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Chemnitz , 10.4.2006
Gliederung
1. Einleitung
2. Geschichte und Staatswesen Spaniens
3. Die Entwicklung spanischer Medien seit Beginn der Franco-Diktatur
4. Richtlinien der Spanischen Medienpolitik
5. Mediennutzung
6. Das Spanische Mediensystem
6.1.1. Pressewesen
6.1.1.1. Sonderbeilagen
6.1.1.2. Wirtschafts- und Sportpresse
6.1.1.3. Gratiszeitungen
6.1.1.4. Zeitschriften
6.2. Fernsehen
6.3. Radio
6.4. Kino
6.5. Internet
7. Zusammenfassung und Ausblick
8. Quellenverzeichnis
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1.Einleitung
Spanien, das ist für viele von uns das Land der Sonne und des Urlaubes. Allein im Jahr 2005 besuchten bis zu 10 Millionen Bundesbürger die iberische Monarchie (vgl. INE 2005). Doch Spanien ist nicht mehr nur ein beliebtes Urlaubsland, bezogen auf das Jahr 2000 konnte Spanien ein erstaunliches Wachstum in seinem Bruttoinlandsprodukt von 7,3 Prozent erzielen (vgl. INE 2005). Nicht zuletzt durch die angekurbelte Weltwirtschaft aber auch durch die anhaltende Angst vor terroristischen Anschlägen, welche hauptsächlich europäische Touristen in das sichere Spanien treibt, tragen zu diesem Aufschwung bei. Dabei hat sich Spanien, das noch Anfang der siebziger Jahre eines der wirtschaftlich schwächsten Länder Europas war, zu einem prosperierenden Wirtschaftsraum mit Zuwachsraten in nahezu allen Wirtschaftsbereichen entwickelt. Übernahmen wie die des Abbey Instituts durch die spanische Banco Santander Central Hispano (vgl. Faz.net 2005 ) oder kürzlich der Versuch des deutschen Energieversorgers E.ON den spanischen Versorger Endesa (vgl. Reuters Deutschland 2006) zu übernehmen, zeigen die gewachsene Bedeutung der spanischen Wirtschaft in der Welt. Nicht zuletzt wegen der guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Latein- und Südamerikanischen Staaten. Ein weiteres Merkmal ist die große Dynamik im spanischen Medienmarkt, so stiegen im Jahre 2004 die Werbeeinahmen im Fernsehbereich um ganze 10,6 Prozent zum Vorjahr (vgl. Rufino Sánchez García 2005, S.420), im Vergleich in Deutschland stiegen die Einnahmen im gleichen Zeitraum nur um 3,7 Prozent (vgl. Nielsen Media Research 2005), wenn auch auf höherem Niveau. Gleichzeitig ist Spanien das europäische Land mit den meisten Fernsehstationen überhaupt (vgl. Rufino Sánchez García 2005, S.417). Der spanische Medienbereich ist also einen Blick wert. Die vorliegende Arbeit soll sich folglich mit dem Spanischen Mediensystem beschäftigen und einen einführenden Überblick auf diesen hochveränderlichen Markt bieten.
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Dafür werden im Wesentlichen die sehr umfangreichen Statistiken der SGAE 1 und das aktuellen Werk Díaz Nostys als Quellen herangezogen und hermeneutisch 2 betrachtet. Im Hinblick auf den Umfang dieser Arbeit soll die wissenschaftliche Grundlage (die Hermeneutik) bewusst außer Acht gelassen werden. Und weniger das spanische Mediensystem als Absolut, sondern viel mehr als eine aktuelle Bestandsaufnahme desgleichen betrachtet werden.
Auf den folgenden Seite möchte ich grundlegende Informationen über der spanischen Staat und seine Geschichte geben, der daraus gewonnene Eindruck soll dabei helfen ein größeres Verständnis für die regionale Diversifizierung der Medien zu schaffen.
