1 Inhalt
1 Inhalt. 2
2 Einleitung und wissenschaftliche Fragestellung 3
3 Das „Solomon Asch“ Experiment. 3
4 Das Theoriemodell der Schweigespirale. 5
4.1 Der Mitläufer-Effekt 6
4.2 Instrumente für Konformitätsdruck. 6
4.2.1 Isolationsfurcht bzw. Isolationsdrohung (Liebesentzug) 7
4.2.2 Soziale Anerkennung 8
5 Kommunikationsgruppen 9
5.1 Die Subgruppe der Reder und Schweiger 10
5.2 Der Bereich zwischen Reder und Schweiger 10
5.2.1 Die Gruppe der Inkonsistenten. 10
5.2.2 Die Anpasser 11
5.2.3 Die Gruppe der Missionare 11
6 Freuds Libido Theorie über die Bindungen in der Masse. 12
6.1 Suggestion und Libido 13
6.2 Identifizierung und Verliebtsein. 14
7 Fazit. 15
8 Literaturverzeichnis. 17
2
2 Einleitung und wissenschaftliche Fragestellung
Will man dazu gehören, muss man sich anpassen - das wissen nicht nur Schulkinder, die ihre Eltern bei der Wahl der Kleidung in den Wahnsinn treiben, wollen die doch einfach nicht verstehen, dass es eben wichtig ist, dass die Jacke von Helly Hansen und die Schuhe von Nike sind. Sonst droht dem Kind der überaus inoffizielle Ausschluss aus seinem sozialen Gefüge durch seine Freunde und Klassenkameraden, weil es dann anders wäre. Auf das Kind wirkt also ein enormer Druck, will es auch weiterhin Teil der Gruppe sein. Seine Kleidung ist eine Art Statement, eine Form non-verbaler Kommunikation, ein Reden, ohne den Mund aufzumachen. Und die falsche Kleidung ist dann wie ein falsches Wort, eine falsche Meinung. Der Prozess von Reden, Schweigen und Anpassung setzt also nicht erst bei Fragen ein, welche die gesamte Gesellschaft betreffen, sondern bereits im Kleinen; was aber löst ihn aus? Ist der nach Freud alles zusammenhaltende Eros, die Liebe zu den anderen Menschen in der Masse, die entscheidende Triebfeder im Prozess der von Elisabeth Noelle-Neumann beschriebenen Schweigespirale? Ist nicht Isolationsangst die eigentliche Angst vor Liebesentzug der anderen, verbunden mit einem Ausstoß aus der Herde und somit Konformität der entsprechende Abwehrmechanismus?
Im Folgenden soll der Prozess der Schweigespirale auszugsweise dargestellt werden und eine Gruppeneinstufung je nach Kommunikationsbereitschaft vorgenommen werden. Wie sind die, die ihre Meinung offen kundtun, was macht sie besonders? Warum schweigen die anderen?
Weiterhin soll die Theorie der Schweigespirale mit Freuds massenpsychologischem Ansatz verglichen werden, der die libidinösen Bindungen zwischen den Individuen in der Masse als Basis für deren Zusammenhalt und entsprechende Anpassung des Einzelnen erkennt.
3 Das „Solomon Asch“ Experiment
Unter welchen Bedingungen Menschen, bzw. Mitglieder einer Gesellschaft ihre Meinung offen kundtun und wann sie sich anpassen, bzw. nach Noelle-Neumann in Schweigen verfallen, untersuchte bereits in den 50er Jahren der Sozialpsychologe Solomon Asch. Der 1907 in Warschau geborene Solomon Asch wanderte 1920 in die USA aus und promovierte 1932 unter Max Wertheimer an der Columbia University. Er arbeitete später 19 Jahre lang zusammen mit anderen Forschern am Swarthmore College unter anderem an
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Theorien über Prestige Suggestion und den Unterschied zwischen sozialer und physischer Realität.
Letzteres Experiment, das als „Solomon Asch-Experiment“ in die Geschichte der Psychologie einging, sollte darstellen, dass Menschen unter Konformitätsdruck eine andere als ihre eigene Meinung kundtun, bzw. die physische Realität anders wahrnehmen, wenn sie stark von der sozialen Realität abweicht.
