Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG 3
2. VOM ZUGPFERD ZUM THERAPEUTISCHEN HELFER-
GESCHICHTLICHER RÜCKBLICK 7
3. THERAPEUTISCHES REITE-N DAS PFERD IN MEDIZIN,
P ÄDAGOGI,K PSYCHOLOGIE UND SPORT 9
3.1 Krankengymnastik auf dem Pferd- Hippotherapie 10
3.2 Sportlich aktiv mit dem Pferd- Behindertenreitsport 11
3.3 Das Pferd in Psychologie und Pädagogik-
Heilp ädagogisches Reiten und - Voltigieren 12
3.3.1 Der Unterschied zwischen Voltigieren und Reiten 14
Excurs Situation des Therapeutischen Reitens im Ausland 16
4. THERAPEUTISCHES REITEN ALS UNTERSTÜTZUNG
F ÜR DIE SOZIALE ARBEIT 17
4.1 Positive Auswirkungen auf die personale
und soziale Integration 18
5. DIE ROLLE DES PFERDES 22
5.1 Das Beziehungserleben zum Pferd 23
5.2 Das Pferd als Partner 24
6. MENSCHEN MIT EINER GEISTIGEN BEHINDERUNG 26
6.1 Was bedeutet geistige Behinderung? 27
6.1.1 Das Erscheinungsbild einer geistigen Behinderung 30
6.1.2 Ursachen 31
6.1.2.1 Chromosomenanomalien 32
6.1.2.2 Metabolisch- genetische Ursachen 32
6.1.2.3 Ätiologisch unklare Ursachen 32
6.1.2.4 Exogene Formen 33
6.1.3 Auswirkungen 34
6.1.3.1 Der geistig behinderte Mensch in der Gesellschaft 34
6.1.3.2 Kommunikation und Interaktion 36
6.1.3.3 Entwicklung und Lernverhalten 38
6.2 Lebensqualität und geistige Behinderung 40
6.3 Die Rechtslage eines geistig behinderten Menschen 41
6.4 Zusammenfassung 43
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7. FÖRDERUNGSMÖGLICHKEITEN 45
8. HEILPÄDAGOGISCHES REITEN FÜR GEISTIG BEHINDERTE
MENSCHEN 47
8.1 Die Anfänge des heilpädagogischen Reitens 47
8.2 Warum heilpädagogisches Reiten für geistig Behinderte? 48
8.3 Zielsetzungen und Möglichkeiten beim heilpädagogischen
Reiten mit geistig Behinderten 49
8.3.1 Die ganzheitliche Förderung des Einzelnen
8.3.2 Lernprozesse
8.4 Voraussetzungen zur Durchführung des heilpädagogischen
Reitens mit geistig behinderten Menschen
8.4.1 Das geeignete Reittier
8.4.2 Die Ausrüstung des Pferdes
8.4.3 Der Ort der Durchführung- Reithalle/ Reitplatz
8.4.4 Der Reiter und seine Ausrüstung
8.4.5 Der Reittherapeut - - seine Ausbildung,
seine Aufgaben und sein Verhalten 65
8.5 Methodische Vorgehensweise
beim heilpädagogischen Reiten 69
8.5.1 Die emotionale Kontaktaufnahme zum Pferd
8.5.1.1
8.5.2 Von den ersten Übungen auf dem Pferd
8.5.3 Das Versorgen des Pferdes nach dem Reiten
8.5.4 Methodische Grundsätze
8.6 Grenzen des Heilpädagogischen Reitens 86
8.7 Zusammenfassung 87
9. ZUSAMMENARBEIT MIT ANDEREN INSTITUTIONEN 89
10. ZUR FINANZIERUNG DES THERAPEUTISCHEN REITENS -
LEISTUNGSERBRINGER UND KOSTENTRÄGER 91
11. SCHLUSSBETRACHTUNG 92
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1. Einführung
„(…)Das Spiegelbild, das uns das Pferd zeigt, sind unsere inneren unsichtbaren Stärken, Mängel und Schwächen. Das Pferd schaut hinter den Spiegel, es kann durchblicken und sieht, wie der Mensch hinter der Spiegelwand wirklich aussieht. Unser Spiegel zeigt nur die Äußerlichkeit, das Pferd ist für uns der Spiegel unserer Seele. Die Charaktereigenschaften, die wir zu verbergen suchen, erkennt das Pferd sofort. Trotzdem dient es uns treu, damit wir an ihm uns schulen und mit ihm zur Harmonie gelangen.“ (aus "Die Moderne Reitschule" von Selma Brandl) Menschen fühlten sich den Pferden schon lange eng verbunden. Seit etwa 1950 wird diese Verbundenheit zum Pferd zur Therapie und/oder Förderung beeinträchtigter Menschen in jeglicher Hinsicht, genutzt.
Mein Interesse an dieser Arbeit entstand in erster Linie aus meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Pferd und aus der Arbeit mit geistig behinderten Menschen. So habe ich beides miteinander ver-bunden, indem ich das Thema spezifisch auf das heilpädagogische Reiten mit geistig behinderten Menschen ausgerichtet habe.
