Die vorliegende Arbeit wurde unter größter Mühe und Zeitaufwand gefertigt. Während der Entstehung gab es so manches Ereignis, dass ich nicht allein hätte lösen können. An dieser Stelle möchte ich deshalb allen Danken, die mir so tatkräftig mit ebenfalls viel Zeitaufwand geholfen haben.
Inhaltsverzeichnis
3
1
Inhaltsverzeichnis
5
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis 6
Einleitung 7
1 Das Ökosystem 9
1.1 Die Weiterentwicklung einer wissenschaftlichen Be- 9
trachtung
1.1.1 Das Problemfeld Ökosystem 11
1.1.2 Fazit 13
1.2 Das natürliche Ökosystem 14
1.2.1 Stoff- und Energieflüsse in natürlichen Räumen 16
1.2.2 Zusammenfassendes Fazit 18
1.3 Das urbane Ökosystem 19
1.3.1 Stoff- und Energieflüsse in urbanen Räumen 20
1.3.2 Fazit 28
1.4 Vom natürlichen zum urbanen Ökosystem 28
1.4.1 Fazit 30
2 Siedlungstätigkeit 32
2.1 Landschaftsveränderung und Flächeninanspruchnahme 33
2.1.1 Bevölkerungsentwicklung und -dichte 34
2.1.2 Anthropogene Landschaftsnutzung 36
2.2 Urbanisierung und Siedlungstätigkeit 37
2.2.1 Suburbanisierungsprozesse 39
2.2.2 Verkehr 41
2.2.3 Fazit 43
Inhaltsverzeichnis
4
3 Die Auswirkungen der Siedlungstätigkeit auf die 45
Veränderung des Naturhaushalts
3.1 Klima und Luft 47
3.1 1 Gegenüberstellung des urbanen und natürlichen 48
Ökosystems
3.1.1 Lufttemperatur als verändertes meteorolo- 49
gisches
Element
3.1.3 Luftmassetausch in urbanen Räumen 51
3.1.4 Natürliche Ökosysteme in urbanen Räumen 54
3.1.5 Luftverunreinigungen durch Siedlungstätigkei- 56
ten
3.1.6 Klimatische Veränderung durch den Verkehr 63
3.1.7 Fazit 64
3.2 Böden 65
3.2.1 Veränderung durch Siedlungsfunktionen 66
3.2.2 Schwermetalle in den Siedlungsböden 69
3.2.3 Verdichtung und Versiegelung 71
3.2.4 Fazit 72
3.3 Wasserhaushalt in Siedlungsräumen 74
3.3.1 Wasserentnahme 74
3.3.2 Oberflächen als Einflussfaktoren innerhalb von 76
Siedlungsr äumen
3.3.3 Oberflächengewässer 78
3.3.4 Fazit 81
3.4 Die städtische Tierwelt 82
3.4.1 Haustiere 84
3.4.2 Fazit 84
Schlussbemerkungen 85
Quellennachweis 90
Literaturangaben 90
Im Internet einzusehende Quellen 96
Anhang 102
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Unzerschnittene verkehrsarme Räume in Deutschland
Abb. 2 Stoffkreislaufdiagramm des natürlichen Ökosystems
Abb. 3 Energieflussdiagramm des natürlichen Ökosystems
Abb. 4 Stoffverlagerung Deutschlands in die EU
Abb. 5 Entwicklung des Primärenenergieverbrauchs
Abb. 6 Energieflussdiagramm des urbanen Ökosystems
Abb. 7 Verbrauch und Verwertung von Verbrauchverpackungen
Abb. 8 Stoffkreislaufdiagramm des urbanen Ökosystems
Abb. 9 Energetische und stoffliche Wechselbeziehungen
Abb. 10 Bevölkerungsdichte 2002
Abb. 11 Bestand an Kraftfahrzeugen nach Fahrzeugart
Abb. 12 Veränderung der Ökosphäre einer Großstadt
Abb. 13 Bodenthermik
Abb. 14 Aufbau der Stadtatmosphäre
Abb. 15 Auf Straßenbäume einwirkende Stressfaktoren
Abb. 16 SO2-Emissionen in kt
Abb. 17 NOX als NO2-Emissionen in kt
Abb. 18 CO-Emissionen in kt
Abb. 19 CO2-Emissionen in Mio.t
Abb. 20 VOC-Emissionen in kt
Abb. 21 Staub-Emissionen in kt
Abb. 22 Die Emscher in Herne
Abb 23 Entwicklungstendenzen
Tabellenverzeichnis
Tab. 4 Wesentliche umweltrelevante Prozesse im Boden 65
Tab. 5 Versiegelungsgrad von Stadtböden 71
Tab. 6 Status of Regulating and Cultural Services 88
Einleitung
In den letzten Jahrzehnten hat die Natur eine gravierende Veränderung erfahren. Dies ist nahezu täglich zu lesen und zu beobachten. Die Frage, ob und in welchem Ausmaß der Mensch die Verantwortung für diesen Wandel trägt, wird selbst in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Unumstritten ist mittlerweile, dass der anthropogen bedingte Ausstoß bestimmter Stoffe wie z.B. FCKW oder CO 2 einen negativen Einfluss auf die Umwelt darstellt. Welche Bedeutung jedoch der Siedlungstätigkeit für die Veränderung des Naturhaushalts zukommt, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.
Im ersten Kapitel wird der Versuch einer Darstellung und Bestimmung der Begriffe Ökologie und Ökosystem unternommen. Einer Unterscheidung von natürlichem und urbanem Ökosystem folgt eine Betrachtung ihrer Zusammenhänge und Wechselbezie-hungen.
Gegenstand des zweiten Kapitels ist der Wandel der Naturlandschaft zur Kulturlandschaft. Unter dem Aspekt eines explosionsartigen Anstiegs der Bevölkerungszahl und einer damit einhergehenden Flächeninanspruchnahme wird die dadurch entstandene Notwendigkeit eines Ausbaus von Siedlungen und Verkehrswegen beleuchtet. Hierbei wird keine detaillierte Unterscheidung einzelner Siedlungstypen und ihrer spezifischen Auswirkungen getroffen, da sich die vorliegende Arbeit tendenziell an einer Gesamtbe-trachtung aller Siedlungsformen und -tätigkeiten orientiert.
