Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 2
2. DIE SCHWEIGESPIRALE 3
2.1 DIE KONZEPTION. 3
2.2 DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG 5
2.3 DIE MASSENMEDIEN 5
3. ZUSAMMENFASSUNG DER KRITIK 7
4. EMPIRIE UND FAZIT 9
4.1 EIN KLEINER, EMPIRISCHER VERSUCH. 9
4.2. FAZIT 11
5. LITERATURANGABEN UND ANHANG 12
1
1. Einleitung
Es gibt nur wenige Theorien in den Kommunikationswissenschaften, die so kontrovers und heftig diskutiert worden sind, wie die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann. Das in den 1970er Jahren entstandene Werk Noelle-Neumanns „Die Schweigespirale - öffentliche Meinung - unsere soziale Haut“ 1 , wurde einerseits als neue, Bahn brechende Theorie der öffentlichen Meinung und andererseits als völliger Unsinn bezeichnet. Mit Hilfe ihrer Theorie versucht die Wissenschaftlerin in ihrem populären und aufwendig aufgemachten Buch Massenkommunikation und öffentliche Meinung zu assoziieren. Noelle-Neumann suchte weiterhin danach Politologie, Soziologie und andere Sozialwissenschaften in ihr neues Konzept mit einzubringen. In einer angeblich „theorielosen Zeit“ 2 geht Noelle-Neumann sowohl auf das Publikum als Rezipienten, als auch auf den Einfluss von Medien und Kommunikatoren ein und verursacht dadurch eine internationale Diskussion um die Schweigespirale. 3
In der folgenden Proseminararbeit soll nun diese, anscheinend Aufsehen erregende Konzeption der Schweigespirale vorgestellt und die Kritik an der Theorie in Kürze erläutert werden. In einer abschließenden kleinen, empirischen Untersuchung inklusive eines Fazits soll danach herausgefunden werden, ob die Schweigespirale auch in der heutigen politischen Situation noch Aktualität besitzt oder nicht. Doch nun zunächst zum eigentlichen Konzept.
1 (Vergleiche: Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Schweigespirale - öffentliche Meinung - unsere soziale Haut;
München 1980)
2 (Vgl.: Atteslander, Peter: Ist Medieneinfluss bei Wahlen messbar?; in: Media Perspektiven, 9/80, S.600)
3 (Deisenberg, Anna-Maria: Die Schweigespirale: Die Rezeption des Modells im In und Ausland, S.51ff.;
München 1986)
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2. Die Schweigespirale
Die Theorie wurde von Noelle-Neumann mit besonderem Blick auf die Wirkung des Fernsehens konzipiert. Es ist eine Theorie der mächtigen Medien, die einen erheblichen Einfluss auf die jeweiligen Rezipienten haben können. 4 Nach der Schweigespirale kann eine verzerrte Medienberichterstattung im Laufe der Zeit Beeinflussungs-, und Wahrnehmungsvorgänge außer Kraft setzen, wodurch eine große, öffentliche Meinungsmanipulation in Gang gebracht werden kann.
2.1 Die Konzeption
Um dieses Axiom beweisen z können, geht Noelle-Neumann vor allem auf die Bundestagswahlen von 1965 und 1972 ein. 5 Die überraschend klare Niederlage der SPD 1965 stellte sie ebenso vor ein Rätsel, wie der Untergang der CDU/CSU bei den Wahlen 1972. In beiden Fällen sagten demoskopische Institute weitaus knappere Ergebnisse voraus Allensbach und Co prophezeiten ein Kopf und kopf rennen Voraus, in beiden Fällen landete die Siegerpartei jedoch bei fast 50%. 6 Nur durch das Fernsehen und in Folge des überzeugenderen Auftretens der Anhänger der jeweiligen Siegerpartei, sei die nach Noelle-Neumann zu erklären. Eine Schweigespirale ist also vor der Bundestagswahl in Gang gesetzt worden. Schweigespirale bedeutet also, dass eine reale Minderheitenmeinung durch unter anderem Massenmedien und die dort auftretenden Kommunikatoren, als Mehrheitsmeinung dargestellt werden kann. 7 Wenn zum Beispiel die Mehrheit der Deutschen nicht für die Todesstrafe wäre, in den Medien die Meinung pro Todesstrafe allerdings stark vertreten ist, erzeuge dies in den Menschen den Glauben, die Mehrheit sei tatsächlich für diese Bestrafungsform.
