Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Grundannahmen der RC-Theorie 4
2.1. Methodologische Individualismus 4
2.2. Homo Oeconomicus und sein Ziel der Nutzenmaximierung 5
3. Die Kernhypothesen der RC-Theorie: 6
3.1. Ansätze nach Coleman
3.1.1. Akteure und ihre Ressource 7
3.1.2. Interdependenz zwischen den Akteuren 8
3.1.3. Übergang von Mikro- zur Makroebene am Beispiel der Revolutionstheorie 9
3.2. Ansätze nach Esser 10
3.2.1. RREE-MMModell 10
3.2.2. Wert-Erwartungstheorie 11
3.2.3. Das Grundmodell der drei Logiken 12
4. Kritik an der RC-Theorie 14
4.1. Kritik an der Zusammensetzung der RC-Theorie und ihr Versuch zu dominieren 14
4.2. Kritik an der Rationalitätsannahme 15
4.3. Kritik am Entscheidungsbegriff 15
4.4. Kritik am Nutzenbegriff 16
5. Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
Im Rahmen unserer Übung behandelten wir unterschiedliche soziologische Akteursmodelle in ihrem handlungstheoretischen Kontext. Um den Teilbereich der Handlungstheorie, die sich mit den rationalen Handlungen auseinandersetzt, klar zu machen, untersuche ich anhand der zwei Sichtweisen der Soziologen James Coleman und Hartmut Esser die Auffassungen von der RC-Theorie.
Die RC-Theorie oder die Theorie der rationalen Wahl ist eine der am häufigsten angewandten Handlungstheorien zur Erklärung sozialwissenschaftlicher Beobachtungen (vgl. Münch 2003: 10). Eine einheitliche RC-Theorie gibt es aber nicht. Sie ist nur eine Sammelbezeichnung für eine ganze Reihe von verschiedenen Ansätzen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (vgl. Diekmann 2004: 13). Generell gehen diese Ansätze von den gleichen Annahmen aus. Die handelnden individuellen oder kollektiven Akteure verhalten sich demnach rational und egoistisch, wobei sie aufgrund bestimmter Präferenzen ein nutzenmaximierendes oder kostenminimierendes Verhalten zeigen (vgl. Opp 2005: 89ff). Das Ziel soziologischer Darlegungen ist allerdings nicht die Erklärung einzelner Handlungen, sondern die Erklärung der makrosozialen Folgeerscheinungen, die aus dem Zusammenwirken der Handlungsergebnisse vieler Akteure entstehen. Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet daher: Wenn nun die kollektiven Sachverhalte durch eine Mikrohypothese erklärt werden sollen, wie werden dann die beiden Ebenen miteinander verbunden?
Zwecks der Lösung dieses Erklärungsproblems müssen diejenigen Regeln entlarvt werden, nach denen die Aggregation der vielen Einzelhandlungen zu einem Gesamtresultat geschieht (vgl. Opp 2005: 92). So sollen im ersten Teil zunächst die Grundannahmen des RC-Ansatzes vorgestellt werden. Im zweiten Teil setze ich mich mit den dreistufigen Kernhypothesen der traditionellen RC-Variante auseinander, die aus den Perspektiven der zwei Soziologen erläutert werden. Dies schließt auch eine Darstellung die für den jeweiligen Autor wichtigen Phänomene der RC-Theorie, wie auch das Hauptproblem der Theorie, und zwar der Übergang von der Mikro- zur Makroebene mit ein. Anschließend werde ich einige kritische Standpunkte an den Autoren und an die RC-Theorie aufzeigen. Als Grundlage dieser Beurteilung bieten sich James Colemans „Foundation of Social Theory“ und Hartmut Essers „Soziologie. Allgemeine Grundlagen“ und „Soziologie. Spezielle Grundlagen“ an.
2. Die Grundannahmen der RC-Theorie
Die ursprünglich aus den Wirtschaftswissenschaften kommende rationale Handlungstheorie orientiert sich außer an der klassischen Ökonomie Adam Smiths, auch an der verstehenden
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Soziologie Max Webers. Ökonomisches Denken beschreibt die sozialen Phänomene in den Kategorien von Kosten-Nutzen-Gewichtungen. Diese soziale Phänomene beziehen Akteure ein, die zwischen Alternativen, die von Präferenzen und Restriktionen bestimmt werden, wählen können (vgl. Münch 2003: 90). „Der erwartete Nutzen setzt sich zusammen aus dem Wert, das das Resultat einer Handlung für ein Individuum hat und der Wahrscheinlichkeit, dass dieses Resultat eintritt“ (vgl. Pickel 2005: 18).
Die RC-Theorie versucht komplexe soziale Handlungen mit Hilfe möglichst einfacher Modellannahmen zu erfassen und soziale Gesetze zu finden, die einfach und klar sind. Es sind vor allem die folgenden Grundannahmen, auf denen in den Sozialwissenschaften der RC-Ansatz fußt.
