Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abbildungsverzeichnis. III
Tabellenverzeichnis. III
Abkürzungsverzeichnis IV
Einführung 1
Gegenstand und Aufbau der Arbeit. 3
1. Charakterisierung operationeller Risiken. 4
1.1. Definition 4
1.1.1. Definitionsansätze operationeller Risiken. 5
1.1.2. Unterscheidung der Risikoarten nach Basel II. 6
1.2. Kategorisierung operationeller Risiken. 9
1.2.1. Personenrisiken 10
1.2.2. Prozessrisiken. 12
1.2.3. Systemrisiken 13
1.2.4. Externe Risiken 13
1.3. Empirische Daten 15
2. Messung operationeller Risiken. 19
2.1. Aufsichtsrechtliche Bewertung von operationellen Risiken 20
2.1.1. Basisindikatoransatz (BIA) 22
2.1.2. Standardansatz (STA) 23
2.1.3. Ambitionierter Ansatz (AMA) 25
2.1.3.1. Interner Bemessungsansatz (IBA) 27
2.1.3.2. Verlustverteilungsansatz 28
2.1.3.3. Scorecard-Ansatz 29
2.2. Messmethoden 30
2.2.1. Identifikation operationeller Risiken. 32
2.2.1.1. Risikoinventur und Self-Auditing 32
2.2.1.2. Risikoindikatoren 33
2 2 1 3 Prozessrisikoanalyse 35
Inhaltsverzeichnis II
2.2.2. Bewertung operationeller Risiken. 36
2.2.2.1. Value-at-Risk-Modelle. 37
2.2.2.2. Szenarioanalyse. 39
2.2.2.3. Elastizitätenkonzept 40
2.3. Kritische Bewertung der Messung operationeller Risiken. 41
2.3.1. Kritische Würdigung der bankexternen Bewertungsansätze 41
2.3.2. Kritische Würdigung der bankinternen Messansätze. 45
3. Steuerung operationeller Risiken 50
3.1. Integration der Steuerung in den Risikomanagementprozess der Banken. 51
3.1.1. Instrumente zur Risikomodifikation 54
3.1.2. Kritische Betrachtung dieser Instrumente. 57
3.2. Alternative Risikotransferinstrumente 59
3.2.1. Versicherung operationeller Risiken. 59
3.2.2. Verbriefung operationeller Risiken. 62
3.3. Ökonomische Eigenkapitalunterlegung 64
3.3.1. Prinzip der Risikotragfähigkeit 64
3.3.2. Risikodeckungspotenzial der Bank 66
3.3.3. Integration in die Gesamtbanksteuerung. 68
Fazit und Ausblick 70
Literatur- und Quellenverzeichnis 72
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Risikotriade
Abbildung 2: Ursachen operationeller Risiken.
Abbildung 3: Kategorisierung operationeller Risiken
Abbildung 4: Kurz- und langfristiger Nutzen des Managements und Controllings
operationeller Risiken
Abbildung 5: Kritische Erfolgsfaktoren bei der Implementierung des OR-
Managementprozesses.
Abbildung 6: Verwendungsgrad einzelner OR-Managementmethoden
Abbildung 7: Ansätze zur Behandlung operationeller Risiken gemäß
aufsichtsrechtlichen Vorgaben
Abbildung 8: Funktionsweise der Fehlerbaumanalyse und der Störablaufanalyse
Abbildung 9: Instrumente zur Steuerung operationeller Risiken im Überblick
Abbildung 10: Risikomanagementprozess.
Abbildung 11: Risk Map als Grundlage für Strategieentscheidungen.
Abbildung 12: Umwandlung wichtiger Kenntnisse in Kenntnisse der Organisation
Abbildung 13: Struktur einer Cat-Bond-Konstruktion
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Spektakuläre Beispiele für den Eintritt operationeller Risiken.
