Inhalt
Einleitung 2
1. Grundlagen 3
1.1 Definition von Macht 3
1.2 Definition von Spiel 5
2. Funktionalität bzw Dysfunktionalität von Machtspielen in
Veränderungsprozessen am Beispiel der Verwaltungsreform in
Baden-Württemberg 6
2.1 Routinespiele als Hindernis für Veränderung 8
2.2 Innovationsspiele als Motor für Veränderung 10
2.3 Kritische Bewertung 12
3. Zusammenfassung und Fazit 14
Literatur 16
I
Einleitung
Häufig wird Macht in Organisationen mit negativen Aspekten in Verbindung gebracht. Machtverhältnisse, Machtbeziehungen oder Machtspiele werden oftmals mit Begriffen wie Intrigen, Machtmissbrauch, Egoismus, Konkurrenzverhalten, Falschheit etc. assoziiert. Dass Macht allerdings eine entscheidende und auch positive Erscheinung, die tagtäglich in organisationalen Prozessen auftaucht, sein kann, wird dabei oft vernachlässigt. Denn „in Organisationen tobt [nun einmal] das Leben. Sie sind Arenen heftiger Kämpfe, heimlicher Mauscheleien und gefährlicher Spiele mit wechselnden Mehrheiten, Strategien, Regeln und Fronten“ (Bogumil, Schmid 2001: 56). Vor allem bei der Untersuchung von Modernisierungsprozessen sollte dem Phänomen Macht und seinen Begleiterscheinungen eine wichtige Rolle zukommen.
Veränderungsprozesse sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Routinen und Alteinhergebrachtes in Frage stellen. Alte Machtverhältnisse geraten ins Wanken und neue entstehen. In diesem Zusammenhang spielen die verschiedenen Machtspiele, der jeweiligen Akteure, die am Modernisierungsprozess beteiligt sind, für dessen Gelingen bzw. Scheitern eine wesentliche Rolle.
Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedeutung diese Machtspiele in Modernisierungsprozessen haben und ob sie eher ein Hindernis oder ein Motor für Veränderungen darstellen. Zur Beantwortung der Fragestellung werden zunächst einige Grundlagen erklärt. Dazu gehört zum ersten die Definition von Macht und zum zweiten was unter Spielen in diesem Kontext zu verstehen ist und welche Besonderheiten sie aufweisen. Damit wird allgemein verdeutlicht, welche Bedeutung das Phänomen Macht und die damit verbundenen Machtspiele für Organisationen haben. Anschließend wird die Funktionalität bzw. Dysfunktionalität von Machtspielen in Veränderungsprozessen am Beispiel der Verwaltungsreform in Baden- Württemberg diskutiert. In diesem Zusammenhang wird auch die Unterscheidung von Machtspielen nach der Routine- und Innovationslogik näher erläutert. In einem weiteren Schritt erfolgt dann eine kritische Bewertung des Spielkonzepts. Den Schluss der Hausarbeit bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Fazit zur behandelten Thematik.
1. Grundlagen
Um die Bedeutung von Machtspielen in Veränderungsprozessen näher beleuchten zu können, müssen zunächst einige Grundlagen erklärt werden. So setzt sich „Machtspiel“ aus zwei wichtigen Komponenten zusammen. Zum einen aus dem Begriff Macht. Im Folgenden wird näher auf den Machtbegriff eingegangen und darauf, welche Bedeutung Macht in Organisationen allgemein hat. Zum zweiten Spiel. Im Abschnitt 1.2 wird definiert, was unter Machtspiel zu verstehen ist. Außerdem wird die wichtige Rolle der Spiele in den alltäglichen organisationalen Prozessen dargestellt.
1.1 Definition von Macht
Generell ist Macht im Konzept der Mikropolitik 1 eine wesentliche Komponente der Analyse kollektiven Handelns in Organisationen (vgl. Bogumil, Kißler 1998: 124). Aufgrund der Fülle von Definitionen des Machtbegriffes wird in diesem Abschnitt nur der Machtbegriff von Crozier/Friedberg erläutert.
Gemäß Crozier/Friedberg sind organisatorische Prozesse geprägt durch Machtbeziehungen. Macht zeigt sich in diesen Beziehungen als „die Fähigkeit von Akteuren, Ressourcen - wie Expertenwissen, Umweltbeziehungen, Kontrolle von Informations- und Kommunikationskanälen sowie die Nutzung von Organisationsregeln - für die eigenen Interessen zu mobilisieren“ (Bogumil, Schmid 2001: 58). Macht entsteht somit durch Austauschbeziehungen, die zwischen den Akteuren eines sozialen Systems bestehen und ist damit ein Ausdruck sozialen Handelns. Wer also eine für einen Akteur wesentliche Unsicherheitszone kontrolliert, besitzt Macht (vgl. Crozier/Friedberg 1979: 43).
