Inhalt:
1 E i n l e i t u n g
2. Das Eingreifen der Schweden unter GustavAdolf
2.1 Die Invasion und ihre Vorgeschichte
2.2 Die Wende
3. Retter des Protestantismus oder Eroberer aus dem Norden
3 1 D a s M a n i f e s t
3.2 Rettung des Protestantismus
3.3 Rettung der deutschen „Libertät“
3.4 Strategische, politische und wirtschaftliche Faktoren
4 F a z i t
5 B i b l i o g r a p h i e
2
1. Einleitung:
Mit der Landung auf deutschem Boden im Sommer 1630 griff Gustav Adolf in den deutschen Krieg ein, der zu diesem Zeitpunkt schon etwa 12 Jahre währte. Mit dem militärischen Eingriff schrieb Gustav Adolf europäische Geschichte und sollte einen Zeitraum einläuten in dem Schweden Großmachtcharakter besaß. Das Mächteverhältnis in Deutschland zwischen Protestanten und Katholiken wurde innerhalb weniger Monate durch zahlreiche Siege sowohl gegen die kaiserlichen Truppen als auch gegen die Streiter der katholischen Liga umgedreht. Die kaiserliche Vormachtstellung in Deutschland wurde erfolgreich bekämpft.1 Gustav Adolf sollte jedoch schon im Jahre 1632 bei der Schlacht von Lützen fallen. Nach seinem Tode wurde ein Mythos geboren, der vor allem unter den Protestanten Gefallen fand - der Mythos von Gustav Adolf als dem Retter und Beschützer des Protestantismus. Katholiken werfen dem Schwedenherrscher hingegen bis heute Expansionsdrang auf Kosten der Deutschen und Ruhmsucht vor. Als Schwerpunkt in dieser Arbeit sollen die populärsten und wahrscheinlichsten Beweggründe für ein Eingreifen Gustav Adolfs in Deutschland geprüft werden. Die Arbeit besteht aus zwei Teilen - einer Beschreibung der Invasion bis zum Tode Gustav Adolfs unter Berücksichtigung ihrer Vorgeschichte und der Situation im Reich sowie außenpolitischer Geschehnisse. Anschließend erfolgt die Untersuchung der Kriegsgründe Rettung der Glaubensbrüder, Rettung der deutschen „Libertät“ sowie die Möglichkeit eines Präventivschlages. Die Untersuchung erfolgt auf Basis von Ausschnitten aus dem Kriegsmanifest Gustav Adolfs sowie seiner Reichstagsdebatten.
1 Oredsson, Geschichtsschreibung und Kult, S. 11.
3
2.Das Eingreifen der Schweden unter Gustav II. Adolf.
2.1 Die Invasion und ihre Vorgeschichte
Während der Kämpfe der Kaiserlichen gegen den Dänenkönig Christian IV. waren die Armeen Tillys und Wallensteins Ende des Jahres 1626 bis an die Ostsee vorgerückt. Die Dänen wurden auf die Halbinsel Jütland zurückgedrängt und die deutsche Ostseeküste konnte Anfang 1627 von den Katholischen in Besitz genommen werden. Der kaiserliche Feldherr Wallenstein wurde 1628 von Ferdinand II. zum „General des ozeanischen und baltischen Meeres“ ernannt.2 Einzig die Hansestadt Stralsund vermochte den offensiven Aktionen der Katholiken Einhalt zu gebieten, u. a. weil sie dänische und schwedische Militärhilfe bezog. Einige Tausend Schweden wurden zur Verteidigung der Stadt von Gustav II. Adolf gesandt. Wallenstein, der Kommandierende der Belagerung, musste 1628 unverrichteter Dinge wieder abziehen. In einer Art Stellvertreterkrieg zwischen Schweden und dem Habsburgerreich auf Kosten Stralsunds und Polens ließ Ferdinand II. dem polnischen König Sigismund III. im Frühjahr 1629 militärische Unterstützung zukommen3 - seit etwa 1625 versuchte Sigismund eine schwedische Invasion abzuwehren. Am 25. September schlossen Polen und Schweden dank französischen Eingreifens einen auf sechs Jahre befristeten Waffenstillstand. Richelieu war an einem schwedischen Engagement in Deutschland interessiert. Die Franzosen befanden sich in militärischen Auseinandersetzungen mit den kaiserlichen Truppen in Norditalien und auch entlang des Rheines schien eine militärische Konfrontation unvermeidlich, so dass ein schwedischer Einmarsch in Norddeutschland eine willkommene Entlastung für die Franzosen darstellte.4
2 Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 40f.