Das dritte Kapitel fokussiert die relevantesten Veränderungen des Naturhaushalts auf-grund anthropogener Siedlungstätigkeit. Insbesondere wird in diesem Kontext auf Veränderungen des Klimas, der Luft, des Bodens, des Wassers und der Fauna eingegangen. Veränderungen der Flora finden an entsprechenden Stellen in den jeweiligen Kapiteln Erwähnung.
Aufgrund der Fülle von Teilbereichen handelt es sich bei dem Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit um ein weitläufiges und offenes Feld, das sich aus diesem Grund eher als Schnittfeld vieler verschiedener Disziplinen versteht. Daher werden einige Teilbereiche, denen im weiteren Verlauf des Textes in Bezug auf die Siedlungstätigkeit periphere Bedeutung zukommt, nur am Rande erwähnt (wie z.B. der Tagebau, Reliefabsenkungen durch den Bergbau oder Reliefprägung durch Aufhöhungen mit Kulturschutt).
Direkten Ereignissen wie den Schreckensmeldungen nach der Tschernobylkatastrophe von 26.04.1986 wird in der vorliegenden Arbeit geringere Bedeutung zugemessen, da sie sich mit größeren Zusammenhängen als Einzelfällen wie einem Super-GAU oder anderen schrecklichen Ausnahmefällen beschäftigt. Es sollen gerade alltägliche und weniger offensichtliche Eingriffe durch Siedlungen oder ihr Entstehen in den Vordergrund gerückt werden.
Ökosysteme als eines der wichtigsten Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts. 1 Es wird als das neuntwichtigste Problem gelistet. Ob diese Einschätzung richtig ist, soll in der vorliegenden Arbeit geklärt werden.
1 vgl.: Langner, Alexandra/ Jaeckel, Ulf D. (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Hg.): Wirtschaftliche Globalisierung und Umwelt. Integration von Umweltschutz in die Wirtschaftsordnung. Berlin, S. 29. Einzusehen:
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/glob_umwelt.pdf (16.03.2005)
1 Das Ökosystem
In diesem ersten Teil der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit der Entwicklung des Ökologiebegriffs und seiner Erörterung auseinandersetzen. Ich erachte es für notwendig, da der sehr wissenschaftliche Begriff im Alltag oft falsch genutzt und in der politischen Argumentation nicht selten manipulativ verwendet wird. Besonders trifft dies auf die Vorsilbe „Öko“ zu. „Ökologie“ wird häufig als ein „Weg zur Natur“ oder als Synonym für „Umweltschutzforschung“ verstanden. Diese Bedeutung ist heute in Politik, Planung und manchen Wissenschaften schon normativ. 2 Der Begriff „Ökologie“ wird in der vorliegenden Arbeit aber synonym für „Beziehungsgefüge von Lebensgemeinschaften zu ihrer Umwelt“ verwendet. Dies beinhaltet auch die Beziehung der Menschen zu ihren Siedlungsräumen. Die meist in der Biologie hervorgehobene Betrachtung der Bezie-hungsgefüge von Lebewesen untereinander wird hier ausgeklammert, da es für den Un-tersu-chungsgegenstand der urbanen Räume von minderer Bedeutung ist.
1.1 Die Weiterentwicklung einer wissenschaftlichen Betrachtung
Der Begriff Ökologie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten „oikos“ (Haus) und „logos“ (Lehre) zusammen. Das Wort „Ökologie“ tauchte schon 1858 bei Thorau auf, wurde aber von Haeckel 1866 geprägt und definiert. 3 Haeckel beschrieb die Ökologie als Wissenschaft, welche die „Beziehung des Organismus zur umgebenden Außenwelt“ 4 untersucht. Als Zoologe bezog er die Begriffsbestimmung sehr stark auf die Tierwelt. 1889 erweiterte er seine Begriffsbestimmung und nahm „alle (…) Organismen“ 5 im Sinne eines Haushalts der Natur in seine ökologische Beschrei-bung auf. 6
Sowohl die intensivere Auseinandersetzung mit dem Begriff als auch der Untersu-chungsgegenstand der Ökologie blieb sehr lange nur Anliegen der Biologie. Verdeutlicht wird dies bei Stugren (1974), der den Berufszweig der Ökologen den Zoologen und Bo-
2 vgl. Sukopp, Herbert/ Trepl, Ludwig (1999): Stadtökologie als biologische Wissenschaft und als politisch-planerisches Handlungsfeld, S. 19, in: Friedrichs, Jürgen/ Hollaender, Kirsten (Hg.): Stadtökologische Forschung. Theorien und Anwendungen. Berlin, Reihe: Stadtökologie, Band 6. S. 19 - 34
3 vgl. Streit, Bruno (1980): Ökologie. Ein Kurzlehrbuch. Stuttgart, New York, S. 1 vgl. dazu auch: Schreiber, Karl-Friedrich (1994): Historische Entwicklung der Landschaftsökologie, S. 31, in: Bastian, Olaf/ Schreiber, Karl-Friedrich (Hg.): Analyse und ökologische Bewertung der Landschaft. Jena, Stuttgart, S. 31 - 32
4 Haeckel, Ernst (1866): Allgemeine Entwicklungsgeschichte der Organismen. Berlin, S. 286, zitiert in: Adam, Klaus (1988): Stadtökologie in Stichworten, Unterägeri, S. 11
5 Haeckel, Ernst (1889): Natürliche Schöpfungsgeschichte. Berlin, zitiert in: Adam, Klaus (1988): S. 11
6 Adam, Klaus (1988): S. 11
naturnahe Ökosysteme im Zentrum des Interesses standen, da der Siedlungsraum allgemein als naturfeindlich galt und es dort somit keinen „Naturhauhalt“ geben könne. Alle Lebensgemeinschaften in urbanen Räumen wurden als Zufallsprodukte abgetan. Man glaubte, dass Tiere und Pflanzen nur in geringer Zahl auftreten würden. 8 Als vor knapp über 30 Jahren die Ökologieforschung den Bereich der Stadt in ihre Analyse mit aufnahm, konnte diese Fehlannahme berichtigt werden. Man fand sogar Gegenteiliges heraus, indem man feststellte, dass der Artenreichtum der Flora und Fauna in Siedlungsräumen teilweise sogar größer als in naturnäheren Umlandgebieten ist (siehe 3.4). 9
Da es den Rahmen der Arbeit sprengen würde und es zudem für den weiteren Diskussionsinhalt von minderer Bedeutung ist, werde ich den Diskurs um die Definition und die Arbeitsweisen der Ökologie von den 1930ern bis in die 60er Jahre hinein sowie die Erweiterungen, Entwicklungen und Spezialisierungen bis in die 80er Jahre hier nicht ausbreiten. Somit beschränke ich mich auf eine Definition der Ökologie, über die heute weitgehende Einigkeit besteht: die Ökologie, ähnlich zu der Definition von Haeckel, untersucht die Wechselbeziehungen von Organismen (Lebewesen) zu ihrer Umwelt (Lebensraum). Es besteht weitgehende, aber nicht vollständige Einigkeit, da sich die jeweiligen Autoren auf bestimmte Teilaspekte spezialisieren und demnach die Definitionen unterschiedliche Prioritäten erhalten.