Tabelle 2: Strukturelle Unterschiede der Risikoarten
Tabelle 3: Vom BCBS definierte Beta-Faktoren
Tabelle 4: Indikatoren für operationelle Risiken
Tabelle 5: Risikoabdeckung durch FIORI
Tabelle 6: Hierarchische Abgrenzung von Risikodeckungsmassen in Kreditinstituten
IV Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Prozent %
Dollar $
und &
Paragraph § α Alpha
β Beta
γ Gamma
Ambitionierte Messansätze AMA
Bruttoertrag B
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BaFin Basel II
Basel Committee on Banking Supervision (Baseler Ausschuss) BCBS
Basisindikatoransatz BIA
beziehungsweise bzw.
circa ca.
Catastrophe-Bonds Cat-Bonds
das heißt d.h.
Elektronische Datenverarbeitung EDV
Exposure Indicator (Gefährdungsindikator) EI
Expected Loss (erwarteter Verlust) EL
eventuell evtl.
folgende f.
fortfolgende ff.
V Abkürzungsverzeichnis
Financial Institution Operational Risk Insurance
FIORI FMEA
gegebenenfalls ggf.
Handelsgesetzbuch HGB
Herausgeber Hrsg.
Bezeichnung der einzelnen Geschäftsfelder i
International Accounting Standards IAS
Interner Bemessungsansatz IBA
in der Regel i.d.R.
Informationstechnologie IT
Bezeichnung der einzelnen Risikotypen j
Eigenkapitalunterlegung K
Katastrophenfall K-Fall
Kreditwesengesetz KWG
Loss Given that Event (im Schadensfall entstandener Verlust) LGE
Mindestanforderungen für das Kreditgeschäft der Kreditinstitute MaK
maximal max.
Million(en) Mio.
möglich mögl.
Milliarde(n) Mrd.
ohne Jahrgang o. Jg.
Operationelle Risiken OpRisk
Value-at-Risk für operationelle Risiken OpVaR
Operationelle Risiken OR
VI Abkürzungsverzeichnis
Management operationeller Risiken ORM
Outside resource using Outsourcing
Return on Risk Adjusted Capital RoRAC
Seite S.
Schweizer Franken SFr
sogenannte sog.
Special Purpose Vehicle SPV
Standardansatz STA
unter anderem u.a.
United States US
vor allem v.a.
Value-at-Risk VaR
vergleiche vgl.
zum Beispiel z.B.
Einführung 1
Einführung
Hervorgerufen durch bankaufsichtsrechtliche Vorgaben, insbesondere durch die Gestaltung der derzeit letzten Konsultationspapiere von Basel II zeichnet sich seit einigen Jahren auch eine deutliche Sensibilisierung der Bankführungskräfte für die Problematik der „operationellen Risiken“ (OpRisk) im Unternehmen ab. Nachdem die Thematik offensichtlich jahrelang vernachlässigt wurde, rückt diese Risikoart - neben Markt- und Kreditrisiken - zunehmend in den Fokus des Managements. Ausschlaggebend für das gestiegene Interesse waren zudem die gravierenden Verlustvorfälle, die in der Vergangenheit in einzelnen Banken aufgetreten sind. Das populärste Beispiel - der Ruin der Barings-Bank - zeigt die schwerwiegenden Folgen einer betrügerischen Handlung eines einzelnen Mitarbeiters (Nick Leeson) deutlich auf. Die durch das Kreditinstitut unzureichend kontrollierte Spekulationsbereitschaft ihres Derivathändlers Leeson sowie die mangelnden internen und externen Kontrollen der Geschäfte führten zur Insolvenz des renommierten Bankhauses. Ein Erdbeben in Kobe, Japan, verursachte immense wirtschaftliche Schäden, welche sich wiederum auf die Kurssituation an den Wertpapiermärkten auswirkten. Die getätigten Devisengeschäfte brachten in Folge dessen enorme Verluste 1 mit sich. Ende Februar 1995 wurde das Traditionshaus von der britischen 2 Bankenaufsicht geschlossen.
