Andreas Heinemann, Hans-Ueli Vogt
Die Regierungskommunikation der Schweizer Kantone
Regeln, Organisation, Akteure ...
Sabrina Baumgartner
Die Exekutivmitglieder in den Schweizer Gemeinden
Ergebnisse einer Befragung
Hans Geser, Andreas Ladner, Urs Meuli, Reto Streiner, Katia Horber-Papzian
0 comments