Als der Botaniker Sir Tansley die wechselseitige Abhängigkeit von Tier- und Pflanzenwelt sowie eine enge Beziehung zu deren Umwelt erkannte, prägte er 1935 mit seiner Wortneuschöpfung den Begriff des Ökosystems. 10 Die Betrachtung eines bestimmten Raumes bzw. die geographische Eingrenzung mit dem dahinter stehenden ökologischen System fand aber erst nach seinem Tod 1955 Anklang in der Ökologieforschung. Einen Aufschwung erlebte die Ökosystemforschung sogar erst durch das Internationale Biologische Programm (IBP) Anfang der 70er Jahre und durch das 1970 von der UNESCO gegründete und immer noch aktive Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB). 11 Ziel dieser Programme ist die Ermöglichung einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen im Einklang mit einer dauerhaften Sicherung der natürlichen Lebens- 7 Stugren, Bogdan (1974 2 ): Grundlagen der allgemeinen Ökologie. Jena, S. 14
8 Sukopp, Herbert/ Trepl, Ludwig (1999): S. 20
9 ebd.: S. 20
10 Odum, Eugene P. (1991): Prinzipien der Ökologie. Lebensräume, Stoffkreisläufe, Wachstumsgrenzen. Heidelberg, S. 50
11 vgl.Schreiber, Karl-Friedrich (1994): Historische Entwicklung der Landschaftsökologie, S. 32, vgl. dazu auch: Küttel, Meinrad/ Ruoss, Engelbert: Das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“, http://www.unesco.ch/work-d/mab_frame.htm (27.02.2005),
Haber, Wolfgang (1980): Landwirtschaftliche Bodennutzung aus ökologischer Sicht, S. 12, in: Informationsstelle der Universität Hohenheim (Hg.): Tagung über Umweltforschung der Universität Hohenheim. Ökologische Probleme in Agrarlandschaften. Daten und Dokumente zum Umweltschutz. Sonderreihe: Umwelttagung Nr. 30, S. 11 - 22
UNESCO. 12
Das Forschungsfeld der Ökologie wurde durch den Beginn der System- und im Speziellen der Ökosystemforschung zwangsläufig vielschichtiger, da es von der Biologie allein in ihrer Ganzheit nicht mehr zu erfassen war. Neben der Notwendigkeit die verschiedenen Teilaspekte ganzheitlich zu ergründen, war es die Bewusstwerdung der Umweltprobleme, die immer mehr Disziplinen veranlasste, der Systemforschung beizutreten, um ihren spezialisierten Beitrag zu ihren komplexen Fragestellungen zu leisten. Durch die sich anschließenden Naturwissenschaften wurde die Ökologie zu einer Inter-Disziplin. 13
1.1.1 Das Problemfeld Ökosystem
Die Disziplinvielfalt des neu entstandenen Problem- und Bestimmungsfeldes lässt Streit (1980) die Einheitlichkeit einer ökologischen Theorie in Frage stellen. 14 Mosimann (1984) hebt hingegen die Heterogenität des Ökosystems hervor und betont damit die Vielfalt der verschiedenen Aspekte. 15 Sukopp/ Wittig (1998) berücksichtigen beide Betrachtungsweisen, indem sie einerseits der fehlenden Fachsprachenkenntnis die Schuld am Unverständnis untereinander geben und andererseits die Notwendigkeit der Erfassung eines gesamten Ökosystemkomplexes durch verschiedene Disziplinen darlegen. 16 Nicht zuletzt wegen den unterschiedlichen Prioritätensetzungen, sind Uneinigkeiten unter den Disziplinen (insbesondere zwischen der Biologie und der Geographie) immer noch aktuell. 17 Auch wenn dadurch in der Definition des Ökosystems die unterschiedlichsten Ansätze und Prioritätensetzungen entstehen, so wie es auch schon bei der Begriffsbe-stimmung der Ökologie war, besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass das Ökosystem ein offenes und dynamisches System ist und dass die Erforschung der Organismen im Funktionsgefüge zum Lebensraum im Vordergrund steht.
Ein natürliches Ökosystem lässt sich laut Bick et al. (1984) zwar generell von einem anderen natürlichen abgrenzen (z.B. das Ökosystem des Sees, dass sich von dem benachbarten Waldökosystem, abgrenzt), stehen aber durch Energiefluss, Transport und Wande-
12 Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (2004): Das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ http://www.unesco.de/c_arbeitsgebiete/mab.htm (22.03.2005)
13 vgl. Schreiber, Karl-Friedrich (1994), Historische Entwicklung der Landschaftsökologie, S. 32, vgl. dazu auch: Sauerborn, Petra/ Wolf, Gertrud (2003): Stadtökologie. Grundlagen und Beispiele für den Unterricht. Aachen, S. 1
14 vgl. Streit, Bruno (1980): S. 1
15 vgl. Mosimann, Thomas (1984): Landschaftsökologische Komplexanalyse, S. 18, in: Stäblein, Gerhard/ Windhorst, Hans-W. (Hg.): Wissenschaftliche Paperbacks. Geographie. Wiesbaden
16 vgl. Sukopp, Herbert/ Wittig, Rüdiger (1998 2 ): Was ist Stadtökologie, S. 2, in: Sukopp, Herbert/ Wittig, Rüdiger (Hg.): Stadtökologie. Stuttgart, Jena, New York, S. 1 - 9
17 vgl. Menting, Georg (2001): Geoökosystemforschung aufs Abstellgleis? Zum Beitrag Jürgen Lethmate „Das geoökologische Defizit der Geographiedidaktik“. GR 52 (2000) H. 6, S. 34 - 40, in: Geo- graphische Rundschau 53 (2001) H. 3, S. 60 - 61
Ergebnis kam schon Wolkinger (1977), als er die Vernetzung von natürlichen und städtischen Ökosystemen aufzeigte und für die Stadt als notwendig beschrieb, da sie dank Kreisprozessen von ihrem Umland mitversorgt würden. Damit hat er allerdings die Stadt als einen Siedlungsraum als einen „Ökoparasit“ 19 deklassiert.