1
Zum Begriff Mikropolitik gibt es eine Reihe von Definitionen. In Deutschland wurde der Begriff vor allem durch die Arbeiten von Bosetzky verbreitet. Dieser verstand unter Mikropolitik „die Bemühung, die systemeigenen materiellen und menschlichen Ressourcen zur Erreichung persönlicher Ziele, insbesondere des Aufstiegs im System selbst und in anderen Systemen, zu verwenden sowie zur Sicherung und Verbesserung der eigenen Existenzbedingungen.“ (Bosetzky , Heinrich 1980 : 154 ff. zitiert nach Ortmann u.a. 1990: 54). Weitere Definitionen lieferte unter anderem Tom Burns (zur weiterführenden Information siehe Micropolitics: Mechanism of Institutional Change 1961/62).Gemäß Crozier/Friedbergs Annahmen kann Mikropolitik „definiert werden als organisationstheoretisches Konzept, das [...] von der Perspektive interessenverfolgender Akteure ausgeht, um das Organisationsgeschehen als Gesamtheit von Struktur und Handlung verknüpfender Prozesse zu erklären, in denen Akteure organisationale Ungewissheitsbereiche als Machtquellen sichern und nutzen, um ihre Autonomiezonen aufrecht zu erhalten bzw. zu erweitern und die zugleich kollektives Handeln ermöglichen und regulieren“ (Brüggemeier/Felsch zitiert nach Bogumil, Schmid 2001: 69).
Diese Unsicherheitszonen werden nach Crozier/Friedberg durch 4 Machtquellen gebildet. Wie oben bereits erwähnt, ist eine dieser Unsicherheitsquellen der Besitz von spezifischen Sachwissen bzw. einer nicht ersetzbaren Fähigkeit oder Spezialisierung. Expertenwissen meint also die alleinige Beherrschung bestimmter Kenntnisse, Fähigkeiten oder Erfahrungen, die zur Lösung bestimmter Probleme für die Organisation von großer Relevanz sind. Dieses Wissensmonopol ermöglicht es dem Experten sich Vorteile und Privilegien im organisationalen Geschehen zu verschaffen (vgl. Crozier, Friedberg 1979: 51). Eine zweite Machtquelle ist die Kontrolle von Umweltbeziehungen. Jede Organisation ist in zweifacher Hinsicht von den Beziehungen zur ihrer Umwelt abhängig. Zum ersten braucht eine Organisation Inputressourcen der Umwelt (Personal, Material, Ausstattung etc.), um ihren Bestand zu gewährleisten und zum zweiten benötigt sie die Umwelt als Abnehmer für ihr Produkt oder ihre Dienstleistung. Deswegen kommt jenen, die eine dieser Umweltbeziehungen kontrollieren und beeinflussen können eine starke Machtposition zu. Die dritte Machtquelle nach Crozier/Friedberg ist die Kontrolle von Kommunikations- und Informationskanälen. Diese Unsicherheitszone entsteht dadurch, dass eine Person zur angemessenen Aufgabenerfüllung innerhalb der Organisation immer auch auf Informationen, die von anderen Stellen in der Organisation stammen, angewiesen ist. Die Art und Weise wie diese Informationen weitergegeben werden, ist somit ein wesentliches Machtmittel. Die letzte Unsicherheitsquelle, die Crozier und Friedberg erklären, ist die Nutzung organisatorischer Regeln. Organisationsregeln haben vornehmlich die Aufgabe die drei vorherigen Unsicherheitszonen zu vermindern. Dies gelingt ihnen aber nie vollständig und deshalb schaffen die Regeln neue Unsicherheitszonen, die dann von denjenigen ausgenutzt werden können, deren Handlungsspielraum durch den Regeleinsatz eigentlich eingeschränkt werden sollte. Das Vorhandensein dieser Machtquellen sagt allerdings nichts darüber aus, dass diese auch tatsächlich von den Akteuren genutzt werden. Gemäß Crozier/Friedberg ist Macht somit nichts Negatives, sondern die Grundlage jeder sozialen Beziehung, denn nur wer über Macht verfügt, kann handeln und sich somit Frei- bzw. Spielräume verschaffen (vgl. Bogumil, Schmid 2001: 59). Es gibt nach Crozier und Friedberg also kein völlig kontrollierbares System. Die Akteure besitzen auch bei starken Regelzwängen immer gewisse Freiräume, die sie in der Interaktion mit anderen Akteuren
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Melanie Thiem, 2005, Die Bedeutung von Machtspielen in Veränderungsprozessen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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