Aschs Versuch bestand dabei aus zehn Probanden, von denen lediglich eine Versuchsperson nicht eingeweiht, also die eigentliche Versuchsperson war. Die anderen neun waren Assistenten des Versuchsleiters. In 12 Wiederholungen wurden nun den Probanden eine Vergleichslinie und drei verschieden lange Linien gezeigt, von denen nur genau eine offensichtlich der Vergleichslinie entsprach. Diese Linie sollten die Probanden benennen, wobei die „naive“ Versuchsperson immer die letzte in der Reihe war und somit der perzipierten sozialen Realität der anderen neun ausgesetzt war. In den ersten zwei Durchläufen erkannten noch alle Probanden die richtige Linie, jedoch wurde dann der Versuchsaufbau geändert und fortan benannten die eingeweihten neun allesamt eine offensichtlich zu kurze Linie, um zu testen, ob sich die wahre Versuchsperson der vorherrschenden Gruppenmeinung anschließen oder selbstbewusst ihre eigene Meinung vertreten würde.
Abbildung 1: Das Asch-Experiment 1
Das Ergebnis war eindeutig: sechs von zehn Versuchspersonen schlossen sich innerhalb der zehn Durchläufe der Gruppenmeinung an; wir werden sie später der Gruppe der „Mitläufer“, bzw. „Anpasser“ zuordnen. Lediglich zwei von zehn Versuchspersonen ließen sich nicht von ihrer objektiv richtigen Meinung abbringen. Die verbliebenen zwei Personen schlossen sich
1 Noelle-Neumann, Elisabeth, 1980: „Die Schweigespirale“, Piper & Co. Verlag, München, S. 60
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während der zehn Durchläufe lediglich ein- bis zweimal der objektiv falschen Gruppenmeinung an.
Asch sah in dem Anschluss an die Mehrheitsmeinung ein Indiz dafür, dass Menschen aus der somit nachgewiesenen Isolationsangst, also durch die Abweichung ihrer eigenen Meinung von der der Gruppe isoliert, bzw. lächerlich gemacht zu werden, dazu tendierten, sich der Gruppenmeinung anzuschließen.
Man erkennt an Aschs Experiment deutlich, wie auch später Stanley Milgram 2 mit dem gleichen Experiment in abgewandelter Form bewies, dass in Gruppen menschlichen Zusammenseins ein Druck empfunden wird, der Mehrheit zu entsprechen, mit dieser also konform zu sein. Elisabeth Noelle-Neumann nannte dies den Konformitätsdruck, den Individuen in der Masse aus Angst vor Isolation durch Abweichung von der Mehrheit wahrnehmen und der entscheidend ist im dynamischen Prozess der von Noelle-Neumann beschriebenen Schweigespirale.
Wie dieses Phänomen unter den Aspekten der Freud’schen Massenpsychologie zu werten ist, soll in einem späteren Kapitel untersucht werden.
4 Das Theoriemodell der Schweigespirale
Basierend auf dem zunächst unerklärlichen Wahlergebnis der Bundestagswahl von 1965, bei dem völlig überraschend und haushoch die CDU / CSU gewann, obwohl die Ergebnisse der Wahlabsichtsumfragen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgingen 3 , stellte Elisabeth Noelle-Neumann in den 70ern ihre Theorie der Schweigespirale auf, deren Auswirkung sich auch bei der Bundestagswahl von 1972 deutlich zeigten. Es mögen die Lager der SPD und CDU / CSU Anhänger zahlenmäßig gleich gewesen sein, was sich auch in der recht ähnlichen Verteilung der Wahlabsichten zu erkennen war, jedoch waren sie in ihrer Begeisterung und Präsenz keineswegs gleich. Noelle-Neumann schrieb hierzu: „Öffentlich sah man nur SPD-Abzeichen, es war kein Wunder, dass das Kräfteverhältnis falsch eingeschätzt wurde“ 4 . Daraus entwickelte sich die Dynamik, dass wer der neuen Ostpolitik zugetan war, spürte, dass seine Meinung von allen gebilligt würde und
2 Milgram nutzte bei seinem Experiment verschieden lange Töne statt der Linien. Er verglich von 1957-1959 die Auswirkungen des Konformitätsdruckes auf Probanden in Norwegen und Frankreich und kam zu dem Ergebnis, dass sich sowohl im konformistischen Norwegen, als auch dem als individualistisch geltenden Frankreich die Mehrheit der naiven Versuchspersonen der Mehrheitsmeinung anpassten und bestätigte so Aschs Annahmen.
3 Noelle-Neumann, Elisabeth, 1980: „Die Schweigespirale“, Piper & Co. Verlag, München, S. 13f
4 Noelle-Neumann, Elisabeth, 1980: „Die Schweigespirale“, Piper & Co. Verlag, München, S. 18
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Arbeit zitieren:
Stefan Zeidler, 2005, Denn sie tun es aus Liebe - Die Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann im Licht der massenpsychologischen Ansätze von Siegmund Freud, München, GRIN Verlag GmbH
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