Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Soziale Dilemmata 6
3. Ökologisch- Soziale Dilemmata 7
4. Das Handeln in ökologisch- sozialen Dilemmata aus
handlungstheoretischer Sicht 8
5. Das Handeln in ökologisch-sozialen Dilemmata aus
Spieltheoretischer Sicht 10
6. Kommunikation und Kooperation als Einflussfaktoren
auf umweltschonendes Verhalten in ökologisch- sozialen
Dilemmata 13
6.1 Ein Experiment 13
6.2 Der Einfluss von Kommunikation im ökologisch- sozialen
Dilemma 15
6.2.1 Kommunikation Eine Begriffsbestimmung 16
6.2.2 Der Kommunikationseffekt auf Entscheidungsebene 17
6.2.2.1 Informationsvermittlung 18
6.2.2.2 Die Vermittlung sozialer Normen 19
6.2.2.3 Vertrauensbildung 20
6.2.2.4 Gruppenidentität 20
6.2.3 Der Kommunikationseffekt auf der Lösungsebene 21
6.2.3.1 Erwerb von lösungsrelevantem Wissen 21
6.2.3.2 Gefühl der Selbstwirksamkeit 21
6.2.3.3 Appell-Funktion 22
6.2.3.4 Vergeltungs- und Vorbildfunktion 22
6.3 Der Einfluss von Kooperation im ökologisch-sozialen
Dilemma 22
6.3.1 Kooperation aufgrund sozialer Normen 23
6.3.2 Kooperation aufgrund äußerer Anreize und Sanktionen 24
6.3.3 Kooperation aufgrund von Vertrauen 25
6.3.4 Kooperation aufgrund von Attributionen 25
6.3.5 Gewissen und Soziale Orientierungen als Kooperations
ursache 26
7. Zusammenfassung und Ergebnis 27
7.1 Die Ergebnisse aus handlungstheoretischer Sicht 30
7.2 Die Ergebnisse aus spieltheoretischer Sicht 30
8. Diskussion und Fazit 31
3
1. Einleitung
In der Ökologischen Psychologie steht die Interdependenz zwischen Mensch und Umwelt im Mittelpunkt. Diese Mensch-Umwelt-Beziehung birgt großes Potential für Konflikte: Oftmals steht den Interessen des Einzelnen ein Schaden, der vor allem die Umwelt und oftmals eine ganze Gemeinschaft trifft, gegenüber. Zahlreiche Umweltprobleme sind Folge einer Situation, in der viele Akteure gemeinsam über eine knappe Ressource verfügen. Unter diesen Umständen ist die Neigung gering, in deren Erhalt zu investieren, und die Neigung groß, sich mehr als "nötig" von der Ressource anzueignen. Die Beispiele reichen von der Überfischung der Weltmeere, der Abholzung der tropischen Regenwälder und der Ausrottung gefährdeter Arten bis hin zum Treibhauseffekt und der damit verbundenen Klimagefährdung. Die Wichtigkeit der Kenntnis ökologischen Handelns bzw. der Folgen nicht-ökologischen Verhaltens zeigt sich an einem eindrucksvollen Beispiel: In einer Umweltbefragung von Diekmann und Preisendörfer (1992) in den Städten Bern und München wurde u.a. das Energiesparverhalten erhoben. Als Indikator für den sparsamen Umgang mit Heizenergie galt die Zustimmung zu der folgenden Frage: "Wenn Sie im Winter Ihre Wohnung für mehr als vier Stunden verlassen, drehen Sie da normalerweise die Heizung ab oder herunter?" Nur 23 Prozent der befragten Schweizer, dagegen aber 69 Prozent der Münchnerinnen und Münchner bejahten die Frage. Sollte diese enorme Differenz ein Zufall sein?
Sind die Bernerinnen und Berner vielleicht weniger umweltbewusst als die Bewohner der bayerischen Metropole? Dies ist nicht der Fall, denn beim Umweltbewusstsein erzielen die Berner keine geringeren Werte als die Münchner.
Welche Determinanten bestimmen das Verhalten der Berner Bevölkerung bzw. das Umweltverhalten der Menschen überhaupt? Kann man Umweltverhalten produktiv/ kontraproduktiv beeinflussen? Wann verhalten wir uns kooperativ mit unseren Mitmenschen, unserer Umwelt?
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Axelrod behauptete, dass „[…] die Evolution der Kooperation beschleunigt werden kann, wenn vorausschauende Beteiligte die Fakten der Theorie der Kooperation kennen“ (1987, S.22).
Kooperatives Verhalten stellt vor dem Hintergrund der Umweltpsychologie umweltgerechtes Handeln dar. Nach einer Einführung in die Thematik der (ökologisch-) sozialen Dilemmata soll im Rahmen dieser Arbeit die formalen Strukturen, psychologischen Fakten und Handlungsmotivationen von kooperativem Handeln und speziell der Einfluss von Kommunikation auf kooperatives Verhalten in Dilemma-Situationen beleuchtet werden. Kommunikation ist in zweierlei Hinsicht ein wichtiger Aspekt bei der umweltschonenden Behandlung einer Ressource: Zum einen ist Kommunikation als Komponente sozialen Wissens zu sehen und bildet so eine wichtige Grundlage für unser Handeln in Konflikten. Zum anderen bildet Kommunikation die Basis für individuelle Lösungsmodelle und trägt so zu umweltschonendem Problemlösungs-Verhalten bei. Beide Gesichtspunkte sowie die empirische Untersuchung von Jorgenson und Papciak (1980) zu dieser Thematik sollen in der vorliegenden Arbeit präsentiert werden.
