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Einleitung 3 - 4 Odin - Der höchste Gott 5 - 8
Odins Liebschaften und seine Nachkommen 9 - 14
Odin als Gestaltenwandler und seine Namen 15 - 17 F a z i t 1 8 Quellenverzeichnis 19 - 20
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Einleitung
Die nordische Mythologie bietet uns eine komplexe und oft verwirrende Einsicht in die germanische Götterwelt. Sie ist Zeugnis einer Zeit, in der die Menschen nicht nur an einen, sondern an viele Götter glaubten.
Die Edda, eine in Versform verfasste Sammlung von Götter- und Heldenliedern, ist eine Zusammenstellung von Geschichten und Ereignissen rund um die Götter und Helden des germanischen Glaubens.
Die Forschung unterscheidet heute zwischen zwei Eddas: die Ältere Edda und die Jüngere Edda. Bei der Älteren Edda handelt es sich um eine Handschriftensammlung, die unter dem Namen Codex Regius bis 1971 in Kopenhagen aufbewahrt war, bevor sie nach Island zurück überführt wurde. Der Bischof Brynjólfur Sveinson machte sie 1643 dem dänischen König Frederik III. zum Gerschenk. Sie wurde um 1270 in schriftlicher Form verfasst 1 , jedoch ist bis heute unklar, von wem. Der Bischof glaubte, dass sie von dem isländischen Gelehrten Sæmundur Fróði Sígfússon niedergeschrieben wurde, doch kann man heute belegen, dass sie etwa 200 Jahre nach Sígfússon entstanden ist. 2 Die Schriften der Götterlieder beginnen mit der Völuspá („Die Weissagung der Seherin“), gefolgt von den drei Odingedichten Hávamál („Gedichte des Hohen“), Vafþrúðnismál („Das Wafthrudnir-Lied“) und Grímnismál („Das Grimnir-Lied“). Das Fryr-Lied, die Skírnismál („Skirnis-Ritt“), schließt sich an. Es folgen vier Gedichte des Thor: Hárbarðsljóð („das Harbard-Lied“), Hymiskviða („Das Hymir-Lied“), Lokasenna („Zankreden Lokis“) und Þrymskviða („das Thrym-Lied“). Letztendlich bilden Völundarkviða („Das Wölund-Lied“) und Alvíssmál (Das Alwis-Lied“) den Schluss, auch wenn diese beiden Lieder nicht immer zu den Götterliedern gezählt werden. 3 Nach den Götterliedern sind eine Reihe von Heldenliedern aufgeführt, denen ich mich in dieser Arbeit jedoch nicht weiter widmen werde.
Unter der Jüngeren Edda versteht man die Handschriften, die um 1220 von Snorri Sturluson auf Island verfasst wurden. 4 Während die Ältere Edda in zwei Gruppen, die Götterlieder und die Heldenlieder, aufgeteilt ist, welche sich weiterhin in mehrere Untergruppen aufteilen 5 , besteht die Jüngere Edda aus drei Teilen: der Gylfaginning, der Skaldskarpamál und der Háttatal. Die Gylfaginning ist eine sehr umfassende Darstellung der gesamten Götterwelt. Die
1 Uecker, Heiko: Geschichte der altnordischen Literatur, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2004, S. 197
2 Uecker, Heiko: Geschichte der altnordischen Literatur, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2004, S. 191
3 Uecker, Heiko: Geschichte der altnordischen Literatur, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2004, S. 195
4 Stange, Manfred Dr. (Hrsg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, Marixverlag GmbH, Wiebaden 2004, S. 359
5 Stange, Manfred Dr. (Hrsg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, Marixverlag GmbH, Wiebaden 2004, S. 361
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Skaldskarpamál berschreibt die Regeln der Skaldendichtung. Die Háttatal sind Lieder und Gedichte, die Snorri Sturluson zum grossen Teil dem norwegischen König gewidmet hat. 6 Beide Schriften, sowohl die Jüngere Edda als auch die Ältere Edda, gelten als zwei der wertvollsten Niederschriften, die in der Literatur zu finden sind. In beiden Eddas wird zwischen zwei Arten von Göttern unterschieden: den Wanen und den Asen. Wer die Edda liest, erkennt schnell, dass der Gott Odin eine der Hauptfiguren ist und in fast jedem Lied zumindest eine kleine Rolle spielt.
In der Älteren Edda wird Odin oft aus Sicht einer dritten Person beschrieben, doch spricht er in vielen Liedern auch selbst. In der Gylfaginning ist es Odin die Gestalt von Hár, der dem König Gylfi Rede und Antwort steht und die Göttergeschichten erzählt. Daher widme ich diese Arbeit in erster Linie diesem Gott und seiner komplexen Figur. Ich werde sein Wesen und seinen verworrenen Stammbaum darstellen und seine außergewöhnliche Rolle in der germanischen Götterwelt beschreiben.
