1. Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltsverzeichnis 2. Einleitung 3. Nationale Identität und nationale Symbole 3.1. Konstruktion nationaler Identität 3.2. Identität als abstraktes Konstrukt 3.3. DFB Spieler als nationale Symbole 4. Die Personalisierung nationaler Identität: Eine Presseauswertung 4.1. Michael Ballack: Der Staatsmann 4.2. Lukas Podolski: Der Mann aus dem Volk 4.3. Unterschiedliche Sichtweisen der ausgewerteten Zeitungen 5. Schlussbemerkung 6. Literaturverzeichnis
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2. Einleitung
Nationalstaaten haben im 21. Jahrhundert mit einem großen Gegner zu kämpfen: Der zunehmenden Internationalisierung. Innerhalb der Europäischen Union sind im Gesetzgebungsprozess weitgehende Kompetenzen von der nationalstaatlichen auf die supranationale Ebene verlagert worden. Das diesem Prozess auch Kritik und Ablehnung entgegengebracht wird, zeigt sich nicht zuletzt im negativen Abstimmungsverhalten von Frankreich und den Niederlanden beim Referendum zur EU-Verfassung im Frühsommer 2005. Nur allzu oft wird suggeriert die EU sei ein herzloses bürokratisches Monster, dessen Leib, gleich dem eines Schwarzen Loches jegliche belebte und unbelebte Materie absorbiert und die Luft zum Atmen nimmt.
Wenn der Bezugsrahmen des Nationalstaats aufgelöst wird, beziehungsweise seine Relevanz schwindet, wo lässt sich so etwas wie nationale Identität überhaupt noch realisieren? Ähnlich dem uns wohlbekannten gallischen Dorf, das nicht aufhört dem Eindringling Widerstand zu leisten, gibt es einen Bezugsrahmen, in dem der Nationalstaat wenig von seiner alten Rolle eingebüßt hat. Dieser Bezugsrahmen wird durch die Fußballnationalmannschaften gebildet, die eine Unterkategorie des Bereichs Sport sind, gleichsam aber dessen populärstes Beispiel. .
Auch wenn der Fußballsport selbst von der Globalisierung massiv beeinflusst wird, man denke beispielsweise nur an die Zahl der ausländischen Spieler in der Bundesliga 1 oder die globale Vermarktung einzelner Spieler wie David Beckham, hat sich auf Ebene der Nationalmannschaften ein Konzept erhalten, das geradezu statisch an den Begriff des Nationalstaates gekoppelt ist. Das Recht als Nationalspieler in ein Trikot zu schlüpfen, ist formal gesehen streng an die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes gebunden. 2 Die Internationalisierung der Lebenswelten ist hier also an einem formalen Kriterium eingeschränkt und bietet Raum um nationale Eigenarten, Vorstellungen, Klischees und bestimmte Symbole, kurz eine nationale Identität aufrecht zu erhalten.
1 Ähnliches gilt für nahezu alle Profiligen.
2 Das Problem der doppelten Staatsangehörigkeit sei an dieser Stelle ausgeblendet.
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Diese These verlangt danach, auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft zu werden. Und genau damit wird sich diese Arbeit beschäftigen. Im einem ersten Schritt werden die theoretischen Grundlagen geliefert. Ausgangspunkt ist der Ansatz Benedict Andersons, dass Nationen vorgestellte konstruierte Gemeinschaften (imagined communities) sind. Es wird jedoch nur die Bedeutung für Nationalstaaten untersucht. 3 Nationale Identität ist demnach auch eine Konstruktion. Die Herausbildung einer nationalen Identität, soll dabei am Beispiel des Fußballsports untersucht werden. Diese Untersuchung bildet den zweiten, empirischen Teil dieser Arbeit. Im Zentrum steht dabei die Betrachtung der DFB-Nationalmannschaft, insbesondere aber die Betrachtung der Nationalspieler Michael Ballack und Lukas Podolski während des Konföderationen-Pokals 2005 (Confed-Cup) in Deutschland. 4 Da konstruierte Identitäten sich immer auch über Mittel der Massenkommunikation vermitteln, werden Mechanismen nationaler Identitätsbildung, anhand einer Medienanalyse überregionaler deutscher Tageszeitungen aufgezeigt und analysiert.
3. Nationale Identität und nationale Symbole
In den 80er Jahren hat insbesondere Benedict Anderson in „Die Erfindung der Nation“ 5 die Funktionalität des Nationsbegriffes hervorgehoben. Besondere Betonung liegt dabei auf der sozialen Organisationsform einer Nation. Die Nation wird dabei als vorgestellte politische Gemeinschaft betrachtet:
Vorgestellt ist sie deswegen, weil die Mitglieder selbst der kleinsten Nation die meisten anderen niemals kennen, ihnen begegnen oder auch nur von ihnen hören werden, aber im Kopf eines jeden die Vorstellung ihrer Gemeinschaft existiert. 6
3 Diese Unterscheidung ist insofern wichtig, als es auch Nationen ohne Staat gibt (man denke an das palästinensische Volk).
4 Vom 15.06.05 - 29.06.05.
5 Anderson, Bendedict: „Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts (erweiterte Auflage).“ Berlin: 1998. (Im Original „Imagined Comunities: 1983.”)