Dabei interessierten mich besonders vier Fragestellungen:
1. Welche Möglichkeiten bietet die Arbeit mit dem Pferd für die Förderung der geistigen, körperlichen und seelischen Entwicklung bei Menschen mit verschiedenen Problemstellungen?
2. Warum stellt gerade das Pferd so einen wertvollen Therapiepartner für diese Menschen dar?
3. Welche Persönlichkeit verbirgt sich hinter dem „Menschen mit einer geistigen Behinderung“?
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4. Welche pädagogisch-psychologischen Zielsetzungen können bei der Förderung und Therapie von geistig behinderten Menschen mit Einbeziehung des Pferdes im Rahmen des Heilpädagogischen Reitens verwirklicht werden und wo sind die Grenzen bei dieser Förderungsmöglichkeit?
Ich selber schätze den Charakter des Pferdes seit 15 Jahren. Seit ich um die Faszination Pferd weiß, bin ich begeistert von seinem Wesen. Es stand mir selber schon in so manchen Situationen bei, gab mir Sicherheit und das Gefühl der Verbundenheit. Genauso gerne wie ich mit dem Pferd zusammen bin, so viel Spaß macht es mir, mit geistig behinderten Menschen zu arbeiten. Seit 2 Jahren arbeite ich stundenweise als Honorarkraft bei der Lebenshilfe, und zwar in einer Wohnstätte für geistig behinderte Menschen. Anfangs sehr skeptisch und mit einem komischen Gefühl, da ich auch zu den Menschen gehörte, die sich mit dem Thema „geistige Behinderung“ noch nicht auseinandergesetzt hatten. Erstaunlich für mich war, wie schnell mich diese Menschen in ihren Bann zogen. Ihre emotionale Ausdrucksfähigkeit und ihre Art auf Menschen zuzugehen, ohne jegliche Oberflächlichkeit, machten mir schnell klar, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung zwar „anders“ sind (wobei kein Mensch genauso ist wie ein Anderer), dass man sich aber erst dann eine Meinung bilden kann, wenn man diese Menschen wirklich kennen und schätzen gelernt hat.
Um einen näheren Einblick in die Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Pferd zu bekommen, gehe ich im ersten Teil meiner Arbeit auf diese ein. Der Rückblick bezieht sich sowohl auf die Zusammenführung von Mensch und Pferd, als auch im speziellen Sinne auf die Entstehung des therapeutischen Reitens. Der zweite Teil meiner Arbeit bezieht sich auf das therapeutische Reiten allgemein. Hier erläutere ich, in welche Bereiche das thera-
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peutische Reiten aufgeteilt ist und wie sich diese Bereiche unterscheiden. Zudem beschreibe ich in einem Excurs die Entstehung des therapeutischen Reitens im Ausland.
Im dritten Teil meiner Arbeit komme ich dann auf die Wirkung des therapeutischen Reitens auf das Klientel der sozialen Arbeit zu sprechen. Ich werde darauf eingehen, dass die fördernden Wirkungen der drei Bereiche des therapeutischen Reitens fließend sind und beschreiben, welche Einflüsse es auf die personale und soziale Integration des Menschen hat.
Im vierten Teil, also in Kapitel 5, kommt die Rolle des Pferdes zur Sprache. Ich werde darauf eingehen, warum gerade das Pferd dafür geeignet ist, in einer Therapie eingesetzt zu werden, welche Rolle es einnimmt und wie sich die Beziehung zwischen Pferd und Mensch verhält.
Der erste komplexere Teil ist Kapitel 6. Hier gehe ich spezifisch auf Menschen mit einer geistigen Behinderung ein. Ich werde versuchen den Begriff der geistigen Behinderung zu erläutern und auf das Erscheinungsbild, die Ursachen und die Auswirkungen der geistigen Behinderung einzugehen. Dabei werde ich unter anderem den Stand eines geistig behinderten Menschen in der Gesellschaft darstellen und welche weiteren Auswirkungen dieser Stand unter anderem bewirkt. Um zu erläutern, dass geistige Behinderung nicht gleich „nicht lebenswert“ bedeutet, werde ich in diesem Kapitel auch auf die Lebensqualität der Menschen mit einer geistigen Behinderung eingehen. Um zu verdeutlichen, dass diese Menschen genau die gleichen Rechte haben wie Menschen ohne Behinderung und damit einen gleichberechtigten Teil unserer Gesellschaft darstellen, spreche ich die Rechtslage der geistig behinderten Menschen als Abschluss dieses Teils an.
Als nächstes gehe ich auf die Förderungsmöglichkeiten geistig be- hinderter Menschen ein und das unter anderem als Übergangsthema
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für mein Hauptthema „Heilpädagogisches Reiten für geistig behinderte Menschen“.
