Destruktives durch eine geglückte, also spannungsfreie, Mutter - Kind Bindung relativ einfach zu verhindern sei. Dieser Position kann sich Ahrbeck nicht anschließen (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 30).
Im folgenden Kapitel beschäftigt sich Ahrbeck nun mit neueren Erkenntnissen der Säuglings- und Kleinkindforschung. Hierbei beruft er sich vor allem auf Schriften von Dornes (Dornes, 1996) und fasst deren Aussagen wie folgt zusammen: „Der Säugling gilt nicht mehr als ein passives Triebwesen, dass in erster Linie hilflos und abhängig ist, sondern von Anfang an als beziehungsfähig und mit einer Vielzahl von Kompetenzen ausgestattet.“ (Ahrbeck, 2004, S. 31). Nach einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse und Vorgehenswiese der Säuglingsforschung, setzt sich Ahrbeck kritisch mit dieser auseinander. Der für ihn entscheidende Kritikpunkt ist erneut die Ausblendung der Triebe: „Der kompetente Säugling leidet nicht, ist nicht in sich zerrissen, er funktioniertwie ein kleiner Erwachsener.“ (Ahrbeck, 2004, S. 48). Des weiteren missfällt ihm der zunehmende Einfluss der Naturwissenschaften auf primär geistes-und
gesellschaftswissenschaftliche Problembereiche (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 49). Anschließend nimmt er sich der 68er Bewegung und der daraus resultierten Erziehungsziele und Methoden an. Deren scheitern will er exemplarisch anhand des aktuellen pädagogischen Umgangs mit Kindern und Jugendlichen in extremen Lebenssituationen zeigen, da sich seiner Meinung nach vor allem in diesem Arbeitsfeld die alten Ideale unreflektiert bis heute gehalten hätten (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 58). Hierzu greift er das Thema der Jugendkriminalität heraus. Hier zeige sich anhand extrem delinquenter Jugendlicher ein zeittypisches Problem: „Es ist das einer Erwachsenengeneration, die sich ihres eigenen Erziehungsauftrages unsicher geworden ist. Mit ‚Erziehungsvergessenheit’ lässt es sich grob, aber zutreffend umreißen.“ (Ahrbeck, 2004, S. 60). Diese Erziehungsvergessenheit der Eltern fördere delinquentes Verhalten. Aufgrund von Prinzipien wie dem der Freiwilligkeit oder der Ansicht Kinder und Jugendliche seinen Experten ihres Lebens, sei es den entsprechenden sozialpädagogisch tätigen nicht möglich adäquat zu intervenieren und extrem delinquenten Jugendlichen zu helfen (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 65ff). Jedoch nicht nur die 68er Bewegung sei an der Schwächung von Erziehungspositionen schuld, hinzu käme auch eine zunehmende Ökonomisierung sozialer Bereiche, die sich vor allem auf konstruktivistische Theorien stütze. Hiermit beschäftigt sich Ahrbeck im anschließenden Kapitel vier. Radikaler Konstruktivismus und Systemtheorie würden mit Begriffen wie Autonomie eine Lücke füllen, die durch die Frage „(...)ob es definitive Erziehungsziele überhaupt noch geben könne.“ (Ahrbeck, 2004, S. 87)
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aufgerissen wird. Nach einer kurzen Darstellung von Grundbegriffen der genannten Theorien, kommt Ahrbeck zu dem Schluss, dass jede geplante Beeinflussung von außen zum scheitern verurteilt sei (wenn man Anhänger der Systemtheorie ist), da sich Lebewesen ihre Welt ja selbst konstruieren und gemäß dieser Struktur verhalten (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 90). Ohne jede Möglichkeit der direkten Beeinflussung erhält jede Erziehungsmaßnahme einen Angebotscharakter, das angenommen werden kann oder eben nicht. Somit werden Erzieher zum Berater und Begleiter und werden von erheblichen Teilen ihrer bisherigen Verantwortung entlastet (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 91 f). Der Hauptkritikpunkt Ahrbecks an diesen Annahmen liegt in seinen Zweifeln an den theoretischen Grundlagen der Systemtheorie und des Radikalen Konstruktivismus, die er durch verschiedene Autoren illustriert und untermauert. Des weiteren kritisiert er die Möglichkeiten des Rückzuges und der Abgabe von Verantwortung die beide theoretische Richtungen Erziehern bieten. (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 102 ff) Außerdem kritisiert Ahrbeck, die zunehmende Kundenorientierung in der sozialen Arbeit, was Erziehung zu einer Dienstleistung macht. Die Sichtweise des Zöglings als Kunden, der aus einem Angebot frei wählen kann, habe gravierende Folgen, vor allem „Eine Auseinandersetzung mit vorgegebenen Zielperspektiven unterbleibt.