Ein weiteres bekanntes Beispiel für operationelle Risiken, stellt der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11.09.2001 dar und verdeutlicht die extremen Auswirkungen von externen Ereignissen.
Diese beiden spektakulären Fälle aus der Vergangenheit stellen nur eine kleine Auswahl möglicher Folgen operationeller Risiken dar. Täglich werden Banken mit Problemen konfrontiert, die sie managen müssen. Allein durch ihre Geschäftstätigkeit gehen sie
1 Vgl. Peachey, Alan: Finanzdesaster im Banking - Operationelle Risiken, wo die Theorie versagt!, in:
Eller, Roland / Gruber, Walter / Reif, Markus (Hrsg.): Handbuch Operationelle Risiken, Stuttgart 2002,
S. 331.
2 Vgl. o.V., Nick Leeson und der Konkurs der Barings-Bank 1995, Quelle:
http://www.börsenverlag.de/wissen/geschichte, online vom 05.06.2005.
Einführung 2
Risiken operationeller Art ein. Neben unmittelbar eintretenden finanziellen Folgen wirken sich langfristig auch eine negative Reputation und eine abnehmende Kundenbindung auf den Geschäftserfolg aus. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein negatives Ereignis über die Medien nach außen getragen wird. Das Bestreben der Banken, den 3 höchsten Ansprüchen der Kunden zu genügen, kann folglich nur schwer erfüllt werden. Nachfolgende Tabelle zeigt abschließend weitere bekannte Fälle, die durch operationelle Risiken verursacht worden sind.
4 Tabelle 1: Spektakuläre Beispiele für den Eintritt operationeller Risiken
Institution Mitarbeiter Verlusthöhe Verlustursache
Sumitomo Bank Yasuo Hamanaka 1,8 Mrd. US-$ Betrug, Versagen von (Tokio) (Juni 1996) Kontrollmechanismen Daiwa Bank Toshihide Iguchi 1,1 Mrd. US-$ Betrug, Versagen von (New York) (Juli 1995) Kontrollmechanismen Barings Bank Nick Leeson 1,2 Mrd. US-$ Betrug, Versagen von (Singapur) (Februar 1995) Kontrollmechanismen Schweizer Ernst Kuhrmeier 2,2 Mrd. SFr Kompetenzüber- Kreditanstalt (April 1977)
3 Vgl. Münchbach, Dominik: Management der operationellen Risiken des Private Banking, Bamberg
2001, S. 1.
4 Eigene Darstellung in Anlehnung an: Faisst, Ulrich / Huther, Andreas / Schneider, Karen: Management
operationeller Risiken (Status, Systemanforderungen und Perspektiven), in: Kredit & Rating Praxis, o.
Jg., 2002, Ausgabe 3/2002, S. 26.
3 Gegenstand und Aufbau der Arbeit
Gegenstand und Aufbau der Arbeit
Vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die aktuellen Instrumente vermitteln, derer sich die Banken zur Identifizierung, Quantifizierung und Steuerung dieses Risikos bedienen. In diesem Zusammenhang werden die einzelnen Methoden kritisch durchleuchtet. Es zeigt sich im Verlauf der Arbeit, dass die Thematik „operationelle Risiken“ durch die künftig zwingend vorgeschriebene Anrechnung auf das Eigenkapital der Bank zu einem der bestimmenden Faktoren im Wettbewerb wird. Im ersten Hauptteil werden dem Leser die Grundlagen und Definitionsansätze dieser Risikoart näher aufgezeigt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Einordnung der operationellen Risiken in die diversen Risikoarten sowie ihre Kategorisierung. Im Anschluss daran vermitteln empirische Daten einen Eindruck darüber, in welchem Umfang sich Banken bereits mit dieser Risikoart beschäftigen. Im zweiten Teil folgt eine intensive Auseinandersetzung mit der Messung operationeller Risiken. Dieser Abschnitt beschäftigt sich vor allem mit deren Identifikation und Bewertung. Zu Beginn wird hier auf die aufsichtsrechtlichen Vorgaben nach Basel II eingegangen sowie praxisrelevante Messmethoden vorgestellt. Schließlich erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Vorgaben und Instrumenten. Im dritten Hauptteil werden die Methoden zur Steuerung operationeller Risiken behandelt. Nach einer Eingliederung in den Risikomanagementprozess erfolgt der Verweis auf alternative Risikotransferinstrumente. Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf mögliche Gestaltungsempfehlungen zur ökonomischen Eigenkapitalunterlegung.