1 SGAE: Sociedad General de Autores y Editores, deutsche Übersetzung: Dachverband der Autoren und
Herausgeber
2 Die Hermeneutik ist ein wissenschaftliches Verfahren zur Auslegung von Texten, Kunstwerken od.
Musikstücken (vgl. Duden - Das Fremdwörterbuch, Dudenverlag Mannheim 2001), vgl. u.a. Danner, Helmut
(1998): Methoden geisteswissenschaftlicher Pädagogik. Einführung in die Hermeneutik, Phänomenologie und
Dialektik. München
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2. Staatswesen und Geschichte
Spanien ist seit jeher ein Bindeglied zwischen Europa und Nordafrika gewesen und zugleich ist es eng mit der europäischen Historie verwachsen. Bereits seit dem sechzehnten Jahrtausend vor Christus wurde das Gebiet besiedelt. Später siedelten Völker aus Nordafrika, Griechenland oder Nordeuropa auf der Iberischen Halbinsel. So begründeten die Phönizier mit der Handelskolonie Gades die älteste Stadt Europas Cadiz. (vgl. Bernecker, Pietschmann 2000, S.43) Später eroberten die Römer das Gebiet und unterteilten das Land in die Provinzen Lusitania, Baetica und Taraconensis, welche nochmals in Galaecia und Asturia unterteilt wurde. Provinzen, die bis heute als Autonome Regionen überlebt haben und deren Bevölkerung im Bewusstsein langer Traditionen einen hohen regionalen Stolz entwickelt hat. Nach den Römern drangen germanische Stämme in Spanien ein und gründeten Königreiche. Heranrückende Berber und Araber siedelten etwa im 7. Jahrhundert nach Christus im Gebiet Andalusiens, dem sie den Namen Al-Andalus gaben. Unter ihren Kalifaten gründeten sie Städte wie Córdoba oder Granada, hier erlebte Spanien auch eine erste kulturelle Blüte (vgl. Bernecker, Pietschmann 2000, S.72f). Aus der darauf folgenden so genannten Reconquista, der christlichen Wiedereroberung Spaniens ziehen hauptsächlich die nördlichen, damals nicht oder nur teilweise von den Arabern besetzten Regionen Spaniens ihre kulturelle und nationale Identität, insbesondere die Region Aragón, sowie Katalonien und das Baskenland. Im 15. Jahrhundert vereinigten sich die Königreiche von Kastilien und Aragón und besiegelten am 2. Januar 1492 mit der Eroberung von Granada das Ende der arabischen Herrschaft auf der iberischen Halbinsel. Von da ab begann Spanien Missionen zur Erforschung der Weltmeere zu finanzieren. Die Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus legte dabei den Grundstein für den späteren Ruhm und die Macht Spaniens (vgl. Bernecker 2003, S.45f). Es begann die Eroberung der Reiche in Mittelamerika und damit eine zweite Blüte Spaniens. Im 16. bis 17. Jahrhundert regierte das Haus Habsburg das inzwischen vereinigte spanische Königreich. In Folge kämpften spanische Heere in Europa wie auch in Mittelamerika für die Ausbreitung des römisch-katholischen Glaubens, in dessen Konsequenz sich die habsburgische Herrschaft auf viele Staaten Europas ausweitete. Doch die anhaltenden Kriege ließen das Land ausbluten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Spanische Krone zudem erstmals im Pyrenäischen Frieden (1659) Überlandkolonien und musste einen Teil der Spanischen Niederlande an Frankreich abtreten.
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In den folgenden Jahrhunderten wurde Spanien zum Spielball europäischer Machtkämpfe, mal kam es unter französische Mal unter englische Herrschaft (vgl. Bernecker 2003, S.65f). Im Jahre 1812 mündeten Unabhängigkeitsbestrebungen unter der Führung des britischen Herzogs Wellington in der ersten Spanischen Verfassung der La Pepa, welche von der Cortes 3 verabschiedet wurde.
Bis zur Machtergreifung Francos während des spanischen Bürgerkrieges 1936 bis 1939 blieb Spanien mit einigen Ausnahmen nach dem ersten Weltkrieg eine Monarchie. Nach dem Tod Francos am 20. November 1975 wurde zwei Tage später sein seit 6 Jahren feststehender Nachfolger Prinz Juan Carlos zum König proklamiert. Er ließ im Jahr darauf politische Parteien wieder zu und initiierte so die Hinwendung zur Demokratie. 1978 wurde eine neue Verfassung durch die Bevölkerung bestätigt. Selbst ein 1981 von Teilen der Armee versuchter Putsch konnte der Demokratisierung Spaniens nicht mehr im Wege stehen. Spanien tritt 1982 der Nato bei und 1986 der Europäischen Union (vgl. Bernecker 2003, S.143-175).
