Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 1
1. Das Passiv und die Passivierung 2
2. Das Passiv im Italienischen 4
2.1. Das essere-Passiv 4
2.2. Das venire-Passiv 6
3. Passivische Vorstellungen 7
3.1. Das andare-Passiv 7
3.2. Das rimanere-Passiv 8
3.3. Das avere-Passiv 9
3.4. Verbalpariphrase mit dem Infinitv 9
4. Unpersönliche Konstruktionen im Italienischen 10
4.1. Das si-impersonale 10
4.2. Das si-passivante 11
4.3. Weitere Wiedergabemöglichkeiten 13
5. Das Passiv im Deutschen 14
5.1. Allgemeines zum Passiv im Deutschen 14
5.1.1. Bildung des Passivs im Deutschen 16
5.1.2. Formen des Verbs im Passiv 16
5.1.3. Agensangabe beim Passiv 17
5.2. Das werden oder Vorgangspassiv 17
5.2.1. Typ 1 17
5.2.2. Typ 2 18
5.2.3. Typ 3 18
5.2.4. Verben ohne Passivfähigkeit 18
5.2.5. Konkurrenz bzw Parallelformen
des Vorgangspassivs 19
5.3. Das sein oder Zustandspassiv 21
5.3.1. Typ 1 21
5.3.2. Typ 2 22
6. Unpersönliche Konstruktionen im Deutschen 23
6.1. Unpersönliche Konstruktionen mit es 23
6.2. Unpersönliche Konstruktionen mit man 24
Schlusswort 25
Bibliografie 26
II
Einleitung In der vorliegenden Seminararbeit soll das im Rahmen des sprach- wissenschaftlichen Hauptseminars „Sprachvergleich und Übersetzen: Italienisch – Deutsch“ behandelte Grammatikthema „Passiv und unper- sönliche Konstruktionen im Italienischen und im Deutschen“ kontrastiv dargestellt werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, neben dieser kontrastiven Darstellung die übersetzungsrelevanten Schwierigkeiten beider grammatikalischer Kate- gorien zu verdeutlichen und an gegebener Stelle Übersetzungsvorschläge zu liefern.
Dabei wird zu Beginn eine kurze begriffliche Erläuterung der Kate- gorie Passiv geliefert. Auf einen modelltheoretischen Ansatz, wie etwa bei Milan, wird allerdings nicht allzu sehr eingegangen. Nichtsdestotrotz findet sein Werk Beachtung.
Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit wird die im ersten Teil vorge- nommene Untersuchung des Vorkommens, der Bildung und der Funktion des Passivs und der unpersönlichen Konstruktionen im Italienischen und im Deutschen sein. Dabei werden sowohl die beiden Sprachen als auch die einzelnen grammatikalischen Kategorien getrennt voneinander behan- delt.
Es sei darauf hingewiesen, dass die schriftliche Ausführung des Referates ebenfalls als gemeinsame Arbeit entstanden ist.
1. Das Passiv und die Passivierung Im folgenden Kapitel soll ein Einblick in die Terminologie gegeben werden. Es wird erklärt, was unter dem häufig benutzten Ausdruck pas- siv,- bzw. aktiv zu verstehen ist. Des Weiteren wird erklärt, wie Passiv- sätze im Italienischen gebildet werden.
In Anlehnung an Carlo Milans Vorstellung von Passiv und Aktiv soll hier eine Definition beider Begriffe geliefert werden. Sie richtet sich nach morphologischen und relationellen Kriterien und erfolgt in zwei Schritten.
In einem ersten Schritt ist unter Passiv [...] „die Menge der durch die Verbalsyntagmen (...) essere/venire + PP gekennzeichneten Konstruk- tionen zu verstehen.“ (Milan, 1985, 57) Dieser erste Schritt ist aber inso- fern unzureichend, da Sätze wie:
„Il treno è arrivato da Roma ‘٭Roma arriva il treno‘“ (Milan, 1985, 57)
zwar die Voraussetzung essere + PP erfüllt, aber bei dem Versuch, ihn umzustellen und ein Passiv daraus zu machen, scheitern. Bereits an die- ser Stelle wird deutlich, dass ein weiteres Kriterium erfüllt werden muss.