4 1. Charakterisierung operationeller Risiken
1. Charakterisierung operationeller Risiken
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit sollen die Grundlagen für die enorme Bedeutung der Thematik „operationelle Risiken“ aufgezeigt werden. Im Folgenden werden auf die möglichen Definitionsansätze dieser Risikoart und deren Eingliederung in die Risiken im Sinne von Basel II eingegangen. Im Rahmen einer Kategorisierung dieser Risikoart werden gleichzeitig die vielfältigen Ausprägungen operationeller Risiken aufgezeigt. Im Anschluss daran wird mit Hilfe empirischer Daten die Praxisrelevanz des Managements von operationellen Risiken verdeutlicht.
1.1. Definition
Der Begriff „Risiko“ allein ist weder aus seiner umgangssprachlichen Verwendung und Herkunft noch vor dem Hintergrund umfassender wissenschaftlicher 5 Untersuchungsansätze eindeutig vorgegeben. Dennoch kann der klassische
Risikobegriff als die mögliche Schadens- und Verlustgefahr aufgrund negativer 6 Beeinflussung einer geplanten Zielsetzung oder Strategie aufgefasst werden. Allein die
Vielzahl an Naturkatastrophen und Terroranschlägen, die sich in der Vergangenheit ereignet haben, verweist auf die hohe Wahrscheinlichkeit des Eintritts von Gefahren. Zu beachten ist, dass Banken bereits mit Aufnahme der Geschäftstätigkeit in hohem Maße operationellen Risiken ausgesetzt sind. Die Wahrnehmung von Ertragschancen ist zugleich immer mit der Bereitschaft zur Übernahme von Risiken verbunden. So gehört es traditionsgemäß zu den Kernaufgaben der Banken, Risiken zu beurteilen, zu bewerten und gegebenenfalls zu übernehmen. Risiken werden über ihre 7 Eintrittswahrscheinlichkeit und die Höhe der negativen Abweichung gemessen.
5 Vgl. Dresig, Tilo: Handelbarkeit von Risiken, Wiesbaden 2000, S. 19.
6 Vgl. Kirchner, Michael: Risikomanagement, München und Mering 2002, S. 16.
7 Vgl. Piaz, Jean-Marc: Operational Risk Management bei Banken, Zürich 2002, S. 14.
5 1. Charakterisierung operationeller Risiken
1.1.1. Definitionsansätze operationeller Risiken
Die Literatur verweist auf eine Vielzahl von Definitionsansätzen zur Bestimmung operationeller Risiken. Diese haben sich jedoch in unterschiedlichem Maße durchgesetzt. Aufgrund der starken Intransparenz bezüglich Inhalt und Umfang ist das 8 Thema „operationelles Risikomanagement“ (ORM) äußerst komplex. Es hat in der
Vergangenheit wenig Konsens darüber bestanden, was unter dem Begriff der operationellen Risiken zu verstehen ist. Um diese Risikoart zu messen und effektiv zu steuern, ist eine konkrete inhaltliche Abgrenzung von großer Notwendigkeit. Im Jahre 1998 definierte die Europäische Kommission das operationelle Risiko als Restgröße aus der Differenz des Gesamtrisikos und weiterer Risikoarten (Marktpreis-, Kredit-, Liquiditäts- und Rechtsrisiko). Allerdings vermittelt dieser Ansatz nur einen 9 vagen Eindruck dieser Risikoart in Banken. 10 Die „Group of 30“ beschreibt das operationelle Risiko als „the risk of losses occurring 11 as a result of inadequate systems and control, human error, or management failure.“ Im Vergleich zum Entwurf der europäischen Kommission rückt dieser Ansatz das menschliche Versagen und die Entscheidungen des Managements in den Fokus der Betrachtungen. Die amerikanisch geprägte Interpretation sieht die Leitungsebene der Unternehmen als Vorbild in einer führungsbetonten Unternehmenskultur und ist somit 12 maßgeblich für das Ausmaß des operationellen Risikos. 13 Der Baseler Ausschuss (BCBS ) hat im Rahmen des zweiten Konsultationspapiers das
operationelle Risiko definiert als “the risk of loss resulting from inadequate or failed 8 Operationelles Risikomanagement (ORM) beinhaltet die Messung und Steuerung dieser Risikoart.