Mein Hauptthema in Kapitel 8 bezieht sich spezifisch auf die Möglichkeiten und Grenzen des heilpädagogischen Reitens für geistig behinderte Menschen. Kurz werde ich auch auf die Anfänge des heilpädagogischen Reitens eingehen und im Anschluss daran erläutern, warum es gerade bei geistig behinderten Menschen so erfolgreich ankommt. Dann gehe ich detailliert auf die Zielsetzungen des heilpädagogischen Reitens ein, die allgemein auf die Gruppe und spezifisch auf den Einzelnen bezogen werden. Anschließend erläutere ich, welche Voraussetzungen zu beachten sind, um das heilpädagogische Reiten sinnvoll zu praktizieren. Ein weiterer umfangreicher Teil dieses Kapitels ist das methodische Vorgehen beim heilpädagogischen Reiten. In diesem Kapitel werde ich mich speziell auf die Bücher von Wilhelm Kaune und Marianne Gäng beziehen, da vor allem Marianne Gäng eine Pflichtlektüre für alle ist, die sich in der Arbeit mit Pferden verwirklichen. Zum Schluss dieses Kapitels zeige ich die Grenzen des heilpädagogischen Reitens auf, um darauf hinzuweisen, dass diese Therapie keine Wunder vollbringen kann, sondern wie fast jede andere pädagogische Therapie auch, eine Förderungsmöglichkeit ist, die Defizite verringern und Stärken fördern soll. Die letzten beiden Teile meiner Arbeit beziehen sich im Allgemeinen auf die Zusammenarbeit mit anderen Instituten und auf die Finanzierung des therapeutischen Reitens. Um das Thema auch in der Praxis kennen zu lernen und nachvollziehen zu können, habe ich ein paar Therapiestunden auf dem Feuler Hof (eine anerkannte Einrichtung des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten) in Marl (http://www.hof-feuler.de) beobachtet und mich mit den dort arbeitenden Therapeuten über das Thema auseinandergesetzt. Dabei konnte ich ein paar Stunden aus dem heilpädagogischen Reiten, Voltigieren und aus dem Behin-
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dertenreitsport beobachten. Ich habe aus diesen Gesprächen und/oder Beobachtungen ein paar Beispiele vom Feuler Hof in die Arbeit eingebracht.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, welche besonderen Möglichkeiten im Bereich der sozialen Arbeit mit dem Einsatz des Pferdes verwirklicht werden können und wie erfolgreich das in der Arbeit mit geistig behinderten Menschen einzuschätzen ist.
2. Vom Zugpferd zum Therapeutischen Helfer-geschichtlicher Rückblick
Die Partnerschaft von Mensch und Pferd ist eine uralte, archaische Beziehung. Die Menschen schätzen seit Jahrtausenden die Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit der Pferde. Trotzdem war die Beziehung zu Pferden damals eine andere als heute: Vor etwa 5000 Jahren wurde das Pferd gezähmt um im Dienste des Menschen eingesetzt zu werden. Vorerst diente es als Zugpferd in der Landwirtschaft, dann wurde es zum Ziehen von Streitwagen in vielen Kriegen benutzt. Etwa 500 v. Chr. wurde es als Reittier entdeckt. Man ritt es um Kriege zu führen. Die Syten, Hunnen und Ungarn - die Reitervölker - hinterließen Vernichtung, aber breiteten auch Kulturen aus.
Bereits 400 v. Chr. schrieb Xenophon ein Buch „Über die Reitkunst“, das immer noch unserer heutigen Auffassung von Dressur entspricht. (vgl. Vogel 1987, S. 25)
Die Anfänge des Therapeutischen Reitens lassen sich bis ins Altertum zurückverfolgen. Der Arzt Hippokrates beschreibt den „heilsamen Rhythmus“ des Reitens und ordnete es unter die „Exercitia universalis“ (allumfassende Übungen) ein. Im Mittelalter wurde das Reiten durch einige Ärzte als heilsames Exercitium im Rahmen der Gesundheitsfürsorge und Gesundheitspflege empfohlen. (vgl. Bausenwein 1984, S. 125)
Durch Schriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist festzustellen, wie positiv sich das Reiten auf den Menschen auswirken kann:
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„…denn es fördert die Verdauung und den Schlaf, es stärkt die Geistesmunterkeit und die Arbeitslust, die Lebens- und die Nervenkraft, die Herz- und Kreislauftätigkeit, die Haltung, bessert leiden der inneren Organe“ (Vogel 1987, S. 25) 1768 schreibt André Tissot:
„…es wächst der Muth und das Selbstgefühl… und der Geist erhebt sich gleichsam zu neuer Munterkeit durch das Reiten“ (Vogel 1987, S. 25)
Jedoch waren das eher Schriften die als vorbeugende Maßnahme des Reitens aufmerksam machten. (vgl. Bausenwein 1984, S. 125) Diese Erkenntnisse gerieten im Zeitalter der Industriezeit in Vergessenheit. Warum kann man nicht genau sagen. Lediglich durch Hufe-land wird im 19. Jahrhundert auf den Wert des Reitens und Reisens zu Pferde hingewiesen.