4 (Vgl.: Noelle-Neumann: Schweigespirale, S.13-21)
5 (Vgl.: Noelle-Neumann, Elisabeth: The spiral of silence: A Theory crosses National Boundaries; in: Nimmo,
Dan / Sounders, Keith / Lee Kaid, Lynda: Political Communications Yearbook; Illinois 1984)
6 (Vgl.: Noelle-Neumann, Elisabeth: Das doppelte Meinungsklima in: Noelle-Neumann: Wahlentscheidung in
der Fernsehdemokratie; Freiburg 1980)
7 (Vgl.: Noelle Neumann: Die Schweigespirale, S.23-56)
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Durch bestimmte menschliche Eigenschaften wird diese reale Minderheitenmeinung über die Massenmedien zur realen Mehrheitsmeinung. Die Folge: die Stimmung kippt. Medien sind also mit Hilfe von selbstbewusst auftretenden Kommunikatoren in der Lage, eine eigene Wirklichkeit aufzubauen, die eigentliche Majoritätsmeinung verstummt nach und nach und eine Schweigespirale wird in Gang gesetzt, an deren Ende ein Stimmungsumschwung steht. Dadurch dass viele Menschen, laut Noelle-Neumann, Angst davor haben sozial isoliert zu werden, akzeptiert die eigentliche Mehrheit die auftrumpfende Minderheit und übernimmt deren Meinung. 8 Der Mensch als „zoon politikon“ 9 fürchtet Konformitätsdruck und Isolation und ergibt sich der „Tyrannei der Mehrheit“ 10 , er beginnt sogar die Meinung selbst ernsthaft zu verfechten. Neben Anpassungsdruck und Isolationsangst, macht Noelle-Neumann vor allem das so genannte „Quasi-statistische Wahrnehmungsverhalten“ 11 für das Phänomen der Schweigespirale verantwortlich. Nach diesem Verhalten scannt jeder Mensch ständig seine Umwelt und die Mitmenschen nach dem jeweiligen Meinungsklima, um sich gegebenenfalls anzupassen. Nur tote Fische schwimmen also gegen den Strom. Menschen gehen mit dem Meinungsklima nicht nur aus Angst konform, sondern auch, weil sie sich, um ihre Zukunft kümmern wollen und um ihr eigenes Selbstbewusstsein zu stärken. Nur intellektuelle und höher gestellte Personen der Avantgarde 12 oder von ihrer Meinung sehr überzeugte Menschen, können diesen Einflüssen ausweichen und der Schweigespirale widerstehen. Mächtige Medien stehen also einem schwachen Menschen à la David Hume gegenüber, Menschen, die nicht einmal fähig sind, ihre eigene Meinung fest vertreten zu können. 13 Noelle-Neumann beweist ihre Theorie der Schweigespirale ebenfalls durch Anklänge verschiedener Theoretiker, wie John Locke 14 , James Madison 15 , Jean-Jacques Rousseau 16 , Tocqueville 17 , Edward Rose 18 und Walter Lippmann 19 .
8 (Vgl.: Deisenberg: Die Schweigespirale, S.14)
9 (Vgl.: Aristoteles: Nikomachische Ethik, Buch I; Stuttgart 2003)
10 (Vgl.: de Tocqueville, Alexis: Über die Demokratie in Amerika, Stuttgart 2000)
11 (Vgl.: Noelle-Neumann: Die Schweigespirale, S.27)
12 (Vgl.: Deisenberg: die Schweigespirale, S. 17)
13 (Vgl.: Hume, David: Untersuchungen über die Prinzipien der Moral, Kapitel II; Stuttgart 1984)
14 (Vgl.: Noelle-Neumann: die Schweigespirale, S.96ff.)
15 (Ebenda: S.103-110)
16 (Ebenda: S.112-122)
17 (Ebenda: S.124ff.)
18 (Ebenda: S.132-135)
19 (Ebenda: S.206-217)
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Arbeit zitieren:
Stefan Plenk, 2006, Die Theorie der Schweigespirale nach Elisabeth Noelle-Neumann, München, GRIN Verlag GmbH
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