Ein prägender Fortschritt in der Ökosystemforschung war die Unterscheidung der natürlichen und naturnahen von urban-industriellen Ökosystemen. Ellenberg gilt hierbei als einer der Vorreiter. In seiner Definition des Ökosystems (1973) sprach er von einem ökologischen Gleichgewicht, dass „sich bis zu einem gewissen Grade“ selbst zu regulie-ren vermag. 20 Aufbauend auf Ellenberg unterschied Adam (1988) die beiden Ökosysteme über die Selbstregulierung ihrer Stoffkreisläufe und ihrer Energiekaskaden (siehe 1.2.1 und 1.3.1). Die Abhängigkeit der urbanen Ökosysteme von einer ständigen Zufuhr an zusätzlicher Energie ließ ihn die Unökonomie der urbanen Räume hervorheben. 21
Mit genauerer Differenzierung des urbanen vom natürlichen Ökosystem wurde das Einbeziehen der Siedlungsräume in das gesamtökologische System notwendig. Durch diese zunehmende Definitionsausdifferenzierung entstand eine genauere Betrachtungsweise und Erforschung der urbanen Räume, sodass die Stadtökologie Einzug in die Forschung hielt. Man erkannte, dass die Stadt, entgegen früherer Annahmen, nicht so lebensfeindlich ist und die Prinzipien der Ökologie erfüllt. Ende der 70er Jahre gingen schließlich auch die Biologen dazu über die urbanen Siedlungsräume als Biosphären anzuerkennen und zu untersuchen.
Nach dem Einzug der urbanen Ökosysteme in die Ökologie und einer genaueren Analyse des städtischen Ökosystems von Tomašek (1979) wurde in einem Kolloquium über ökologische Terminologie (1980) ein grundsätzlich neuer Begriff des Ökosystems erar-beitet. 22 Hier sollten die technischen Strukturen und Elemente und deren Ausbreitung in der Umwelt sowie das umfassende Netzwerk der Beziehungen und Kreisläufe zum Um-land berücksichtigt werden. Weiterhin beinhaltet diese Definition nicht mehr das Prinzip der Selbstregulierung, da es einer allgemeingültigen Definition, die auch für das urban-städtische Ökosystem gilt, nicht mehr entspricht.
18 Bick, Hartmut/ Geisler, Eduard/ Hansmeyer, Karl Heinrich/ Meyer-Abich, Klaus Michael/ Olschowy, Gerhard (1984): Umwelt - kein „freies Gut“, S. 16, in: Bick, Hartmut/ Hansmeyer, Karl Heinrich/ Olschowy, Gerhard/ Schmoock, Peter (Hg.): Angewandte Ökologie - Mensch und Umwelt. Band 1. Einführung, räumliche Strukturen, Wasser, Lärm, Luft, Abfall. Stuttgart, S. 3 - 57
19 vgl. Wolkinger, Franz (1977): Die Stadt als künstliches Ökosystem, S. 9, in: Gepp, Johann (Schriftl.): Stadtökologie. Tagungsbericht der 3. Fachtagung des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Umweltwissenschaften und Naturschutz in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Naturschutzbund gemeinsam mit der Abteilung für Ökologie und Naturschutz am Institut für Anatomie und Physiologie der Pflanzen der Universität Graz. Graz, S. 9 - 40
20 Ellenberg, Heinz (1973): Ziele und Stand der Ökologieforschung, S. 1 ff, in: Ellenberg, Heinz (Hg.): Ökosystemforschung. Berlin, S. 1 - 31
21 vgl. Adam, Klaus (1988): S. 4 sowie S. 24
22 vgl. Eriksen, Wolfgang (1983): Die Stadt als urbanes Ökosystem. Paderborn, S. 4
allerdings mit dem Zusatz, dass zu dieser Lehre auch die Betrachtung der gewachsenen Sozialsysteme und eine aktive Ressourcenschonung gehören. Weiterhin stellt sie die besondere Bedeutung der stadtökologischen Fragestellung heraus, die sich mit einer möglichen Vereinigung von dichter Stadtstruktur und angenehmen Lebensbedingungen beschäftigt. 23
In jüngster Zeit erfährt die Ökosystem- und Stadtökologieforschung eine Erweiterung des Arbeitsfeldes durch überregionale Ansätze, welche ein globales Ökosystem sowie die Fernwirkung der Städte auf ihr naturnahes Umland betrachten. Dieser globalen Fragestellung gehen beispielsweise 1500 Wissenschaftler im Rahmen einer von der UN geführten Studie, die auf 4 Jahre angesetzt ist und rund 25 Million Euro kostet, seit 2001 nach. Am 30. März 2005 werden auf einer Pressekonferenz in London die Berichte zur Diskussion gestellt. Über die Ergebnisse und die endgültige Fassung wird man im Laufe des Jahres verfügen können. 24
Eine andere, ebenfalls neuere Strömung ist die Herangehensweise der Kultur- oder der Humanökologie, die auf Ethnologie, Psychologie und Anthropologie basiert. 25 Die Humanökologie ist eine Weiterführung bzw. eine Spezialisierung der Stadtökologie. Sie betrachtet vor allem die Zusammenhänge von menschlicher Gesundheit im Zusammenspiel mit ihrer Umgebung, meist also der Stadt.
