1
Inhalt
Einleitung 1
1. Erste Einsichten 2
2. Brüche in der Darstellung 4
3. Entscheidende Szenen 7
Ergebnis 9
Literaturverzeichnis
2
Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein „Frauendienst“. Textnah sollen die konsistenten Charakterzüge der Dame aufgezeigt und daraufhin untersucht werden, ob sich diese als bedeutsam für die Handlungen der Erzählung erweisen. Ferner soll überprüft werden, ob die Darstellung der Dame von kontinuierlicher Art ist oder ob sie möglicherweise durch Brüche gekennzeichnet ist. Gemeinsamkeiten in den Äußerungen der Figuren bezüglich der ersten Dame sollen aufgezeigt werden.
Die genannten Untersuchungen werden die Grenzen des Textes nicht verlassen, die Tatsache der Fiktivität der Erzählung soll keinerlei Beachtung erhalten. Bezüge zur Realität und mögliche Fragestellung diesbezüglich sollen innerhalb dieser Beobachtungen keine Berücksichtigung finden.
Handlungen und Verhaltensweisen der ersten Minnedame, die auf den wahrscheinlichen Verhaltenskodex des Mittelalters verweisen, sollen nicht in die Darstellung und Charakterisierung der Dame einfließen.
Die Nennung des Namen Ulrich von Liechtenstein verweißt im Folgenden stets auf die Figur Ulrich von Liechtenstein und nicht auf den Autor. Ausnahmen werden gekennzeichnet.
Diese Arbeit untersucht ausschließlich den ersten Minnedienst Ulrichs von Liechtenstein, ist in den Ausführungen von > Erzählung < die Rede, ist nur dieser Teil des Frauendienstes gemeint.
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1. Erste Einsichten
Ohne weitere Überlegungen und umfassendere Auseinandersetzungen bezüglich der Darstellung der ersten Dame, begegnet dem Leser zunächst die durchweg auffällig positiven Beschreibungen Ulrichs von Liechtenstein Minnedame: Si was zer besten ûz erkorn, si was von hôher art geborn, sî was schœne, sî was guot, sî was reiniclîch gemuot,
sî was kiusche, senfte gar, sî was minneclîch gevar:
von ir vil tugende wart vernomen:
si was an tugenden gar volcomen. 1 Diese Textstelle kann als stellvertretend für alle weiteren bestimmenden, konstant durch den Text gezogenen Darstellungen der Wesenszüge und des Äußeren der Minnedame Ulrichs von Lichtenstein verstanden werden. Andere kennzeichnenden Bezeichnungen sind unter anderem süeze, werde, hôchgemuot, wîz und zühte rîch. Bemerkt werden muss, dass diese Aufführungen jedoch einseitig aus dem Blickwinkel der zugetanen Figur Ulrich von Liechtenstein geschildert sind und keine Gültigkeit für den übrigen Rahmen der Charakterisierung der Dame darstellen. Für den Leser ergibt sich im Laufe der Erzählung ein dies ergänzendes anderes Bild. Weiteres hierzu im späteren Verlauf dieser Arbeit.
Weißt die erste Dame im überwiegenden Verlauf der Erzählung die Annäherungsversuche Ulrichs von Liechtenstein konsequent ab und akzeptiert ihre Rolle als Minneherrin nur widerstrebend, so ist zu bemerken, dass sie zu Beginn des Minnedienstes zunächst positiv auf ihn zu sprechen ist (Str. 44) und sogar seinen Minnedienst als ritterlich lobpreist (Str. 55). Nachdem sie aber erfährt, dass sie selbst die von ihm angebetete Minnedame ist, wehrt sie seine Bemühungen vehement ab (Str. 74ff). Die Aufnahme Ulrichs von Liechtenstein in ihren Dienst würde für sie einen Ehrverlust bedeuten und stellt überdies, aus ihrer Sicht, ein ohnehin zu hochgestecktes Ziel für ihn dar (Str. 76). Schon zu Beginn der Erzählung lässt die Dame erkennen, dass sie sich als Ulrich überlegen ansieht und ihn als ihrer nicht würdig versteht.
Diese ersten Einsichten in die Eigenarten der Dame lassen den Leser bereits verschiedene Ebenen der Berichterstattung in der Erzählung erkennen, in diesem
1 Ulrich’s von Liechtenstein Frauendienst. Hg. V. Bechstein, Reinhold. Leipzig 1888 (Deutsche Dichtungen des Mittelalters 6). Str. 15. Im weiteren Verlauf durch FD gekennzeichnet.
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Linda Kim Wegener, 2005, Zur Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst, Munich, GRIN Publishing GmbH
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