Der deutsche Neuropsychiater und Neurochirurg Ottfried Förster hat (laut Reiter- und Pferdelexikon von J. Nissen) 1904 auf einer Ärzte und Naturforschersammlung, das Therapeutische Reiten der „Öffentlichkeit“ vorgestellt. W. I. Lenin, sein prominentester Patient, soll nach einer durch Hirnschlag erlittenen Lähmung durch das „therapeutische Reiten“ wieder genesen sein. (vgl. Bausenwein 1984, S. 126)
Jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde man auf die therapeutischen Wirkungen des Reitens wieder aufmerksam und Ärzte in einigen europäischen Ländern haben damit begonnen, geschädigte Personen- wie Kranke, von Geburt an behinderte oder von Krankheiten bedrohte Menschen - aufs Pferd zu setzen (…) und die heilsame Wirkung des Reitens anzuwenden. (vgl. Jochheim/ van der Schoot 1981, S. 350) 1961 erschien die erste Veröffentlichung von Dr. med. Druschky über seine Arbeit mit kranken und behinderten Patienten auf dem Pferd in seiner Klinik in Bad Rappenau.
1965 gab Dr. med. Max Reichenbach einen Bericht über seine Arbeit auf dem Gebiet „Reiten als Therapie“ in Form des Buches „Reiten allein tut es nicht?“ bekannt.
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1970 war dann das wohl entscheidendste Jahr für das Therapeutische Reiten in Deutschland. Denn am 25.11. 1970 wurde das Kuratorium für Therapeutisches Reiten (KThR) als Dachorganisation für die Bundesrepublik und West Berlin gegründet. Es hatte das Ziel „…auf gemeinnütziger Basis die Bestrebungen für therapeutisches Reiten unter ärztlicher Aufsicht und Anleitung auf Bundesebene zu fördern, zu organisieren und zu unterstützen“ Damals sah man vor allem die Behandlung von Patienten auf dem Pferd und erst Jahre später wurde das Therapeutische Reiten in die drei Fachbereiche Medizin, Pädagogik und Sport unterteilt. In den folgenden Jahren schlossen sich immer mehr Mitglieder dem KThR an, zum Zeitpunkt des 4. Internationalen Kongress (1982 in Hamburg) waren es bereits um die 800 Mitglieder. In den folgenden Jahren wurden neue Reit-Therapie-Zentren gegründet und weitere Veröffentlichungen erschienen. Das therapeutische Reiten wurde 1973 auf der Equitana (Weltpferdemesse, die alle 2 Jahre in Essen stattfindet) vorgestellt und 1976 fanden erste gleichberechtigte Turniere (behinderte Menschen gegen nichtbehinderte Menschen) statt.
So wird das Therapeutische Reiten immer öffentlicher, Anerkannter und es gewinnt immer mehr an Bedeutung. (vgl. Vogel 1984, S. 29 ff.)
3. Therapeutisches Reiten- das Pferd in
Medizin, Pädagogik, Psychologie und Sport
Die Therapie (v. griech. „Dienst“) kommt aus der Medizin und bezeichnet Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Ziel einer Therapie ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion. (vgl. http://lexikon.freenet.de/Therapie, Stand03/06)
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Das Wort “Reiten” kommt aus dem Altertum und meint ursprünglich die Bewegung überhaupt (motus, exercitium). (vgl. Jochheim/ van der Schoot 1981, S.350) In der Bundesrepublik Deutschland wird das Therapeutische Reiten als Oberbegriff für die drei Fachbereiche Hippotherapie, Heilpädagogisches Voltigieren/ Reiten und den Behindertensport verwendet.
Diese drei Fachbereiche sind klar abzugrenzen und sie sind definitorisch klar gegliedert. Im Praktischen können sie sich allerdings überschneiden oder ineinander einfließen. Gemeinsamkeiten oder Übergänge kann man auch vom Therapeutischen Reiten zum allgemeinen Reitsport (Dressurreiten, Freizeitreiten, Schulsport etc.) beobachten. (vgl. Kaune 1993, S. 12)
3.1 Krankengymnastik auf dem Pferd- Hippotherapie
Die Hippotherapie ist eine medizinisch- therapeutische Maßnahme im Rahmen der Krankengymnastik. Diese Therapie wird vom Arzt verordnet und von einer/einem speziell weitergebildeten Krankengymnast/in praktiziert. Die Behandlung geschieht mit Hilfe des Pferdes als lebendes Sport- bzw. Übungs“gerät“ mit dem Ziel der Besserung oder Heilung von körperlichen Beeinträchtigungen/ physischen Krankheiten. Hierbei geht es also nicht um das Pferd oder um das Reiten an sich. So entstand auch der Begriff Hippotherapie die Behandlung mit dem Pferd.