“ (Ahrbeck, 2004, S. 113) Deshalb würden vor allem schwer delinquente Jugendliche nicht mehr erreicht. (vgl. Ahrbeck, 2004, 109 ff) Auch im Bereich der Schule sei die Sichtweise der Schule als Dienstleister Ausgangspunkt für gravierende Missstände die sich inzwischen eingestellt hätten. So kritisiert Ahrbeck unter anderem neue Inhalte die ohne logische Struktur in Lehrpläne aufgenommen wurden, eine „schwerwiegende Verwechslung, die sich auf die unterschiedlichen Aufgaben bezieht, die Bildungs- und Sozialpolitik inne haben.“ (Ahrbeck, 2004, S. 119), sowie die zunehmende Demokratisierung der Schule die vor allem einen Machtverlust der Lehrer bedeute. (vgl. Ahrbeck, 2004, 114 ff) Im nächsten Kapitel widmet sich Ahrbeck der Globalisierung und deren Auswirkung auf die Erziehung. Hier stellt er als zentrale Frage ob die angenommenen Auswirkungen der Globalisierung und der daraus resultierenden These der Individualisierung, wie zum Beispiel die Auflösung herkömmlicher familiärer Strukturen oder des Verlustes der Perspektive ein einmal erlernter Beruf gebe lebenslange Sicherheit, tatsächlich einer kritischer Überprüfung standhalten. Ahrbeck meint nein. Seiner Einschätzung nach hätte es auch in bereits vergangenen Zeiten eine Pluralität an Lebensverhältnissen gegeben. (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 127 ff) Nun beschreibt Ahrbeck Auswirkungen einer seiner Ansicht nach „gesellschaftlichen Tendenz zur Zeitverknappung“ (Ahrbeck, 2004, S. 133) auf Heranwachsende. Folgen seien vor allem eine fehlende Frustrationstoleranz und das
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Ausbleiben einer Beschäftigung mit dem eigenen Innenleben. Auswirkungen dieser Tendenzen ließen sich aber nur schwer abschätzen. (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 130 ff.) Im letzten Kapitel fasst Ahrbeck noch einmal zentrale Punkte zusammen. Erneut kritisiert er eine Überschatzung der Selbständigkeit und Kompetenzen von Säuglingen und Jugendlichen (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 141 ff.). Vor diesem Hintergrund verliert die Festlegung auf Erziehungsziele an Bedeutung, da ihnen zugetraut wird, wichtige Entscheidungen in ihrem Leben bereits selbst treffen zu können. Die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung verdeutlicht Ahrbeck am Beispiel des Lesens als zentraler Kompetenz für Schul- und Lebenserfolg. (vgl. Ahrbeck, 2004, S. 143 ff.) Zum Schluss formuliert Ahrbeck noch einmal wie wichtig der Begriff der Generation für die Erziehung ist. Kindheit und Erwachsensein müssten klar unterschieden werden und die gegenseitige Vermischung, vor allem durch Medien, unterbunden werden, wenn momentane Fehlentwicklungen gestoppt werden sollen. Ahrbeck glaubt jedoch hierfür bereits einige Anzeichen ausmachen zu können, die eine Stärkung der Erziehung zur Folge hätten. (vgl. Ahrbeck, 2004, 151 ff.)
2. Aufbau, Sprache und Sekundärliteratur bei Ahrbeck
Im nun folgenden Teil meiner kurzen Rezension möchte ich vor allem zwei Aspekte an der Arbeit Ahrbecks kurz untersuchen. Zunächst werde ich versuchen darzustellen inwieweit mir der Aufbau des Werkes logisch schlüssig erscheint. Danach werde ich mich der verwendeten Sprache zuwenden, sowie der verwendeten Sekundärliteratur. Ich muss gestehen, dass mir der logische Aufbau des Werkes teilweise verschlossen geblieben ist. Auf mich wirkten einige Kapitel eher als aneinander gereihte Einzelaspekte, die wenig oder gar nichts miteinander verbindet. Wo sieht Ahrbeck beispielsweise den Zusammenhang zwischen Erziehung im Nationalsozialismus, neuerer Säuglingsforschung und der Entwicklung der Jugendkriminalität? Sicher, Ahrbeck beleuchtet die Erziehung im Nationalsozialismus unter anderem mit Hilfe eines Werkes, dass sich auf die neuere Säuglingsforschung bezieht, diese wiederum beeinflusst sicherlich in Aspekten die aktuelle Praxis im Erziehungsgeschehen, die wiederum Auswirkungen auf Entwicklungen im Umgang mit delinquenten Jugendlichen hat. Aber solch allgemeine, teils entfernte Zusammenhänge können zwischen verschiedensten Themengebieten hergestellt werden, weshalb mir hier Auswahl etwas unglücklich erscheint. Auch die folgenden Kapitel scheinen wenig miteinander zu tun zu haben. Nachdem Ahrbeck sich mit dem radikalen Konstruktivismus und der Systemtheorie in der Pädagogik beschäftigt hat, geht er auf die zunehmende Ökonomisierung der Arbeit im
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Arbeit zitieren:
Florian Rößle, 2006, Kinder brauchen Erziehung - Rezension, München, GRIN Verlag GmbH
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