1.1.2 Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Forschungsgebiet der Ökologie in den letzten 150 Jahren stark gewandelt und entwickelt hat, wobei die stärkste Entwicklung in den letzten 50 Jahren passierte und heute durch die UN-Studie immer noch Thema ist. Die Ökologie veränderte sich von einer einzigen wissenschaftlichen Betrachtungsweise, der Biologie, zu einer Inter-Disziplin. Damit ging eine kontinuierliche Spezialisierung und Vertiefung der einzelnen Inhaltsbereiche einher. Aus der Ökologie, die die Wechselbeziehung von Organismen untereinander und zu ihrer Umwelt untersucht, entstand der funktionale Ansatz der Ökosystemforschung, die sich mit der spezielleren Fragestellung nach der Funktionsweise und den Wechselbeziehungen (der Systeme) diverser Organismen zu ihrer Lebenswelt beschäftigt. Mit der Betrachtung der Ökosysteme entstand eine Unterscheidung der natürlichen und naturnahen von den urban-industriellen Ökosystemen. Daraus resultierte eine genauere Erforschung der Stadtsysteme, eben die Stadtöko-
23 Kennedy,Margrit (1984): Öko-Stadt. Prinzipien einer Stadtökologie. Materialien zur Internationalen Bauausstellung Berlin (IBA). Band 1. Frankfurt a. M., S. 5, Reihe: Brun, Rudolf (Hg.): Brennpunkte
24 Amor, Adlai (2005): Millennium Assessment Reports to be Released 30 March. Washington http://www.millenniumassessment.org/en/Article.aspx?id=49 (22.02.2005)
25 vgl. Bargatzky, Thomas (1986): Einführung in die Kulturökologie. Berlin, vgl. dazu auch: Meusburger, Peter/ Schwan, Thomas (Hg. 2003): Humangeographie. Ansätze zur Über- windung der Natur-Kultur-Dichotomie. Wiesbaden
stehenden System, denn nicht die einzelnen Bausteine tragen zum Verständnis der Natur bei, sondern die Struktur des Ganzen.
1.2 Das natürliche Ökosystem
Das natürliche Ökosystem wird in der Alltagssprache, aber auch zum Teil in der Fachliteratur als „Umwelt“, „Natur“ oder „Bio-Ökosystem“ bezeichnet. Die Frei-, Grün- und Waldflächen werden aufgrund der historischen Anpassung des Menschen an seine urbane
26 Müller, Karl-Heinz (1984): Naturwissenschaftliche Daten - Grundlagen für Stadtökologie und ökologische Planung, S. 165, in: Adam, Klaus/ Grohé, Tomas (Hg.): Ökologie und Stadtplanung. Erkenntnisse und praktische Beispiele integrierter Planung, Köln, S. 165 - 177
27 ebd.: S. 165
28 vgl. Schäfer, D./ Krack-Roberg, E./ Hoffmann-Kroll, R. (Statistisches Bundesamt, 2002): Ergebnisse der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen zur Bodennutzung durch wirtschaftliche Aktivitäten. Kurzbericht. Wiesbaden, S. 4. Einzusehen: http://www.destatis.de/download/d/ugr/euro_bod.pdf (26.02.2005)
29 Müller, Karl-Heinz (1984): S. 165
30 Umweltbundesamt (Hg. 2001): Unzerschnittene verkehrsarme Räume in Deutschland. Stand 31.12.2001, http://www.env-
it.de/umweltdaten/jsp/document.do?event=downloadImage&ident=5162&width=1024 &height=1570 (01.03.2005)
men Räume, die spärlich gesät sind, anschaut (siehe Abb. 1). Das Funkkolleg „Mensch und Umwelt“ gibt im Wesentlichen den Eingriffen der Industrieländer in den Naturhaushalt die Schuld am desolaten Zustand der Umwelt. 31 Damit sind insbesondere die Veränderungen der Elemente der Naturgüter (wie Klima, Luft, Boden, Wasser, Flora, Fauna) und die Stoffkreisläufe im Austausch der Naturelemente untereinander gemeint. Der Naturhaushalt ist prinzipiell der Einfluss von biotischen und abiotischen (lebenden und nicht lebenden) Faktoren auf das Wirkungsgefüge des Ökosystems solange es nicht dem menschlichem Einfluss ausgesetzt ist.
Die zuvor angesprochene Befähigung zur Selbstregulation wird von vielen Autoren nur den natürlichen Ökosystemen zugesprochen und grenzt sich somit von den urbanen oder anthropogen geprägten Ökosystemen ab. 32 Unter der Selbstregulation versteht man z.B.
die Gesetzmäßigkeiten der Populationsdynamik. Eine Population kann zunehmen, aber immer nur bis zu einer gewissen Kapazitätsgrenze. An diese Grenze nähert sich die Population langsam an und pendelt sich um den Grenzwert ein. Sie kann aber auch exponentiell überschritten werden, was einen mehr oder minder abrupten Zusammenbruch bis unter die Kapazitätsgrenze zur Folge hat. Auf ein menschgeprägtes Ökosystem kann man diese Selbstregulation nicht übertragen, da der Mensch zwar zu der exponentiell wachsenden Population gehört, der aber bis zu diesem Zeitpunkt vor keiner Wachstumsgrenze Halt gemacht hat. 33
Man kann drei Prinzipien von Systemen im Allgemeinen unterscheiden:
1. Die abgeschlossenen oder isolierten Systeme, die in keinerlei Austausch mit ihrer Umwelt stehen.
2. Die geschlossenen Systeme, die nur Energie mit ihrer Umwelt austauschen. 3. Die offenen Systeme, die sich mit ihrer Umwelt im Stoff- und Energieaustausch befinden.