Durch die Bewegung des Pferdes mit seinen verschiedenen Gangarten Schritt, Trab und Galopp werden vielfältige, vorwiegend lockernde, durchblutungsfördernde, kräftigende und anregende Effekte im gesamten Stütz- und Bewegungsapparat, den inneren Organen und dem Herz-Kreislauf-System, verursacht.
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Der Verlauf der Therapie ist für den Patienten passiv, seine Aufgabe ist es lediglich auf dem Pferderücken zu sitzen und sich den Schwingungen des Pferdes anzupassen. Diese werden auf sein Becken und seinen Rumpf übertragen. Durch die Anpassung an den Bewegungsrhythmus des Pferdes kommt es zu einem dauernden Wechsel zwischen An- und Entspannung, der dem der dynamischen Muskelarbeit vollkommen gleich kommt. Zeitgleich werden motorische Fähigkeiten wie z.B. Gleichgewicht geschult. Auf diese Weise erfahren z.B. gehbehinderte Personen die Vorstellung eines symmetrischen Ganges.
(vgl. Vogel 1987, S. 27; Hibbeler 2001, S. 2-3)
(Grafik 1, Heipertz 1977)
3.2 Sportlich aktiv mit dem Pferd- Behindertenreitsport
Der Reitsport mit Behinderten ist vergleichbar mit dem allgemeinen Reitsport (Dressur, Springen, etc.), mit dem Unterschied, dass die Reiter eine körperliche Behinderung, eine geistige Behinderung oder eine Sinnesschädigung haben. So können sogar Menschen, die eigentlich im Rollstuhl sitzen oder blinde Menschen mit einer bestimmten Sicherung in den Reitsport gehen. Das sportliche Reiten fängt auch hier bei der Grundausbildung an und führt bis zur Turnierreife. So haben die körperlich eingeschränk- ten Reiter die gleichen Möglichkeiten wie gesunde Menschen auch.
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Der Behindertenreitsport unterteilt sich dabei in 3 verschiedene Bereiche:
- Freizeitreiten und Voltigieren Diese Art und Weise des Behindertenreitsports wird am häufigsten genutzt. Sie findet an der Longe (beim voltigieren), in der Halle oder im Gelände statt. Hier stehen der Spaß am Reiten und der freundschaftliche Umgang mit dem Pferd im Vordergrund.
- Leistungssport
Hier nehmen die Reiter in Dressur, Springen, Voltigieren oder Vielseitigkeit an Turnieren teil, die gegen andere behinderte oder auch nicht behinderte Menschen stattfinden.
- Fahrsport
Mit umgebauten und speziell behindertengerechten Kutschen üben sich die Pferdesportbegeisterten Wettkämpfe gegen andere Kutschfahrer aus.
Die Betreffenden werden von Reitlehrern mit einer speziellen Weiterbildung angeleitet und unterstützt.
(vgl. Hibbeler 2001, S.4-5; Deutsches Kuratorium für therapeutisches Reiten 2005, VHS)
3.3 Das Pferd in Psychologie und Pädagogik-Heilpädagogisches Reiten und - Voltigieren
Unter dem Begriff „Heilpädagogisches Reiten/ -Voltigieren“ versteht man pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozio-integrative Maßnahmen für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit verschiedenen Problemen, Störungen oder Behinderungen, die mit Hilfe des Pferdes umgesetzt werden. Beim heilpädagogischen Reiten steht nicht die Ausbildung reiterlicher Fähigkeiten im Vordergrund, sondern die individuelle Förderung über das Medium Pferd. Der Umgang mit dem Pferd- darunter fallen die Pflege, Führübungen, mitunter auch Stallarbeit und das Reiten/ Voltigieren - fördert die Betreffenden ganzheitlich. Sie werden sowohl
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auf der körperlichen und geistigen Ebene als auch emotional und sozial angesprochen. Außerdem werden alle Sinne angeregt, davon besonders das Fühlen. Besonders bewährt hat sich das heilpädagogische Reiten/- Voltigieren bei Personen mit
- Geistiger Behinderung
- Lernbehinderung
- Verhaltensauffälligkeiten (auch ADS/ ADHS)
- Störungen in der emotionalen Entwicklung
- Sprachbehinderung
- Autistischen Verhaltensweisen
- Psychischen Störungen
- Psychischen und psychosomatischen Erkrankungen (vgl. Kaune 1993, S. 13- 14)
Wichtig beim heilpädagogischen Reiten sind der Kontakt zum Tier, sowie der Abbau bestehender Ängste gegenüber dem großen Tier. Dabei können Aktivitäten wie Putzen und Streicheln des Pferdes helfen. Bei Kindern gelingt dies häufig schneller, denn sie haben aus einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis heraus eine natürliche Zuneigung zu Tieren. Sie suchen den Kontakt mit dem Tier, wollen es lieben und geliebt werden. (Gäng 2004, S. 27)
Auf speziell ausgebildeten und geführten Therapiepferden werden unter Anleitung gymnastische Übungen durchgeführt. Die Bewegung des Pferdes wirkend lockernd, oftmals beruhigend und ausgleichend und lösen in vielen Fällen Ängste.
