Abschnitt
I. Einleitung
1. Wie ging Bohemund vor Antiochia vor? Woher kamen seine Ambitionen?
2. Quellen und Methode
II. Hauptteil
1. Die Ausgangssituation vor Antiochia im Oktober 1097
2. Bohemund beeinflusst die Belagerungsstrategie der Kreuzfahrer
3. Kämpfe und Ausbruch der Hungersnot im Dezember 1097
4. Bohemund und die Abreise des Generals Tatikios im Februar 1098
5. Bohemund kämpft gegen das Heer Ridwans von Aleppo
6. Die Ankunft der englischen Flotte und die endgültige Blockade Antiochias
7. Bohemunds „Meisterstück“: Der Fall Antiochias
8. Erneute Belagerung und endgültiger Sieg der Kreuzfahrer
III. Ergebnisse
IV. Bibliographie
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I. Einleitung
1. Wie ging Bohemund vor Antiochia vor? Woher kamen seine Ambitionen?
Mit Bohemund von Tarent begegnen wir einer der bemerkenswerten und schillernden Persönlichkeiten des Ersten Kreuzzuges und des Mittelalters im Allgemeinen. Bei der Belagerung von Antiochia entwickelte er bemerkenswerte Entschlossenheit und Tatkraft, die ihn - in Verbindung mit seinem beeindruckenden Äußeren - zum Inbegriff der Führungspersönlichkeit werden ließen, neben der die meisten anderen Anführer der bewaffneten Wallfahrt zeitweise regelrecht „verblassten“. Die folgende Arbeit soll sowohl die Taten aufzeigen und beleuchten, mit denen Bohemund auf systematische Art und Weise die Herrschaft über Antiochia erlangte, als auch nach den Gründen für seinen schon zu Beginn der Belagerung offen zu Tage tretenden starken Willen suchen, sich mit Antiochia im Orient einen bedeutsamen Landbesitz zu sichern.
2. Quellen und Methode
Zunächst soll mit Hilfe dreier maßgeblicher Werke der Forschungsliteratur zur Thematik eine ausführliche Annäherung an den tatsächlichen Verlauf der Belagerung von Antiochia versucht werden. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den Taten Bohemunds von Tarent liegen. Zu diesen drei Werken gehört Hans Eberhard Mayers „Geschichte der Kreuzzüge“, als das deutsche Standardwerk über die Kreuzzüge überhaupt, Kenneth M. Settons „A History of the Crusades“, das eine ausführliche und in die Tiefe gehende Beschreibung der Geschehnisse beim Kampf um Antiochia liefert, sowie als drittes und neuestes Werk: „Victory in the East“ von John France, das besonders auf die militärischen Aspekte der Belagerung eingeht und zudem anschauliche Karten liefert, die über taktische und strategische Situationen einen schnellen Überblick verschaffen und die auch in dieser Arbeit Verwendung finden. Um die Wurzeln der Motivation Bohemunds von Tarent während der Belagerung zu beleuchten, wird schließlich der in „History today“ erschienene biographische Aufsatz „Bohemond, Prince of Antioch - The Career of a Norman Crusader in Italy“ von Neil Ritchie herangezogen.
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II. Hauptteil 1. Die Ausgangssituation vor Antiochia im Oktober 1097
1 Antiochia, unweit des Meeres in der fruchtbaren Orontes-Ebene zwischen dem Berghang des Berges Silpius und dem Fluß Orontes gelegen, war einst die drittgrößte Stadt des römischen Reiches und zur Zeit des Ersten Kreuzzuges immer noch bedeutsam. Die Stadt galt in der damaligen Zeit als eine fast uneinnehmbare Festung. Sie verfügte über „riesige Mauern“ und 400 Türme aus der Zeit Justinians, ein jeder etwa einen Bogenschuss vom anderen entfernt. Dreihundert Meter über der Stadt mündeten die Mauern am Gipfel des Bergrückens des Berges Silpius in einer Zitadelle 2 . Im Nordosten befand sich das große St-Pauls-Tor, im Südwesten das große St-Georgs-Tor. Ein drittes großes Tor führte direkt zu einer befestigten Brücke über den Fluss, des Weiteren gab es noch drei kleinere Tore. 1085 war Antiochia den Byzantinern von den Seldschuken abgerungen worden. Der seldschukische Emir Yagi Siyan herrschte mit Hilfe einer türkischen Armee seit 1087 über eine „im wesentlichen christliche Bevölkerung von Griechen und Armeniern, die während einer Belagerung freilich nicht als zuverlässig gelten konnte“ 3 . Die Nachricht vom durch Anatolien marschierenden Kreuzzugsheer beunruhigte Yagi Siyan dermaßen, dass er versuchte, Antiochia von „illoyalen Elementen“ zu säubern, was u.a. dazu führte, dass der vormals noch frei in der Stadt agierende griechische Patriarch Johannes Oxeites in den Kerker geworfen und die Kathedrale St. Peter zum Pferdestall des Emirs umfunktioniert wurde 4 . Des Weiteren kam es zu vereinzelten Verfolgungen von Christen, welche vorher fast immer mit relativer Toleranz behandelt worden waren. Am 20. Oktober 1097 drang die Kreuzfahrerarmee in das Territorium Yagi Siyans ein, als sie in das Dorf Ma´Ratah einfiel, dessen türkische Garnison bei ihrem Anblick augenblicklich floh. Sogleich griff die Hauptarmee unter der Führung von Adhemar von Le Puy die „Eiserne Brücke“ über den Orontes an, welche von zwei Türmen bewacht wurde, die den Eingang flankierten. Der Angriff war von Erfolg gekrönt, so dass es den Kreuzfahrern möglich wurde, auf der anderen Seite des Flusses für Antiochia bestimmtes Vieh und Getreide in ihren Besitz zu bringen.
1 Mayer, 1995, 52f
2 Setton, 1969, 308ff
3 Ein von Hans Eberhard Mayer trefflich auf S. 52 formulierter Sachverhalt, der sich später noch als
entscheidend herausstellen sollte.
4 Die Zweckmäßigkeit dieses von Kenneth M. Setton auf S. 309 geschilderten Vorgehens erscheint dem
modernen Betrachter wohl wenig einleuchtend. Man denkt zwangsläufig an irrationale „Verzweiflungsakte“
aus Furcht, immerhin konnte wohl durchaus erwartet werden, dass die Bevölkerung der Stadt auf diese
Handlungen mit einer gesteigert feindseligen Haltung gegenüber den Türken reagieren würde.
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2. Bohemund beeinflusst die Belagerungsstrategie der Kreuzfahrer
5 Am 21. Oktober 1097 führte Bohemund die Vorhut vor die Tore Antiochias. Yagi Siyan wusste, dass seine Streitkräfte zu schwach waren, um größere Kämpfe mit den Kreuzfahrern zu führen, daher beauftragte er zwei seiner Söhne damit, bei Verbündeten nach Hilfe zu ersuchen. 6 Derweil erlaubte er den Kreuzfahrern, sich vor der Stadt in Position zu bringen. Bohemunds Abteilung brachte sich vor dem St- Pauls-Tor in Stellung.
7 Grafik I: Die Aufstellung der Kontingente der Kreuzzugsteilnehmer vor Antiochia.
5 France, 1996, 199f
6 Setton, 1969, 309f
7 France, 1996, 221f
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Arbeit zitieren:
Christian David Köbel, 2006, Die Rolle Bohemunds von Tarent bei der Belagerung von Antiochia, München, GRIN Verlag GmbH
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