Ökosysteme gehören zum dritten Prinzip. Doch auch wenn jedes Ökosystem immer im Austausch mit seiner Umwelt steht, gibt es Ökosysteme, die weitestgehend autark oder autonom sind. Zwar ist der Energietausch immer noch die Triebkraft, der Kreislauf und Austausch von Stoffen vollzieht sich aber weitestgehend innerhalb eines Ökosystems. Weiterhin ist prägnant, dass die Ökosysteme aus anderen untergeordneten, kleineren Systemen (biologische Systeme - Vegetation/ Lebewesen - Tiere, Insekten sowie organische, anorganische, chemische/ leblose Systeme) aufgebaut und miteinander verknüpft sind. Nur durch die Verkettung mehrerer Elemente kann es zu einem Stoffkreislauf kommen und so ein intaktes Ökosystem bilden. 34
31 vgl. Bick, Hartmut/ et al. (1984): S. 3
32 vgl. Eriksen, Wolfgang (1983): S. 5
33 vgl. Bick, Hartmut/ et al. (1984): S. 21ff
34 vgl. Stugren, Bogdan (1974 2 ): S. 44f
Um sich dem natürlichen Ökosystem zu nähern und die Kreisläufe zu verstehen, muss man vor allem die Literatur der Biologie mit einbeziehen. In dieser Literatur findet man nur selten, wenn überhaupt in neueren Werken, den Menschen als einen Teil des ökologischen Systems. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Betrachtung der Energie- und Stoffkreisläufen sowie bei den Nahrungsketten der Organismen, wobei das Hauptforschungsinteresse meistens bei den Tieren und Pflanzen ist.
Der Kreislauf von Nahrungsketten ist beispielhaft für natürliche Ökosysteme samt Stoffkreislauf und Energiefluss und besteht aus Produzenten, Konsumenten und Destruenten. Der Produzent ist ein autotropher Organismus, der entweder aus der Lichtenergie der Sonne (Grünpflanzen) oder aus chemischer Energie (verschiedene Bakterienarten) organische Verbindungen aufbaut. Die Produzenten oder Autotrophen, wie sie auch genannt werden, wandeln also Licht- oder chemische Energie in Nahrungsenergie um. Der Konsument, als heterotropher Organismus, daher auch Heterotroph genannt, ernährt sich von der aufgebauten Nahrungsenergie der Autrophen. Die Heterotrophen sind nicht in der Lage, eigenständig organische Verbindungen aufzubauen und müssen sich von anderen Organismen ernähren.
Der Konsument erster Ordnung ernährt sich von dem Produzenten und ist meist ein Pflanzenfresser. Der Konsument zweiter Ordnung (Fleischfresser) ernährt sich von dem erster Ordnung. Der Konsument dritter Ordnung (ebenfalls Fleischfresser) von dem zweiter Ordnung usw. So ist die Weitergabe der Nahrungsenergie vom Produzenten zum Konsumenten erster Ordnung, zum Konsumenten zweiter Ordnung usw. abfallend. Von Weitergabe zu Weitergabe nimmt die nutzbare Energie ab. Das ist auch der Grund, warum es in einem Ökosystem nach dem Gesetz der Nahrungspyramide 35 immer mehr Pflanzenfresser als Fleischfresser gibt.
Als letztes Glied der Nahrungskette zerlegen die Destruenten (das sind vor allem Mikro-organismen) das meist tote oder ausgeschiedene organische Material. Bei dem Zersetzen werden wieder viele Stoffe (Kohlendioxid, Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Methan, Wasserstoff, Phosphat, Chlor, Natrium, Kalium, Kalzium und verschiedene Metalle) frei und an die autotrophen Organismen weitergegeben. 36 Die Destruenten, zerlegen das organische Material in anorganische Stoffe. Diese anorganischen Stoffe werden dann von den Produzenten in organische Stoffe umgewandelt. 37 So wird aus der Nahrungskette ein sich schließender natürlicher Stoffkreislauf mit einem Energiedurchlauf.
35 vgl. Adam, Klaus (1988): S. 16
36 vgl. Tischler, Wolfgang (1993 4 ): Einführung in die Ökologie. Stuttgart, Jena, New York, S. 145f
37 vgl. Bick, Hartmut (1993 2 ): Ökologie. Grundlagen, terrestrische und aquatische Ökosysteme, ange-wandte Aspekte. Stuttgart, S. 24,
vgl. dazu auch: Haber, Wolfgang (1993): Umweltschutz als Verantwortung der privaten Haushalte, S. 15, in: Gräbe, Sylvia (Hg.): Private Haushalte im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie, Frank- furt a.M., S. 11 - 29
ren Zustand über und wandelt sich nicht. Damit entsteht eine restlose Wiederverwertung und stellt einen perfekten „Recyclingprozess“ dar:
Alle Stoffe in einem System befinden sich in einem Kreislauf, der von Energie angetrieben wird. Jede Lebensstufe verbraucht mehr Energie, welche schließlich als Wärme aus dem System entfernt wird, was einen einmaligen Energiedurchgang zur Folge hat. 39 Somit wird aus aller Energie Wärme:
38 Strey, Gernot (1988): Ökosystem Stadt, Reihe: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) (Hg.): Umweltschutz im Unterricht. Materialien zur Umwelterziehung. Heft 21, S. 12
39 ebd.: S. 146
40 ebd.: S. 11
gespeichert oder als Wärmeenergie in den Raum zurückgestrahlt. 41 Die auf der Erde ankommende Sonnenenergie kann von den Grünpflanzen nur zu einem sehr geringen Teil gespeichert werden, nämlich zu 1 bis 5%. Andererseits speichert die Pflanzenmasse zehnmal mehr Sonnenenergie, als die Welt an Energie braucht. 42 Von dieser Energie stehen noch 10 - 80% den Pflanzenfressern zur Verfügung. Diese Angaben variieren je nach Breitengrad und Vegetation. 43 Die Sonne ist aber nicht die einzige Energiequelle, denn für viele Ökosysteme sind Wind, Regen, Wasserströmungen und Brennstoffe, die allerdings erst durch die Sonnenenergie ermöglicht werden, als Energiequelle von großer Bedeutung. 44 Die Energie ist essentiell, um den Kreislauf des Lebens anzutreiben. Sie ist die erste Größe der Nahrungskette und des damit verbundenen Stoffkreislaufes.
