Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Eastons Theorie des politischen Systems. 3
2.1 Umwelt 4
2.2 Inputs 5
2.3 Das politische System. 5
2.4 Outputs 6
2.5 Feedback-Schleife 6
3. Kritik an Eastons Theorie des politischen Systems. 7
3.1 Die Verwendung widersprüchlicher Systembegriffe 7
3.2 Die Persistenz des Systems als wesentliches Ziel 8
3.3 Strukturen und Akteure im politischen Prozess 9
3.4 Das Problem der Macht 10
3.5 Das Problem der „Black Box“ 10
3.6 Die Allgemeinheit des Modells 11
4. Fazit 12
Literaturverzeichnis 13
1
3 1. Einleitung
David Easton hat in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit seinen systemtheoretischen Überlegungen zum Begriff des politischen Systems der Politikwissenschaft - und dort besonders dem Forschungsfeld der politischen Theorie - entscheidende Impulse gegeben. Nachdem die Politikwissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem durch ideengeschichtliche Überlegungen gekennzeichnet war, nahm Easton - ebenso wie Deutsch, Almond und Parsons - eine Tendenz zu einer systematischen Theorie auf. Als Vertreter des Behavioralism sah sich Easton in der Rolle eines Wissenschaftlers, der für eine enge Verbindung zwischen theoretischen Konzepten und empirischen Untersuchungen eintrat. Eastons Überlegungen gipfelten 1965 in der Veröffentlichung seiner beiden zentralen Werke „A Framework for Political Analysis“ und „A Systems Analysis of Political Life“, in denen er detailliert sein Konzept eines politischen Systems und der darin auftauchenden Prozesse vorstellte. Easton markierte so wesentliche Begriffe und Bestandteile des politischen Prozesses - seine Ausführungen dienten für zahlreiche empirische Studien als Grundlage.
Doch sorgte Easton mit seinen theoretischen Überlegungen nicht nur für begeisterte Zustimmung in den Sozialwissenschaften. Nicht lange nach dem Erscheinen seiner beiden Werke wurde sein Ansatz im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen ab Ende der 1960er Jahre von vielen als Affront aufgefasst, gegen den es zu kämpfen galt. Wesentlicher Bestandteil war dabei die Unabhängigkeit von der Ausprägung eines politischen Systems in Eastons Ausführungen. Nicht länger sollte es um eine bloße theoretische Untersuchung von Prozessen gehen, sondern handfeste Probleme waren an der Tagesordnung, die der Aufmerksamkeit der Wissenschaft bedurften. Die Kritik von Seiten der Politikwissenschaftler erstreckte sich dabei in verschiedene Bereiche von Eastons Ausführungen: Astin (1972) warf ihm beispielsweise eine inkonsistente Verwendung des Systembegriffs vor, mehr noch sogar eine Überbetonung von Strukturen des politischen Prozesses bei gleichzeitiger Vernachlässigung von konkreten Problemen, die es zu lösen galt.
2
Miller (1971) und Waschkuhn (1987) mahnten bei Easton die fehlende normative Orientierung seiner Arbeit an und sahen Schwächen in der Zielformulierung seiner Theorie („persistence“).
Auch die unklare Gestaltung des eigentlichen politischen Systems und der Allgemeinheitscharakter von Eastons Modell gaben Anlass zur Kritik. In dieser Arbeit geht es daher um die Fragestellung, in welcher Hinsicht David Eastons Theorie eines politischen Systems angreifbar ist.
Zur Beantwortung der Fragestellung erfolgt zunächst eine Einführung in Eastons Modell des politischen Systems, um den Kritikgegenstand hervorzuheben. Anschließend werden anhand von einzelnen Beispielen wesentliche Kritikpunkte hervorgehoben und näher beleuchtet. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, in dem die gewonnenen Kenntnisse zusammengefasst dargestellt werden.
2. Eastons Theorie des politischen Systems
Eastons Flussmodell eines politischen Systems (1965; vgl. Abb. 1) besteht im Wesentlichen aus fünf Bereichen: der Umwelt („environment“), den Forderungen („demands) und der Unterstützung („support“) als Inputs, dem eigentlichen politischen System, in welchem Entscheidungen erfolgen, den Outputs als Ergebnissen sowie einer Feedback-Schleife, bei der die im System generierten Outputs erneut in Inputs umgewandelt werden. Die zentrale Frage, die Easton sich hierbei stellt, lautet: Wie kann ein beliebiges politisches System in einer Welt von Beständigkeit und Veränderung bestehen (vgl. Easton 1965a, 17). Mit der Entwicklung einer allgemeinen Theorie („general theory“) zum politischen System beantwortet er seine Frage. Im Folgenden werden daher die einzelnen Bestandteile von Eastons Modell dargestellt.
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Abbildung 1: David Eastons Modell des politischen Systems Quelle: Easton 1965, 110
Umwelt
Easton grenzt ein politisches System von anderen Systemen in derselben Umwelt zunächst durch die folgende Definition ab: „A political system can be designated as those interactions through which values are authoritatively allocated for a society“ (Easton 1965, 21). Dabei teilt Easton die Umwelt in zwei Bereiche ein, nämlich in einen innergesellschaftlichen sowie einen außergesellschaftlichen Bereich (vgl. Easton 1965a, 21). Der innergesellschaftliche Bereich besteht dabei aus vier Subsystemen, nämlich einem ökologischen, biologischen, persönlichen und sozialen System (Wirtschaft, Kultur etc.), d.h. aus sämtlichen Bereichen, die in einer beliebigen Gesellschaft auftreten (vgl. Easton 1965a, 22). Ergänzend dazu beinhaltet die außergesellschaftliche Umwelt sämtliche Systeme, die außerhalb der Gesellschaft liegen, welche im ersten Bereich („intrasocietal“) beschrieben wird. Hierbei handelt es sich um Suprasystem, dem einzelne Gesellschaften angehören. Internationale politische Systeme, der globale Wirtschaftsmarkt oder auch internationale soziale Systeme lassen sich dazu zählen (vgl. Easton 1965a, 22).
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Arbeit zitieren:
Johannes Neufeld, 2006, In welcher Hinsicht ist David Eastons Theorie des politischen Systems angreifbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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