„Mensch und Tier verschmelzen hier dergestalt, daß man nicht zu sagen wüsste, wer denn eigentlich den anderen erzieht.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Der Rhythmus des Pferdes im Schritt- wenn es die Behinderung zulässt auch im Trab oder Galopp - spricht auf eine vielfältige Art und Weise die Wahrnehmung des Reiters an. Heilpädagogisches Reiten- oder Voltigieren kann von Pädagogen, wie auch von Erzieherinnen, Sozialarbeiter oder -pädagogen und von Psychologen mit einer entsprechenden Zusatzausbildung durchge- führt werden.
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3.3.1 Der Unterschied zwischen Voltigieren und Reiten
Beim Voltigieren bewegt sich das Pferd auf einem Zirkel von ungefähr 13m Durchmesser und läuft an einer Longe, die von einem Trainer, der in der Mitte steht, betätigt wird. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen machen gymnastische Übungen auf dem Pferd während das Pferd sich in allen drei Gangarten, Schritt, Trab oder Galopp, bewegt. Voltigieren kann auch mit mehreren Personen gleichzeitig ausgeübt werden (so dass zwei oder drei Menschen gleichzeitig und im Zusammenspiel gymnastische Übungen auf dem Pferd durchführen). Beim heilpädagogischen Voltigieren befindet sich oft und vor allem anfangs nur eine Person auf dem Pferd. Beim Reiten bewegt sich das Pferd in der ganzen Halle, auf dem Platz oder im Gelände und es finden keine gymnastischen Übungen auf dem Pferd statt. Anfangs wird man dabei meistens geführt oder longiert um Ängste abzubauen, was im heilpädagogischen Reiten öfter und länger der Fall ist. Später leitet man das Pferd alleine, also durch Zügel- und Schenkelhilfe. Dabei konzentriert man sich auf das Reiten an sich, auf die Gangarten des Pferdes sowie auf sich und das Pferd. (vgl. Kaune 1993, S.19)
Anhand der folgenden Darstellung soll das Therapeutische Reiten mit seinen drei Fachbereichen und vorhandenen Überschneidungen, noch einmal verdeutlicht werden.
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((Grafik 2) Schematische Darstellung der verschiedenen Bereiche im therapeutischen Reiten aus „Therapeutisches Reiten“ von Heipertz 1977)
Diese Darstellung verdeutlicht, durch die sich in der Mitte überschneidenden Kreise, sehr schön die fließenden Übergänge der drei Fachbereiche. Man kann erkennen, dass die Hippotherapie auch Elemente der Pädagogik, das heilpädagogische Reiten Elemente der physischen Rehabilitation und das Behindertenreiten beide Elemente beinhaltet.
Derjenige, der auf diesem Gebiet arbeitet, sollte sich immer auch in den anderen zwei Bereichen auskennen, (so kann man neue Ideen auffassen und erst manche Gegebenheiten, die sich vielleicht auf das eigene Klientel beziehen, verstehen und aufarbeiten.)
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Excurs Situation des Therapeutischen Reitens im Ausland
Die Dänin Lis Hartel ritt trotz bleibender Lähmung weiter, wurde durch olympische Erfolge gekrönt und diente somit zum Vorbild für das Reiten für behinderte Menschen, womit sie wohl das Interesse am Behindertenreitsport im Ausland weckte. Im Ausland findet das „Behinderten- Reiten“ bzw. „Riding for the Disabled“ zu rehabilitativen Zwecken seit ca. 1955 statt. Die skandinavischen Länder haben damit begonnen, vor allem die Dänen, Schweden und Norweger.
England und Kanada zogen gegen 1957 nach. In England wurde 1960 die Organisation „Riding fort he disabled Association“ unter dem Patronat von Prinzessin Anne gegründet. Die „Grange Farm“ in Chigwell/ Essex (Großbritanien) baute sich 1965 ein eigenes reittherapeutisches Institut auf, das „Riding Centre“. Der damalige Chefreitlehrer Davies dieses Institutes veröffentlichte 1967 das erste populäre - wissenschaftliche Buch über rehabilitatives Reiten „The Reins of Live“.
Holland hat seit 1968 nach einer mehrjährigen Erprobungszeit die Vereinigung „Förderation Paardrijden Gehandikapten (F.P.G.)“ gegründet. Dort werden in 20 Einzelstationen das Reiten als Therapie und Sport für Behinderte ermöglicht. Dann ziehen Frankreich 1970 und Belgien 1972 nach. Die Schweiz hat ihre Anfänge im Therapeutischen Reiten schon 1966 zu verzeichnen und auch in Österreich hat sich das Therapeutische Reiten durchgesetzt. Auch in der DDR beschreibt man es mit Erfolg und so hat es sich auch in weiteren, nicht europäischen Ländern durchgesetzt, wie z.B. USA, Australien, Indien, Israel, Neuseeland usw. (vgl. Jochheim/ van der Schoot 1981, S. 380 f; Bausenwein 1984, S. 126)
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4. Therapeutisches Reiten als Unterstützung für
die soziale Arbeit
Der Gegenstand der Sozialen Arbeit sind Menschen mit sozialen und psychischen Problemen. Die Probleme weisen dabei eine ebenso große Vielfalt auf - angefangen von psychischer und geistiger Behinderung über Abhängigkeit bis zur sozialen Isolation - wie die betroffenen Altersgruppen, die Nationalitäten und die sozialen Systeme, in denen die Menschen leben.