Es gibt aber nicht nur Stoffkreisläufe, die auf einer Nahrungskette beruhen, sondern auch solche, die auf dem Austausch und der Wanderung von Stoffen innerhalb eines Systems basieren. In ebenen Lagen befindet sich der Stoffkreislauf im Gleichgewicht, auch wenn es Verlagerungen bzw. Stoffaustausch gibt. An einem Höhengradienten kann der Stoffaustausch einseitig verlaufen. Verdeutlichen kann man dieses am Regenwasser. Der Niederschlag auf den höheren Lagen fließt zu einem großen Teil in das das tiefer gelege-ne Gebiet. Dieses Niederschlagwasser verursacht eine einseitige Stoffverlagerung und damit ein ökologisches Ungleichgewicht. Margalef (1979) spricht sogar von einem „Ausbeuten“ der Hochlagen durch die Tieflagen. 45
1.2.2 Fazit
Das natürliche Ökosystem ist ein offenes dynamisches System mit funktionierenden Stoffkreisläufen. Die Stoffkreisläufe befinden sich in einem Fluss, einem perfekten „Recycelprozess“ der Stoffe. Es besteht also ein natürliches Gleichgewicht mit einem ausgeglichenen Naturhaushalt, das als Status einer Naturlandschaft gesehen werden kann. In einem idealtypischen natürlichen Ökosystem werden damit alle Outputs wieder als Inputs verwertet, sodass bezogen auf das natürliche Ökosystem insgesamt keine Abfälle anfallen. Der Stoffkreislauf wird allein durch die Sonnenenergie angetrieben, welche vom Autotrophen bis zum Destruenten weitergegeben und anschließend als Wärme aus
41 Haber, Wolfgang (1980): S. 13
42 Scheffer, Konrad (1995): Nachwachsende Rohstoffe - Grundlage für eine neue Stadt-Land-Beziehung, S. 85, in: Sachs, Anne (Hg.): Die Zukunft der Stadt. Neue Leitbilder von Ökologie und Urbanität, Beiträge der 21. Kassler Hochschulwoche. Kassel, S. 85 - 90
43 Heydemann, Berndt (1987): Einführung in die Ökologie. Grundlagen - Erkenntnisse - Entwicklungen, S. 13, in: Meyers Lexikonredaktion in Zusammenarbeit mit Prof. Klaus Wegmann (Hg.): Meyers kleines Lexikon. Ökologie, S. 5 - 14
44 Odum, Eugene P. (1991): S. 51
45 Haber, Wolfgang (1980): S. 15
des Haushaltes und der Artenvielfalt und -anzahl. Das natürliche Ökosystem ist also viel mehr als „die Natur“, die der stadtgeprägte Mensch in einem Park sieht.
1.3 Das urbane Ökosystem
Das urbane Ökosystem wird in der Fachliteratur häufig auch als urban-industrielles Ökosystem, Techno-Ökosystem oder städtisches Ökosystem betitelt, woran sich auch der vorliegende Text orientiert. Gemeint sind siedlungstechnische Einrichtungen und Siedlungen aller Art, wie Städte, Ballungszentren, Industriegebiete, etc. Wie in 1.1 schon angesprochen wurde das urbane Ökosystem lange Zeit von Biologen und Ökologen nicht als Ökosystem anerkannt. Es ist ein künstliches System, das der Mensch geprägt hat und weiterhin verändert. Eines in dem die Energie- und Stoffkreisläufe, wie in 1.2.1 beschrieben, nicht autonom sind. 46 Daraus resultiert eine instabile Balance des urbanen Ökosystems, dass nur durch ständigen Energiezuschuss stabil zu halten ist. 47
Um die daraus resultierende Gefährdung eines urbanen Ökosystems beurteilen zu können, muss man sich mit der Bedeutung der Stabilität, der Belastung und den Fähigkeiten zur Regulation auseinandersetzen:
Die Stabilität ist die Eigenschaft eines ökologischen Systems, nach einer Störung wieder zu seiner Ursprünglichkeit zurückzukehren. Der zeitliche Bestand eines Systems hat keinen direkten Einfluss auf die Stabilität, denn der Regenwald als Beispiel, der seit Jahrhunderten im ökologischen Gleichgewicht steht, ist äußerst labil und nicht in der Lage stärkere Eingriffe des Menschen selbständig zu kompensieren.
Die Störungen durch den Menschen können zu den Belastungen gezählt werden, da sie Einfluss auf das Ökosystem haben, es aber nicht direkt vernichten.
Hier kommt die Belastbarkeitsgrenze eines Ökosystems ins Spiel, denn wenn die Belastung über die Fähigkeit zur Regulation hinausgeht (also Belastungen abzubauen, ohne Schaden zu hinterlassen), ist diese Belastbarkeit missachtet oder unabsichtlich überschritten worden. 48
Eine Sensibilisierung für dieses empfindliche System und seine Kreislaufzusammenhänge fand erst mit den ersten Gefährdungen und Katastrophen statt: Smogalarm, Dioxinvergiftungen, Tschernobyl, Gefährdung des Trinkwassers durch das gewaltige Abfallauf- 46 Sprunkel,Elke (1995): Konzeption eines stadtökologischen Lehrpfades in den Kölner Stadtteilen Deutz und Humbolt-Gremberg, S. 121, in: Wallossek, Christoph/ Würz, Axel (Hg.): Studien zur Biogeographie, Geoökologie und Umweltbelastung. Kölner Geographische Arbeiten. Heft 65, S. 119 - 136
47 Müller, Karl- Heinz (1984): S. 165
48 Bick, Hartmut/ et al. (1984): S. 24
nologisch dominierten menschlichen Welt, ein System auf der Grundlage eines Ursache-Wirkungs-Modell ist. Dieses ist geprägt durch ein Netz von Rückkoppelungen und verschachtelten Regelkreisläufen, die nicht immer gleichförmige und erwartbare Entwicklungen durchmachen.
1.3.1 Stoff- und Energieflüsse im urbanen Raum
Aufgrund von Bebauungen, hohen Bevölkerungszahlen, Verkehrsdichte samt Lärm und Emissionsbelastungen, Industrie und der immensen Überprägung des natürlichen Ökosystems entsteht ein veränderter Wirkungskomplex. Das daraus resultierende urbane Ökosystem hat seine eigenen Strukturen und Wirkungsflüsse und damit sich eigenständig herausbildende Stoffströme und Energieflüsse.
49 Hahn, Ekhart (1993 2 ): Ökologischer Stadtumbau. Konzeptionelle Grundlegung, Reihe: Künkel, Klaus/ Simonis, Udo Ernst (Hg.): Beiträge zur kommunalen und regionalen Planung, Band 13. Frankfurt a. M., Berlin, S. 80
50 Haber, Wolfgang (1993): Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes, Reihe: Buchwald, Konrad/ Engelhardt, Wolfgang (Hg.): Umweltschutz. Grundlagen und Praxis. Bonn, S. 68
banes Ökosystem ist, dass sie nicht ohne menschlichen Eingriff stattfinden können. Neben den vom Menschen eingeleiteten Stoffströmen, die also künstlichen Ursprungs sind, gibt es auch vom Menschen veränderte und umgeleitete natürliche Stoffströme.