Milan stellt an dieser Stelle ein theoretisches Modell, das Konversen- modell vor. Entsprechend diesem Modell ist das Passiv
[...] „als die Menge derjenigen durch die Verbalsyntagmen (...) essere/venire + PP
gekennzeichneten Konstruktionen (zu) definieren, die in der zweifachen Relation der
Konverse und der Konversion zu den entsprechenden, (...) Konstruktionen, stehen.“
(Milan, 1985, 58)
Unter dem Begriff der ‘Konverse‘ ist die formale Veränderung des ver- balen Prädikats zu verstehen. (Milan, 1985, 58)
A schlägt B → A wird von B geschlagen
A batte B → A è battuto da B
Konverse: schlägt - wird geschlagen
batte -
2
Unter dem Begriff der ‘Konversion‘ versteht man die Änderung der Rei- henfolge der Argumente des verbalen Prädikats und die Gegensätzlichkeit der Bedeutung, die sich ergibt, wenn ein Vorgang von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachtet wird. (Duden, 7 2001, 542)
A schlägt B → B schlägt A
A wird von B geschlagen
A batte B
A è battuto da B →
Konversion: A → B und B → A
Zwar stehen Konverse und Konversion in keinem Interdependenzver- hältnis, doch sind beide „(b)ei Satzpaaren, die in der Aktiv-Passiv-Relation stehen (...) immer miteinander verbunden.“ (Milan, 1985, 59)
Das Konversenmodell geht von der potentiellen Fähigkeit der Verben, ein Passiv bilden zu können, aus und beschränkt sich auf das essere- und das venire-Passiv.
Im Italienischen sind ausschließlich transitive Verben eines essere- bzw. venire-Passivs fähig, [...] „die eine (sogenannte) E2 ( = Akkusativob- jekt) bei sich haben.“ (Milan, 1985, 216, vgl. 225)
Die oben genannten Regeln gelten auch für die Passivierung. „Das Vorhandensein eines Objektes ist also, (...) eine Bedingung für die Passi- vierung.“ (Schwarze, 2 1995, 178) Enthält der Satz kein Objekt, ist die Pas- sivierung nicht möglich und das persönliche Passiv kann nicht gebildet werden.
Bei der Passivierung, der Umstellung eines Aktivsatzes zu einem Pas- sivsatz, wird „(d)as direkte Objekt des Aktivsatzes (...) zum Subjekt des Passivsatzes.“ (da Forno/de Manzini, 6 2002, 294), während das Subjekt des Aktivsatzes ‘zu Null‘ wird (vgl. Schwarze, 2 1995, 178), bzw. mit Hilfe
3
der Präposition da ausgedrückt wird. Das Verb nimmt die morphologische Form des Partizip Perfekts an, im folgenden als PP abgekürzt.
Im Gegensatz zum Deutschen gibt es einige italienische Verben, die mit dem Akkusativ stehen, wie z. B. ‘aiutare qcn. → Akkusativ‘ - ‘jmd. hel- fen → Dativ‘. Diese Verben können ein persönliches Passiv bilden.
„Siamo stati aiutati dai vicini. (Es ist uns ...geholfen worden.)“ (da For- no/de Manzini, 6 2002, 294)
Wiederum gibt es italienische Verben, die, anders als im Deutschen, mit dem Dativ stehen, wie beispielsweise ‘telefonare a qcn. → Dativ‘ ‘jmd. anrufen → Akkusativ‘. Bei diese Verben muss das Passvi pa- raphrasiert werden.
„Gli hanno telefonato ieri sera. (Man hat ihn ... angerufen.)“ (da Forno/ de Manzini, 6 2002, 294)
2. Das Passiv im Italienischen Das Italienische kennt fünf Formen des Passivs. Vor allem in der itaienischen Schriftsprache sind sie sehr häufig vorzufinden. Dagegen [...] „finde(n) (sie) in der gesprochenen Sprache weniger Verwendung (...)“ (Reumuth/Winkelmann, 6 2001) Im Folgenden werden die Passivformen getrennt voneinander vorgestellt.
