Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Einf uhrung in die Thematik 3
1.2 Zielsetzung und Herangehensweise 4
2 Begrifflichkeit 6
2.1 Kultur 6
2.2 Identit at 8
2.3 Kulturelle Identit at 10
3 Die Konstruktion des Fremden 12
3.1 “Wir“ und die “Anderen“ 12
3.2 Eigenheit und Fremdheit 13
4 Kulturelle Identit at und Differenz 15
4.1 Fremdwahrnehmung 15
4.1.1 Kategoriale Denkmuster 15
4.1.2 Kulturelle Zuschreibungen 16
4.1.3 Differenz als Defizit 21
4.2 Selbstwahrnehmung 22
4.2.1 “’Der dritte Stuhl“’ 22
4.2.2 Differenz als Ressource 24
5 Schlussbemerkungen 26
5.1 Res umee 26
5.2 Stellungnahme und Ausblick 27
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1 Einleitung
1.1 Einf¨ uhrung in die Thematik
Der Mensch unterscheidet sich vom Tier grunds¨ atzlich durch sein Bewusstsein und die F¨ ahigkeit, eigenes Handeln reflexiv und kritisch zu hinterfragen. Als vernunftf¨ ahiges Wesen hat er nicht nur ein Selbstbewusstsein, das Wissen ¨ uber seine Existenz als Subjekt
innerhalb einer Gesellschaft, sondern auch ein Selbstbild. Dieses Selbstbild entspricht der menschlichen Identit¨ at, welche prozessual durch Faktoren wie Erziehung, Bildung, soziales Umfeld und Kultur beeinflusst wird. Kultur stellt damit potentiell einen Teil dieser Identit¨ at dar. Aufgrund unserer Identit¨ at werden wir als Individuum in unserer Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit wahrgenommen, aber auch einem Kollektiv durch scheinbar ¨ ubereinstimmende und gemeinsame Merkmale zugeordnet und dadurch identifiziert. Identifizieren wir einen Menschen lediglich aufgrund kultureller Merkmale, reduzieren wir ihn auf seine kulturelle Identit¨ at, indem wir ihm Eigenschaften zuschreiben, die wir f¨ ur eine bestimmte Kultur charakteristisch und typisch halten. Solche Zuschreibungen entstehen aufgrund eines vermeintlichen Wissens ¨ uber fremde Kulturen und basieren nur selten auf
eigenen Erfahrungen. Gewisse Eigenschaften werden von Menschen bestimmter Herkunft und Nationalit¨ at erwartet und vorausgesetzt und auf angenommene Zugeh¨ orige dieser Gemeinschaft ¨ ubertragen. Durch derartige Prozesse entstehen verzerrte Fremdbilder ¨ uber kulturelle Identit¨ aten, welche die identifikatorische Selbstwahrnehmung beeinflussen k¨ onnen. Die Art und Weise des Umgangs mit kultureller Identit¨ at und individueller sowie kollektiver Differenz im gesellschaftlichen Kontext kann h¨ ochst unterschiedlich sein, und sich abh¨ angig von Perspektive und Wahrnehmung als sehr problematisch erweisen. Die oftmals bestehende Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung resultiert in vielen F¨ allen aus Zuschreibungen, Vorurteilen und Formen rassistischen Handelns und Denkens.
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1.2 Zielsetzung und Herangehensweise
Die vorliegende Arbeit greift die eben angesprochenen Prozesse und Mechanismen wie Identifikation, Selbst- und Fremdwahrnehmung, (kulturelle) Zuschreibungen und Vorurteile auf, um M¨ oglichkeiten und Perspektiven des Umgangs mit kultureller Identit¨ at und Differenz darzustellen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage, wie die vermeintlich ¨ Anderen“ in ei-
ner illusionarisch homogenen Mehrheitsgesellschaft gesehen und empfunden werden, und auf welche Weise mit ihrer “Fremdheit“ umgegangen wird.