3 Ebda., S. 42. 4 Junkelmann, Gustav Adolf, S. 301.
4
Am 6. Juli 1630 landete Gustav II. Adolf mit einem Schwedenheer von ca. 14 000 Mann auf Usedom, die militärische - politische Situation, mit der der Schwedenkönig konfrontiert wurde, war allerdings alles andere als günstig. Außer Stralsund mit seiner kleinen schwedischen Besatzung hatten die Nordmänner keine nennenswerten Verbündeten. PARKER beschreibt die Lage folgendermaßen:
„Nur diejenigen, die etwas verloren (die Herzöge von Mecklenburg und von Sachsen - Weimar) oder zu erwarten hatten (einer der Anwärter auf Braunschweig - Lüneburg) bzw. unmittelbar von kaiserlichen Truppen bedroht oder besetzt waren (Hessen - Kassel und das säkularisierte Bistum Magdeburg), erklärten sich für Gustav Adolf.“5
Auch die französischen Verbündeten, die durch ihre Vermittlung mit Polen die schwedische Landung erst ermöglicht hatten, hielten sich mit Unterstützung zunächst zurück. Unsichere politische Zeiten in Frankreich ließen erst am 23. Januar 1631 finanzielle Unterstützung zu, was im Vertrag von Bärenwalde festgelegt wurde.6 Mit den protestantischen Fürsten hatte sich der Schwede einen Schulterschluss erhofft - veranlasst durch die Empörung über den kaiserlichen Restitutionsedikt von 1629. Doch die potentiellen Verbündeten, von denen die mächtigsten gewiss der Kurfürst Johann Georg von Sachsen und der Calvinist Georg Wilhelm von Brandenburg waren, zeigten sich relativ unbeeindruckt. Die propagandistisch verbreiteten Absichten Gustav Adolfs, wie z.B. die Verteidigung der deutschen Libertät und die Rettung des Protestantismus sowie die Revanche für die katholische Militärhilfe für Sigismund III., schienen die Protestanten nicht zu überzeugen, vielmehr betrachteten sie den König als einen vom Eroberungswillen getrieben Machtmenschen.7
5 Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 202.
6 Ebda., S. 203.
7 Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 50.
5
Auf dem Leipziger Konvent der Protestanten im April 1631 bestärkten die evangelischen Reichsstände ihr Streben nach Neutralität und dem Herausbilden einer dritten Macht neben dem Habsburger und den Gustav Adolf.8 Eine passive Haltung, um für Verbündete zu werben, schien angesichts der prekären Lage des schwedischen Expeditionsheeres nicht angepasst. Die französischen Zahlungen waren zwar willkommen, aber längst nicht ausreichend die Soldzahlungen der Soldaten zu gewährleisten, die norddeutschen Regionen waren durch die jahrelangen Kämpfe mit dem Dänenkönig ausgeblutet, des Weiteren wurde Magdeburg von Tilly belagert, so dass Gustav Adolf keine andere Möglichkeit blieb, als durch eine Offensive das Scheitern der Invasion zu verhindern.9 Im April 1631 rückten schwedische Truppen nach Brandenburg und Mecklenburg vor und der überrumpelte Kurfürst Georg Wilhelm sah sich gezwungen ein Bündnis mit den Schweden zu akzeptieren und die militärische Infrastruktur, bzw. seine Truppen den Schweden zu überlassen.10 Drei Fehler Tillys ließen die Aussichten der Schweden auf eine starke Allianz mit den Protestanten positiv erscheinen. Zum einen verwüsteten die katholischen Truppen am 20. Mai Magdeburg, was in einem Inferno mit gewaltigen Verlusten unter der Zivilbevölkerung endete. Das Massaker kam der schwedischen Kriegspropaganda nur gelegen und Zeitungen, Flugblätter und -schriften kursierten in ganz Europa.11 Zum zweiten griff die Armee Tillys am 4. September Sachsen an und provozierte dadurch ein Bündnis zwischen Schweden und dem sächsischen Kurfürsten Georg Friedrich, welches seine erste Bewährungsprobe in der Schlacht bei Breitenfeld am 17. September bekommen sollte und diese auch glänzend bestand. Die Schweden und Sachsen errangen einen deutlichen Sieg:
8 Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 51.
9 Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 204. 10 Schmidt, Der Dreissigjährige Krieg, S. 51. 11 Parker, Der Dreissigjährige Krieg, S. 204.
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Arbeit zitieren:
Philipp Gaier, 2004, Die schwedische Invasion 1630: Rettung des Protestantismus oder pragmatische Machtpolitik?, München, GRIN Verlag GmbH
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