2.1. Das essere-Passiv
Die im Italienischen am häufigsten verwendete Passivform stellt das essere-Passiv dar. „La modalità fondamentale per esprimere il pas- sivo è il ricorso all’ausiliare essere (...)“ (Serianni, 1989, 326)
Es wird mit dem Hilfsverb essere + Partizip Perfekt gebildet. Das Verb kongruiert hierbei [...] „ in Genus und Numerus mit dem Subjekt:
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Le case sono vendute (...)“ (Figge, de Matteis, 2 1979, 80)
Das essere-Passiv kann sowohl in den einfachen, als auch in den zusammengesetzten Zeiten verwendet werden und unterliegt somit kei- nerlei distributioneller, wohl aber kommunikativen und semantischen (s.u.), Beschränkungen. (Schwarze, 2 1995, 181)
Das essere-Passiv wird häufig als Zustandspassiv bezeichnet. „Es- sere + Partizip Perfekt drückt in der Regel einen Zustand aus.“ (Da Forno, de Manzini, 6 2002, 293)
Unter bestimmten Umständen jedoch kann das essere-Passiv auch als Vorgangspassiv definiert werden. Dies ist unter zwei Gegebenheiten der Fall.
Schwarze argumentiert, dass das Verb essere nicht nur [...] „Au- xiliar des Passivs, sondern auch das Kopulaverb 1 ‘sein‘ ist, (...)“ (Schwar- ze, 2 1995, 181) Daraus ergibt sich eine Ambiguität , die die eindeutige Zu- ordnung der vorliegenden Passivform nicht zulässt, denn wie der folgende Beispielsatz zeigt, kann ein Satz dann potentiell auf zweierlei Weisen übersetzt werden:
La finestra è aperta. Das Fenster ist offen.
La finestra è aperta. Das Fenster wird geöffnet.
Außerdem liegt diese Mehrdeutigkeit besonders vor bei transitiven Verben, die [...] „die semantische Eigenschaft (haben), daß ihre Partizipien des Perfekts
diejenigen Zustände bezeichnen können, die sich aus den durch das Verb
bezeichneten Handlungen ergeben.“ (Schwarze, 2 1995, 181), wie im Falle des Verbs aprire ‘öffnen‘, dessen PP ’aperto‘ sowohl den Zu- stand ‘offen‘ als auch den Vorgang ‘öffnen bzw. geöffnet‘ bezeichnen kann.
1 Kopula = Verbform, die die Verbindung zwischen Subjekt u. Prädikativ (Prädikatsnomen)
herstellt; Duden, Band 5 Fremdwörterbuch, 7 2001
5
Reumuth / Winkelmann relativieren diese prinzipielle Ambiguität und liefern eine „Faustregel“, die die eindeutige Zuordnung erleichtern soll. Laut den beiden ist essere + PP eindeutig als Zustandspassiv zu bezeich- nen, wenn das Verb im Präsens oder Imperfekt steht und keine nähere Bestimmung bei sich hat. (Reumuth / Winkelmann, 6 2001, 291) Unter ei- ner näheren Bestimmungen verstehen sie die Angabe des Agens, des Trägers des durch das Verb ausgedrückten aktiven Verhal-tens. (Duden, Bd.5, 7 2001)
Due persone sono state investite dal camion.
Zwei Personen sind vom Lastwagen überfahren worden.
(Reumuth / Winkelmann, 6 2001, 290)
Schwarze erweitert diese Regel um drei weitere wichtige Unter- scheidungskriterien. Legt das Verb eine Interpretationsmöglichkeit als Zu- standsbezeichnung nicht nahe, steht das Verb im Perfekt, einem Tempus, das für die Bezeichnung von Zuständen untypisch ist, oder enthält der Satz eine weitere Angabe, ein weiteres Adjunkt, so liegt eindeutig ein es- sere-Vorgangspassiv vor. (Schwarze, 2 1995, 182)
2.2. Das venire-Passiv
Neben dem essere-Passiv findet auch das venire-Passiv, [...] „das sich neben der mit essere gebildeten Form immer mehr durchsetzt (.),“ (Holtus/Pfister, 1985, 60) sehr häufig Verwendung.
Analog zum essere-Passiv wird es mit dem Hilfsverb essere + PP gebildet und kongruiert ebenfalls im Genus und Numerus mit dem Subjekt. (da Forno / de Manzini, 6 2002, 293) Le case vengono vendute. (Figge, de Matteis, 2 1979, 80)
Im Gegensatz zum essere-Passiv unterliegt es jedoch distributio- nellen Beschränkungen, denn es [...] „ist in allen zusammengesetzten Tempora und im Imperativ ausgeschlossen.“ (Schwarze, 2 1995, 182) Das venire-Passiv in den einfachen Zeiten gilt eindeutig als Vorgangspassiv.
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Gina Mero, Alessandra Gusatto, 2004, 'Passiv und unpersönliche Konstruktionen im Italienischen und im Deutschen', Munich, GRIN Publishing GmbH
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