Dazu wird zun¨ achst gesellschaftlich-konstruierte Fremdheit und das psychologisch-begr¨ undete Bed¨ urfnis nach Zugeh¨ origkeit und Abgrenzung als zentrale Motive hinsichtlich des Umgangs mit Identit¨ at und Differenz thematisiert. Im Anschluss daran stellt diese Arbeit anhand diverser Beispiele heraus, auf welche Weise und mit welchen Konsequenzen ein solcher Umgang erfolgt. Einerseits soll hierbei der Aspekt der Fremdethnisierung und kultureller Zuschreibungen er¨ ortert werden, andererseits die kulturelle Selbstwahrnehmung und -verortung von MigrantInnen, wodurch eine differenzierte Betrachtung aus zwei Perspektiven - die der Selbst- und die der exemplarischen Fremdwahrnehmung - erzielt wird. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass zur besseren Gegen¨ uberstellung und Kontrastierung in dieser Arbeit darauf verzichtet wurde, innerhalb der jeweiligen Perspektive weiter zu differenzieren; das heißt Fremdwahrnehmung ist im Rahmen dieser Arbeit prim¨ ar im Sinne negativ-konnotierter Zuschreibungen zu verstehen, wobei Selbstwahrnehmung hier in erster Linie die positive Auslegung und Anerkennung kultureller Differenz meint. Nat¨ urlich k¨ onnen Zuschreibungen inhaltlich sowohl positiv als auch negativ gemeint sein, auch wenn eine Zuschreibung immer ein fremdbestimmtes und pauschalisierendes Moment enth¨ alt und aufgrund dessen als Art des Umgangs mit kultureller Identit¨ at nicht erstrebenswert sein kann. Das individuelle Selbstbild bez¨ uglich kultureller Identit¨ at und Differenz kann gleichermaßen positiv ( siehe 4.2.2 Differenz als “Ressource“), als auch negativ ausfallen, was auch von pers¨ onlichen Erfahrungen eines Menschen abh¨ angig ist, und durch Faktoren wie Erziehung, soziales Umfeld etc. beeinflusst wird.
Im Folgenden sollen zun¨ achst die Begriffe “Kultur“ und “Identit¨ at“ explizit hinsichtlich
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ihrer Definitionsm¨ oglichkeiten, Bedeutungsebenen und ihrer Verwendung in unterschiedlichen gesellschaftlichen und individuellen Kontexten und Diskursen betrachtet werden, um ein begriffliches Fundament f¨ ur die anschließende Auseinandersetzung mit dem Aspekt der kulturellen Identit¨ at zu schaffen.
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2 Begrifflichkeit
2.1 Kultur
Der Begriff “Kultur“ stammt vom lateinischen cultura ab(“Bebauung, Pflege“) und wurde urspr¨ unglich im landwirtschaftlichen Sinne in der Bedeutung “Anbau und Zucht von Pflanzen“ gebraucht (vgl. Wikipedia). In diesem Sinne bezeichnet die Kultur eine Lebensgemeinschaft von Organismen, die nach Plan vom Menschen geschaffen und meist mit einem k¨ unstlichen Lebensraum umgeben wird. “Kultur“ steht damit begrifflich im Gegensatz zur Natur und wurde in diesem Sinne bis ins 19. Jahrhundert verwendet, w¨ ahrend f¨ ur die heutige Bedeutung des Begriffes “Kultur“ mehrheitlich das Wort “Kunst“ seine Anwendung findet.
Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts, und auch viele Menschen heutiger Zeit, setzten Kultur gleich mit Zivilisation und grenzen begrifflich beides als der Natur gegens¨ atzlich ab. Anthropologisch betrachtet entspricht die Kultur der menschlichen Natur, wobei zwischen der materiellen und symbolischen Kultur (Schrift und Sprache) unterschieden wird; damit wird der Begriff “Kultur“ auch im ¨ ubertragenden Sinne f¨ ur die “Pflege des Geistes“ gebraucht. Hiervon ist die moderne und verbreitete Bedeutung “Lebensgestalt von Nationen, V¨ olkern und Gemeinschaften“ abgeleitet, das die typischen Lebensformen einer Gruppe und ihrer Wertvorstellungen bezeichnet. Im engeren Sinne versteht man unter der Kultur eines Volkes auch die Bereiche Sprache, Literatur, Geschichte, Religion, und Ethik, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung (vgl. Wikipedia). Wissenssoziologisch k¨ onnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame “Wissen“ kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen und Haltungen in bezug auf Verhaltensweisen, soziale Deutungsmuster, Weltbilder, gesellschaftliche Rollen ect. Der Kulturbegriff wird einerseits generell auf die Menschheit als ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumst¨ ande einer bestimmten Ethnie oder Region (zum Beispiel die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (beispielsweise die minoische Kultur). Auch wenn unter Kultur allgemein die
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Lebensformen und Lebensgewohnheiten eines Kollektivs zu verstehen sind, wird “Kultur“ im allt¨ aglichen Sprachgebrauch oft latent mit Religion und Tradition gleichgesetzt. Kultur wird alltagssprachlich h¨ ochst unterschiedlich verwendet; die einen verstehen darunter lediglich Kunstausstellungen und Veranstaltungen wie Oper und Theater; sie sprechen dann von einem “Kulturerlebnis“ und bezeichnen Menschen, die ihre Leidenschaft f¨ ur solche Dinge nicht teilen als “Kulturbanausen“. F¨ ur Kulturologen hingegen umfasst Kultur alles, was der Mensch an erworbenen Charakteristika besitzt, im Gegensatz zu den ange-borenen. Nach allgemeiner Auffassung wird Kultur als eine statische, mehr oder weniger in sich geschlossene Einheit betrachtet und bezeichnet seit je her spezifische, unverwechselbare Charakteristika eines Kollektivs. Diese besonderen Eigenschaften finden in Sprache, Br¨ auchen und ideologischen Werten Ausdruck und identifizieren ein Individuum als dieser Gruppe zugeh¨ orig oder nicht. Kultur ist begrifflich nicht als homogenes Konstrukt mit klar umrissenen Strukturen und einheitlichen Inhalten zu betrachten, sondern ist immer “eine Kultur des Vermischens“ und als Lebenswelt und Realit¨ at “in sich selbst multikulturell“ (Nghi Ha 2004: 37). Allein die Existenz der verschiedenen sich teilweise widersprechenden Interpretationsm¨ oglichkeiten von beispielsweise islamischen Glaubensgemeinschaften macht deutlich, dass Kultur im Sinne einer Homogenit¨ at fiktiv, und ihrerseits “ ...historisch, lokal, geschlechts-, klassen-, und altersspezifisch variabel kontextualisiert“ ist (Nghi Ha 2004: 40).