Nachtrag:
Zum Zeitpunkt der Befragung in Bern und München wurden in den Städten die Heizkosten unterschiedlich abgerechnet: während in München überwiegend nach dem individuellen Verbrauch abgerechnet wurde, war in Bern der kollektive Abrechnungsmodus vorherrschend (z.B. die Aufteilung der Heizkosten nach der Wohnungsgröße). Der Öltank in Berner Mehrparteien-Mietshäusern stellte sozusagen eine Allmende dar, aus der sich jeder Mieter, subventioniert von den Nachbarn, bedienen konnte.
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2. Soziale Dilemmata
Allgemein beschreibt ein soziales Dilemma eine gesellschaftliche Konfliktsituation bei der sich zwei unterschiedliche Interessengruppen gegenüber stehen und zumindest eine Gruppe einer anderen auf Dauer schadet. Dawes, R.M definiert soziale Dilemmata wie folgt:
Mit dem Begriff „soziale Dilemmata“ werden Situationen charakterisiert, in welchen das Eigen- und das Kollektivinteresse auseinander klaffen. Es lassen sich damit so unterschiedliche Phänomene wie Teamarbeit, die Teilnahme an Streiks und Demonstrationen, die freiwillige Mitarbeit bei der Landesverteidigung, das Engagement in Interessenvertretungen, private Umweltschutzmassnahmen oder die Bewirtschaftung von Allmenderessourcen beschreiben. Jeder Beteiligte erhält durch eine nichtkooperative Handlung einen höheren Gewinn als durch eine kooperative Handlung, aber alle Beteiligten sind insgesamt besser gestellt, wenn sie kooperieren, als wenn jeder die egoistische Wahl trifft.
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3. Ökologisch- Soziale Dilemmata
Ökologisch-soziale Dilemmata sind eine Sonderform der sozialen Dilemmata, bei der nicht nur Menschen untereinander, sondern auch Mensch und natürliche Umwelt in charakteristischer Weise voneinander abhängen. Es handelt sich auch hierbei um Situationen, die sich durch die Diskrepanz zwischen individuellen und kollekti-
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ven Interessen auszeichnen. Viele Individuen nutzen eine gemeinsame, sich selbst begrenzt regenerierende Ressource, welche durch Übernutzung geschädigt und sogar ausgelöscht werden kann. Beispiele für klassische ökologisch-soziale Dilemmata, oder auch „Allmende-Klemme“ bzw. „commons dilemma“ genannt, sind der Fischfang in einem See oder die Abholzung der Regenwälder.
Im ökologisch-sozialen Dilemma ist neben dem bereits erwähnten sozialen Interessenkonflikt (social trap) die Falle durch eine zeitliche Verzögerung (temporal trap) von wesentlicher Bedeutung.
Messick und McClelland (1983) weisen darauf hin, dass die Handlungseffekte der Beteiligten erst zeitverzögert auftreten und somit von den Entscheidenden nur schwer abschätzbar bzw. später als Konsequenz des eigenen Handelns einzusehen sind. Innerhalb der Zeitfalle erscheinen den Beteiligten die Ereignisse, die in der Zukunft liegen, unwichtiger, unwahrscheinlicher und werden so abgewertet. Des Weiteren können in solchen Situationen räumliche Fallen (local trap) eine Rolle spielen. Vlek und Keren (1992) erklären damit, dass umweltschädigende Handlungen an einem Ort ausgeführt werden, die an anderen Orten negative Konsequenzen hervorrufen können; Gewinn und Verlust werden räumlich verteilt. Die Einleitung von giftigen Abwässern in einen Fluss bekommen oftmals erst die flussabwärts gelegenen Orte zu spüren. In ökologisch- sozialen Dilemmata stehen also den Interessen des Einzelnen langfristige Umweltschäden gegenüber. Gewinnmaximierung durch die intensive/ oft exhaustive Nutzung des Allgemeingutes hat schädliche Auswirkungen auf die Allgemeinheit.
4. Das Handeln in ökologisch- sozialen Dilemmata aus
handlungstheoretischer Sicht
Ökologisch- soziale Dilemmata sind also Situationen, in denen mehrere Personen eine sich selbst begrenzt regenerierende Ressource (z. B. den Baumbestand eines Waldes) gemeinsam nutzen. Dabei bestehen sowohl ein Anreiz als auch die Möglichkeit, dass Einzelne die Ressource mehr nutzen als andere. Wie zahlreiche empirische
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Kristin Parnitzke, 2006, Über die Bedeutung von Kommunikation und Kooperation in Ökologisch-Sozialen Dilemmata, Munich, GRIN Publishing GmbH
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