9 Vgl. Minz, Kirsten-Annette: Operationelle Risiken in Kreditinstituten, Frankfurt am Main 2004, S. 15,
in Verbindung mit Hoffman, Douglas G.: Managing Operational risk, New York 2002, S. 35.
10 Seit 1978 existierende Gruppe von Repräsentanten der Wirtschaft, die Empfehlungen zum Schutz der
Öffentlichkeit abgeben. Vgl. Utz, Erich R.: Bedeutung Operationeller Risiken aus Sicht von Banken
und Sparkassen, in: Eller, Roland / Gruber, Walter / Reif, Markus (Hrsg.): Handbuch Operationelle
Risiken, Stuttgart 2002, S. 101.
11 Vgl. van den Brink, Gerrit Jan: Operational Risk - Wie Banken das Betriebsrisiko beherrschen,
Stuttgart 2001, S. 1 (im Folgenden zitiert als „Operational Risk“). Sinngemäße Bedeutung des
englischen Textes: Gefahr von Verlusten infolge von unangepassten Systemen und
Kontrolleinrichtungen, menschlichen Versagens und Managementfehlern.
12 Vgl. Minz, Kirsten-Annette: S. 15 f. in Verbindung mit van den Brink, Gerrit Jan: Operational Risk,
S. 1 f..
13 BCBS: Basel Committee on Banking Supervision.
6 1. Charakterisierung operationeller Risiken
14 internal processes, people and systems or from external events”. Diese Interpretation
im Sinne von Basel II hat sich mittlerweile in Literatur und Praxis etabliert und soll daher im Folgenden die Grundlage für die weiteren Ausführungen bilden. „Operationelles Risiko ist die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und
Die vorstehende Definition beinhaltet einerseits Rechtsrisiken, schließt andererseits strategische Risiken sowie Reputationsrisiken aus. Strategische Risiken, beispielsweise resultierend aus Investitionsentscheidungen des Managements, stellen ein Problem der betriebswirtschaftlichen Steuerung durch die Geschäftsleitung dar, während Reputationsrisiken aufgrund Rufschädigungen entstehen. Beide Risiken sind äußerst 16 schwer zu messen und werden nicht in die Definition nach Basel II aufgenommen.
1.1.2. Unterscheidung der Risikoarten nach Basel II
Wie eingangs bereits erwähnt, haben sich die Banken lange Zeit nur indirekt mit operationellen Risiken auseinandergesetzt. Während die OpRisk in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft, wie z.B. dem Produktionsgewerbe, bereits fest institutionalisiert waren, hat erstmalig der Baseler Ausschuss das Thema im Rahmen der Bankenwelt explizit aufgegriffen.