Der Umfang und die Qualität sozialer Unterstützung und Integration sind für die seelische und körperliche Gesundheit der Menschen von größter Bedeutung.
Gruppenbindungen fördern u.a. die Solidarität, geben dem Leben Sinn und dem Einzelnen soziale Unterstützung. Als soziales Wesen ist der Mensch zur Regulierung seiner Gefühle, Wünsche und Gedanken zwingend auf eine kulturelle und zwischenmenschliche Regulierung angewiesen.
In der Reittherapie werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die dieselben Probleme haben, wie man sie in der sozialen Arbeit vorfindet, „behandelt“.
Die Reittherapie als eine vorwiegend aktive Behandlungsmethode stellt eine Therapieform dar, die den Kranken, Verhaltensauffälligen oder Behinderten in seiner körperlichen und geistigen Ganzheit erfasst.
(Jochheim/ van der Schoot 1981, S. 359)
Da die Reittherapie ähnliche bzw. gleiche Ziele wie die soziale Arbeit verfolgt, kann sie als positive Unterstützung angesehen werden. Reittherapie soll zum einen zur Verbesserung der Physe (Hippotherapie) beitragen, zum anderen zur Erweiterung von sozialer und personaler Integration und zum Erfahren von weiteren Freizeitmöglichkeiten.
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4.1 Positive Auswirkungen auf die personale und soziale Integration
Nach Otto Speck (1999, S. 181ff) ist Integration ein zentraler strukturaler Begriff der in verschiedenen Humanwissenschaften verwendet wird. Dabei wird „Integration“ z.B. auf das physische Gesamtsystem des Organismus, auf das psychische System der Persönlichkeit oder auf das System der sozialen Eingliederung bezogen. Gemeint ist stets ein Zustand sinnvoll geordneter Zusammenhänge (Speck 1999, S. 181). Speck unterscheidet dabei zwei Formen der Integration, die personale und die soziale Integration:
Die personale Integration bezieht sich auf den Körper, die Seele und den Geist - also auf (…) das Zusammenwirken der psychophysischen Einzelprozesse des Individuums (…) (Speck 1999, S. 181)
Sie ist auf die Einheitlichkeit und Ganzheitlichkeit der menschlichen Persönlichkeit gezielt und somit auf das Finden des persönlichen Gleichgewichts und das Aufbauen eines „starken Ichs“. Die soziale Integration ist die Eingliederung des Individuums in die soziale Umwelt - in das gesellschaftliche Ganze. Es geht dabei um
- die Eingliederung in Rollensysteme und in soziale Bezüge,
- Status und Kompetenzerweiterung,
- Den Abbau sozialer Blockierungen,
- soziale Zugehörigkeit,
- Soziale Indentität, (…)
Soziale Integration ist die wechselwirkende Ergänzung der personalen Integration. (vgl. Speck 1999, S. 182) Bei der Hippotherapie erstreckt sich dass Klientel auf körperlich behinderte und/ oder eingeschränkte Menschen. Sie hat das voranginge Ziel der körperlichen Genesung. Durch die rhythmischen Schwingungen des Pferderückens, durch die variablen Beschleunigungs- und Verzögerungsmomente und durch die Zentrifugalkräfte, die sich durch das Reiten auf den Patienten übertragen, wird eine Lockerung muskulärer Verspannungen
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hervorgerufen, die Schulung der Stell- und Gleichgewichtsreaktionen, das Haltungs- und Bewegungsgefühl wird verbessert, sowie Koordination und Reaktion geschult und somit eine physische Verbesserung beim Klienten hergestellt. (vgl. Jochheim/ van der Schoot 1981, S. 358) Nicht nur durch den Faktor -Körper- wird die personale Integration gefördert, sondern auch dadurch, dass diese Art der Therapie positive „Nebenwirkungen“ auf die Psyche hat. Reiten vermittelt dem körperlich behinderten Menschen ein Gefühl des Wohlbehagens und der leichten Entspannung. Querschnittsgelähmte z.B. spüren auf dem Pferd dessen schaukeligen Gang, der den Beckenbewegungen des gesunden Menschen ähnelt. Rollstuhlfahrer sitzen hoch auf dem Pferd und fühlen sich gleichberechtigt, denn sie müssen nicht, wie sonst für sie üblich, hinauf schauen. Sie können sich hier, wie ihre gesunden Reiterkollegen auch, genauso leicht und schnell fortbewegen. (vgl. Mehls 1992, S.30)
