Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer hypothetico- deduktiven Denkaufgabe nach Peter Wason. Die klassische Variante wird sie als THOG-Aufgabe bezeichnet. In dieser Aufgabe sollen Versuchspersonen durch deduktives Schlussfolgern die richtige Lösung finden. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe ist, dass viele verschiedene Informationen erfasst und behalten werden müssen um zu einer richtigen Lösung zu kommen. Man muss den gesamten Aufgabentext verstehen, Hypothesen bilden und diese miteinander vergleichen. Die Untersuchungen dazu kamen mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass dadurch eine Überlastung des Arbeitsgedächtnisses entsteht. Wenn keine Möglichkeit gefunden wird, die verschiedenen Informationen zu kanalisieren wie beispielsweise durch externale Repräsentation, dass heißt durch Benutzung von Papier und Bleistift, kommt es zu einer Verwechslung der einzelnen Informationen. Dies kann demnach zu einer falschen Lösung der Aufgabe führen.
In der heutigen Zeit sind die komplexen Einflüsse auf den Menschen sehr groß. Bei dem Überfluss an Informationen kann eine Überlastung des Arbeitsgedächtnisses ebenfalls entstehen. Der Mensch ist mit seiner Umwelt in diesem Fall überfordert und sucht nach einer Möglichkeit dieser Überlastung entgegenzuwirken. Untersuchungen wie diese der THOG-Aufgabe sind in diesem Fall ein gute Hilfe. Sie zeigen, welche Ursachen zu einer Überlastung führen könnten und versuchen diese durch Kanalisation der einzelnen Informationen zu vermeiden. Um ein wissenschaftliches Verständnis für diese Aufgabe zu entwickeln, ist es wichtig, über gewisse Grundlagen im Bereich Denkpsychologie zu verfügen. Die folgenden Ausführungen erklären, wie es zu einer Überlastung des Arbeitsgedächtnisses kommen kann. Jedoch auch die Aufnahme, Speicherung und das Abrufen von Informationen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Sprache und die Wahrnehmung sind ebenfalls wichtige Punkte beim Verstehen der THOG-Aufgabe, weshalb sie nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Letztendlich ist eine Betrachtung der Entwicklung des Denkens beim Menschen nicht zu vernachlässigen. Denn in der Untersuchung werden verschiedene Altersgruppen miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE GESCHICHTE DER DENKPSYCHOLOGIE
2.1 Leipziger Schule
2.2 Würzburger Schule
2.3 Gestaltpsychologie
2.4 Behaviorismus
2.5 Die so genannte kognitive Wende
2.6 Zusammenfassung
3 DIE DENKPSYCHOLOGIE UND ANDERE TEILDISZIPLINEN DER ALLGEMEINEN PSYCHOLOGIE
3.1 Die Pädagogische Psychologie und die Denkpsychologie
3.2 Wie ist Denken definiert?
3.2.1 Die Definition des Begriffs Denken
3.2.2 Abgrenzung von Denken und Problemlösen
3.2.3 Die Phänomenologie des Denkens
4 WIE DENKT DER MENSCH?
4.1 Das Mehr-Speicher-Modell des Gedächtnisses (nach Tarpy& Mayer 1978)
4.2 Zur Trennung von Kurz- und Langzeitgedächtnis
4.3 Ist die Theorie des Kurzzeitgedächtnisses richtig oder falsch?
4.4 Speicherung und Enkodierung von Informationen im Gedächtnis
4.4.1 Memorieren und das Arbeitsgedächtnis
4.4.2 Aktivation und das Langzeitgedächtnis
4.4.3 Die Tiefe der Verarbeitung im Gedächtnis
4.5 Speichern und Abrufen von Informationen im Gedächtnis
4.5.1 Die Interferenztheorie
a) Der Fächereffekt
b) Die Redundanz
c) Abruf und Interferenz
4.5.2 Der Abruf aus dem Gedächtnis
4.5.2.1 Der Enkodierkontext
4.5.3 Vergleich von impliziten und expliziten Gedächtnis
5 DIE UNTERSCHIEDLICHEN THEORIEN DES DENKENS
5.1 Die Assoziationstheorie oder Denken als Lernen durch Verstärkung
5.2 Regellernen: Denken als Testen von Hypothesen
5.3 Gestaltpsychologie: Denken als Problemumstrukturieren
5.4 Die Bedeutungstheorie: Denken als Assimilation an Schemata
5.5 Fragen und Antworten: Denken als Such- und Abrufprozess
5.6 Deduktives Schlussfolgern: Denken als kognitive Verarbeitung von Aussagen
6 DENKEN UND LERNEN
7 DENKEN UND WAHRNEHMUNG
8 DENKEN UND AUFMERKSAMKEIT
8.1 Die Informationsselektionsfunktion
8.1.1 Die Filtertheorie