6 Stange, Manfred Dr. (Hrsg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, Marixverlag GmbH, Wiebaden 2004, S. 387-388
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Odin - Der höchste Gott
Die altisländische Bedeutung des Namens Oðinn geht auf das Wort für „Inspiration“ oder
auch „Wut“ hervor. Im Isländischen ging der Anfangsbuchstabe „W“ im Laufe der Zeit verloren, jedoch ist er im Altfränkischen und Altsächsischen noch vorhanden. 7 Hier lautet der
Gottesname Wodan und Woden, woraus das englische Wort für Mittwoch, „Wednesday“, entstanden ist. Im Schwedischen ist sein Name Oden, daher wurde ihm ebenfalls das schwedische, norwegische und dänische Wort „Ondsdag“ für Mittwoch gewidmet. Snorri Sturluson schreibt: „Odin ist der höchste und älteste der Götter; er regiert alles, und so mächtig die anderen Götter auch sind, sie dienen ihm alle wie Kinder ihrem Vater“. 8
Odin ist Sohn des Urriesen Borr, mit dessen Vater Buri alles anfing, als die Urkuh Audhumbla diesen aus dem Eis leckte. Odins Mutter ist Bestla; sie ist die Tochter des Urriesen Bölthorn. Er ist von hoher Gestalt, hat einen langen Bart und trägt einen weiten dunklen Mantel, der den nächtlichen Himmel wiederspiegelt. Er wohnt in Asgard, der Götterburg der Asen. Dort hat er seinen Hochsitz Hlidskjalf, von dem er die gesamte Welt überblicken kann. Er beherrscht die neun Welten, welche sich um den Weltenbaum Yggdrasil anordnen: Asgard (Welt der Asen), Vanheim (Welt dar Wanen), Midgard (Welt der Menschen), Jötunheim (Welt der Riesen), Muspelheim (feurige Welt), Alfheim (Welt der Alfen), Svartalfheim (Welt der Zwerge), Hel (Das Totenreich) und Niflheim (kalte Welt). In der Grímnismál beschreibt Odin zwölf Höfe, auf denen die Asen wohnen. 9 Er selbst
bewohnt drei Höfe: Valaskjalf, der mit Silber eingedeckt ist; Sökkvabekkr, in dem Odin mit Saga, der Göttin der Dichtkunst, aus Goldbechern trinkt; und Glaðsheimr, in dem sich die Walhall ausdehnt, in welche Odin die gefallenen Krieger aufnimmt:
„Bær er sá inn þriði, „Dieser Hof ist der dritte, er blíð regin
silfri þökðu sali; Valaskjalf heitir, er vélti sér
áss í árdaga.“ „Sökkvabekkr heitir inn fjórði, „Kleinodbank heißt der vierte, en þar svalar knegu doch kühle Wellen unnir yfir glymja; rauschen über ihm. 7 http://www.eldaring.de/modules.php?name=News&file=article&sid=91
8 Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1984, S. 293
9 Genzmer, Felix: Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen, Heinrich Hugendubel Verlag, München 2004, S. 55-56
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þar þau Óðinn ok Sága Odin und Saga drekka um alla daga
glöð ór gullnum kerum.“ “Glaðsheimr heitir inn fimmti, þars in gullbjarta Valhöll víð of þrumir; en þar Hroftr kýss Odin aber hverjan dag
vápndauða vera.“
Zusammen mit seinen Brüdern Hönir und Lodr war Odin der erste Gott. Mit ihnen tötete er den Urriesen Ymir und aus seinen Körperteilen erschufen sie die Welt. Die Erde entstand aus
seinem Fleisch, aus seinen Zähnen erschufen sie die Steine und Felsen und das Meer aus
seinem Blut. Ymirs Haare wurden zu den Bäumen und seine Augenbrauen formten Midgard,
wo die Menschen leben. Sein Gehirn wurden die Wolken und seinen Schädel nahmen sie für
den Himmel. 11
Mit Hönir und Lodr hat er ebenfalls das erste Menschenpaar Askr („Esche“) und Embla
(„Ulme“) geschaffen. Ähnlich wie Adam und Eva im Christentum waren Askr und Embla im
germanischen Glauben die ersten Menschen, aus denen das heutige Menschengeschlecht
abstammt. Die Brüder schnitzten sie aus zwei Baumstämmen, die sie am Meeresstrand
fanden. Hönir gab ihnen das Gefühl, den Verstand und die Beweglichkeit. Lodr vermachte
ihnen ihr Antlitz, ihre Erscheinung, ihr Gehör und legte ihnen die Sprache in den Mund. Odin
hauchte ihnen Leben und Atem ein und gab ihnen einen Geist und eine Seele 12 :
“Önd þau né áttu, “Nicht hatten sie Seele, óð þau né höfðu, nicht hatten sie Sinn, lá né læti
né litu góða; önd gaf Óðinn, óð gaf Hænir, lá gaf Lóður
og litu góða.“
Odin hat viele Begleiter, die ihm helfen, die Welten zu überwachen. Er besitzt das achtbeinige Pferd Sleipnir („Das Gleitende“), welches schneller ist als der Wind und auf jedem Element
laufen kann. Loki brachte es zur Welt, als er in Form einer Stute den Hengst Svadilfari des
10 Genzmer, Felix: Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen, Heinrich Hugendubel Verlag, München 2004, S. 55
11 http://de.wikipedia.org/wiki/Ymir
12 http://www.dasschwarzenetz.de/index.htm
13 Genzmer, Felix: Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen, Heinrich Hugendubel Verlag, München 2004, S. 34
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Quote paper:
Franziska Drax, 2006, Odin und seine Rolle in der germanischen Götterwelt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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