Mit der Verfassung vom 27.12.1978 konstituierte sich die parlamentarische Erbmonarchie Spaniens als sozialer und demokratischer Rechtstaat. Der König hat dabei ähnlich der englischen Krone nur repräsentative Funktion und ist politisch nicht verantwortlich, politische Handlungen gehen also zumeist vom Ministerpräsidenten und seinen Ministern aus. Die unauflösliche Einheit des Landes (vgl. Spanische Verfassung, Artikel 2) steht im Mittelpunkt des Verfassungstextes. Trotzdem erlaubt sie Provinzen mit gemeinsamer kultureller Identität sich als Autonome Gemeinschaften zu konstituieren, sie besitzen ein eigenes Parlament sowie eine Regierung, sind aber weiterhin vom spanischen Staat abhängig. Das Staatsgebiet ist seit 1983 in 52 Provinzen und 17 autonome Gemeinschaften 4 gegliedert (vgl. Jahn 2003, S. 26). Diese umfassen unterschiedlich viele Provinzen. Die flächenmäßig größten Provinzen sind dabei Andalusien und Kastilien- La Mancha beziehungsweise Kastilien-León. Dagegen haben die Regionen Katalonien, die Hauptstadt Madrid und das Baskenland die höchsten Einwohnerzahlen pro Quadratkilometer (vgl. INE 2005).
3 Die Cortes ursprünglich seit etwa dem 12 Jhd. eine Ständeversammlung in den unterschiedlichen spanischen
Provinzen wurde später zum spanischen Parlament und hatte mit einigen Unterbrechungen bis zu ihrer
Absetzung 1939 durch Franco bestand. (vgl. Wikipedia 2006)
4 sie heißen: Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearische Inseln, Baskenland, Extremadura, Galicien,
Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, Katalonien, La Rioja, Madrid, Murcia,
Navarra und Valencia.
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Die gesetzgebende Gewalt übt der Kongress (Congreso de los Diputados 5 ) zusammen mit dem Senat (Senado) aus. Dabei besitzt der Kongress wesentlich mehr Macht als der Senat, so obliegt die Regierung nur seinem Vertrauen. Der Senat besitzt vor allem Kontrollfunktionen, er kann zum Beispiel Auskünfte und Berichte über die Politik der Regierung verlangen. Des Weiteren repräsentiert er die Regionen Spaniens, wobei jede Provinz vier Senatoren entsendet. Der Kongress wird aller vier Jahre im Verhältniswahlrecht bestimmt. Hier wird auch jede neue Gesetzesvorlage zuerst eingebracht, im Senat erfolg eine Lesung dabei nur, wenn es um die Belange der autonomen Regionen geht (vgl. Jahn 2003, S.27). Im spanischen Gesetzgebungsprozess gibt es zudem die Besonderheit der Decreto-ley, im Gebrauch beliebte Notverordnungen, die 30 Tage nach ihrer Verkündung durch den Kongress bestätigt oder abgelehnt werden müssen. Sie wurden in der Vergangenheit häufig verwendet um den aufwändigen Gesetzgebungsprozess abzukürzen (vgl. Jahn 2003, S.28). Die Ursprünge das spanischen Staates finden also auch heute noch Berücksichtigung in der Staatsstruktur und sind Ausdruck eines pluralistischen Staatsverständnisses, welches sich nicht nur auf politischer oder kultureller Ebene, sondern auch in den Medien des Landes widerspiegelt (vgl. Jahn 2003, S.26). Die großen Medienkonzerne des Landes ordnen sich diesen Gegebenheiten unter und setzen daher auf Medienprodukte, die auf die jeweilige Region und ihre Sprache beziehungsweise Tradition zugeschnitten sind. Das folgende Kapitel möchte ich den wichtigsten Abschnitten in der jüngsten Geschichte Spaniens widmen. Es soll die die Entwicklung der Medien in der Zeit der FrancoÄra und der Übergang in den demokratischen Staat Spanien, so wie er sich heute darstellt, beschrieben werden. Diese zwei Zeitphasen kennzeichnen wichtige Schritte in der Entstehung des heutigen Mediensystems und haben dessen Struktur entscheidend mitgeprägt.
5 deutsche Übersetzung, etwa: Abgeordnetenhaus
Arbeit zitieren:
Mario Rümmler, 2006, Das Spanische Mediensystem - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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