Die natürliche Versickerung des Regenwassers und die Umlenkung in technische Anlagen innerhalb der urbanen Räume verdeutlicht dieses. In der weiteren Ausführung der Arbeit liegt der Schwerpunkt aber bei den vom Menschen eingeleiteten und verursachten Stoffflüssen.
Es handelt sich bei bereits genannten den Stoffflüssen vor allem um Materialflüsse, die den Weg eines Stoffes von seiner Gewinnung als Rohstoff über die Stufen der Veredlung, über die Stufe des Endproduktes, den Ge- oder Verbrauch bis zur Entsorgung oder seiner Wiederverwertung beschreiben. Aus dem Blickwinkel eines urbanen Raumes handelt es sich um den Weg eines Stoffes in diesen Raum und um den Weg wieder hinaus. Hierbei kann es sich sowohl um künstliche als auch um natürliche Stoffe handeln. Die Stoffflüsse verdeutlichen eine Verflechtung und Abhängigkeit der Siedlungsräume zu ihrem Umland, teilweises auch ihrer globalen Wechselbeziehung. 51
Zur Veranschaulichung der Abhängigkeit der Städte zum Umland kann man Siedlungsräume bzw. Städte, Ballungszentren, etc. anführen, die nicht an einem Fluss, See oder einer anderen Wasserquelle liegen und darauf angewiesen sind, dass Wasser über Fernleitungen zu diesen Siedlungen und in die Haushalte transportiert wird. So kann jeder Haushalt durch Wasserleitungen über Wasser verfügen, wann er will. Umgekehrt muss das Abwasser, allein schon um eine gewisse Hygiene zu gewährleisten, umgekehrt aus dem Siedlungsgebiet gelangen, sodass in den 50er Jahren fast alle Haushalte an die Kanalisation geschlossen wurden. Das mindert jedoch nur die punktuelle und nicht die globale Verschmutzung, denn sie wird nach außerhalb, nicht selten in Flüsse und Ozeane transportiert (siehe 3.3.2). 52
Das gleiche Versorgungsprinzip gilt für Energie, sowie für Nahrung, Kleidung, etc. Ähnlich wie im natürlichen Kreislauf wird die Zuführung bzw. der Stofffluss durch Energie gewährleistet. Dieser urbane Stofffluss ist prinzipiell nichts anderes als eine Materialverschiebung die in der Bilanz der Stoffmenge einen Anhaltspunkt darstellen kann, um die Veränderung der Natur zu verdeutlichen. 53 Im urbanen System reicht die Energie der Sonne als alleinige Antriebskraft für den Stofffluss nicht mehr aus. Es muss zusätzliche, künstlich gewonnene Energie zur Verfügung stehen. Die häufigste Gewin-nung erfolgt durch das Verbrennen fossiler Substanzen, die die Umwelt stark belasten, weil da- 51 Sukopp, Herbert/ Trepl, Ludwig (1999): S. 21
52 vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Generaldirektion Umwelt, Nukleare Sicherheit und Katastrophenschutz (Hg. 1990): Grünbuch über die städtische Umwelt. Brüssel, Luxemburg, S. 23
53 vgl. Simon, Karl-Heinz/ Fritsche, Uwe (1998 2 ): Stoff- und Energiebilanzen, S. 373f, in: Sukopp, Herbert/ Wittig, Rüdiger (Hg.): Stadtökologie. Ein Fachbuch für Studium und Praxis. Stuttgart, Jena, Lübeck, Ulm. S. 373 - 400
(siehe: 3.1.3). 54 .
Wie dicht die Energie, zur Aufrechterhaltung des urbanen Ökosystems, mit dem natürlichen Stoffkreislauf verwoben ist, zeigt ein Blick auf die Bereitstellung der Energie. Die meiste Energie wird aus fossilem Material gewonnen, das zwangsläufig zu den Energie-umwandlern (Kraftwerke) transportiert werden muss.
Dieses Material wird dem natürlichen Haushalt, als Endprodukt eines Stoffkreislaufes, entnommen, was eine zwangsläufige Abnahme der Energieträger zur Folge hat, wenn es nicht ebenso schnell produziert wie abgebaut wird. Nach einer Studie des „Instituts für angewandte Ökologie e.V.“ werden in Deutschland die geförderten einheimischen fossilen Brennstoffe bis zum Jahr 2020 drastisch abnehmen. Die Bereitstellung des Rohöls wird gänzlich eingestellt werden müssen, die Erdgasbereitstellung geht um knapp die Hälfte zurück und die Steinkohlebereitstellung wird sich um 2 / 3 verringern. 56 Richtet man den Blick auf den globalen Vorrat der fossilen Energieträger, bekommt man ebenso ernüchternde wie erschreckende Daten, die eine Abkehr von deren Nutzung über kurz oder lang, ob gewollt und eingeleitet oder erzwungen, notwendig machen. Die Bereitstellung
54 vgl. Fiedler, Klaus/ Hennerkes, Jörg (1995): Städte für eine Umweltgerechte Entwicklung. Matrialien für eine „Lokale Agenda 21“. DST- Beiträge zur Stadtentwicklung und zum Umweltschutz, Reihe E, Heft 24, S. 13
55 Dürrschmidt, Wolfhart/ Zimmermann, Gisela/ Liebing, Alexandra (2004 5 ): Enerneurerbare Energien. Innovation für die Zukunft, S. 8. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (Hg.)
56 vgl. Fritsche, Uwe R. (2003): Energiebilanzen und Treibhausgas-Emissionen für fossile Brennstoffketten und Stromerzeugungsprozesse in Deutschland für die Jahre 2000 und 2020. Bericht für den Rat für Nachhaltige Entwicklung. Darmstatt, S. 8 - 10
Arbeit zitieren:
Dennis Worbs, 2005, Vom natürlichen zum urbanen Ökosystem: Die Auswirkungen der Siedlungstätigkeit auf die Veränderung des Naturhaushalts, München, GRIN Verlag GmbH
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