Schnelle Erfolgserlebnisse die dem Patienten bewusst werden steigern deren Selbstvertrauen und den Willen mehr Erfolg zu haben und somit mehr Leistung zu erbringen. Die gewonnene Selbstsicherheit kann sich nicht nur auf das Reiten auswirken, sondern auch in anderen Lebensbereichen, da ihnen der Erfolg durch das Reiten zeigt, dass sie trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung etwas erreichen können. Somit wird die Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflusst. Der Patient entdeckt neue Interessen, seine Umwelterfahrung wird durch die neue Umgebung erweitert und darüber hinaus wird soziales Verhalten geübt, da sich die Therapie in einer Interaktion zwischen Therapeut, Pferd und Patient abspielt. Laut Jochheim und van der Schoot wird die Motivation eines Patienten bei keiner anderen Therapie- Methode so erreicht wie bei der Therapie mir bzw. auf dem Pferd. So wird aus einer Therapie, die sich hauptsächlich um die Verbesserung der physischen Behinderung konzentriert, eine Therapie die „nebenbei“ die personale und soziale Integration der Klienten fördert. (vgl. Jochheim/ van der Schoot 1981, S. 360)
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Der Behindertenreitsport richtet sich an Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung oder mit einer Sinnesschädigung. Das Hauptziel dieses Sports ist die soziale Integration geistig behinderter Menschen. Diese Menschen können mit einer besonderen Ausstattung und Sicherung an dem Tuniersport der Reiterei teilnehmen. Für die meisten von ihnen stellt es kein Problem dar, das Reiten oder Fahren zu erlernen. Blinde Reiter nutzen akustische Hilfen, geistig Behinderte sowohl optische als auch Akustische. Auf den Rollstuhl Angewiesene lenken für ihre Bedürfnisse umgebaute Wagen. Selbst Schwerbehinderte können mit besonderen Hilfsmittel und gut geschulten Pferden am Reitsport teilnehmen. Der Behindertenreitsport ist deshalb so besonders, da er eines der wenigen Sportarten ist, den Behinderte und Nicht- Behinderte gemeinsam ausüben können und mehr oder weniger gleichberechtigt gegeneinander in Turnieren starten können. (1976 war das erste Turnier im Reitzentrum Weißer Bogen, wo behinderten Reitern keine Gutpunkte gegeben wurden und sie somit in gleicher Konkurrenz zu den nicht- behinderten Reitern starteten (vgl. Vogel 1987, S. 32f)). Somit bietet der Behindertenreitsport gute Voraussetzungen der sozialen Integration. Hier fühlen sich körperlich oder geistig behinderte Menschen nicht ausgeschlossen oder als Randgruppe, wie sie es so oft in unserer Gesellschaft erleben. Auch in diesem Bereich der Reittherapie gibt es eine Wechselwirkung zwischen personaler und sozialer Integration. Die personale Integration wird dadurch angesprochen, dass das Reiten den körperlich und geistig behinderten Teilnehmern Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen gibt, vor allem wenn sie wettsportlich Erfolg haben. Genauso wie Nichtbehinderte erleben gehandicapte Menschen diesen Sport als befriedigendes, erfüllendes Hobby und als Möglichkeit zu sozialen Kontakten.
Zusätzlich bietet sich ein Ausgleich von behinderungs- bedingter Bewegungsarmut.
Beim Reiten erleben sie ungehinderte Bewegungsfreiheit auf "vier gesunden Beinen"
Arbeit zitieren:
Diana Kirstein, 2006, Therapeutisches Reiten als Methode in der Sozialen Arbeit - Möglichkeiten und Grenzen des heilpädagogischen Reitens für geistig behinderte Menschen, München, GRIN Verlag GmbH
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Therapeutisches Reiten - Das Pferd in Medizin, Pädagogik und Sport
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 15 Seiten
Der Prozess des Lesen- und Schreibenlernens und seine Umsetzung in der...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 13 Seiten
Das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren und das Medium Pferd in d...
Eine kritische Analyse des hei...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 85 Seiten
Diana Kirstein's Text Therapeutisches Reiten als Methode in der Sozialen Arbeit - Möglichkeiten und Grenzen des heilpädagogischen Reitens für geistig behinderte Menschen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Diana Kirstein hat den Text Therapeutisches Reiten als Methode in der Sozialen Arbeit - Möglichkeiten und Grenzen des heilpädagogischen Reitens für geistig behinderte Menschen veröffentlicht
Diana Kirstein hat einen neuen Text hochgeladen
Künstlerisch-ästhetische Methoden in der Sozialen Arbeit
Kunst, Musik, Theater, Tanz un...
Georg-Achim Mies, Mona Sabine Meis
Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit
Grundlagen und Arbeitshilfen f...
Hiltrud von Spiegel
Möglichkeiten der Selbstbestimmung im Arbeitskontext für Menschen mit ...
Jessika Wichmann, Cornelia Marx
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