6 Anderson, Bendedict: „Die Erfindung der Nation.“ S. 12f.
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Ermöglicht wurde dies durch das Aufkommend des Buchdrucks, einen expandierenden Zeitungsmarkt und durch eine gemeinsame Sprache. Der Glaube an eine Nation ist dabei kein zeitloses Gut, sondern an den Glauben an eine Gemeinschaft gekoppelt, die vorgestellt ist. Im massenmedialen Zeitalter, wird dieser Effekt, auf eine neue Ebene der vorgestellten Gemeinschaft gebracht. Der Fußball und die Austragung internationaler Turniere mit nationalen Mannschaften, ist also eine Teilform jener vorgestellten Gemeinschaft von der Anderson spricht. Mit dem Glauben an eine Gemeinschaft, wird gleichzeitig eine Identität der Gemeinschaft kreiert, die ihrerseits Identifikation ermöglicht. Im Zeitalter der Globalisierung, schwindender nationaler Grenzen und somit auch objektiv schwächeren nationalen Unterschieden, kommt dem Fußball der Nationalmannschaften als subjektivem Identifikationsmodell besondere Bedeutung als Rückzugsgebiet zu.
3.1. Konstruktion nationaler Identität
Die Existenz von Nationalstaaten heutiger Prägung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in ihrer Entwicklung keinesfalls einem archaischen Prinzip gefolgt sind. Anders ausgedrückt: Nationalstaaten sind nicht Ausdruck einer überkommenden göttlichen Ordnung, sondern das Resultat einer Konstruktion, die im Europa des späten 18. ihren Ausgang nahm und sich im Laufe der Jahre global ausgedehnt hat. Dieser Konstruktionsprozess folgt jedoch nicht einem einheitlichen Muster. Kriege, historische Ereignisse (klassisch: Die Französische Revolution), territoriale Abspaltungs- und Einigungsbewegungen, sowie bewusste Mechanismen von Inklusion und Exklusion („Wir - Die Anderen“), lassen aber zumindest die Bandbreite nationaler Konstruktionsprozesse erkennen. Wenn Anderson in seinem Nationskonzept die vorgestellte Gemeinschaft ins Zentrum seiner Betrachtung rückt, so stellt sich die Frage, ob es über das reine Wissen von dieser Gemeinschaft hinaus andere Faktoren gibt, die den Konstruktionsprozess erleichtern. Die nationale Identität scheint dabei der entscheidende Faktor zu sein.
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Sie ist, wie die Nation selbst ein Konstrukt, das bestimmten Mechanismen folgt und ein bestimmtes Ziel hat:
Als Minimalkonsens darf [...] gelten, daß die Konstruktion nationaler Identität als Versuch zu begreifen ist, kollektive Identität auf der Basis einer Kombination von primordialen (historischen, territorialen, sprachlichen, ethnischen) Faktoren bzw. Symbolen und politischen Grenzen herzustellen. 7
Mit den politischen Grenzen beschreibt Eisenstadt den Nationalstaat, innerhalb dessen so etwas wie Identität konstruiert werden kann. Nationale Identität entsteht jedoch nicht automatisch und auch nicht nur in bezug auf bestimmte historische Ereignisse. Auch hier gilt, dass die Akzeptanz kollektiver Identität nicht auf einen objektiven Kontext zurückzuführen ist:
Kollektive Identität meint nicht den objektiven, etwa systemischen Zusammenhang selbst, den die Menschen miteinander bilden, sondern seine Interpretation durch die ihm Angehörigen. 8
Kollektive Identität ist also nur dann wirksam und nur dann wirklich, wenn sie kollektiv, zumindest mehrheitlich kollektiv akzeptiert wird. Erst dann kann eine nationale Identität erfolgreich sein. Es wurde schon erwähnt, dass die Mechanismen der nationalen Identitätsstiftung nicht nach dem Baukastenprinzip funktionieren. Jede Nation schafft sich ihre eigene (kollektive) Identität. Aber wie? Ohne Personen, die bestimmte Ereignisse symbolhaft darstellen ist es schwierig nationale Identität, insbesondere a posteriori zu konstruieren. Sicher gab es die Boston Tea Party. Aber was wären die USA ohne George Washington? Was wäre das Wunder von Bern (um auf das Thema Fußball zurückzukommen) ohne Fritz Walter und Helmut Rahn? Eisenstadt spricht in diesem Zusammenhang von bestimmten „Trägergruppen“ 9 als Ausdruck nationaler Identität. Die massenmediale Aufmerksamkeit, die dem Fußball entgegengebracht wird, der hohe Identifikationsgrad mit einzelnen Mannschaften und einzelnen Spielern, lässt den Fußball im Sinne von Anderson und Eisenstadt als Konstrukteur und Träger von Identität erscheinen.
7 Eisenstadt, Shmuel Noah: „Die Konstruktion nationaler Identitäten in vergleichender Perspektive.“ In:
Nationale und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit.“ Hrsg.
v. Bernhard Giesen. Franfurt/Main: 1991. S. 21.
8 Estel, Bernd: „Nation und nationale Identität. Versuch einer Rekonstruktion.“ Opladen: 2002. S. 108.
9 9 Eisenstadt, Shmuel Noah: „Die Konstruktion nationaler Identitäten in vergleichender Perspektive.“ S. 21.
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Arbeit zitieren:
Martin Höche, 2005, Nation und Fußball: Fußballnation? Michael Ballack und Lukas Podolski als zentrale Akteure zur Konstruktion nationaler Identität während des Konföderationenpokals 2005 , München, GRIN Verlag GmbH
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