Seit den Konsultationspapieren bildet das operationelle Risiko neben dem Marktpreis-und Adressenausfallrisiko die dritte entscheidende Risikoposition im Bankbetrieb. Die Gesamtheit der Risikoarten wird auch als „Risikotriade“ bezeichnet und in nachfolgender Abbildung veranschaulicht:
14 BCBS: Consultative Document Operational Risk, Basel 2001, S. 2.
15 BCBS: Drittes Konsultationspapier - Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, Basel 2003, S. 140.
16 Vgl. Wiedemann, Arnd: Risikotriade: Zins-, Kredit- und operationelle Risiken, Frankfurt am Main
2004, S. 233 (im Folgenden zitiert als „Risikotriade“).
7 1. Charakterisierung operationeller Risiken
17 Abbildung 1: Risikotriade
Die sehr heterogene und in zunehmendem Maße komplexe Risikolandschaft der Banken birgt die Problematik, dass sich die einzelnen Risikoarten nicht immer deutlich voneinander abgrenzen lassen. Seit den Bestimmungen von Basel II zur Eigenkapitalunterlegung in Banken ist es allerdings unumgänglich, die Risiken 18 voneinander zu trennen, um Doppelerfassungen von Risiken zu vermeiden. Unbeachtet dieser Trennung könnte nämlich ein Kreditausfall auch in Folge einer anderen als ursprünglich angenommenen Risikoart entstanden sein. Diesen Sachverhalt soll folgendes Beispiel verdeutlichen:
Ein vor fünf Jahren abgeschlossener Kredit fällt aus. Der Kredit wurde blanko gewährt, weil die damalige Lage des Kreditnehmers als positiv eingestuft wurde. Nach dem Ausfall ist zu hinterfragen, ob der entstandene Verlust auf das Adressenausfallrisiko zurückzuführen ist oder ob beispielsweise bei der Kreditvergabe die Bonität nicht eingehend geprüft wurde, also fahrlässig gehandelt wurde. Die Bonitätsprüfung hatte bereits damals deutliche finanzielle Schwierigkeiten des Unternehmens aufgezeigt. Die anfängliche Bewertung als Kreditrisiko müsste in diesem Falle korrigiert werden. Der Ausfall wäre somit auf ein operationelles Risiko zurückzuführen.
17 Eigene Darstellung in Anlehnung an: Minz, Kirsten-Annette, S. 2.
18 Vgl. Gramlich, Daniela / Gramlich, Stefan: Darstellung und Würdigung Operationeller Risiken im
Kontext von Basel II, in: Eller, Roland / Gruber, Walter / Reif, Markus (Hrsg.): Handbuch
Operationelle Risiken, Stuttgart 2002, S. 69.
8 1. Charakterisierung operationeller Risiken
Es ist somit von hoher Relevanz, genau zu prüfen, auf welche Ursachen ein Verlust 19 zurückzuführen ist. Zudem ist zu beachten, dass Schäden oft nicht nur auf einer 20 einzigen Ursache, sondern auf einem Bündel von Ursachen basieren. Die Trennschärfe 21 wäre aufgrund korrelierender Risikoarten stark eingeschränkt. Trotzdem müssen Anstrengungen unternommen werden, die Risikoarten bestmöglich voneinander zu trennen, ohne dabei den Fokus von möglichen Zusammenhängen abzuwenden.
Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Tatsache, dass das operationelle Risiko im Vergleich zu den beiden anderen Risikoarten einen deutlich höheren Ungewissheits-und Verlustfaktor in sich birgt.
Tabelle 2: Strukturelle Unterschiede der Risikoarten Ebene
Die besondere Bedeutung der OpRisk wird v.a. dadurch offensichtlich, dass Verluste daraus im Gegensatz zu den Marktpreis- und Kreditrisiko, unbegrenzt sein können. Die Problematik besteht darin, dass die Bereiche, in der sich OpRisk ereignen können, nicht eindeutig zu bestimmen sind. Während das Kreditrisiko über das Kreditportfolio der Bank abgeleitet wird, müssen zur Einschätzung der OpRisk diverse Sparten und Prozesse der Bank näher untersucht werden. Zudem sind OpRisk im Vergleich zu den
19 Vgl. Buzziol, Steffi: Operationelle Risiken managen, in: Bankinformation, o. Jg., 2004, Ausgabe
9/2004, S. 18.
