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Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Begrifflichkeiten 3
1.1 Zielsetzung der Arbeit 3
1.2 Was ist Jiddisch 4
2 Entstehung der jiddischen Sprache 5
3 Jiddisch in Amerika 7
3.1 Immigration der Juden nach Amerika 7
3.1.1 Die ersten Immigranten sephardische und
aschkenasische Juden 7
3.1.2 Osteuropäische Immigration 8
3.2 Sprachkontakt mit dem amerikanischen Englisch 10
3.2.1 Textbeispiele jiddischer Sprecher 10
3.2.2 Einfluss des Jiddischen auf das amerikanische
Englisch 16
4 Fazit und Ausblick: Die jiddische Sprache heute und in der
Zukunft 19
Literaturverzeichnis 22
Anhang 24
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1 Einführung und Begrifflichkeiten
1.1 Zielsetzung der Arbeit
Die jiddische Sprache stellt aus mehreren Gründen einen interessan- ten Gesichtspunkt für die Sprachkontaktforschung dar. Zum einen ist sie eine aus mehreren Sprachkontaktsituationen heraus entstandene Sprache, nämlich zunächst im deutschen Sprachraum in erster Linie des Deutschen mit dem Hebräischen, das die Juden im religiösen Bereich verwendeten, und später dieses mit hebräischen Elementen durchsetzten Deutschen mit slawischen Sprachen. Zum anderen entstand im letzten Jahrhundert in den Vereinigten Staaten erneut eine Sprachkontaktsituation des Jiddischen mit dem Englischen, auf die hier besonders eingegangen werden soll.
In dieser Arbeit soll zunächst dargelegt werden, wie und unter wel- chen Bedingungen es zur Entstehung der jiddischen Sprache kam und was ihre einzelnen Komponenten sind. Im Hauptteil der Arbeit soll gezeigt werden, wie das heutige gesprochene Jiddisch in Ameri- ka aussieht. Hiefür wird zunächst auf die Immigration der Juden in die Vereinigten Staaten eingegangen um zu zeigen, wie die jiddische Sprache nach Amerika kam. Anhand von Textbeispielen jiddischer Sprecher soll anschließend veranschaulicht werden, wie das gespro- chene Jiddisch von in Amerika lebenden Sprechern aussieht und welche Einflüsse das Englische auf ihr Jiddisch genommen hat. In einem weiteren Kapitel soll gezeigt werden, welche - wenn auch ge- ringere - Einwirkung das Jiddische in bestimmten Gebieten auf das Amerikanische Englisch genommen hat. Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit der Situation des Jiddischen heute und in der Zu- kunft. Er soll Gründe für das drohende Aussterben der jiddischen Sprache aufzeigen, aber auch die Chance, dass das Jiddische zu- mindest in Fragmenten erhalten bleibt.
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1.2 Was ist Jiddisch?
Jiddisch vereinigt als seine drei Hauptbestandteile die Sprachen Deutsch, Hebräisch und slawische Sprachen. Das Deutsche in sei- ner früheren Form bildet die Grundlage des Jiddischen, trotzdem kann ein deutschsprachiger Sprecher, auch wenn ihm viele Ausdrü- cke bekannt vorkommen, das heutige Jiddische kaum verstehen, da sich beide Sprachen in unterschiedlicher Weise entwickelt haben. Jiddisch ist hervorgegangen aus mittelhochdeutschen Dialekten und entstand in seiner Urform im 13./14. Jahrhundert (Landmann 1962: 40).
Das Jiddische entstand als Nebensprache der Juden in Deutschland und rückte dann zu ihrer Hauptsprache in Osteuropa auf. Infolge his- torischer Ereignisse und Verfolgungen wurden die Juden über die ganze Welt verstreut und das Jiddische hat seine Bedeutung als Hauptsprache heute größtenteils eingebüßt (Weissberg 1988: 25).
Die Bezeichnung Jiddisch für diese Sprache ist relativ jung und taucht in deutschsprachigen Kontexten erst im 20. Jahrhundert auf. Sie leitet sich von der englischen Form Yiddish ab, die seit dem letz- ten Viertel des 19. Jahrhunderts dokumentiert ist. Das „Oxford English Dictionary“ (OED) bietet einen 1886 veröffentlichten Roman von Sir Walter Besant als Erstbeleg sowohl für das Substantiv als auch für das Adjektiv Yiddish an. Laut OED ist Yiddish eine Anglisie- rung des deutschen jüdisch, das eine Verkürzung von jüdisch- deutsch war. Ergänzend kann gesagt werden, dass es sich dabei nicht um eine direkte Übertragung aus dem Neuhochdeutschen han- delt, sondern aus der Sprache der nach England emigrierten Juden Osteuropas, in der sich durch die Entrundung des Vokals jüdisch zu jidisch gewandelt hatte (Simon 1993: 27).