2.1. Methodologische Individualismus
Der auf dem RC-Ansatz basierende methodologische Individualismus kann als Sammelbezeichnung für die verschiedenen Verhaltens- und Lerntheorien verwendet werden. Er zeigt, wie die Menschen sind, nicht wie die einzelnen Menschen und Gesellschaften sein sollen. Individualismus in der Soziologie ist ein methodischer Leitfaden, der als Grundlage für bestimmte theoretische Konzepte und empirische Verfahren dient. Er kehrt sich eindeutig von den makrotheoretischen Ansätzen ab. Statt gesamtgesellschaftlicher Strukturen wird das Verhalten einzelner oder mehrerer Individuen untersucht. Infolgedessen sind die Aussagen über soziale Sachverhalte auf Aussagen über Individuen rückführbar, indem sich das Soziale aus an Individuen bestimmbaren Bedürfnissen, Motiven und Handlungen festsetzt. Das heißt, dass durch individuelles Handeln die auf der Makroebene beobachtbaren kollektiven Phänomene erzeugt werden (vgl. Treibel 2004: 130f).
Der Ursprung dieser individualistischen Sozialtheorie ist rückführbar auf Tausch- und Vertragstheorien, die auf individuellen Wahlhandlungen basieren. Treibel betrachtet den methodologischen Individualismus durch verschiedene theoretische Konzepte, wie der Utilitarismus, der Behaviorismus und ökonomische Ansätze, die das individualistische Programm mitbegründet haben. Sie erwähnt auch George Caspar Homans Austauschtheorie, die aussagt, dass sich soziales Handeln von Individuen auf den Vorgang des Tausches bezieht, welcher Kosten (was man gibt) und Nutzen (was man bekommt) gegenüberstellt (vgl. Treibel 2004: 130f).
Daran ist zu erkennen, dass die Akteure für den methodologischen Individualismus ausschließlich als rational handelnde Akteure interessant sind.
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2.2. Homo Oeconomicus und sein Ziel der Nutzenmaximierung
Der Homo Oeconomicus verfügt zwar nicht über vollständige Informationen, jedoch verarbeitet er die Informationen über die er verfügt „perfekt“, da er keinen internalen Restriktionen unterliegt, wie etwa einem fehlerhaften Gedächtnis oder dem Einfluss von Emotionen. Außerdem ist er rein eigennutzorientiert, weil er ausschließlich eigenbezogene und gegebene Präferenzen zu maximieren versucht, während er von fremdbezogenen Präferenzen, wie zum Beispiel einer internalisierten Moral, abgetrennt wird. Darüber hinaus handelt er intentional, das bedeutet, seine Handlungen sind durch Absichten gesteuert und er wählt diese Handlungen vornämlich nach den beabsichtigten Folgen aus, die er gewinnmaximierend anstrebt (vgl. Kirchgässner 1991: 17f).
Diese Überlegungen stehen in einem engen Bezug zu ökonomischen Ansätzen.
Esser beschreibt dies folgendermaßen: Homo Oeconomicus maximiert „[...] seinen individuellen Nutzen auf der Grundlage vollkommener Information und stabiler und geordneter Präferenzen im Rahmen gegebener Restriktionen [...]“ (Esser 1993: 236). Der Homo Oeconomicus geht also von einer nutzenmaximierenden Handlung aus. Wenn sich der Akteur für diejenige Handlungsalternative entscheidet, die seinen Nutzen maximiert, kann man sagen, dass diese Entscheidung rational ist und daher einem Kosten-Nutzen-Kalkül entspricht. (vgl. Schneider 2002: 83) Wir überlegen in jeder Entscheidungssituation, ob sich unser Einsatz lohnt. Sogar bei informellen zum Beispiel Liebes-Beziehungen beachten wir den Nutzen. Treiber zufolge ist dann die Liebe und die Wahl des Partners nicht Schicksal, sondern nur ein weiteres Element des manchmal auch unbewussten Entscheidungshandelns. Gleicherweise ist auch Zufriedenheit oder Glück in diesem Modell nichts anderes als erfolgreiche Nutzenmaximierung des rationalen Verhaltens, in dem Kosten und Nutzen abgewogen werden (vgl. Treiber 2004: 132).
Die ökonomischen Ansätze des Marktverhaltens nehmen an, dass es mehrere Präferenzen gibt, die die meisten Akteure aufweisen und dass jeder Akteur über die Handlungsmöglichkeiten in gegebener Situation vollständig informiert ist. Laut Schneider rechnen aber die heute üblichen RC-Varianten demgegenüber mit variablen Präferenzen, begrenzten Informationen und unsicheren Erwartungen im Bezug auf die Handlungsergebnisse. Die Rationalität, die dem Handeln von Akteuren zugeschrieben wird, erscheint somit von vornherein begrenzt. Die Akteure handeln nur eingeschränkt rational. (vgl. Schneider 2002: 85f) Nicht jeder ist mit den angesprochenen Argumenten für das Menschenbild Homo Oeconomicus jedoch zufrieden. Esser zufolge sind sowohl der Homo Oeconomicus der
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Katarina Bezakova, 2006, Rational-Choice-Theorien im kritischen Diskurs, Munich, GRIN Publishing GmbH
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