8.1.2 Die Dämpfungstheorie und die Theorie der späten Auswahl
8.1.3 Zusammenfassung
8.2 Die Aufmerksamkeitskapazität
8.3 Aktivation und Aufmerksamkeit
9 DENKEN UND SPRACHE
9.1 Das Gebiet der Linguistik
9.2 Das Sprachverstehen
9.2.1 Das Parsing
9.2.2 Die Verwendung
9.3 Die Textverarbeitung
10 DENKEN UND ENTWICKLUNG
10.1 Denken unter dem Aspekt kognitiver Entwicklung
10.2 Jean Piaget
10.2.1 Stadienunabhängige Theorie
10.2.2 Die Entwicklungsstadien nach Piaget
11 DIE THOG-AUFGABE IM INTERESSE DER FORSCHUNG
11.1 Die THOG-Aufgabe
11.2 Fehlertypen und Theorien
11.3 Die Aufgabenschwierigkeit
11.4 Untersuchungen zur THOG-Aufgabe und die Ergebnisse
11.5 Vorwissenseinflüsse bei der THOG-Aufgabe
12 DIE UNTERSUCHUNG
12.1 Einleitung
12.2 Die Durchführung
12.2.1 Die Probanden
12.2.2 Das Material und die Vorgehensweise
12.2.3 Das Ziel der Untersuchung
12.3 Das Ergebnis
12.3.1 Die gesamte Versuchsgruppe
a) Die klassische THOG-Aufgabe
b) Der Gefängniswärter-THOG
12.3.2 Klasse 5
a) Die klassische THOG-Aufgabe
b) Der Gefängniswärter-THOG
c) Zusammenfassung:
12.3.3 Klasse 7
a) Die klassische THOG-Aufgabe
b) Der Gefängniswärter-THOG
c) Zusammenfassung
12.3.4 Klasse 9
a) Die klassische THOG-Aufgabe
b) Der Gefängniswärter-THOG
c) Zusammenfassung
12.3.5 Erwachsene
a) Die klassische THOG-Aufgabe
b) Der Gefängniswärter-THOG
c) Zusammenfassung
12.3.6 Generelle Diskussion
13 FAZIT
Zielsetzung und Forschungsgegenstand
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der semantischen Einbettung auf die Lösungswahrscheinlichkeit der sogenannten THOG-Aufgabe (einer hypothetiko-deduktiven Denkaufgabe nach Peter Wason) bei Schülern verschiedener Klassenstufen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe aus Erwachsenen.
- Analyse denkpsychologischer Grundlagen und Gedächtnisprozesse.
- Untersuchung des THOG-Problems und verschiedener Fehlertypen.
- Evaluierung von thematischen Varianten (Coverstories) zur Steigerung der Lösungsrate.
- Vergleich der Problemlösekompetenz über verschiedene Altersgruppen hinweg.
- Identifikation von Faktoren, die zur Überlastung des Arbeitsgedächtnisses führen.
Auszug aus dem Buch
Die so genannte kognitive Wende
1958 erfanden die Psychologen George A. Miller, Eugen Galanter und Karl H. Pribram in ihrem einjährigen Forschungsstipendium von der Ford Foundation ein kybernetisches Modell eines Regelkreises. Zunächst im Hinblick auf Computersysteme wandten sie dieses Modell konsequent auf den Menschen an. „Der Mensch reagiert nicht nur auf Reize (Behaviorismus), sondern er hat Pläne, die er verfolgt; während des Handelns wird in einer Rückkopplungsschleife geprüft, ob der angestrebte Endzustand erreicht ist“, fasst Lück die Theorien der Wissenschaftler zusammen. (Lück 2002, S. 166)
Diese Abkehr von der Modellvorstellung eines passiv reagierenden Menschen zu einem planenden, selbsttätig handelnden und wahrnehmenden Individuum wurde als „Kognitive Wende“ bezeichnet. Sie erfasst neben der Allgemeinen Psychologie auch die anderen Teilgebiete der Psychologie.
Die Kognitionspsychologie ist mit Beginn der siebziger Jahre zu einer dominierenden Richtung innerhalb der Psychologie geworden.
Lück schreibt in seinem Werk weiter dazu, dass man den revolutionären Charakter der Kognitionspsychologie nicht verharmlosen solle. Viele traditionelle Bereiche der Psychologie erhalten durch die Hinzunahme kognitionspsychologischer Konzepte eine neue Qualität. (Lück 2002, S. 167) Jedoch weist er auch mit Blick auf die Zukunft darauf hin, dass wir es vielleicht bald erleben werden, dass eine neue Wissenschaftsdisziplin mit interdisziplinären Charakter entsteht, die sich „Kognitive Wissenschaften“ (cognitive sciences) nennt, zu denen Informationsverarbeitung, künstliche Intelligenz, Psycholinguistik und einiges mehr zählt.“(Lück 2002, S. 168)
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die THOG-Aufgabe, die Rolle des Arbeitsgedächtnisses und die Zielsetzung der vergleichenden Untersuchung verschiedener Altersgruppen.