Den Kulturbegriff kann es dementsprechend als abstraktes Konstrukt nicht geben, sondern entsteht erst durch Realisation einer Lebensweise. Die Kultur eines Menschen, und vor allem die Art und Weise wie er diese in sein Leben und Alltag integriert und versteht, ist als logische Konsequenz h¨ ochst unterschiedlich, und steht im Zusammenhang mit der eigenen, unverwechselbaren Identit¨ at. Oder wie Jacques Derrida es sagte: “Es ist einer Kultur eigen, dass sie nicht mit sich selber identisch ist.“ (Das andere Kap)
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2.2 Identit¨ at
Beim Begriff der Identit¨ at handelt es sich um eine Ableitung aus dem lateinischen idem mit der Bedeutung “der/dasselbe“. Der Begriff gelangte zuvor auch als alter idem (“das zweite Ich“), sowie dem mittellateinischen idemptitas ¨ uber identitas (“Wesenseinheit“) und das
franz¨ osische identit´ e ins Deutsche. Zur gleichen Wortfamilie geh¨ oren Identifikation, Identifizierung, identifizieren sowie identisch. Die Bedeutungsinhalte werden im allt¨ aglichen Sprachgebrauch st¨ andig miteinander vermischt und synonym verwendet (vgl. Heinz 1993: 16).
Unter der Identit¨ at eines Menschen (oder einer Sache) wird h¨ aufig die Summe der Merkmale verstanden, anhand derer wir uns (sie sich) von anderen unterscheiden. Diese Identit¨ at erlaubt eine eindeutige Identifizierung im physiologischen Sinne. Eine solche physiologische Identit¨ at f¨ uhrt zur ¨ außerlichen Abgrenzung und Zugeh¨ origkeit; so impliziert unsere Identit¨ at beispielsweise, dass wir das Geschlechtsmerkmal m¨ annlich oder weiblich tragen. Hierbei ist eine eindeutige Zuordnung erforderlich. K¨ onnen wir eine Person diesbez¨ uglich nicht klassifizieren, sind wir verwirrt und haben Schwierigkeiten diese in ihrer Identit¨ at wahrzunehmen und anzuerkennen. Die Identit¨ at eines Menschen besteht darin, dass dieser Mensch als Subjekt erstens von anderen Menschen unterscheidbar ist, und dieser Mensch zweitens als derselbe/dieselbe identifizierbar bleibt, auch wenn er/sie sich ver¨ andert (Ver¨ anderlichkeit ist in diesem Sinne als menschliches Wesensmerkmal zu verstehen) (vgl. Heinz 1993: 16).
Psychologisch betrachtet besteht eine menschliche Notwendigkeit darin, sich in irgendeiner Weise selbst zu “identifizieren“. Eine Selbstidentifikation meint, ein Merkmal einer bereits bestehenden Gruppenidentit¨ at als eigenes Wesensmerkmal zu erkennen und anzunehmen. Auf diese Weise nehmen wir (unbewusst)einen Teil einer “fremden“ Identit¨ at an, weil wir uns in ihr “wiederfinden“ oder “erkennen“. Einerseits sind solche Prozesse notwendig und f¨ orderlich zur Pers¨ onlichkeitsentwicklung, vor allem in der Adoleszenz, andererseits implizieren solche Abl¨ aufe auch immer ein fremdbestimmtes Moment. Psychische Identit¨ at kann beispielsweise durch Gruppenzugeh¨ origkeiten oder Rollen bestimmt werden, wodurch eine
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Arbeit zitieren:
Nicole Borchert, 2005, Die Identität der 'Anderen' – Zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, kultureller Differenz und konstruierter Fremdheit, München, GRIN Verlag GmbH
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