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2 Entstehung der jiddischen Sprache
Bereits in der Antike gab es Juden auf deutschem Boden. Die erste Geschichtskunde über Juden in Deutschland stammt von Kaiser Konstantin aus dem Jahr 321. Ob diese jüdischen Gemeinden je- doch die Völkerwanderung überlebten, ist unklar; Zeugnisse über Juden in Deutschland gibt es erst wieder in der Karolingerzeit (Weissberg 1988: 22).
Im frühen Mittelalter hatten die Juden zwar eine rechtliche und wirt- schaftliche Sonderstellung, es bestand jedoch noch keine gesell- schaftliche Kluft zwischen Juden und Nichtjuden. Dies änderte sich 1215 mit dem Laterankonzil, das strenge Bestimmungen gegen die Juden mit sich brachte. So kam es zu jüdischen Zwangsghettos und mit der einhergehenden Isolation auch zu einer Eigenentwicklung der Sprache. Die Aufnahme hebräischer und aramäischer Wörter in den deutschen Wortschatz, die vorher schon vereinzelt im religiösen Be- reich stattgefunden hatte, nahm mehr und mehr zu. Auch der Klang der Sprache wurde dem Hebräischen etwas angeglichen und so ent- stand im 13. und 14. Jahrhundert allmählich das so genannte „Ju- denteutsch“, in das sich auch vereinzelt französische und italienische Elemente mischten. Diese Urform wird als Urjiddisch bezeichnet und war für einen nicht Jiddisch sprechenden Deutschen noch leicht ver- ständlich, da der Wortschatz bis auf einige Elemente wenig vom Mit- telhochdeutschen abwich (Landmann 1962: 37-40).
In welchem Gebiet genau diese Ursprungsform des Jiddischen ent- stand, ist umstritten. Weinreich (1980: 328-329) hält unter anderem aufgrund der frühen historischen Belege von Juden im Rheinland dieses Gebiet für das Entstehungsgebiet. Außerdem sieht er einen weiteren Beweis in der Bezeichnung rynus, die die Juden, die fast fünfhundert Jahre später wieder am Rhein auftauchten, für den Fluss verwendeten und die ebenfalls in der jiddischen Literatur auftaucht.
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Da im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen Rîn nicht die En- dung –us hatte, glaubt Weinreich, dass die Form rinus, abgeleitet vom lateinischen Rhinus, Rhenus, nur über Juden, die unter lateini- schen Einfluss geraten waren, ins Rheinland gekommen sein kann.
Eggers (1998: 70) hingegen geht davon aus, dass die Juden im Rheinland zwar eine eigene jüdische Sprache sprachen, diese aber nicht als Urform, sondern unabhängig vom späteren Jiddisch zu wer- ten sei. Er hält es für wahrscheinlicher, dass die Frühform des Jiddi- schen im Donaugebiet entstand, da dialektale Merkmale aus diesem Gebiet, im Gegensatz zu Dialekten aus dem Rheinland, ins Jiddische eingeflossen sind (Eggers 1998: 67).
Im Zuge der Kreuzzüge kam es zu Judenverfolgungen und Massen- morden, die 1349 infolge der Pest, an der man den Juden die Schuld gab, ihren Höhepunkt erreichten. Aufgrund dessen flohen zahlreiche Juden in den Osten (Landmann 1962: 41). Dadurch kam es zu einer Abtrennung vom deutschen Sprachraum und somit zu einer Slawisie- rung und Eigenentwicklung der jiddischen Sprache. Auch hier lebten die Juden zumeist in abgeschlossenen Siedlungen, so dass sie un- tereinander weiterhin in ihrer Sprache kommunizierten. Außerdem musste, um den Kontakt zu in Deutschland verbliebenen Juden zu halten, an der gemeinsamen Sprache festgehalten werden (Land- mann 1962: 45). In diese mischten sich nun Elemente der slawi- schen Umgebungssprachen und das Jiddische wurde dem Deut- schen allmählich immer unähnlicher. Sprachliche Vorgänge, die dem Jiddischen und Slawischen gemeinsam sind, zeigen den Beginn des Neujiddischen an (Weissberg 1988: 24). Das Jiddische rückte nun zur Hauptsprache der Juden in Osteuropa auf.
Arbeit zitieren:
Stephanie Schmitz, 2005, Jiddisch in Amerika, München, GRIN Verlag GmbH
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