20 Gemeint ist eine möglichst überschneidungsfreie Abgrenzung mehrerer Risikoarten.
21 Vgl. Einhaus, Christian: Operationelle Risiken - Grundlagen der aktuellen Diskussion, in: Sparkasse, o.
Jg., 2002, Ausgabe 11/2002, S. 489.
22 Eigene Darstellung in Anlehnung an: Kaiser, Thomas / Köhne, Marc Felix: Operationelle Risiken in
Finanzinstituten (Wege zur Umsetzung von Basel II und CAD 3), Wiesbaden 2004, S. 25.
9 1. Charakterisierung operationeller Risiken
beiden anderen Risikoarten stärker von der rasanten Entwicklung im Finanzdienstleistungsbereich betroffen. So werden fortlaufend Produktinnovationen, 23 neue Geschäftsfelder oder schnellere IT-Systeme entwickelt und eingeführt. Im Sinne einer ganzheitlichen Risikobetrachtung muss sich die Kreditwirtschaft daher der Herausforderung stellen, neben Kredit- und Marktpreisrisiken auch OpRisk effizient zu managen.
1.2. Kategorisierung operationeller Risiken
Die systematische Abbildung der operationellen Risiken ist eine Grundvoraussetzung, um gezielte Maßnahmen zur Steuerung des Risikos bestimmen zu können. Dies erfordert eine umfassende Sammlung von möglichen Ursachen operationeller Risiken. In nachfolgender Abbildung werden die wesentlichsten Ursachen operationeller Risiken aufgezeigt. Die einzelnen hier aufgeführten Punkte werden jedoch nicht näher erläutert.
24
Abbildung 2: Ursachen operationeller Risiken
23 Vgl. Peemöller, Fred A. / Friedrich, Renate: Operationelle Risiken - die neue Herausforderung, in:
Eller, Roland / Gruber, Walter / Reif, Markus (Hrsg.): Handbuch Operationelle Risiken, Stuttgart
2002, S. 44.
24 Eigene Darstellung in Anlehnung an: Wiedemann, Arnd: Qualitative Ansätze zur Identifikation und
Steuerung operationeller Risiken, in: Betriebswirtschaftliche Blätter, 51. Jg., 2002, Ausgabe 11/2002,
S. 529.
10 1. Charakterisierung operationeller Risiken
Wie bereits in Abschnitt 1.1.1. erläutert, definiert das BCBS das operationelle Risiko als Gefahr in Folge der Unangemessenheit bzw. des Versagens von Menschen, Systemen, 25 Verfahren bzw. Prozessen und externen Gegebenheiten. Diese Definition beinhaltet
jeweils eine Vielzahl an möglichen Ursachen und deckt das gesamte Spektrum der OpRisk, die in Banken auftreten können, ab.
Im nun folgenden Abschnitt wird auf die wesentlichen Kategorien der OpRisk näher eingegangen.
Zur besseren Übersicht über die einzelnen Risikokategorien werden diese in nachfolgender Abbildung graphisch dargestellt:
26 Abbildung 3: Kategorisierung operationeller Risiken
1.2.1. Personenrisiken
Der Aspekt der Personenrisiken hat insbesondere im Bankgeschäft eine enorme Bedeutung gewonnen, so dass dieses mit zu den personalintensivsten Dienstleistungsbereichen zählt. Der Produktionsfaktor Mensch ist hierbei in nahezu
25 Vgl. BCBS: Konsultationspapier: Überblick über die Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung, Basel
2003, S. 10.
26 Eigene Darstellung.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Betriebswirtin (FH) Barbara Eckmann, 2005, Kritische Analyse des Managements von operationellen Risiken in Banken, München, GRIN Verlag GmbH
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Management von operationellen Risiken in Kreditinstituten
BWL - Bank, Börse, Versicherung
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