2 DIE GESCHICHTE DER DENKPSYCHOLOGIE: Überblick über die historische Entwicklung von der Leipziger Schule über die Gestaltpsychologie bis hin zur kognitiven Wende.
3 DIE DENKPSYCHOLOGIE UND ANDERE TEILDISZIPLINEN DER ALLGEMEINEN PSYCHOLOGIE: Erörterung der Schnittstellen zwischen Denkpsychologie, Pädagogischer Psychologie und der Definition von Denken.
4 WIE DENKT DER MENSCH?: Ausführliche Analyse des Gedächtnisses, Speichermodellen, Interferenztheorien und dem Abruf von Informationen.
5 DIE UNTERSCHIEDLICHEN THEORIEN DES DENKENS: Darstellung verschiedener wissenschaftlicher Theorien, wie Denken als Assoziation, Hypothesentesten oder Problemumstrukturierung.
6 DENKEN UND LERNEN: Untersuchung der engen Verknüpfung zwischen kognitiven Prozessen und den verschiedenen Lernarten.
7 DENKEN UND WAHRNEHMUNG: Erläuterung der Bedeutung der Wahrnehmung für das Denken und das Filtern von Informationen.
8 DENKEN UND AUFMERKSAMKEIT: Analyse der Informationsselektion, Aufmerksamkeitskapazität und der Verbindung zur Aktivation.
9 DENKEN UND SPRACHE: Beschreibung des wechselseitigen Einflusses von Sprache und Denken sowie Grundlagen der Linguistik.
10 DENKEN UND ENTWICKLUNG: Betrachtung kognitiver Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Stadientheorie nach Jean Piaget.
11 DIE THOG-AUFGABE IM INTERESSE DER FORSCHUNG: Detaillierte Vorstellung der THOG-Aufgabe, theoretische Erklärungsansätze für Fehlertypen und bisherige Forschungsergebnisse.
12 DIE UNTERSUCHUNG: Durchführung und Analyse der empirischen Untersuchung mit Schülern und Erwachsenen hinsichtlich der Bearbeitung klassischer und thematischer THOG-Aufgaben.
13 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die Schwierigkeiten bei der Erfassung kognitiver Prozesse.
Schlüsselwörter
THOG-Aufgabe, Denkpsychologie, Kognition, Arbeitsgedächtnis, Problemlösen, Gedächtnis, Interferenz, Aufmerksamkeit, Sprachverstehen, Kognitive Entwicklung, Piaget, Coverstory, Empirische Untersuchung, Wissensrepräsentation, Metakognition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung kognitiver Denkprozesse anhand der sogenannten THOG-Aufgabe, einer komplexen hypothetiko-deduktiven Denkaufgabe, und deren Bearbeitung durch verschiedene Altersgruppen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Denkpsychologie, Gedächtnisstrukturen (Speichermodelle), die Bedeutung von Aufmerksamkeit und Sprache für das Denken sowie Theorien zur kognitiven Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob eine thematische Einbettung der abstrakten THOG-Aufgabe in eine Geschichte (eine sogenannte Coverstory) zu einer höheren Lösungswahrscheinlichkeit bei Schülern führt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine empirische Untersuchung mit 81 Probanden durch, die in Schüler der 5., 7. und 9. Klasse sowie eine Erwachsenengruppe unterteilt wurden. Die Teilnehmer bearbeiteten entweder die klassische oder eine thematische "Gefängniswärter-THOG"-Variante.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit der Denkpsychologie (Gedächtnis, Lernen, Wahrnehmung, Sprache) und die praktische empirische Untersuchung mit einer detaillierten Ergebnisdiskussion.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie THOG-Aufgabe, Arbeitsgedächtnis, Problemlösen, Kognitive Wende, Piaget, Interferenztheorie und empirische Untersuchung charakterisieren.
Welche Rolle spielt das Arbeitsgedächtnis bei der THOG-Aufgabe?
Die Arbeit postuliert, dass die Schwierigkeit der THOG-Aufgabe in der Überlastung des Arbeitsgedächtnisses durch die Vielzahl zu verarbeitender Informationen liegt, was durch externe Repräsentationshilfen (wie Papier und Stift) abgemildert werden kann.
Erbrachte die thematische "Gefängniswärter-Variante" bessere Lösungsquoten?
Die Ergebnisse zeigen, dass bei den Schülern keine signifikante Verbesserung durch die Rahmenhandlung feststellbar war, während die Erwachsenengruppe insgesamt deutlich besser abschnitt.
Welchen Einfluss hat das linguistische Vorwissen auf die Lösung?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass ein gewisses sprachliches Verständnis und Training im Umgang mit komplexen Anforderungen notwendig sind, was bei jüngeren Schülern oft noch nicht ausreichend ausgeprägt ist.
- Quote paper
- Alexandra Kiesel (Author), 2006, Lösungswahrscheinlichkeit bei einem hypothetiko-deduktiven Problem. Eine 5., 7. u. 9. Klasse im Vergleich zu einer Erwachsenengruppe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57979